Von einem “Preiselbeerbrunnen” und einem abgerissenen Jugendstilhaus

Ehemaliger Wandbrunnen des Hauses Weichengereuth 3, heute an der Ecke Marschberg/Hutstraße gelegen (Foto: S.Peter 2010)

Seit der Fertigstellung der Frankenbrücke in den 1990er Jahren hat sich die Umgebung dort völlig verändert. Wenn man heute mit dem Auto aus der Innenstadt kommt und rechts hinauf zur Hut fährt, fällt einem sicher ein prachtvoller Brunnen auf, der unterhalb des Hauses Marschberg Nr. 2 an einer Mauer installiert ist.
Ursprünglich befand sich dieser Brunnen seit 1904 am Jugendstilgebäude Weichengereuth Nr. 3, welches 1989 im Zuge des Ausbaus der Frankenbrücke abgerissen wurde. Architekt dieses Gebäudes war der Maurermeister Carl Bauer, den wir schon beim Mohrenkeller kennengelernt haben. Das Gebäude besaß sehr sehenswerte Schmuckornamente. An dieser prächtig gestalteten Fassade befand sich auch der Wandbrunnen, den wir heute an der Ecke Hutstraße / Marschberg sehen können. Darüber befanden sich Reliefs, die zwei Schiffe darstellten. Über der Eingangstüre gaben ein Winkel und eine Reißschiene Auskunft über den Beruf des Hausbesitzers Carl Bauer. Ferner erinnerten neben dem Balkon des Hauses zwei Gestalten mit Steinmetzwerkzeugen und Bauplan an Bauer, der das Gebäude wegen Zahlungsschwierigkeiten 1909 versteigern lassen musste.

Neuer Hauseigentümer wurde der Klempnermeister Friedrich Schneider. 1924 wird die Witwe Aline Schüler als Grundstücksbesitzerin erwähnt. Das Haus Weichengereuth Nr. 3 war eines der wenigen Privathäuser in der Gegend, die noch 1977 im Privatbesitz lagen. Die Bundesrepublik Deutschland hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die meisten Gebäude aufgekauft. Die Denkmalschutzbehörde hatte schließlich das Haus mit dem Rückgebäude in ihre Liste aufgenommen.
Der Abriss von 1989 wurde dadurch nicht verhindert, aber es gab Diskussionen die Fassade des Jugendstilhauses als Treppenaufgang zur Hügelstraße künstlich wieder aufzubauen. Für manche war dies ein „mutiger Versuch“, für andere eine reine „Mickey-Mouse-Architektur“. Schwierigkeiten mit der Finanzierung lies dieses Projekt nicht zur Ausführung kommen. Vorsorglich wurden aber seinerzeit die Ornamente und der Wandbrunnen von Weichengereuth Nr. 3 abgebaut und nummeriert. Zur Ausführung kam schlussendlich im Jahre 1997 nur die Wiederherstellung des Brunnens. Der Platz, wo er heute steht, wurde nicht zufällig ausgewählt. Er erinnert dabei an eine andere Brunnenanlage, die dort einst stand, nämlich an den Ölberg- oder Hölberlesbrunnen.

Der Ölberg- oder Hölberlesbrunnen um 1920 (Archiv: Christian Boseckert)

Urkundlich wird der Brunnen erstmalig im Jahre 1439 als „Älberlein“ jenseits der „Eichen brukken“ erwähnt. Diese war eine Vorläuferin der heutigen Schlachthofbrücke. Neben dem Brunnen stand vor der Reformationszeit eine Ölberggruppe, die auf die Passion Christi hinwies. Im Jahre 1606 wurde sie entfernt und im damaligen Friedhof an der Salvatorkirche wieder aufgestellt. Dort stand sie noch bis 1822. Dem Brunnen hatte sie seinen Namen gegeben. Das Volk hat im Sprachgebrauch aus Ölbergbrunnen, Oelberleinsbrunnen und schließlich „Hölberlesbrunnen“ gemacht. Zu diesem Namen trug auch der Professor am Gymnasium Casimirianum Hermann Gottfried Hornschuh irrtümlich bei. In einer Schrift aus dem Jahre 1773 schrieb er dem Wasser des Brunnens einen Geschmack von Preiselbeeren zu. Und da ja die Coburger zu Preiselbeeren „Hölberle“ sagen, war schließlich dieser Name geboren.
Die Heiligengruppe gab aber nicht nur dem Brunnen, sondern auch dem Gelände zwischen dem Marschberg und der Hutstraße den Namen, nämlich Ölberg. Dort gibt es auch eine Straße mit dem Namen „Am Ölberg“. Der Ölbergbrunnen, der zuweilen auch „Hutbrünnle“ genannt wurde, war ein laufender Brunnen. Seine Quelle lag im ehemaligen „Albrechtsgründle“, der sich einst zwischen der Hut und der Sandstraße befand. Das Wasser des Brunnens wurde vom Volk sehr geschätzt zumal es bei der Behandlung von Augenleiden nützlich gewesen sein soll. Der Polizeiinspektor Johann Philipp Eberhardt, ein fleißiger Beamter der Coburger Stadtverwaltung, zollt in seiner handgeschriebenen umfangreichen Statistik über die Coburger Verhältnisse dem Ölbergbrunnen im Jahre 1803 ein hohes Lob. Das Wasser des Brunnens war in früherer Zeit nicht nur ein Labsal für alle, die vorübergingen, für die Pilger, die Hirten und die Fuhrknechte, sondern auch für das Vieh, das zur Hut getrieben wurde.

