Veränderungen – Die Ecke Viktoriastraße / Judengasse

Die Ecke Viktoriastraße / Judengasse um 1900 (aus Christian Boseckert, Eine Straße erzählt Coburgs Geschichte, S. 57)

Ein Ort der Veränderung war auch lange Zeit die Ecke Viktoriastraße / Judengasse. Diese sollen hier im zweiten Teil der Reihe „Veränderungen“ näher beleuchtet werden. Die obere Aufnahme zeigt die Situation, wie sie sich um 1900 dargestellt hat. Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen dabei vier Gebäude. Zuerst blicken wir auf das Haus am linken Bildrand. Es ist das Anwesen Judengasse 52a welches 1862 für den Zimmermeister Ferdinand Amberg errichtet wurde. Im Jahre 1890 eröffnete dort der Zahnarzt Heinrich Borneff ein Lebensmittelgeschäft, dessen Werbung an der Hausfassade noch zu erahnen ist. Ab 1909 führte die Familie Gräfenhain das Geschäft weiter, gab es aber 1924 an den Kaufmann Alfred Streng ab. Das Lebensmittelgeschäft Streng, seit 1956 an der EDEKA-Gruppe angeschlossen, dürfte den älteren Coburgern noch bekannt sein. Es existierte bis 1977 und wurde zum Schluss von der Tochter Strengs, Erika Kiesewetter, geführt.
Das nächste Gebäude galt lange als ein Verkehrshindernis, da es direkt in die Viktoriastraße hineinragte. Das in den 1830er Jahren erbaute Haus, beherbergte seit 1857 eine lithografische Anstalt mit angeschlossener Steindruckerei. Inhaber des Betriebes war der Lithograf Ludwig Eduard Beuchel, von seinen Bekannten auch „Graf Litho“ genannt. Ausgerechnet ihm passierte es, das eines Tages die herzogliche Kutsche auf schneller Fahrt, fast die Hausecke mitgenommen hätte. Daraufhin hatte Herzog Ernst II von Sachsen-Coburg und Gotha das Gebäude als ein „Scheißhaus“ bezeichnet. Beuchel war über diese Wortwahl des Monarchen sehr gekränkt. Die Druckerei selbst existierte bis 1899. Zum Zeitpunkt der Aufnahme beherbergte das Gebäude das Sanitätsgeschäft des Masseurs Peter Eichmüller. Dieses existierte bereits seit 1889.
Bei dem sich anschließenden Gebäude handelte es sich um einen Stadel, welcher der Bierbrauer- und Bäckerfamilie Flinzberg gehörte. Carl-August Flinzberg betrieb seit 1848 eine Bäckerei nebst Bierwirtschaft und Brauerei in der Judengasse 19. Die Lokalität wurde später unter dem Namen „Rizzi-Bräu“ einem größeren Publikum bekannt. In den 1870er Jahren baute Flinzberg in den Stadel eine Malzdarre ein. Das Bierbrauen selbst besorgte er in den städtischen Brauhäusern. Die Gründung einer eigenen Brauerei scheiterte. Nachdem Carl-August Flinzberg 1895 verstarb, vermieteten die Erben den Stadel an einen Kohlenhändler, der darin ein Kokslager einrichtete.
Das Gebäude ganz rechts gehörte zum Firmenkomplex der Samen- und Getreidegroßhandlung Mayer. Inhaber dieses Unternehmens war der von Ernst II geadelte Freiherr Jacob von Mayer. An ihm erinnert, aufgrund seiner großen Wohltätigkeit, eine Gedenktafel im Rathaus und die von-Mayer-Straße in Ketschendorf. Das hier zu sehende Lagerhaus erwarb Mayer 1870 vom Kaufmann Moritz Friedmann. Zum Firmenkomplex gehörte auch das Wohn- und Geschäftshaus Judengasse 43/45, Ställe und ein Kutschershaus (Judengasse 47). Als Jacob von Mayer 1901 starb, verkauften seine Erben stückweise die Gebäude. Das Lagerhaus auf dem Foto ging dabei in den Besitz des Kommerzienrats Julius Mai über, der die Samen- und Getreidegroßhandlung Mayers übernahm.

