Die Gaststätte Rohmann, Teil 1

Die Rückertstraße um die Jahrhundertwende (Sammlung Norbert Niermann)

Die Rückertstraße um die Jahrhundertwende (Sammlung Norbert Niermann)

“Servus!” – “Servus” – “Wo gehst`n hie?” – “Ah`ns trink`n, zum Ludwich!” – “Geh ich mit!”

Freitag Abend, erster Anlaufpunkt “Rohmanns Gaststätte” in der Rückertstrasse. Damaliger Pächter in den 60-70er Jahren Ludwig Koch. Frau Else, ständig im Stress hinter der Theke in ihrer “Kochnische”. Jeder neue Gast wurde mit “Servus” und “Hallo” begrüßt. Man kannte sich und ging an keinem Tisch vorbei ohne freundschaftlich zu “klopfen”. Ch., wie immer am Flipper, gleich dort am Eingang und stets mit der Frage auf den Lippen: “Kannste mir mal`n Bier bezahlen?” Wie oft hat der die Scheibe vom Flipper zerhauen!? Lokalverbot das Resultat. Aber 3 Trage später war wieder alles vergessen. Neue Scheibe und Ch. war in noch schlechterer finanzieller Verfassung!

Endlich den ” 3er” und den “1er” gleich dazu. F. war als Fahrschullehrer ganz okay und kam auch regelmäßig ins Rohmann. Das erste Auto! Mit was für “Krück`n” ging es los? 600er Fiat, NSU Prinz 4, DKW Junior, BMW 700, VW, und, und, und! Sprit bei 60 bis 70 Pfennig pro Liter bis später die sogenannte “Energiekrise” den Weg frei machte für die “Abzocke” nach oben! Nur Probe aufs Exempel! Mal sehen, wie der konsumverblödete deutsche Michel darauf reagiert? Zuvor wurde der deutsche Autofahrer bei z. B. ESSO mit dem “Tiger im Tank” geködert und bei BP und ARAL wurden die Leute verrückt gemacht mit dem Losspiel “Rubbel die Mark”. Es konnten bis zu 10.000 DM gewonnen werden. Nur brauchte man zum Los das passende Gegenlos. Am Samstag waren dann die Anzeigen in der Presse oder im Tageblatt zu lesen: Habe Los Nr……., suche Gegenlos. Gewinn “Halbe-Halbe”. Die Leute haben getank wie die “Weltmeister” – und dann plötzlich “Energiekrise”! Wie wurden wir damals nur verarscht!

Erstmal eine “Ehrenrunde” um den Markt, rein in die “Spit”, um den “Gräfsblock” und zurück zum Albert. Spätestens jetzt brüllte oder pfiff einer und wollte mitfahren – wieder Retour und durch die Mohrenstrasse runter zum Bahnhof. Jetzt müssen die Kumpels kommen, die zur Zeit beim Bund sind. Massen von Leuten schieben sich durch den Bahnhof. V. kommt heute im Dienstanzug – da muss der Wachhabende in Amberg gerade auf dem Klo gewesen sein, als V. an der Wache vorbei ging! P. kommt natürlich mit Ausgehuniform nach Coburg. Mohrenstrasse, Spit, Markt, Herrengasse, Rückertstrasse – Parkmöglichkeiten fast überall! Wie gross war damals die Verkehrsdichte in Deutschland? Der Kult um Deutschlands liebstes Kind, sprich “PKW” war halt damals noch nicht so ausgeprägt wie heute. Die Bürgersteige waren vielerorts schmäler, Fussgängerzone? – Hä? Was`n des? – Unbekannt! Tempo 30? – Wohl blöd was! – Parken also kein Problem.

Am Stammtisch gegenüber der “Kochnische” ist noch Platz. “Was kriegt`n ihr?” – Elfi, wie immer gut drauf, bedient heute Abend. Urkulm, Edelherb, EKU-Pils bitte! Es wurde behauptet, der Ludwig hätte weit über 40 (!) Biersorten parat! Das ist wie heute beim Sagasser. Gulaschsuppe, Schmalzbrot oder Brot mit Bratwurstfülle, die einzigen Gerichte im Rohmann. Wenn in der Gulaschsuppe Fleisch war, ging das wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Doch essen sollte man die Gulaschsuppe erst gegen 23 Uhr! Man hatte ja dann schon mehrere Pils intus. Eifrige Stammtischbeobachter konnten nämlich berichten, dass der angebrannte Topf, in dem die Gulaschsuppe so vor sich hin köchelte, schon mal am Rand mit einem Zeigefinger etwas “gereinigt” wurde! – Scho` lang her!

