Der Hahnfluss

Der Hahnfluss, Foto:S.Peter

Der Hahnfluss heute in Cortendorf, Foto: © S.Peter

Vielen jüngeren Leser wird der Name Hahnfluss überhaupt nicht mehr ein so geläufiger Begriff sein. Die noch jung gebliebenen Leser erinnern sich sicherlich an den Fluss, der mitten durch Coburg floß.

Der Hahnfluss war einst ein wichtiges Gewässer für die Gewerbetreibenden in Coburg. Handwerker, wie Gerber, Färber und Tuchmacher, aber auch Mühlen benötigten einen Wasserlauf mitten in der Stadt. Auch bei Feuer oder zur Be- und Entwässerung des Stadtgrabens bedurft es eines Wassergrabens. Einen solchen Wassergraben gab es aber nicht in der Stadt Coburg, die Itz war zu weit entfernt und barg ständig das Hochwasserrisiko, der Stetzebach war zu klein.

Der Hahnfluss auf Höhe der Schenkgasse (Zeichnung von Emil Maurer, im Privatbesitz Boseckert)

Zur Versorgung der Innenstadt wurde also ein Kanal oder besser Mühlgraben angelegt, der Han oder auch Hayn, später als Hahnfluss bekannt. Während sein Oberlauf aufgrund der vielen Schleifen von Itz und Hahnfluss eine natürliche Laufbildung vermuten lässt, ist sein Unterlauf von der Hahnmühle abwärts bestimmt durch Menschenhand angelegt worden, vermutlich bereits vor 1323, in diesem Jahr wird die „Haynmül“ erstmals urkundlich erwähnt.

Der malerische Hahnfluss am Lohgraben nach Hans Weberpals (im Privatbesitz Boseckert).

Der Hahnfluss zweigt oberhalb des Stadtteils Cortendorf von der Itz ab. Die Wehranlagen, was heute noch davon übrig ist, stammen aus den Jahren 1830/32, 1956 modernisiert. Vorher war das Wehr bedeutend einfacher und an einer anderen Stelle. Es wurde durch das Hochwasser der Itz häufig und meist auch stark beschädigt. 1830 wurde es sogar vollständig fortgerissen. Die Wehranlagen bestanden aus drei Wehren:

  • dem Überfallwehr an der ehemaligen Porzellanmanufaktur Cortendorf / Julius Griesbach, dieser Teil der Anlage ist nicht mehr vorhanden
  • der Rumpel, einer künstlich angelegte Steintreppe und
  • dem Schützenwehr mit Wehrhäuschen, dem sogenannten Feinstregulator

Durch diese Wehranlagen wurde der Wasserstand des Hahnflusses reguliert, ein Wehraufseher bediente die Schützen und beaufsichtige die gesamte Wehranlage. Neben dem Regulieren musste der Wehraufseher zudem im Winter das Einfrieren der Wehre verhindern.

Der Hahnfluss hatte vor seiner Verrohrung eine Länge von ca. 3.800 Meter auf einer Luftlinie von 2.750 Metern. Die wichtigsten Punkte 1954 waren:

  • Die Wehranlagen in Cortendorf (heute teilweise erhalten)
  • Die zwei (vormals drei) Eisteiche der Brauerei St.Scheidmantel, die vom Hahnfluss gespeist werden (die Eisteiche sind heute zugeschüttet)
  • Die Straße „Am Bach“ im Stadtteil Cortendorf (Schöpfstellen, Viehtränke, Enten- und Gänsewasser, Gerätehaus der Feuerwehr – Spülen der Schläuche – , Weidenwäsche der Korbmacher, Schwemmsand).
  • Der „Tote Arm“ (z.T. schon zugeschüttet!) mit der ehemaligen Pulvermühle.
  • Die Maschinenfabrik und Eisengießerei Langenstein und Schemann – 1863 als Ernsthütte gegründet.
  • Die Lohmühle (Mühlensteine am rechten Ufer) – die Lohmühle steht heute noch
  • Das Hindenburgbad (vormals „Städtische Schwimmschule“) mit dem sog. „Prinzbad“, noch früher „Badehaus“) – heute das Aquaria
  • Die ehemalige Eisbahn hinter dem Grundstück Wittmann, Rosenauer Straße 16 – 18.
  • Der Rittersteich mit der Kemenate (Rosenauschlösschen), Hoffischerei – hier kann man den Verlauf anhand des Fußweges sehr gut erahnen
  • Das Speisegasthaus Schröck (Versorgung der Fischkeller) – heute Costas Taverne
  • Die Hahnmühle (Eichpfahl noch vorhanden!) – ehemaliges Simpl und Fleischerei Rose
  • Das Hahntor (1465 errichtet und 1803 abgebrochen)
  • Die Gerbergasse (alte Gerberhäuser).
  • Das städtische Triebwerk (vormals „Globuswerke“, vormals „Ennersmühle“).
  • Der Schenkensteg (Coburgs „Klein-Venedig“).
  • Der Lohgraben mit dem Kindlesbrunnen.
  • Die ehemalige städtische „Badstube“ im Haus der Färberei und Reinigungsanstalt Mundt, Badergasse 11.
  • Die Stadtmühle (Quickersmühle, auch „Stücklesbrotmühle“ im Volksmund genannt).
  • Fisch-Zetzmann, jetzt Rosengarten und Kaden, Mühlgasse.
  • Die Walkmühle (Halbmühle), Walkmühlgasse, Webergasse.
  • Die letzte Gerberei: Lederwaren-Dietz, Judengasse 50
  • Die Schöpfstelle an der Löwenstraße (Treppe) mit den zwei alten Steinbänken.
  • Die einstige Fortführung des Hahnflusses durch die Victoriastraße zum Ketschentor.
  • Die Einmündung des Hahnflusses in die Itz an der Judenbrücke

Der Zusammenfluss von Itz und Hahnfluss an der Judenbrücke (Sammlung Christian Boseckert)

1965 wurde durch den Coburger Stadtrat die Verrohrung des Hahnflusses beschlossen, Am 12. Februar 1967 wurde im Stadtgebiet, im Stadtteil Cortendorf bereits 1958 mit den Verrohrungsarbeiten begonnen.

Das überirdische Ende des Hahnflusses, Foto: © S.Peter

Heute kann man noch einen kleinen Teil des Hahnflusses sehen, der überirdische Teil endet in Cortendorf am ehemaligen kleinen Eisteich, ein Teil wird über eine große Rumpel in die Itz hinter der Brauerei St.Scheidmantel geleitet, der Rest des Mühlgrabens fliesst durch die Verrohrung.

Zum Thema Verrohrung des Hahnflusses gibt es übrigens bei iTV-Coburg einen interessanten >>> Filmbeitrag von 1967 zu sehen.

Der Hahnfluß war nicht der einzige Mühlgraben in Coburg. Dazu später jedoch mehr ….

1 Kommentar

  1. avatar

    Da bin ich aufgewachsen – zwischen Hindenburgstrasse Lohgraben und Badergasse. Wenn ich mich aber zurück erinnere, denke ich, dass die Hahnmühle rechts neben dem Sportladen in der Badergasse auf dem Ladehof des Kaufhofs war. Dort haben wir immer abgekürzt, wenn wir zum Hofbräuhaus (Kinderfasching) gelaufen sind, dass auf Gelände des jetztigen Kaufhofs stand. Der Hahnfluss war nicht besonders tief und ein beliebter Spielplatz für die Kinder. Ja, der Bericht und die Bilder wecken Kindheitserinnerungen bei mir. Danke!