Eisvergnügen
Am 27.Jänner war es zunächst soweit: der Rittersteich wurde zum Schlittschuhlaufen freigegeben. Leider währte die Freude nicht sehr lange: der anhaltende Schneefall (wer hat eigentlich Frau Holle geärgert?) und die damit verbundenen milden Temperaturen sorgten für eine Sperrung der Eisfläche.
Die Hoffnung besteht aber, dass bei kälteren Temperaturen, wie sie für nächste Woche angekündigt sind, die Eisfläche erneut freigegeben wird. Die Eisbahn samt Absperrung besteht weiterhin, und auch die Bänke zum Ausruhen stehen noch bereit. Am besten, ab und zu mal vorbei schauen bzw. Radio Eins hören.
Wer nicht warten möchte, dem kann ich die Eisfläche im Sonnebad Sonneberg wärmstens (oder kältestens?) empfehlen. Ansonsten kann man sich ja mal die Zeit mit Rodeln im Veilchental oder bei Schloss Callenberg vertreiben.
Häuser der Ketschenvorstadt, Teil 1
Dieses Jahr beginnt die Sanierung der Ketschenvorstadt. Grund genug um sich das ein oder andere Gebäude dieses Viertels näher anzuschauen und dessen Geschichte zu ergründen.
Beginnen möchte ich dabei mit einem reich verzierten Fachwerkhaus, das an der Einmündung der Unteren Salvatorgasse in die Ketschengasse zu finden ist. Offiziell gehört dieses Gebäude zur Ketschengasse und trägt die Hausnummer 43.
Schon der Anfang dieser Häusergeschichte hält eine Überraschung parat. Es handelte sich nämlich um ein Lehen der Schenken von Siemau, deren Stammsitz einst in Untersiemau zu finden war. 1487 wird ein Valentin Schenk zu Siemau als erster Lehensgeber erwähnt. Gleichzeitig tritt damit das Gebäude ins Licht der Geschichte. Das „Schenk´sche Freihaus“ wird letztmalig 1537 erwähnt.
Ab 1582 kann sich auf dem Grundstück eine Huf- oder Kupferschmiede nachweisen lassen. Schmiedebetriebe wurden vornehmlich in den Vorstädten angesiedelt, da von ihnen eine hohe Brandgefahr ausging. Die enge Holz/Strohbebauung der frühen Neuzeit machte solche Vorkehrungen notwendig. Im Jahre 1646 kam die Schmiede in den Besitz der Familie Quarck, die im 20. Jahrhundert vor allem als Heimatforscher, Juristen und Politiker in Erscheinung traten. Ursprünglich kamen die Quarcks aus Schweden, was um 1900 zu einem Politikum wurde. Das Thema diskutierte man auch am Stammtisch des Roeperts-Karl, einem Coburger Original, im Gasthaus Loreley. Als dort das Thema schließlich aufkam, sprach der Roeperts-Karl: „Dass hätte ich euch gleich sagen können, das die nicht aus Coburg stammen. Sonst hätten sie nicht Quarck geheißen, sondern Glickerläskas.“ Die Familie Quarck kann auch als Bauherr für das Haus Ketschengasse 43 angenommen werden. Die Struktur des Fachwerks, welches an der Seite zur Unteren Salvatorgasse freigelegt ist, entspricht dem Gestaltungsmuster, das im 17. Jahrhundert verwendet wurde. Das Haus blieb bis 1716 im Besitz der Familie Quarck. Aus dieser Zeit stammt auch die erste detaillierte Beschreibung des Gebäudes. Danach handelte es sich um ein zweistöckiges Wohnhaus mit drei Stuben, einem Keller, einer Werkstatt und einer Esse. Unter Esse versteht man den Rauchfangtrichter über einer Feuerstelle.
