Aus der Häusergeschichte des Gebäudes Löwenstraße 22

Dokumenation der Abbrucharbeiten am Hause Löwenstraße 22 im Jahre 2009 (Foto: Christian Boseckert)
Etwas unbemerkt von der Allgemeinheit, wurden Teile des alten Gesundheitsamtes in der Löwenstraße im Jahre 2009 abgerissen. Damit soll das Areal rund um die Rückertschule neu aufgewertet werden. Der denkmalgeschützte Altbau an der Löwenstraße blieb von diesen Abbrucharbeiten aber verschont. Welche Geschichte kann nun dieses Gebäude vorweisen?
Diese lässt sich bis 1882 zurückverfolgen. Damals errichtete der Baumeister Bernhard Brockardt auf einem zur Lautermühle in der Mühlgasse gehörenden Feld, eine Villa, die ihm wohl als Spekulationsobjekt diente. Erst 1895 findet sich im Häuserbuch von Ernst Cyriaci mit der Rechtsanwaltswitwe Berta Albrecht die erste Eigentümerin von Haus und Garten. 1911 erwarb der Pferdehändler Emanuel Seligmann das Anwesen. Die Familie Seligmann war jüdischen Glaubens und verließ Coburg noch vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. Über ihren weiteren Verbleib ist nichts bekannt. Das Seligmann´sche Haus besaß jedoch bereits eine Tradition als ein Hort des Coburger Gesundheitswesens. Schon 1928 betrieb der Hoftierarzt Dr. Theodor Schwesinger im Erdgeschoss des Hauses eine Praxis. Schließlich gelangte das Anwesen im Jahre 1934 in den Besitz des Zweckverbandes Coburg zur Bekämpfung der Tuberkulose. Der Verband richtete in den Räumen eine Tuberkulose-Fürsorgestelle ein, welche von dem Lungenarzt Dr. Erich Kaebsch geführt wurde. Erkrankte konnten sich dort von Mittwoch bis Freitag von 9 bis 11.30 Uhr vormittags und 15.30 bis 17.30 Uhr nachmittags behandeln lassen. Aus dieser Einrichtung entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg das Coburger Gesundheitsamt. In dieser Zeit fielen auch die ersten Umbauten am Haus an. So wurde die zweigeschossige Veranda auf der Rückseite abgebrochen und an deren Stelle jeweils ein Raum in beiden Geschossen angebaut. 1940 erfolgte die Anlegung eines Luftschutzkellers, direkt unter dem Haus. Als der Freistaat Bayern das Gebäude übernahm, erfolgten grundlegende Umbauten. 1954 wurde das Gebäude für die Zwecke des inzwischen gegründeten Staatlichen Gesundheitsamtes durch einen zweigeschossigen Anbau an der Südwestseite erweitert. Gleichzeitig erfolgte die Einebnung des Gartens zugunsten von Parkplätzen. Das Gesundheitsamt blieb bis 1979 in der Löwenstraße ansässig. Danach zog es in einen Neubau an der Neustadter Straße, in dem es bis heute noch zu finden ist. Aber die alten Räume blieben in der Folgezeit nicht leer. Nach einem Brand in der Lutherschule im Jahre 1978 verlegte man die gemischte Grundschule in das Haus an der Löwenstraße, nach dem eine Generalsanierung des Schulhauses am Albertsplatz unumgänglich war. (Sanierungszeit 1983 bis 1989). Untergebracht waren damals in dem Neurenaissance-Bau die Zimmer der 1. und 2. Klasse, sowie das Direktorrat, das Hausmeisterbüro und ein Musikzimmer Bis 1988 wurden hier Grundschüler unterrichtet. Danach übernahm die Rückertschule die Räume und benutzte sie ebenfalls als Klassenzimmer. In den 1990er Jahren erfolgte die Vermietung des Hauses an die Volkshochschule Coburg, die darin diverse Veranstaltungen abhielt.

Vorderansicht des Hauses Löwenstrasse 22 (Foto: Christian Boseckert, 2007)
2008 beschloss der Coburger Stadtrat das Areal rund um die Rückertschule neu zu gestalten. In diesem Zusammenhang wurde auch der 55 Jahre alte Neubau des Anwesens Löwenstraße Nr. 22 abgebrochen. Es bleibt abzuwarten, was in Zukunft dieses Gebäude an Unternehmungen beherbergen wird.
Text und Fotos: Christian Boseckert
Der Mehrwertsteuer-Traum