Der Standort des Ölbergbrunnens befand sich ungefähr auf der heutigen Straßenmitte der Hutstraße zur Kreuzung Marschberg / Frankenbrücke, also etwas südlicher als die heutige Brunnenlange. Dabei handelte es sich um einen sechseckigen Kastenbrunnen aus Sandstein mit einer eisernen Säule. Darauf stand ein Meißener Löwe. Dieser hielt ein Schild mit der Abbildung des Coburger Mohren darauf. Im Jahre 1935 stellte man die Gesundheitsschädlichkeit des Wassers fest, sodass der Zufluss zugemauert werden musste. Die Brunnenanlage wurde allerdings stehen gelassen. Erst 1956 wurde aufgrund von Sanierungsarbeiten in dem Stadtviertel der Brunnen endgültig entfernt. Was aus der Brunnensäule und dem Löwen geworden ist, blieb bis heute im Dunkeln.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Ehemaliger Wandbrunnen des Hauses Weichengereuth 3, heute an der Ecke Marschberg/Hutstraße gelegen (Foto: S.Peter 2010)
Bild 2: Der Ölberg- oder Hölberlesbrunnen um 1920 (Archiv: Christian Boseckert)

GPS-Schnitzeljagd

Geocaching-Prospekt, GPS-Gerät und Tourenbeschreibung bei der Tourist-Info besorgen – und los geht’s. Sechs neue unterschiedliche Themenrouten stehen den Spielern rund um die Coburger Innenstadt zur Verfügung, Foto: Tourismus Coburg

Ein moderner Freizeitspaß hat in diesen Tagen Jubiläum: Am 3. Mai ist es zehn Jahre her, dass der US-Amerikaner Dave Ulmer das Geocaching ins Leben rief. Seine Idee: Mithilfe von GPS-Daten ist es möglich, jeden Ort auf der Welt recht genau zu bestimmen. Warum also diese technische Möglichkeit nicht spielerisch nutzen? Heute gibt es weltweit viele Tausend, die diesem Outdoor-Hobby nachgehen. Auch rund um Coburgs Innenstadt sind diverse Geocaching-Touren eingerichtet.

Ich habe vor, einen Fünf-Gallonen-Plastikeimer mit Deckel an einem versteckten Ort halb zu vergraben. Da hinein tue ich ein paar Sachen

kündigte Dave Ulmer in einem Internetforum an. Das tat er und veröffentlichte wenig später die GPS-Koordinaten, unter denen dieses Versteck (engl.: cache) zu finden ist. Er beschrieb auch ein paar Regeln für die Finder.

Diese Vorgaben gelten bis heute als Spielregeln des Geocaching: Die Lage der Verstecke wird mittels geografischer Daten genau beschrieben. Ein Cache besteht aus einem verschließbaren Behälter, in dem sich ein Stift, ein Logbuch sowie mehr oder weniger wertvolle Tauschgegenstände befinden. Der Finder darf sich ins Logbuch eintragen. Außerdem kann er einen Gegenstand behalten, soll aber einen anderen im Austausch zurücklassen. Dann wird der Behälter ins Versteck zurückgelegt.

Die GPS-Daten, die zu den Verstecken führen, sind auf verschiedenen Internetseiten hinterlegt. Auch unter www.coburg-tourist.de gibt es einen Link „Geocaching“ (>>> klick). Dort ist erläutert, wie diese moderne Art der Schnitzeljagd funktioniert. Außerdem sind etliche Touren aufgelistet, die sich insbesondere an jüngere Geocacher und Familien richten. Zu einigen Touren gibt es besondere Accessoires und Ausrüstungen, die in der Tourist-Info (Herrngasse 4) ab Ende Mai ausgeliehen werden können. Die Kostüme stellt JAKO-O zur Verfügung. Auf der Tour „Mittelalter“ zum Beispiel können die Kinder, verkleidet als Prinzessin oder Ritter, auf der Veste auf Schatzsuche gehen.