Die Ecke Viktoriastraße / Judengasse im Jahre 1996 (Foto: Karl-Ulrich Pachale)

100 Jahre später sieht die Situation dort ganz anders aus. Das Borneff´sche Haus wurde 1980 als Verkehrshindernis abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Das gleiche Schicksal erlitt auch das Beuchel´sche „Scheißhaus“. Es wich 1903, wie auch der Stadel Flinzberg, dem Bau eines Jugendstilhauses, welches der Architekt Otto Leheis plante. In dem neuen Wohnhaus eröffnete ein Hotelier namens Ludwig das Hotel „Coburger Hof“. Diesem war jedoch kein Erfolg beschieden. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs schloss das Hotel seine Pforten. In den folgenden Jahrzehnten diente das Gebäude als Privatklinik, Ämtergebäude der Stadtverwaltung, Anlaufstelle für die Hitlerjugend und nach 1945 als Parteizentrale der Kommunistischen Partei. Seit 1950 befindet sich die Löwen-Apotheke der Familie Luft in den Räumen des früheren Hotels. In den Obergeschossen haben sich Ärzte niedergelassen.
Das Sanitätsgeschäft Eichmüller, das dort einst seinen Sitz hatte, zog nach dem Abbruch des alten Gebäudes in das gegenüberliegende Jugendstilhaus Judengasse 54 um, wo Peter Eichmüller seinem Laden zusätzlich einen Friseur-Salon anschloss. Das Geschäft existierte dort bis 1956.
Das ehemalige Mayer´sche Lagerhaus wurde 1938 aufgeteilt und an zwei Interessenten verkauft. Einer davon, der Getreidehändler Ernst Wiehe, führte die Tradition des Hauses als Samengroßhandlung noch für Jahrzehnte weiter. Ein anderer Gebäudeteil gelangte in den Besitz des Spediteurs Alexander Jacobi (Nachfolger Jakob) im Sonntagsanger. Inzwischen wird dieser Teil von der Löwenapotheke und den Arztpraxen des Hauses Viktoriastraße 9 als Parkhaus genutzt. Es ist das einzige hier behandelte Gebäude, dass die letzten 100 Jahre stehen geblieben ist.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Die Ecke Viktoriastraße / Judengasse um 1900 (aus Christian Boseckert, Eine Straße erzählt Coburgs Geschichte, S. 57)
Bild 2: Die Ecke Viktoriastraße / Judengasse im Jahre 1996 (Foto: Karl-Ulrich Pachale)

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G’schichten aus der Spit Nummer 25

Das Haus Spitalgasse 25, Foto: Christian Boseckert

Es gab schon immer Bewohner in der Stadt, welche ihre persönlichen Erinnerungen einmal aufgeschrieben haben, um sie an ferne Interessierte weiter zu geben. So lebte in dem Haus Spitalgasse 25 eine gewisse Lina Hermann. Sie wurde 1865 geboren und zog dann mit ihren Eltern 1868 in das Hinterhaus vom Anwesen Spitalgasse 25 ein. Dieses große Haus ist durchgehend von der Spitalgasse bis zur Mauer. An der Front zur Spit gab es einmal das Wäschegeschäft Stube/Nachf., das später an die Fa. Nonnenmacher überging. Nach einer Drogeriekette sind nun nach erfolgreicher Renovierung des Vorderhauses Geschäfte für Junge Mode und Accessiores ansässig.
Interessant ist, dass sich in dem langgestreckten Anwesen ein Turnierhof befand, der aber leider im Laufe der Jahre verschwunden ist. Es waren Bogenhallen vorhanden, die aber gegen 1920 überbaut wurden. Bei dem Umbau damals wurde ein Stein mit der Jahreszahl 1446 gefunden, das Gebäude also sicher mit zu den ältesten Häusern von Coburg zu zählen ist.