Nach den Quarcks folgten zahlreiche Kupferschmiede mit ihren Familien als Grundstückseigentümer nach. 1882 erwarb der Schmiedemeister August Koch das Anwesen und ließ es komplett umbauen. Dabei wurde die Schmiede, die einst an der Ketschengasse lag, ins Hinterhaus an der Unteren Salvatorgasse verlegt. Ferner wurde das Dachgeschoss zu einem vollwertigen dritten Stockwerk ausgebaut, was an der Fachwerkfassade zu sehen ist, und ein Ladengeschäft eröffnet. Dort eröffnete Koch eine Eisenwarenhandlung. Dieses Geschäft übernahm 1902 sein Sohn Ferdinand. 1906 folgte Reinhold Schubert als Geschäftsinhaber und Hausbesitzer nach. Bereits 1894 erwarb der Firmengründer August Koch das Nachbaranwesen Ketschengasse Nr. 41 (ehemals Rosen-Apotheke) mit hinzu und erweiterte dort seinen Geschäftsbetrieb. Die Schmiede wurde nach 1900 aufgegeben.
In einer Geschäftsanzeige aus dem Jahre 1934 lässt sich feststellen, dass die Firma Koch nicht nur Eisenwaren sondern auch Glas-, Porzellan- und Steingutwaren sowie Öfen, Haus- und Küchengeräte verkauften. Die Tatsache, das sich dieses Geschäft über zwei Häuser und auch zwei Etagen erstreckte, lässt vermuten, das sich die Eisenwarenhandlung mit der Zeit zu einem richtigen kleinen Kaufhaus entwickelte. Unter der Familie Schubert existierte dieses „kleine Kaufhaus“ noch bis in die 1960er Jahre hinein. Danach erfolgte der Verkauf von Haus und Geschäft an den Kaufmann Paul Wünn, der dort einen Werkzeuggroßhandel eröffnete. Noch heute befindet sich dieses Unternehmen im Hause Ketschengasse 43. Damit schließen wir die Betrachtung zu diesem Gebäude. Mancherlei unbekanntes trat dabei zutage. Am interessantesten mag wohl sein, das neben einer reich verzierten Fachwerkfassade, dieses Haus über eine über mehrere Jahrhunderte gehende Tradition der Metallverarbeitung besaß. Die gegenwärtige Firma Wünn führt diese Tradition, unter den gegebenen Umständen, weiter fort.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
Nr. 1 Das Haus Ketschengasse 43 um 2006 (Foto: Christian Boseckert)
Nr. 2 Die Eisenwarenhandlung Koch, Ketschengasse 41-43 um 1930 (Sammlung Christian Boseckert)
Gedenktag & Stolpersteine
Heute ist bundesweiter Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Auch die Stadt Coburg will an die Menschen, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten entrechtet, verfolgt, misshandelt und ermordet wurden, erinnern. Mitarbeiter der Stadtverwaltung werden zu diesem Zweck auf die im Coburger Stadtgebiet bereits ins Trottoir eingelassenen Stolpersteine Blumen niederlegen.
Wir wollen damit die Aufmerksamkeit der Passanten gezielt auf die Steine lenken und sie mit Blicken und Gedanken bewusst über die Namen der Opfer stolpern lassen.
sagt Oberbürgermeister Norbert Kastner.
Zur Info: Bundespräsident Roman Herzog hatte den Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus durch Proklamation 1996 eingeführt und auf den 27. Januar festgelegt. Der Grund: An diesem Tag befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz. Das KZ steht symbolhaft für den Völkermord an Millionen von Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuellen und politisch Andersdenkenden sowie Männern und Frauen des Widerstandes.
Erlkönig?
Die ganze Apple-Gemeinde ist gespannt auf den morgigen Tag, denn gegen 19 Uhr deutscher Zeit wartet der Apple-Geek auf die lang ersehnte Präsentation des iSlates (oder heißt es doch ganz anders?) durch Steve Jobs.
Coburg-Life wurde vorab ein geheimes Bild zugespielt, das den Prototyp zeigt (siehe oben – daneben die Magic Mouse zur Verdeutlichung des Größenverhältnisses).
