Erste Impressionen der Osterbrunnen 2009
Obwohl der Brunnenmarkt erst morgen offiziell eröffnet wird und auch das Wetter heute sein übriges dafür tut, dass man lieber im Tockenen bleibt, hier die ersten Impressionen der toll geschmückten Osterbrunnen.
Fotos: © S.Peter
Parkplatz Markt

Parkplatz Markt, Foto: S.Peter
Heute morgen wollte sich Coburg-Life neben den Einkäufen am Markt auch die geschmückten Osterbrunnen für das Brunnenfest ansehen. Dabei wurden uns (mir und meiner Tochter) auf dem Markplatz fast die Puschen weggefahren. Samstag früh um halb zehn auf dem Coburger Markt – da kommt Rushhour Feeling auf !
Jeder muss am besten bis vor die Marktbude fahren, Fußgänger sind da Nebensache, speziell wenn wieder ein freier Parkplatz in Sicht ist. Diese sind übrigens, da nicht offiziell, recht kostengünstig (“umasünst”). Gerade in der oberen Judengasse oder hier direkt hinter den Buden am Markt wird das sehr gerne genutzt.
Da hätte ich doch mal eine Idee für die Marktleute: Bauernmarkt – Drive-Thru: Unten in der Rosengasse ordern, Kofferraum auf und am Markt einladen lassen. Bezahlt wird auf der Rückrunde in der Ketschengasse. So würde die Zeit sinnvoll genutzt, die die Fahrzeuge, die sich in der Karawane hier mitten durch den Kern Coburgs ziehen, sinnlos die Luft verpesten.
Jetzt aber mal Ironie beiseite: Ist es wirklich zu viel verlangt, im 100 Meter entfernten Parkhaus Mauer oder einem regulären Parkplatz in der Nähe sein Auto abzustellen, um anschließend in Ruhe einzukaufen ?
Coburger Künstler – Ferdinand Lepcke
Vor 100 Jahren starb einer der bekanntesten Coburger Künstler. Sein Name findet sich sogar in einem bekannten Internet-Lexikon und sucht man nach ihm in den bekannten Suchmaschinen, so finden sich zahlreiche Abbildungen seiner Werke.
Gemeint ist hier der Bildhauer Ferdinand Lepcke, der am 23. März 1866 in Coburg, im Hause Leopoldstraße 27, geboren wurde. Sein Vater Ernst betrieb dort eine Gastwirtschaft, welche später den Namen „Himmelsleiter“ und „Neue Welt“ trug.
Der junge Lepcke verlebte seine früheste Kindheit in der Leopoldstraße. Schon bald erkannte man sein künstlerisches Talent. Dieses zu fördern, machten sich seine Eltern zur Aufgabe. So schickten sie ihn nach Berlin, wo er im Atelier der Brüder Biber und an der Schule des Kunstgewerbemuseums seine Ausbildung zum Bildhauer erhielt.
Von 1882 bis 1892 studierte er schließlich an der Berliner Kunstakademie und war dort Schüler des Bildhauers Fritz Schaper von dem viele Denkmäler in Deutschland stammten. Ferdinand Lepcke wurde bald ein bekannter Künstler seiner Zeit und schuf zahlreiche Broncestatuen, Grabdenkmäler, Marmorbüsten und Denkmäler bedeutender Männer.
Bereits im Alter von 25 Jahren erhielt er 1891 den großen Staatspreis und wurde 1903 zum Professor ernannt. Im Jahre 1897 wurden in Berlin und in Bromberg / Westpreußen (heute in Polen liegend) seine ersten Werke aufgestellt. Dabei handelte es sich um die Statuen „Bildhauer“, einst vor der Berliner Nationalgalerie stehend, und die „Bogenspannerin“. Einen Abguss der „Bogenspannerin“ findet sich noch heute in Coburg, an der Bahnhofstraße. Dieser entstand 1908 und wurde vier Jahre später an der Ecke zur Itzanlage aufgestellt.