Es geht um Spiel, Spaß und Abenteuer an der frischen Luft: Auf der Geocaching-Tour „Luther“ heften sich die Spieler mit einem GPS-Gerät an die Spuren des Reformators. Zwei davon stehen in der Tourist Info zum Ausleihen zur Verfügung, man kann aber auch sein eigenes Gerät oder Handys und Smart Phones mit entsprechenden Features dazu benutzen. Um die jeweiligen GPS-Daten in einer Tour zu ermitteln, sind kleine Aufgaben zu lösen. So erfahren zum Beispiel Kinder spielerisch Wissenswertes über die Stadt, ihre Geschichte und Sehenswürdigkeiten und dürfen am Ende einen Schatz heben. Neben dem üblichen Inhalt befindet sich in den Coburger Cache-Behälter zusätzlich ein Stempel. In einem Geocaching-Prospekt, der ebenfalls bei der Tourist-Info erhältlich ist, können die Stempelabdrucke jeder Tour gesammelt werden. Wer mindestens einen Schatz gehoben hat und einen Stempelabdruck vorweisen kann, erhält einen Einkaufsgutschein.

Psssst!

Tag gegen den Lärm 2010, Quelle: Deutsche Gesellschaft für Akustik e.V. (DEGA) http://www.tag-gegen-laerm.de

Heute ist der Tag gegen den Lärm – im Rahmen des International Noise Awareness Day und zwar schon zum 15.Mal. Diese Jahr steht der Tag unter dem Motto “Kostbare Ruhe- teurer Lärm”. Mit Unterstützung des Bundesumweltministeriums und des Bundesumweltamtes soll das Thema Lärm im Alltag in den Vordergrund gestellt und aufgezeigt werden, wie die Lebensqualität unter Lärm leidet.

Für die Menschen in Deutschland stellt Lärm immer noch eine der am stärksten empfundenen Umweltbeeinträchtigungen dar. Am häufigsten fühlen sie sich durch Straßenlärm gestört (59%). Aber auch der Fluglärm wird von ca. 30% der Bevölkerung als Belästigung wahrgenommen.“ [UBA 2008]

Die letzten Jahre fanden stets Aktionen an diesem Tag statt. Einen Eindruck ohne Fluglärm konnte man vor ein paar Tagen sammeln, als durch die Aschewolke der komplette europäische Flugverkehr zum Stillstand kam.

Vermutlich deswegen lässt der bayerische Innenminister heute um 11 Uhr einen Probealarm ( >>> hier geht es zur Pressemitteilung) mit Sirenen stattfinden, um “bei schwerwiegenden Gefahren für die öffentliche Sicherheit” die bayerische Bevölkerung dazu veranlassen, ihre Radios einzuschalten und auf Durchsagen zu achten.

Mehr Informationen zum Tag gegen den Lärm gibt es >>>hier.

Welchen Lärm finden denn die Coburgerinnen und Coburger extrem nervig? Wo sollte sich hier etwas tun?

Wetter – Danke, gut!

Heißluft fährt vor, Foto: © S.Peter

Der Frühling hat nun endlich Einzug gehalten, überall riecht es nach B-B-Q, die Schlangen bilden sich nicht vor den Tankstellen, sondern vor den Eisdielen und der Himmel weist auch wieder die allseits bekannten Kondensstreifen trotz Eyjafjallajökull auf. Sogar der erste Heißluftballon fuhr vorbei.

Apropos Heißluftballon, diesen Termin kann man sich schon einmal vormerken: vom 6.-8.August 2010 findet die 16. Thüringer Montgolfiade in Heldburg mit Aufgabe von Ballonpost statt. >>> Hier geht es eigentlich zur offiziellen Seite (irgendwie hat diese derzeit Probleme) und >>> hier gibt es einen Artikel vom Freien Wort Hildburghausen.

Weiterhin gute Fahrt und viel Luft um Eure Nase!

Impressionen vom Gartenhaus Friedrich Rückerts

Coburg hat schon ein paar schöne Ecken zu bieten. Das wußte auch der Dichter, Übersetzer und Orientalistik-Begründer Friedrich Rückert und verlegte seine Arbeits- und Wirkungsstätte auf den Goldberg. Friedrich Rückert, geb. am 16. Mai 1788 in Schweinfurt, ließ sich 1846 auf dem Goldberg in der Nähe seines Wohnhauses ein Gartenhaus als Refugium errichten, in dem er u.a. die “Hamasa”, eine Sammlung von mehr als tauschen arabischen Gedichten übersetzte.
Zum parkähnliche Anwesen  führt eine Baumallee, das zweigeschössige Haus steht idyllisch am Waldrand auf einer freien Grünfläche. Für Rückert der ideale Platz.

Hier ein paar Impressionen vom 2002 sanierten Gartenhaus mit der offiziellen Adresse Goldbergstraße 1.