Frl. Lina Hermann war nicht verheiratet und wohnte bis zu ihrem Tod 1946 in dem Haus. Ihre gesammten Erinnerungen an das Haus und die Umgegend hier wieder zu geben, wäre vermessen. Trotzdem will ich verschiedene Passagen ihrer Erinnerungen herausgreifen.
So beschreibt sie, was für ein Jubel herrschte, als zurückgekehrte Soldaten aus dem 70/71er Krieg durch die Spitalgasse marschierten und auf dem Markt empfangen wurden.
Um das Jahr 1908 wurde in dem Haus grundlegend umgebaut, was für die Bewohner eine große Belastung darstellte. Eine Wasserleitung war wenige Jahre zuvor schon im Haus eingerichtet worden. Was aber alle Bewohner sehr begrüßten, war der Anschluß des Hauses an die Kanalisation.
Wasser wurde von den Leuten mit Eimern und “Butten” von den Laufbrunnen in der Stadt geholt, die Beseitigung der Fäkalien besorgte die “Tonnenbatterie”, welche, pferdebespannt von Haus zu Haus zog und die Kübel entleerte… Und nun eine Kanalisation! Welch Fortschritt!!

Lina Hermann erinnert sich an den Abriss des “Gräfsblock” und als der Durchbruch zur Mohrenstraße geschaffen wurde. Ebenfalls hat sie Erinnerungen an das Restaurant Schaffner, welches mit Wirtsgarten unmittelbar dort stand, wo sich später an der Mauer die Hypobank niederließ.
Das Schaffner war damals, Ende der 1860er Jahre, ein sehr gutes Wein- und Bierlokal. Der Wirtsgarten des Schaffner lag etwa auf der Höhe der Webergasse, also tiefer als die Mauer und beherbergte mehrere kleine Gebäude. Das Lokal wurde gerne von Mitgliedern des Theater, Offizieren und Beamten besucht. Um 1873/74 wurde von dem jungen Schaffner dort umgebaut und erweitert, mit der Hoffnung, noch mehr Gäste im Lokal unter zu bringen. Leider waren dann die Räumlichkeiten zu groß, die Gemütlichkeit des Lokals ging verloren…! Mehr und mehr Gäste blieben nun fern und Schaffner kam in prekäre Situationen. Das Lokal wechselte mehrere male den Besitzer, so hatte es auch dann ein Griebel, der ursprünglich im Steinweg ein Lokal hatte. Der Volksmund bezeichnete nun das Lokal, welches eigentlich “Griebelei” heißen sollte, “Grübelei”.
Zu Schaffners Zeiten fanden dort alle möglichen Tanzveranstaltungen statt und das wurde späterhin immer häufiger. Das Niveau des Lokal sank immer mehr, bei den Maskenbällen soll es nicht immer fein zugegangen sein. Bei den früher viel öfteren Jahrmärkten kam viel fremdes Volk in die Stadt und besuchte die “Grübelei”.
So erinnert sich Lina Hermann an diese Vergnügungen dort sehr genau, lagen doch ihre Fenster zur Mauer hin. Sie berichtet das z. B. oft Tanzveranstaltungen am Sonntagmittag begannen und erst oftmals am frühen Montagmorgen endeten (eine Polizeistunde scheint es da nicht gegeben zu haben??). An Schlaf wäre bei dem gräßlichen Lärm, der aus dem Lokal tönte oftmals nicht zu denken gewesen!
Lina Hermann schreibt:

Immer nach den gleichen, kreischend gespielten Weisen, gab es abwechselnd Walzer, Polka, Rheinländer, letzteren mit Vorliebe und zwar dann immer nach der Melodie:” Siehste wohl da kümmt er, große Schritte nimmt er” usw.usw. was laut und misstönig mitgesungen wurde!