Doch es finden sich noch weitere Werke des Künstlers in Coburg. Auf Kosten des preußischen Staates schuf Lepcke im Jahre 1902 für die Stadt Bromberg den „Sintflutbrunnen“. Im gleichen Jahr machte Ferdinand Lepcke seiner Heimatstadt Coburg, mit der er sich besonders durch seine Zugehörigkeit zur Künstlerzunft St. Lukas verbunden fühlte, das Angebot, ihr das Gipsmodell dieses Brunnens unentgeltlich zu überlassen. Auch sollte ein zweiter Sintflutbrunnen in Coburg entstehen. Nach ersten Bedenken stimmten der Stadtrat und das herzogliche Staatsministerium 1905 der Idee Lepckes zu. Als Standort wählte man die sogenannte „Zollbauerswiese“, den heutigen Rosengarten Für dieses Modell nahm Lepcke geringfügige Änderungen vor und sicherte sich das geistige Eigentum. Für den Guss des Brunnens, den die Firma Gladenbeck in Berlin ausführen sollte, waren jedoch Monate erforderlich. Die Einweihung des Brunnens fand schließlich am 15. November 1906 in Beisein des Herzogspaares statt. Lepcke wurde in diesem Zusammenhang das Ritterkreuz 1. Klasse verliehen. Nach diesem Exkurs in die Geschichte des Sintflutbrunnens sollen nun auch seine anderen Werke vorgesellt werden. Von dem Künstler stammt nämlich auch die Bronzefigur „Heimkehr“ auf dem Ernstplatz. Ihre Aufstellung erfolgte 1908.
Eine lebensgroße Bronzestatue der Phryne, ein Werk das Lepcke bereits 1900 für eine Liegewiese am Schlachtensee in Berlin geschaffen hatte, findet sich im Hofgarten, in der Nähe des Kunstvereins. Dieser Abguss, der ursprünglich am Schillerplatz aufgestellt war, wird auf das Jahr 1908 datiert.
Über die zahlreichen Arbeiten Lepckes, die außer den bisher erwähnten in Coburg noch vorhanden sind, liegen genaue Aufzeichnungen im Stadtarchiv, bzw. in den Städtischen Sammlungen vor. Umfangreiche Ausführungen dazu bietet ein Führer von Coburg aus dem Jahre 1921, bearbeitet von Heinrich Langbein, und mehrere Hinweise in den Häuserbüchern Ernst Cyriacis. Dabei handelt es sich um kleinere Figuren aus Bronze oder Gips. Die Namensbezeichnungen lauten u.a.: „die Badende“, „am Bach“, „das böse Gewissen“, „die Wasserträgerin“, „Hero“, „Überrascht“, „Wiedersehen“ oder „Riesenspielzeug“.
Bemerkenswert ist noch die Figur des „Phidias“. Diese Plastik stellt den großen Meister der griechischen Bildhauerkunst dar und ist im westlichen Hofgartenpavillon (im Volksmund auch „Milchhäusle“ genannt) untergebracht. Bei diversen Musemsnächten kann sie besichtigt werden. Das Werk in Marmor befindet sich in der Berliner Nationalgalerie. Lepcke hat im Übrigen alle oben erwähnten Plastiken seiner Vaterstadt vermacht. Leider schlummern diese noch in den Depots der Städtischen Sammlungen und sind so der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Aus der näheren Umgebung ist allerdings noch ein Werk Ferdinand Lepckes bekannt. 1908 schuf er für den Bismarckturm in Hildburghausen ein Bronze-Relief, das noch heute das Bauwerk ziert.
Weitere Werke waren dem Künstler aber nicht mehr vergönnt. Ferdinand Lepcke starb am 12. März 1909 im Alter von 42 Jahren an einer Lungenentzündung in Berlin. Heute erinnern seine Schöpfungen an diesen bedeutenden Coburger Künstler. Sein Geburtshaus in der Leopoldstraße fiel in den 1980er Jahren einem Neubau zum Opfer.