(Fortsetzung folgt)

Text: Gerd Bieler

17 Kommentare

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    Ja, ich war dabei! Einmal ein Urkulm oder ein But oder ein Bit!. Nur gegessen habe ich dort nie was. Ich wußte warum.
    Am letzten Tisch beim Bierkopf habe ich so manche Schulstunde versäumt. Kurz vor 13 Uhr hörten wir dann das Kartenspielen auf. Die Mutter sollte nichts mitbekommen von der außerschulischen Lehrveranstaltung.
    Die Spitrunde mit dem Privileg-Mofa und später mit einem wunderschönen NSU Prinz 1200 C war auch obligatorisch. War das eine schöne Zeit!

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    …das Wichtigste aber war die Rock-Ola-Musikbox! Da ist manche Mark reingewandert!

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    @georg: Genau! BTO, ELO und Queen!!

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    …und Status Quo: Down the dustpipe!
    Rockin’ all over the world.. a.s.o.

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    @georg, @Peter:
    sah die nicht etwa so aus:

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    nur entfernt ähnlich – aber K U L T !!!!!

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    Ich denke auch, das war damals etwas antiker. Aber es kommt ja auch auf die schwarzen Scheiben an! ;-)

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    Ludwig war auch Automatenaufsteller, und wenn Else das “Rohmann” führte, war er mit einem riesigen Schlüsselbund in seinem weißen S-Klasse-Benz http://de.wikipedia.org/wiki/Mercedes-Benz_W_108 unterwegs, um seine Automaten zu leeren. Nachdem er so gegen 23.00 Uhr das Geld zum Nachttresor der Bank gebracht hatte, kam er ins “Rohmann”, um Else abzulösen. Und wer Else dann nach Hause fuhr, konnte anschließend noch zwei Bier auf Rechnung des Hauses trinken (was meine Getränkekassse eine Zeitlang ungemein entlastet hatte). War es dann 1 Uhr, wurde zwar darauf geachtet, dass zur Sperrstunde das Lokal leer war, aber so gegen 1.30 Uhr hat man dann mit Ludwig in kleiner Runde weiter gesessen und gewürfelt. Oft war es dann drei Uhr, bis wir leise aus dem Hause gingen, nicht ohne vorher zu checken, ob die Luft rein ist.

    Was war eigentlich das Faszinierende an dieser “Gaststätte”?

    - Diese Musikbox? (Ähnliche gab es aber damals öfters, allerdings selten mit so geiler Musik).
    - Die rauhe aber herzliche Atmosphäre von Ludwig, Else und Elfi, die alle drei in Wirklichkeit sensible Persönlichkeiten waren?
    - Dass das Bier nur aus Flaschen getrunken wurde, die nach dem Schluck krachend auf den hölzernen Tisch zurück gestellt wurden?
    - Dass das “Rohmann” den Ruf einer “Spelunke” genoss, um die der brave Spießer einen weiten Bogen machte? (Ich kannte wirklich Leute, die auch am Morgen nicht auf dieser Seite der Rückertstraße den Bürgersteig benutzen wollten).

    Oder habt Ihr noch andere Ideen?

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    Es war für mich die einzige Kneipe mit unzählig vielen Biersorten. Dann war da noch der Ruf und vor allem die “Spielhölle”. Was wir da gekartet haben. Ich fand’s einfach nur geil. Zugeben muss ich allerdings, dass meine Schulnoten ohne das “Rohmann” schon etwas besser gewesen wären. Aber es hat ja auch so geklappt ;-) ))

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    Bei mir war es zunächste ein Prinz 2 und dann der 110er NSU

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    Ich war von 1965 bis ca. 1969 Gast im Rohmann.Waren Leute,welche hier schreiben zu der Zeit auch im Rohmann?

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    @Gerd

    ich schenk’ dir noch die fehlende Null zum NSU (selbst nur 1000-ender, aber Simca).
    Rohmann von 69 bis 73

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    Ich von 1968 bis ca. 1970 und dann final von 1973 bis 1975 regelmäßiger Gasst im Rohmann.
    Und einen NSU 1200 C hatte ich auch, natürlich mit hochgestellter Motorraumklappe hinten. War ne verdammte Heckschleuder, bin einmal mit einem Kumpel in einer Wiese gelandet, knapp an einem Baum vorbei …

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    Gasst wird natürlich mit einem “s” geschrieben, sorry.

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    @georg…den NSU 110 gab es schon,von 1965-1968 gebaut,…gib mal bei google ein NSU 110….interessant nachzulesen.

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    @Gerd,

    Boa-a-aHH! Man lernt nie aus! (dann behalt ich halt meine Null für mich selber!;-)