Der Mehrwertsteuer-Traum, Foto: © S.Peter
Der Wahlkampf zur Bundestagswahl ist in vollem Gange und die verschiedenen Wahlkampfthemen werden in den Medien breitgetreten. Das Thema Mehrwertsteuer-Erhöhung wird interessanterweise nicht angefasst, wird wohl eine Erhöhung nicht auf 20%, sondern eher Richtung 22% zielen, Wirtschaftsexperten fordern sogar eine Mehrwertsteuer von 25%, um den Schuldenabbau zu finanzieren (allerdings mit gleichzeitiger Entlastung – wie soll das denn gehen?).
Im übrigen würden sich 25% auch leichter rechnen lassen
Da wäre doch die derzeitige Diskussion in der Schweiz um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 8% eher ein Mehrwertsteuer-Traum für uns Deutsche als ein Trauma. Da sieht man mal wieder, was ein Buchstabe so alles ausmachen kann.
Die Heiligkreuzbrücke
Am 17. Mai 1956 eröffnete der damalige Coburger Oberbürgermeister Dr. Walter Langer die neu erbaute Heiligkreuzbrücke, welche heute ein wichtiges Glied für den innerstädtischen Verkehr darstellt.
Durchaus war sie nicht das erste Brückenbauwerk an dieser Stelle. Bereits im Jahre 1398 errichtete man dort einen Holzsteg, der 1465 durch die erste steinerne „Heiligkreuzbrücke“ ersetzt wurde. Diese bestand bis 1552 und wurde durch eines der vielen Hochwässer der Itz völlig weggerissen. Danach begann man mit dem Bau einer neuen Steinbrücke, die im Jahre 1618 nochmals neu errichtet werden musste und die dann bis 1955, in veränderter Form, erhalten blieb.
Schon früh war die Heiligkreuzbrücke ein wichtiges Verkehrsbindeglied. Hier überquerten im Mittelalter Nürnberger Kaufleute, auf der alten Handelsstraße nach Leipzig, die Itz über einer Furt. So war es der Verkehr, welcher erst mit Pferdewagen und Kutsche, später motorisiert, der Brücke stark zusetzte.
1893 erfolgte eine Verbreiterung der Fahrbahn auf neun Meter. Man wollte dem bevorstehenden Automobilzeitalter Rechnung tragen. Doch die Heiligkreuzbrücke blieb eine Engstelle auf der jetzt durch Coburg führenden Reichsstraße 4 (später Bundesstraße 4).
Mit dem stetig steigenden Autoverkehr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rückte nun die Heiligkreuzbrücke ins Blickfeld der Coburger Verkehrsplaner. Verschiedene Varianten wurden da diskutiert zum Beispiel die Einführung der Einbahnstraßenregelung für die Kasernenstraße, die Installierung einer Ampelanlage (das wäre die erste in Coburg gewesen) und schon den Neubau einer Brücke.
Doch erst ein Unglücksfall sollte dort eine tief greifende Veränderung hervorrufen. Am 27.April 1951 verlor ein LKW-Fahrer aus Lichtenfels unter Alkoholeinfluss auf der Brücke die Kontrolle über sein Fahrzeug. Dabei kam er auf den Bürgersteig und quetschte einen dort gerade befindlichen Fußgänger gegen das Brückengeländer. Unter der Wucht des Aufpralls brach dieses Geländer zusammen und stürzte mit dem Fußgänger in die Itz. Der Passant konnte später nur noch Tod aus dem Fluss geborgen werden. Zwei weitere Fußgänger wurden bei diesem Unfall schwer verletzt. Dies war jedoch nur der Höhepunkt einer Reihe von Unfällen. Die Coburger Stadtpolizei registrierte in der Zeit von April 1947 bis April 1951 dort 15 Verkehrsunfälle.
Die Stadt sah sich nun gezwungen Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen. Bereits im Januar 1952 wurde ein Notsteg für Fußgänger, neben der alten Heiligkreuzbrücke in Betrieb genommen. Damit sollte die Sicherheit der Passanten gewährleistet werden. Gleichzeitig wurden durch die Untersuchungen des Coburger Ingenieurs Carl-August Einbeck festgestellt, dass die Brücke nur noch Lasten bis zu sechs Tonnen aushalten könnte.
Im Coburger Stadtrat diskutierte man daraufhin verschiedene Möglichkeiten, wie man weiter mit diesem Verkehrsnadelör verfahren sollte. Doch man sah bald ein, dass nur ein Brückenneubau dieses Problem zu lösen vermochte.
Nach dem Stadtratsbeschluss begann Anfang September 1955 der Abbruch der alten Heiligkreuzbrücke. Unter den Augen von zahlreichen Schaulustigen ging man mit zwei Presslufthämmern und einem Löffelbagger, der Unterwasser in der Itz verankert wurde, dem Bauwerk zu Leibe. Nach zehn Tagen war von der alten Brücke nichts mehr zu sehen. Am 27. Oktober 1955 wurde schließlich feierlich der Grundstein für die neue Brücke, die bereits nach fast sieben Monaten fertig gestellt wurde, gelegt.
Mit dem Bau der Brücke beauftragte die Stadt die beiden Baufirmen Lenz & Co aus Nürnberg und Paul Wischniowsky aus Coburg. In dieser siebenmonatigen Bauphase wurden in 41.000 Arbeitsstunden 855 m³ Beton, 1180 m³ Kies, 275 Tonnen Zement, 65 Tonnen Baustahl und 150 m³ Holz verbaut. Das Brückengeländer, welches noch heute eine Gesamtlänge von 86 Metern aufweist, fertigte die Schlosserei Beuermann an. Die Gesamtkosten des Bauwerkes betrugen etwa 300.000 DM.
Auch technisch ist die jetzige 60-Tonnen-Brücke ihrem Vorgänger bei weitem überlegen. Ihr mittlerer Durchfluss beträgt 18 Meter. Damit hat sie einen Wasserdurchlass von 18 m³/sec. In der Mitte besitzt die Brücke eine Stärke von einem Meter (an den Rändern von 80 cm). Ihre Länge beträgt 40 Meter und in der Breite misst sie 16 Meter, wovon neun Meter die Fahrbahn und sieben Meter die Fußgängerwege ausmachen. .
Mit der Eröffnung der Heiligkreuzbrücke im Mai 1956 wurde auch ein Gedenkstein enthüllt, der sich am Brückenkopf vor der Heiligkreuzkirche befindet. Der Stein mit seinen Maßen 60x90x120 cm wurde von dem Coburger Bildhauer Willi Krämer geschaffen. Er zeigt an den Breitseiten zwei Motive: Einmal eine Christopherus-Darstellung auf der einen und auf der anderen Seite das „Motiv am Wasser“. Auf den beiden Schmalseiten ist, zur Heiligkreuzkirche hin, das Erbauungsjahr der Brücke (1955/56) zusammen mit dem Stadtwappen, dem Coburger Mohr, während zur Itz hin die Geschichte des Bauwerks erzählt wird.
Die besten Wünsche, die Oberbürgermeister Langer bei seiner Festrede 1956 der Heiligkreuzbrücke mitgab, sind bis heute in Erfüllung gegangen. Die Zahl der Unfälle ist dort deutlich zurückgegangen und auch die Hochwässer von 1967 und 2003 konnten der Brücke keinen ernsthaften Schaden zufügen. So bleibt zu hoffen, dass dies bis in die weite Zukunft hinein Bestand haben wird.
Text: Christian Boseckert
Sei du das Monster