Scheint ja was los gewesen zu sein,in der Bude??
Prügeleien waren scheinbar dort an der Tagesordnung und wurden oftmals auf der Mauer ausgetragen…! Sogar Messerstechereien kamen vor und ein Verletzter soll damals mehrere Tage in Lebensgefahr geschwebt haben…! Ferner wird berichtet, dass eines Nachts ein völlig Betrunkener Gast der Grübelei dort auf der Mauer lauthals “Feuer,Feuer” rief. Daraufhin öffnete ein Hausbewohner des Hinterhauses ein Fenster und rief hinuter “Na, da woll’n wir mal das Feuer löschen!” und kippte den Inhalt eines “Behältnisses” auf den Schreihals, der scheinbar ernüchtert das Weite suchte…!
Später wurde die Grübelei abgerissen und das große Gebäude, das später die Hypobank aufnahm, dort errichtet. Das hohe Haus nahm aber den Bewohnern vom Hinterhaus viel Sonnenlicht weg!

Als der Turnierhof noch existierte, wurde er auch eine Zeit lang von der schlagenden Verbindung der Casimiriana des Gymnasiums genutzt,welche dort ihre Fechtveranstaltungen abhielten.
Über mehrere Unglücke in der Nachbarschaft kann Lina Hermann berichten. So hatte die Coburger Feuerwehr am alten noch stehenden Gräfsblock eine Übung angesagt. Zwei Feuerwehrleute standen auf der damals längsten Feuerleiter, die voll ausgefahren dort stand, als plötzlich die Feuerwehrleiter entzwei brach. Unter dem Aufschrei der Passanten stürzte einer der Wehrleute zu Boden und war sofort tot, der andere blieb mit der Kleidung an einer vorstehenden Dachrinne hängen und schwebte für eine Zeit zwischen Leben und Tot! Es muß in den 90er Jahren gewesen sein…!

Am 14.September 1913, nachts gegen 22.30 Uhr setzte ein schlimmes Ereigniss die ganze Umgebung dort in Schrecken und Entsetzen!
Lina Hermann erinnert sich:

Eine plötzlich unser ganzes Haus erschütternde Detonation war zu vernehmen und lautes donnerndes Grollen, so, als wenn etwas einstürzte, schloß sich an. Ich rannte zum Fenster und im gleichen Augenblick schrie ein Mann auf der Straße “Explosion,Feuer”… Wo war die Explosion?… In unserem Haus scheinbar nicht! Ich vermutete im gegenüber liegenden Kino, welches sich im Hypogebäude befand. Die Leute strömten in Panik aus dem Kino…! Eine Gasexplosion hatte weiter vorne auf der Mauer zum Judenturm hin ein ganzese Haus in die Luft gejagt! 13 Tode und eine Anzahl an Verletzten waren zu beklagen!… Schaurig war es in jener Nacht, als die Leichenwagen oder die Wagen vom Roten Kreuz unter unseren Fenstern vorbei fuhren und ihr trauriges Werk vollrichteten!

Im Jahr 1918, der erste Weltkrieg war zu Ende, wurde das Anwesen Spitalgasse an Nonnenmacher verkauft. Obwohl einige männliche Hausbewohner Soldaten waren, sind alle aus dem Krieg zurück gekommen.
An Umbauten war während des Krieges nicht zu denken… aber Lina Hermann freute sich dann doch… sie bekam nämlich elektrisches Licht!!! Der zweite große Fortschritt für die Dame… bis dahin nur Petroleum Lampen oder Kerzen… und Petroleum wurde während des Krieges immer weniger… auch Kerzenwachs wurde sorfältig gesammelt und z.T. wieder neue Kerzen gegossen…! Heute doch unvorstellbar!
Auch einen Blick in die Zukunft wagte Lina Hermann. Und schreibt sogar ein Datum dazu… das Jahr 2010!