Aber nein, mal im Ernst, das ist natürlich mein alter Newton 120 (den 2100 hab ich schon vor längerem verkauft) und wir haben natürlich kein Bild zugespielt bekommen. Es soll eigentlich nur verdeutlichen, dass Apple mit dem Newton vor 17 Jahren bereits eine ähnliche Idee hatte. Der Newton, der eigentlich MessagePad hieß (Newton OS hieß das Betriebssystem), wurde 1993 vorgestellt und leider 1998 schon wieder eingestellt. Damals wurde das Gerät für zu groß befunden und setzte sich am Markt gegen die aufkommenden Windows-Mobile feuerten PDAs nicht durch. Leider, denn das Gerät setzte durch seine Handschrifterkennung und den Touchscreen erstmals Maßstäbe in Mobile Computing.
Mal sehen, was der morgige Abend so bringt. Frei nach Caschy: Hoffentlich haben die Apple-Fanboys ihre frische Unterhose für morgen zurecht gelegt…
Danke auch an Arndt S. für die Idee zu diesem Blog-Eintrag!
Aus der Geschichte des Barock-Hauses Spitalgasse 12
Große Veränderungen werden sich in der Spitalgasse ab 2011 anbahnen. Die Rede ist von den Gebäuden des ehemaligen WEKA-Kaufhauses in der Spitalgasse.
Nachdem an anderer Stelle bereits über den Gasthof „Zum Bären“ und dessen Geschichte gesprochen wurde (>>> hier geht es zum Artikel), soll es nun um das andere WEKA-Gebäude in der Spitalgasse gehen. Dieses ist nicht wie der „Bären“ der Abrissbirne zum Opfer gefallen, sondern erfreut mit seiner barocken Fassade noch heute die Coburger.
Die Geschichte des hier beschriebenen Hauses Spitalgasse Nr. 12 geht bis ins Jahr 1403 zurück, als ein Eberhard Vogler das Ratslehen in seinem Besitz hatte. Betrachtet man sich die Häusergeschichte weiter, so muss festgestellt werden, das dort wohl hauptsächlich vermögende Kaufleute ansässig waren. Verwundern kann dies kaum – war doch die Spitalgasse schon in frühester Zeit das Zentrum des Coburger Handels. In diesem Zusammenhang interessiert uns aber nur eine Familie, nämlich die Kaufmannsfamilie Rieth. Diese hatte gegen Ende des 17. Jahrhunderts bereits ein beträchtliches Vermögen verdient.
Seit 1664 in der Spitalgasse 12 ansässig, war die Familie Rieth auch für ihre Wohltätigkeit bekannt. 1688 zum Beispiel, stiftete die Witwe des Kaufmanns Georg Friedrich Rieth eine neue Orgel für die Heiligkreuzkirche. Es war demnach auch Geld für ein repräsentatives Wohnhaus da. 1697 gelangte das Anwesen in den Besitz des Handelsmanns Johann Martin Rieth, dem Sohn des oben genannten Georg Friedrich Rieth. Dieser plante das alte Wohnhaus abzureißen und an dessen Stelle ein neues Gebäude im barocken Stil zu errichten.
Als Baumeister für dieses Unternehmen gewann er vermutlich die Gebrüder Lucchese aus Italien. Das Rieth ausgerechnet diese beiden Stuckateure mit der Ausgestaltung seines Wohnhauses beauftragte war wohl nicht zufällig. Beide waren am Wiederaufbau von Schloss Ehrenburg beteiligt, das 1690 einer Feuersbrunst zum Opfer viel. Von ihnen stammen dort die Stuck-Elemente der Hofkirche und des Riesensaals. Die Barockfassade in der Spitalgasse gilt daher als das einzige Coburger Werk der Brüder, das nicht vom Herzogshaus in Auftrag gegeben wurde.