Text: Christian Boseckert
Abbildungen:
1. Ferdinand Lepcke und sein Werk der Sinflutbrunnen (Sammlung Christian Boseckert)
2. Die Bogenspannerin in der Bahnhofstraße (Sammlung Christian Boseckert)
3. Die Bronzestatue “Heimkehr” auf dem Ernstplatz (Foto: Christian Boseckert)
4. Die Phyrene im Hofgarten (Foto: Christian Boseckert, 2008)
Blitzlicht: Heute vor 10 Jahren in Coburg
Nachdem Vesteblick gestern über den Beginn des Mauerfall vor 20 Jahren berichtete (>>> kick), warf heute Coburg-Life mal einen Blick zurück: Was war los in Coburg vor 10 Jahren. Diese neue Kategorie “Blitzlicht” wird es ab jetzt öfters geben.
Zunächst fällt auf, dass im März 1999 die Coburger Abrißbirne mal wieder kräftig unterwegs war. Große Teile der Von-Berg-Kaserne in der Neustadter Straße wird abgebrochen, um Platz für zwei Verbrauchermärkte und ein Fastfood-Restaurant zu machen.
Bereits am 17.März wurde der Schornstein der alten Coburger Hofbräu gesprengt, nachdem zuvor bereits die Nebengebäude abgebrochen wurden. Am 12.02. des gleichen Jahres wütete ja auch in den Morgenstunden ein Feuer im Hofbräuhaus, das dabei fast völlig ausbrennt (Beitrag auf iTV hier >>> klick).
Und zu guter Letzt beschloss genau heute vor 10 Jahren der Stadtrat mit einer Gegenstimme den gewerblichen Ausbau der Lauterer Höhe. Es dauerte ja nur 8 Jahre, bis der Spatenstich im März 2007 für den Gewerbepark auf der Lauterer Höhe erfolgte.
Der Neue Weg – Coburgs erste Umgehungsstraße
Studiert man alte Stadtpläne von Coburg, so stellt man fest, dass früher das Gelände zwischen der Itz von der Judenbrücke bis zur Frankenbrücke und bis hinüber zum Plattenäcker eine große Wiesenfläche war.
Auf einem Stadtplan von 1743 wird dieses Gelände als Angerwiese bezeichnet. Die heutigen Straßen „Sonntagsanger“ und „Neuer Weg“ bestanden damals noch nicht. Aber schon während des siebenjährigen Krieges zwischen Preußen und Österreich (1756-1763), wurde der Neue Weg auf Veranlassung des Prinzen Christian Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld angelegt. Dieser war ein Bruder des Prinzen Friedrich Josias, dessen Denkmal auf dem Theaterplatz steht. Christian Franz kämpfte auf der Seite Österreichs, wurde 1758 in Schlesien von den Preußen gefangen genommen und nach Coburg entlassen. Sein Vater, der damals regierende Herzog Franz Josias war zwar im siebenjährigen Krieg neutral, konnte aber die zahlreichen Durchzüge aller möglichen Kontingente durch Coburg nicht verhindern. Die fremden Truppen marschierten meist ohne Halt durch die Vestestadt und quartierten sich in den umliegenden Ortschaften ein. Wahrscheinlich erfolgte der Bau des Neuen Weges in der Absicht, für die weiteren Kriegsjahre die Märsche durch die Stadt nach Möglichkeit zu verhindern. Der Neue Weg erfüllte also ohne Zweifel schon im 18. Jahrhundert die Funktion einer Umgehungsstraße.