Wie fremd wirken Lina Hermanns Worte heute auf uns, wenn sie schreibt:

Ein Tummelplatz für spielende Kinder war die Mauer und die Nägleinsgasse allemal.Wohl kommt hier gelegentlich ein Auto vorbei und die Kinder flüchten sich dann schnell in den nächsten Hauseingang.
Auch die Wehrmacht mit ihren Motorfahrzeugen sucht sogar öfters die winkelige Umgebung unseres Hauses für ihre Übungen aus!
Gar manchmal, wenn ich aus den Fenster sehe, muß ich denken, wie sich alles seit meiner Kinderzeit verändert hat. Neuerdings ist der alte Gräfsblock abgerissen worden und dort entsteht ein neues schöneres Gebäude. Wie mag ein ehemaliger Anwohner reagieren, wenn er heute , nach 70 jahren wieder zurück kommen mag und das veränderte Stadtbild in unserer Umgegend sieht? Heute stünde er auf dem “Platz der alten Garde” (heute vor dem Stadtcafe) er ginge die “Straße der SA” (heute die Mohrenstraße) hinuter. Dort waren zu meiner Jugendzeit noch heckengesäumte weite Wiesenflächen, Gärten und hin und wieder ein Scheune…. weiter unten in der Mohrenstraße ging ein Heckenweg zu den wenigen Häusern im Seifarthshof…..
Ob der Besucher unser Hinterhaus noch erkennen würde, das sich allerdings nur im Parterre verändert hat.
Aber unser Hinterhaus wird vielleicht auch verschwunden sein,wenn weitere 71 Jahre vergangen sind. Wir sind dann schon im nächsten Jahrtausend und schreiben das jahr 2010!

Am 9.September 1946 trug man Lina Hermann aus dem Haus…sie hatte ihr irdisches Dasein beendet!….Das Hinter- und Vorderhaus Spitalgasse 25 stehen immer noch und wir schreiben den 23.2.2010 – ein Dienstag.

Text: Gerd Bieler

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Die Butterwoche

Verbrennen des Winters, Foto: Stadt Coburg

Keine Angst, hier brennt nur eine Strohpuppe – aber wie kommt denn das? Sagt Euch “Maslenzia” etwas? Nein? Dann lest mal weiter….

Maslenzia kommt aus dem Russischen, Масленица und bedeutet im Deutschen “Butterwoche“. Das Maslenziafest ist ein traditionell russisches Fest, um den Winter zu vertreiben. Das Fest dauert eine Woche und ähnelt unserer Fastenzeit, da orthodoxen Gläubigen der Verzehr von Fleisch untersagt ist, Milchprodukte, Eier und Fisch jedoch erlaubt. Daher auch der Name “Butterwoche” (noch mehr zum Thema gibt es >>> hier <<<)

Gemeinsam also gegen den Schnee und Kälte haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Besucher des Kinder- und Jugendzentrums Wüstenahorn und des Treffpunkts “Kaleidoskop” das Maslenziafest gefeiert.

Tee und Blini gegen die Kälte, Foto: Stadt Coburg

Los ging es mit Spielen rund um das Thema „Winter“. Anschließend verbrannten Kinder und Jugendliche deutscher und russischer Herkunft gemeinsam auf dem Bolzplatz unterhalb der Scheuerfelder Straße eine Strohpuppe. Damit folgten sie einer alten russischen Tradition, nach der die Puppe sinnbildlich den Winter verkörpert. Dazu gab es warmen Tee und original russische Blini, das Symbol für die Sonne – beigesteuert vom Treffpunkt „Kaleidoskop“.

