Die Abrissbirne wütet wieder …

Judengasse 49 und 51, Foto: S.Peter, 2009

Judengasse 49 und 51, Foto: S.Peter, 2009

Am 15.April bereits hatte der Bau- und Umweltsenat nach einer Ortbegehung den Abbruch der Häuser Judengasse 49 und 51 – ehemals Elektro-Thau – an der Judenbrücke stattgegeben (siehe auch >>> Bericht der NP). Das Gebäudeensemble muss nun für die Errichtung von Studentenwohnungen Platz machen. Bei der Gestaltung hat sich die Stadt Coburg angabegemäß ein Mitspracherecht vertraglich gesichert.
Coburg-Life verschaffte sich heute im Rahmen einer kleinen Fahrradtour selbst einen Eindruck.

Auch wenn städtebaulich Einfluß auf das Äussere eines Neubaus genommen werden kann, so haben diese beiden Häuser eine historische Vergangenheit:

Das Anwesen Judengasse 51, Fachwerkhaus verschindelt, wurde 1861 für den Polizeikommisär Gottlob Schmidt als Privathaus von Edmund Berbig an der Stelle eines alten Stadels errichtet. Nach dem Tod des Kommisärs lies 1866 Pauline Schmidt, im Adressbuch Coburgs als Polizeikommisärswitwe ausgewiesen, das Vorderhaus um einen rückwärtigen Anbau erweitern und 1891 wurde das Vorderhaus aufgestockt. In diesem Jahr erwarb der Privatier Johann Baudler das Anwesen Judengasse 51 für 9600 Gulden.

1877 läßt der Sohn des Privatiers, Korbwarenfabrikant Fritz Baudler das Gebäude Judengasse 49 errichten. 1898 übernimmt Fritz Baudler auch das Nebengebäude Judengasse 51, nachdem 1888 sein Vater verstarb. Fritz Baudler verstirbt selbst 1920, die beiden Häuser fallen in den Besitz einer Erbengemeinschaft.

Die Korbwarenfabrik Fritz Baudler stellte seit 1877 dort Korbwaren, später Rohrmöbel her. Von 1927 – 1931 war der Korbwarengroßhandel Carl Büchner im Anwesenkomplex tätig, ab 1927 auch der Elektrogroßhandel Carl Jahn, später dessen Nachfolger Friedrich Thau. Der Elektrogroßhandel Thau war bis zur Schliessung der Firma in den Anwesen Judengasse 49 und 51 tätig.

Interessanterweise steht das Anwesen Judengasse 51 unter Denkmalschutz. Warum beim Bau von Wohnungen eine Sanierung denkmalgeschützter Gebäude nicht in Frage kommt, wissen nur Bausenat und Eigentümer allein.

2 Kommentare

  1. avatar

    Da muß ich schon mal echt überlegen, wo das eigentlich sein soll. Ein Winkel wo man nicht oft hinkommt.
    Tja und nach eigenen Fachwererfahrunen muß ich sagen. Eine korrekte Fachwerksanierung kann unglaublich teuer werden heutzutage.
    Solange es ist wie bei mir uns man muß es nicht als Sichtfachwerk sanieren mag es ja noch gehen. Es ist halt alles eine Kostenfrage.

  2. avatar
    cityratz

    Mal wieder eine große Sauerei. Ich frage mich warum aus den Fehlern der Vergangenheit nicht gelernt wird.
    Diese beiden Häuser tragen zur Geschichte und Stadtbild bei und haben über hundert Jahre sicherlich haufenweise Mieteinnahmen generiert – da ist es sehr unverständlich dass eine Sanierung unrentabel sein soll. Gerade solche Häuser machen den Charme einer Stadt aus und ich bin mir ziemlich sicher dass viele Studenten lieber in solch einem Haus bzw. Wohnung in einer Wohngemeinschaft mit Flair wohnen würden als in billig hingezimmerten Komfortwohnställen aus Sondermüll. (Laminat statt Holzboden, Rigipsplatte statt Stein… alles in Billigbauweise und nicht dafür ausgelegt auch nur 100 Jahre zu bestehen). Leute denkt nach. Es sind schon viel zu viele großartige Gebäude aus dieser Stadt verschwunden!!!!

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