Die Villa Köppen, welche 1978 beim Ausbau des Stadtautobahn abgerissen wurde. (Sammlung Christian Boseckert)
Lange blieb der Neue Weg unbebaut. Auf einem Katasterplan von 1860 findet sich gerade ein Wohnhaus, welches an dieser Straße lag. Dieses Gebäude, im Jahre 1856 für den Hoftheaterregisseur Julius Rochow errichtet, steht in veränderter Form heute noch. Es ist das Haus Neuer Weg 6. Damit begann eine neue Ära in der Geschichte dieser Straße. Aus der einfachen Umgehungsstraße, an der Grünflächen, Keller und auch zwei Biergärten lagen, wurde auf einmal eine vornehme Chaussee, mit zahlreichen Villenbauten und einer Lindenallee. Ein Blick ins Adressbuch verrät, wer zur damaligen Zeit im Neuen Weg wohnte. Das waren beispielsweise hohe Militärs, Privatiers oder vermögende Kaufleute. Sie errichteten Villen – eine schöner als die andere. Zwei dieser Wohnsitze stehen heute unter Denkmalschutz nämlich das Gebäude Nr. 5 (1873 für die Generalmajorswitwe Mathilde von Stein erbaut) und Nr. 7 (1889 für den Kaufmann Nikolaus Schörner errichtet). Die prächtigste Villa, das spätere Parkhotel im Neuen Weg Nr. 2, steht allerdings heute nicht mehr. Das vom Berliner Privatier Theodor Köppen im Jahre 1865 errichtete Gebäude, wurde 1978 im Zuge des Ausbaues der Stadtautobahn abgerissen. Das gleiche geschah auch mit der ehemaligen „Wagnersbrauerei“, einer Gaststätte, im Neuen Weg 1. Sie war das letzte Überbleibsel der Bierbrauerei Friedrich Wagner, welche dort von 1864 bis 1896 existierte. Neben ihr gab es noch zwei weitere Brauereien: Die Bierbrauerei Heinrich Grasser (Neuer Weg 11, heute Firma Wein-Schuhmann & Ernst Kühner OHG; existent bis 1917) und die Coburger Hofbräu AG (Neuer Weg 13; existent bis 1982). Es scheint aus heutiger Sicht etwas merkwürdig zu sein, dass hier Brauereien neben hochherrschaftlichen Villen, seit an seit, standen. Aber anscheinend störte sich niemand an Geruch und Lärm.

Der Neue Weg Anfang der 1970er Jahre (aus "Stadt verkehrt" in der Lehrerzeitung "die untere anlage".)
Im Jahre 1974 begann das dritte Kapitel in der Geschichte des Neuen Weges. Aufgrund der Tatsache, dass die Altstadt und der Markt vom Durchgangsverkehr befreit werden sollte, kam es Überlegungen, eine westliche Umgehungsstraße, an der Stadt vorbei, zu bauen. Für dieses Vorhaben war der Neue Weg geradezu ideal. So beschloss der Coburger Stadtrat den Ausbau des Neuen Weges zu einer vierspurigen Stadtautobahn. Das dabei nicht nur historisch wertvolle Häuser verloren gingen, sondern auch ein Stück Lebensqualität für die Bewohner, muss hier nicht näher erläutert werden. Von der einstigen ruhigen Chaussee war nichts mehr übrig geblieben. Auch die zahlreichen Vorgärten an den Villen, fielen dem Bau der Stadtautobahn zum Opfer.
Zu guter letzt will ich noch auf die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf den Neuen Weg zu sprechen kommen. In den letzten Kriegstagen, im April 1945, wurde durch amerikanischen Artilleriebeschuss das Haus Neuer Weg 9 in Brand gesetzt. Da jedoch an den Itzbrücken Panzersperren aufgerichtet wurden, gelangte die Feuerwehr nicht an den Brandort und das Gebäude fiel dadurch der totalen Zerstörung zum Opfer. Nach dem Krieg errichtete an dieser Stelle die Evangelische Freikirche ein Gotteshaus, welches sie aber vor wenigen Jahren zugunsten einer neuen Kirche im Stadtteil Scheuerfeld, aufgab.
Text: Christian Boseckert





