Die Fotografen Gattineau und Adler

Das Anwesen Allee Nr. 6, Foto: © S.Peter 2010

Die Geschichte der Fotografie in Coburg ist noch weitgehend unerforscht und doch so sehr interessant. Fotos und Ansichtskarten zeigen uns schließlich, wie es früher in der Vestestadt ausgesehen hat, wobei Verlage, Druckereien und Foto-Ateliers einen besonderen Beitrag leisteten.
Eine letzte Erinnerung an diese Zeit ist im Steinweg, neben der Hahnmühle zu finden. Dort sieht man, an der Fassade eines kleinen Gebäudes, den Schriftzug „Photographie W. Adler“. Dieses Haus und das dahinter liegende Gebäude Allee Nr. 6 spielen in der Fotografie-Geschichte Coburgs eine wesentliche Rolle. Diese beginnt im Jahre 1867. In jenem Jahr erwarb der Fotograf Johann Georg Gattineau für 4.500 fl von den Maurermeistern Christian und Johannes Lutz ein Wohnhaus in der Allee.
Gattineau war 1810 in Erlangen als Nachfahre einer Hugenottenfamilie geboren worden. Er erlernte das Flaschner-Handwerk und eröffnete bereits 1846 in seiner Heimatstadt ein Fotogeschäft. Schon bald gab es eine Filiale des Gattineau´schen Fotogeschäfts in Würzburg. 1863 und 1866 gab er beide Geschäfte nacheinander an seinen Sohn, bzw. Schwiegersohn ab und verzog nach Coburg. Dort hatte er bereits 1864 von Herzog Ernst II von Sachsen-Coburg und Gotha den Titel eines Hoffotografen verliehen bekommen. Dies ist deshalb schon ungewöhnlich, da die Verleihung eine Person betraf, welche nicht die Coburger Staatsangehörigkeit besaß. Wahrscheinlich hatte es zu diesem Zeitpunkt in Coburg noch keinen Fotografen gegeben. Die ersten Aufnahmen der Vestestadt entstanden erst 1857 durch den britischen Fotografen Francis Bedford.

Werbeanzeige des Foto-Ateliers Gattineau aus der Zeit um 1880 (Sammlung Christian Boseckert)

In Gattineau´s neuem Domizil in der Allee entstand schließlich in einem Nebengebäude ein erstes Atelier, dass er zusammen mit seinem Sohn Franz betrieb. Wohl aus Altersgründen gab Gattineau den Betrieb im Jahre 1886 auf. Zwei Jahre später starb der Hoffotograf im Alter von 78 Jahren in Coburg. Haus und Atelier gingen 1886 in den Besitz der Brüder Otto und Paul Häußler über, die ebenfalls als Fotografen arbeiteten. Sie ließen seinerzeit ein größeres Atelier auf ihrem Grundstück errichten, welches heute noch im Steinweg zu sehen ist. Nach fünf Jahren erfolgte jedoch die Auflösung des Unternehmens und die Versteigerung des Wohnhauses nebst des Ateliers.

Beides übernahm 1891 der Fotograf Wilhelm Adler, der ebenfalls den Titel eines Hoffotografen trug. Er selbst besaß schon vorher ein Atelier. Dieses befand sich seit 1881 im Hinterhaus des Anwesens Oberer Bürglaß Nr. 14 (heute Immobilien Otte). Vorher war Adler in der Badergasse ansässig. Das Unternehmen entwickelte sich in der Folgezeit sehr erfolgreich und existierte bis in die 1980er Jahre hinein. Wilhelm Adler selbst betrieb das Atelier bis zu seinem Tode 1918.

Werbeanzeige des Foto-Ateliers Wilhelm Adler um 1900 (Sammlung Christian Boseckert)

Als Nachfolger stand bereits sein Sohn Max bereit, der das Unternehmen bis 1942 führte. Danach wurde das Geschäft an den Fotomeister Karl-Heinz Frick verpachtet (der später auch als Hausbesitzer in Erscheinung trat), wobei es aber weiterhin den Namen „Adler“ trug. Erst später erfolgte eine Umbenennung. Über 100 Jahre war im Hause Allee Nr. 6 ein Fotograf zu finden. Heute ist es dort ruhig geworden. Das Grundstück wird gegenwärtig nur privat benutzt. Jedoch hat sich in der Zwischenzeit im Umfeld des Hauses ein neues Fotostudio niedergelassen, so dass der Bereich zwischen Allee, Hahnmühle und Steinweg auch weiterhin einen traditionellen Standort für die Coburger Lichtbildkunst darstellt.