Ob das „Maslenizafest“ tatsächlich den Winter vertreiben konnte und der Frühling endlich Einzug hält, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

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Laß dir nicht…

Nicht nur Wissenswertes über Coburg kann bei Coburg-Life nachgelesen werden, auch das ein oder andere kulturelle Highlight findet sich hier ein. Coburg-Life Freund Patrick Aigner hat seiner poetische Ader wieder freien Lauf gelassen und uns dieses Gedicht zur Veröffentlichung zugeschickt. Übrigens, Patrick hat uns bei Coburg-Life bereits schon einmal mit tiefgründiger Poesie erfreut (>>> hier <<<) und für die Erschaffung der Kategorie “Kultur” gesorgt.
Kleine Werbung am Rande soll erlaubt sein: er betreibt die Firma “Fenster-City Aigner” – klickt einfach auf das rote Logo am Rand. ;)

Patrick Aigner himself

Laß dir nicht

von Patrick Aigner

Laß dir nicht
Von
Seelenfressenden
Inhaltsversessenen
Spirituellen Dummschwätzern
Erzählen Freiheit sei nur
Im Inneren zu finden
Ihr Licht scheint nur heute
Und ihre alten Feigheiten
Untermauert nun
Mit wiedergekäuten Dummheiten
Letzten Wahrheiten
Glatt und ohne Nährstoff
Viele Wölfe verkleidet
Als Großmütter klar
Spielen sie das Spiel
Und sagen sich Nettigkeiten
Und an dem Tag
Den sie einen guten Tag nennen
Fühlen sie sich so
Wie sie meinen
Dass Großmütter fühlen

Laß dir von denen nichts erzählen
Du für den ich jede Zeile schreibe
Wer immer du bist, wo und wann immer du lebst

Es gibt so etwas wie Freiheit
Wir kriechen auf allen vieren dort hin
Trotz manch zugeschlagener Tür
Auf wackligen Beinen
Mit zitternden Knien
Wir schlucken und machen große Augen
Es gibt so etwas wie Freiheit
Sie kostet ohne Ende
Sie kostet ständig alles
Sie kostet ständig ein wenig mehr
Als wir glauben geben zu können

Laß dich nicht
Wie schlecht und elend dir ‘s auch gehen mag
Trösten mit ihren gläsernen Worten
Worten der Wahrheit
In ihrem Mund
Faules Obst voll mit Würmern
Auch Wahrheit kann man lügen
Laß du dich nicht von denen streicheln
Kriegst sonst die Gänsehaut nicht mehr los
Und hältst am Ende sie noch für deine Einsamkeit

Es gibt so etwas wie Einsamkeit
Wir kriechen auf allen vieren dort hin
Trotz manch zugeschlagener Tür
Auf wackligen Beinen
Mit zitternden Knien
Wir schlucken und machen große Augen
Es gibt so etwas wie Einsamkeit
Sie kostet ohne Ende
Sie kostet ständig alles
Sie kostet ständig ein wenig mehr
Als wir glauben geben zu können

Laß dir nichts
Von der Sinnlosigkeit allen Handelns erzählen
Laß dir nichts weismachen
Von Vierkantschlüßelköpfen im spirituellen Kleide
Alle Sinnlosigkeit der Welt
Klein wie das Universum
Groß wie ein Gefühl
Ist eh das Brot, das dir noch keiner nahm.

Du, für den ich diese Zeilen schreibe
Wann immer du kommen magst
Gedenke meiner
Wenn du aus dem Fenster schaust
Da unten bin ich gelaufen
Gekrochen, zerbrechend
Der Freiheit entgegen.

© Patrick Aigner

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Häuser der Ketschenvorstadt Teil 2

Das Haus Ketschengasse 32 (Foto Christian Boseckert, 2007)