Sei du das Monster, Foto © S.Peter
Die Museumsnacht ist vorbei, Masken und Monster sind dem Tag gewichen. Auch diesmal war es wieder ein Erlebnis, die Museumsnacht fand wieder sehr großen Zuspruch und auch das Wetter hat mitgespielt. Bleibt zu hoffen, dass viele Besucher auch ohne Museumsnacht die eine oder andere Ausstellung besuchen werden.
Uns hat es auf jeden Fall gefallen und wir freuen uns schon auf 2010. Dewegen gibt es auch gleich ein paar Impressionen …
Das Taschengrammophon

Musik am Bahnhof, Foto: © S.Peter
Neulich musste Coburg-Life einen ungeplanten Zwischenstopp am Hauptbahnhof Hannover einlegen. Der Bahnhof in Hannover gibt ja nun zum Schlendern einiges her (zumindest wesentlich mehr als der Coburger Hauptbahnhof, was eigentlich auch nicht so schwer ist). Bei eben genau diesem Schlendern hörte ich plötzlich Töne von Harold Arlens “Over the Rainbow” (nein, nicht die Techno-Version von Marusha, sondern das Original aus den 30zigern), gespielt und gesungen von einem Duo. Nicht nur ich lauschte diesen Klängen, nein, um die beiden Musiker hatte sich bereits ein Publikum versammelt, welches trotz oder gerade wegen der hektischen Bahnhofsumgebung gebannt lauschte.
Das Duo nennt sich “Das Taschengrammophon” und besteht eigentlich aus vier professionellen, an Musikhochschulen ausgebildeten Musikern, die von Dinnermusik, Messe-Event, Gästeprogramm oder Musikalische Veranstaltungsreihe, private und Firmenfeiern oder niveauvolle öffentliche Flanier- und Gartenfeste (Burg, Schloss, Park, See usw.) wohl alles im Repertoire haben.
Im übrigen finde ich die Idee, “Easy Listening” am Bahnhof zu betreiben, überaus nachahmenswert. So etwas würde ich mir auch im Coburger Bahnhof wünschen. Wobei, wenn es um Wünsche und den Coburger Bahnhof geht, gibt es noch viele andere Dinge, die etwas höher in der Priorität stehen ….