Das Atelier-Gebäude von 1887 am Steinweg gelegen, Foto: © S.Peter, 2010

Zum Schluss soll noch ein kleiner Exkurs zur Geschichte des Hauses Allee Nr. 6 folgen. Um 1850 befand sich an dieser Stelle ein Stadel mit angeschlossenem Garten, der auch das Grundstück Steinweg Nr. 66 erfasste. Eigentümer dieses Grundstücks war eine Familie Schöner. Der „Schönersgarten“ war in Coburg durchaus bekannt, diente er doch als Kellerbiergarten des Gasthofs „Zur grünen Linde“ in der Heiligkreuzstraße. (Haus Nr. 1) Der Zugang zu diesem Garten erfolgte über einem schmalen Weg zwischen dem Atelier Adler und dem Hause Steinweg Nr. 66 (ehemals Drogerie Zimmermann). Von der Allee konnte man das Grundstück nicht erreichen, da diese zur jener Zeit noch eine herzogliche Privatstraße war und Herzog Ernst II von Sachsen-Coburg und Gotha keinen weiteren Verkehr auf diesem Weg duldete. 1865 erwarben die Maurermeister Christian und Johannes Lutz das Grundstück und bauten 1867 den Stadel zu einem Wohnhaus aus. Dadurch entstand das heute noch bestehende Kleinhaus mit Laube und neugotischen Motiven. Anscheinend diente das Haus als Spekulationsobjekt, denn bereits im Jahr der Errichtung verkauften die beiden Maurermeister das Gebäude, wie schon erwähnt an den Hoffotografen Gattineau.

Text:
Chistian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Das Anwesen Allee Nr. 6 (Foto: S.Peter, 2010)
Bild 2: Werbeanzeige des Foto-Ateliers Gattineau aus der Zeit um 1880 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 3: Werbeanzeige des Foto-Ateliers Wilhelm Adler um 1900 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 4: Das Atelier-Gebäude von 1887 am Steinweg gelegen (Foto: S.Peter, 2010)

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Angriff der Dinos?

Angriff der Dinos? Foto: © S.Peter

Was macht ein Dino auf dem Bahnhofsplatz? Ist die Urzeit zurückgekehrt? Haben Coburger Forscher Dinos clonen können?
Seit Sonntag, 20.Juni, steht ein Triceratops auf dem Bahnhofsplatz vor den Türen der HUK-COBURG. Dieser wird bis Mitte September stehen bleiben, denn der Dino macht Werbung für die Ausstellung „Abenteuer Urzeit in Schloss Tambach”, die vom 20.6. – 15.11.2010 im Jagd- und Fischereimuseum in Tambach stattfindet.

Dinos auf dem Bahnhofsplatz, Foto: © S.Peter

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Das Sonnenhaus in der Alexandrinenstraße

Das Sonnenhaus in der Alexandrinenstraße, Bild: C.Boseckert

Es ist wohl das beeindruckenste Jugendstil-Gebäude Coburgs. Gemeint ist hier das sogenannte Sonnenhaus bzw. die Sonnenburg in der Alexandrinenstraße, die inzwischen auch schon über 100 Jahre alt ist. Die Geschichte des Hauses soll nun Gegenstand des heutigen Blogeintrages sein.

Ursprünglich befand sich auf diesem Gelände der sogenannte „Sturmsgarten“. Der Bierbrauer und Gastwirt Anton Sturm, der ein Lokal in der Ketschengasse besaß, schenkte hier ab 1840 in den Sommermonaten seinen selbstgebrauten Gerstensaft aus. Der Sturmsgarten war seinerzeit der größte Biergarten Coburgs und reichte von der Alexandrinenstraße bis hoch zum Glockenberg bzw. zur Hohen Straße. Nach dem Tode Sturms 1874 betrieben dessen Erben das Gartenlokal weiter, verkauften es aber schließlich 1891, um von dem Erlös ihre Brauerei an der Callenberger Straße modernisieren zu können. Der Sturmsgarten wurde dadurch zum Bauland. Dies weckte natürlich das Interesse der Architekten an dem Gebiet. Allen voran der aus Plauen stammende Jugendstil-Architekt Otto Leheis sah hier die Chance sich baulich zu betätigen. Er erwarb zu Anfang des 20. Jahrhunderts zehn Grundstücke (jeweils vier in der Alexandrinen- und Marienstraße sowie zwei Am Glockenberg), die nach dem Verkauf des Sturmsgartens dort entstanden waren. 1902 ging auch das Areal auf dem heute das Sonnenhaus steht, in seinen Besitz über. Der Bauplatz gehörte vorher dem Geheimen Finanzrat und Bankdirektor Emil Riemann.