Ein weiteres interessantes Gebäude in der Ketschengasse, ist das Haus Nr. 32. Noch heute strahlt seine barocke Fassade weit in die Straße hinein und ragt damit aus dem Häusermeer heraus. Seine erste Erwähnung hatte das Gebäude im Jahre 1497, als ein Erhard Barthelmeß als Eigentümer des Grundstücks genannt wird. Er empfing hier ein Lehen der Herren von Einberg, deren Stammsitz unweit der St. Marienkirche in Rödental (Stadtteil Einberg) lag. Wann jedoch das jetzige Haus errichtet wurde, lässt sich nicht sagen. Die moderne Bauforschung datiert die Entstehungszeit des Gebäudes auf das 17. Jahrhundert. Damals gehörte das Anwesen zwei Hutmacherfamilien. Beide können hier als Bauherren in Betracht kommen. Über die Handwerksbetriebe, die einst wohl hier ihren Sitz hatten, lässt sich nicht viel sagen 1784 erwarb der Nagelschmied Johann Matthes Weber das Grundstück und richtete wahrscheinlich dort auch eine Schmiede ein. Diese Schmiede muss bis 1853 bestanden haben. In diesem Jahr kam das Anwesen in den Besitz der Enkeltochter Webers, Elise Margaretha Eichhorn, über. Sie war mit einem Hofmusiker verheiratet und hatte zwei Söhne, die als Wunderkinder galten. Der Ältere der beiden Brüder, Ernst Eichhorn, trat bereits im Alter von sechs Jahren als Violinist vor Publikum auf. Seinen ersten Musikunterricht erhielt er seinerzeit von seinem Vater. Im Alter von acht Jahren unternahm er mit seinem Bruder Eduard Eichhorn Konzertreisen nach Leipzig, Berlin, Magdeburg, München, Wien, Stuttgart und St. Petersburg. Überall zollte das Publikum Respekt und Anerkennung für die Leistungen der beiden Brüder. Kein Wunder, dass Ernst Eichhorn schon frühzeitig eine Anstellung bei der Coburger Hofkapelle erhielt. Im Jahre 1838 war Eichhorn Mitbegründer des Musikvereins. Doch bereits im Alter von 22 Jahren starb der begabte Musiker. Eduard Eichhorn überlebte seinen Bruder um 53 Jahre und erhielt wie einst sein Bruder eine Stelle als Kammermusikus am Coburger Landestheater. 1858 erbte er auch das elterliche Haus in der Ketschengasse. Dieses blieb bis in die 1950er Jahre hinein, im Besitz der Familie Eichhorn. Das Ladengeschäft, welches sich im Erdgeschoss des Gebäudes befindet, hatte die Familie stets verpachtet. Ein Lebensmittelgeschäft, ein Obst- und Gemüsegeschäft, der “kleine Schaller” und zuletzt ein Sanitätsgeschäft waren in dem Hause ansässig.

Das Haus Ketschengasse 30 (Foto Christian Boseckert, 2007)

Eher in der Architektur zurückhaltend ist das Nachbarhaus Ketschengasse 30, welches erstmals 1529 erwähnt wurde. Das frühere Ratslehen beherbergte für mehrere Jahrzehnte die Gaststätte Fleischmann. Diese Lokalität wurde 1888 durch den Restaurateur Johann Knorr gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer beliebten Einkehrstätte am Rande des Säumarkts. Das Gebäude gehörte seit 1842 dem Kaufmann Heinrich Damnitz, der es in seiner heutigen Form im Jahre 1850 umbauen ließ. Es folgte 1857 die Familie Niezel als Hauseigentümer nach. In ihrer Zeit wurde die Ketschengasse Nr. 30 zu einem Wirtshaus. Es kann jedoch vermutet werden, dass dies nicht die erste Schankstätte in diesem Gebäude war. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts findet sich unter den Hausbesitzern des hiesigen Grundstücks ein Weinschenk namens Johann Adam Solcher, der durchaus in dem Gebäude eine Weinstube hätte betreiben können.
Die Bezeichnung „Fleischmann“ indes stammt aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als der Gastronom Christian Fleischmann Haus und Gastwirtschaft käuflich erwarb. Die Fleischmann´schen Erben führten nach dem Zweiten Weltkrieg die Gaststätte bis Mitte der 1980er Jahre weiter. Danach erfolgte die Verpachtung und Umbenennung des Lokals in „Grill Schorsch“.

Text: Christian Boseckert

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