Das neue Gebäude besaß vier Stockwerke, zwei Keller, zwei Gewölbe, acht Stuben und einen Stall. Am Hauseingang stellte man zwei Karyatide (Riesengestalten) auf, welche über zwei Jahrhunderte das Gesicht der Spitalgasse prägten. Bis 1719 blieb das prächtige Anwesen im Besitz der Familie Rieth. Danach folgten weitere Kaufmannsfamilien als Hauseigentümer.
1893 erwarb die Firma K. M. Fechheimer & Co. Manufaktur- und Modewaren, Damen- und Kinderkonfektion sowie Wäscheausstattung, das Anwesen. Die Inhaber des Geschäfts, Julius Blüth und Hugo Fechheimer, waren jüdischen Glaubens, was zur Schließung des Geschäfts im März 1933 mit beitrug. Nachdem beide im Frühjahr 1933 von den Nationalsozialisten schwer misshandelt wurden, gingen beide in das niederländische Exil. Die Firma existierte fortan nur noch auf dem Papier und wurde schließlich liquidiert und das Haus zwangsversteigert. Den Zuschlag erhielt die Coburger Sparkasse, die es 1939 an den Kaufmann Carl Hartung veräußerte, der dort ein Strumpfwarengeschäft eröffnete. Die Firma Hartung existierte bis in die 1960er Jahre hinein. Danach zog in die Geschäftsräume das „Kaufhaus zum Mohren“ ein, das 1958 im Nachbarhaus Spitalgasse Nr. 14 eröffnet wurde.
Die weitere Ausdehnung des Kaufhauses forderte Anfang der 1970er Jahre einen kompletten Neubau. Geplant war dabei der Abbruch der Häuser Spitalgasse 12 und 14, wobei auch die schöne Barockfassade zerstört werden sollte. Dies erregte den Widerstand der Coburger Bevölkerung. Es wurden Unterschriften gesammelt und Eingaben an den Stadtrat gemacht. Besonders der damalige Stadtheimatpfleger, Prof. Adalbert Bringmann, setzte sich vehement für dieses „vollständigstes Barock-Gebäude Coburgs“ (nach Jürgen Erdmann) ein, wofür er massiv kritisiert wurde. Doch die Proteste hatten Erfolg. Zwar wurden 1974 beide Häuser abgerissen, doch musste die Barockfassade am neuen Gebäude wieder angebracht werden. Ferner installierte man im 2. Obergeschoss eine Stuckdecke aus dem Altbau in die Verkaufsräume mit ein. Bringmann selbst erlebte diesen Erfolg nicht mehr, denn er starb bereits 1972. Ihm ist es mit zu verdanken, dass dieses schöne Haus nicht dem Abbruchwahn zum Opfer gefallen ist. Zum Opfer gefallen sind jedoch bei diesem Neubau die beiden Karyatiden. Diese, nach Georg Voß „geringen Arbeiten des Barockstils“, barg der Bauunternehmer Brockardt von der Baustelle und stellte die beschädigten Figuren in seinem Garten in Finkenau bei Coburg auf. Die heute dort stehenden Riesengestalten sind Kopien, die Ende der 1980er Jahre aufgestellt wurden. Als Kaufhaus kann das Gebäude Spitalgasse 14 ebenfalls viel erzählen – von der großen Einweihung 1975, dem Konkurs des Kaufhaus „Zum Mohren“ im Jahre 1983 und dessen Nachfolger, der WEKA, die am 31.12.2009 ihre Pforten schloss.
Es wird interessant sein, welche Geschäfte in Zukunft in der Spitalgasse 12 anzutreffen sein werden.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
1. Das Haus Spitalgasse 12 (Foto: Christian Boseckert, 2007)
2. Einer der Karyatiden im Jahre 1906 (Sammlung: Christian Boseckert)
3. Das Haus Spitalgasse 12 in den 1920er Jahren (Sammlung: Christian Boseckert)