Das Sonnenhaus in der Alexandrinenstraße, Foto: C. Boseckert

Das Ziel Leheis war es, auf diesem Grundstück eine Villa auf eigene Rechnung zu errichten. Schon Anfang 1902 hatte er dafür die notwendige Erlaubnis, seitens der Stadt, erhalten. So begannen im Herbst 1902 die Bauarbeiten an der Sonnenburg, die im Jahr darauf ihren Abschluss fanden. Unter den Jugendstil-Häusern Coburgs erhielt es sogleich aufgrund seiner üppigen Ornamentik eine Sonderstellung. Einflüsse des belgischen und Münchner Jugendstils machen sich dadurch bemerkbar. Die Annahme, das Leheis das Gebäude selbst entwarf, ist jedoch nicht ganz korrekt. Bereits sechs Jahre vorher entstand das gleiche Gebäude, allerdings seitenverkehrt, in Frankreich, so dass das Coburger Sonnenhaus nur als Kopie gesehen werden kann. Die Baukosten für dieses Gebäude waren jedoch enorm. Zu Leheis Pech hatte sich auch noch die wirtschaftliche Gesamtsituation geändert. Es gab mehr Häuser als Käufer und so blieb er auf dem Haus sitzen. Der Architekt verschuldete sich und musste deshalb 1907 das Sonnenhaus zwangsversteigern lassen. Im Rahmen dieses Verfahrens erwarb der Kaufmann Richard Burmeister das Anwesen.

Jugendstil-Ensemble, das Otto Leheis in der Alexandrinenstraße geschaffen hat, Foto: C.Boseckert

Im Jahre 1919 ging die Sonnenburg in den Besitz der Korbwarenfabrikantenfamilie Rädlein aus Weidhausen/Coburg über. Als Haubesitzer folgten noch die Familie Emrich, die Hofschlachtermeisterswitwe Anna Schlick und eine Familie Heydenreich. Auch in der Folgezeit wechselten oft noch die Grundstücksbesitzer, was der Pflege des Hauses keinen Abbruch tat. Sanierungsmaßnahmen erfolgten 1977/78, 1985 und 1995/96, so dass wir das Sonnenhaus gegenwärtig in einem guten Zustand vorfinden können. Otto Leheis indes verließ nach der Insolvenz seines Baugeschäfts Coburg und starb 1921 in Wüstenselbitz bei Schleiz in Thüringen.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Alle drei Fotoaufnahmen stammen von Christian Boseckert, 2010.
Bild 1 und 2 zeigt das Sonnenhaus
Bild 3 das Jugendstil-Ensemble, das Otto Leheis in der Alexandrinenstraße geschaffen hat.

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Freak-City rulez!

Herzlichen Glückwunsch nach Bamberg an die Brose Baskets zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2010!
Im fünften Finalspiel setzt sich Bamberg knapp gegen Frankfurt durch und holt den 3.Meister-Titel nach 2005 und 2007!

Freak-City rulez! Feiert schön!

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Straßenlieder

Eher zufällig stolperte Coburg-Life zu Beginn dieser Woche in Leipzig über eine Band, die in der Petersstraße wunderschöne Straßenmusik machte. Felix Meyer und Band stellten ihre erste CD “Von Engeln und Schweinen” vor. Felix Meyer erzählt mit seiner rauhen Stimme tolle Geschichten mit wunderschöner Musik, teils selbst erlebt, teils selbst erdacht. In Hamburg von Franz Plasa (produziert u.a. Echt und Selig) entdeckt, tourt der passionierte Straßenmusiker nun durch Deutschland, derzeit eben in Leipzig und lädt jeden ein, ihm zuzuhören.

Infos über Felix Meyer und wo man ihn live sehen kann findet man unter felixmeyer.eu. Eine ganz klare Empfehlung! Wir haben uns die CD gleich mitgenommen.

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