Schloßplatz 21

Seit Jahrzehnten gibt es in Coburg einige Dauerbrenner-Themen, wie Mehrzweck- oder Ballsporthallen oder auch Flugplätze. Ein weiteres beliebtes Thema, das mal wieder aktuell aus den Schubladen gezogen wird, ist das Thema “Tiefgarage unter dem Schloßplatz“. Der Realisierung steht angeblich nichts im Wege, vorausgesetzt ein potenter Geldgeber wird gefunden (>>> klick).

Der Schloßplatz um 1899, Sammlung S.Peter

Drehen wir die Uhr ein paar Jahrzehnte zurück, genauer gesagt in das Jahr 1973. Zwischen 1967 und 1970 war die Südzufahrt über die Bamberger Straße zur B4 errichtet worden, der Weiterbau der B4 durch die Adamistraße zur Callenberger Unterführungen sollte umgesetzt werden. Im Mai 1973 wurden Pläne für zwei Umgehungsstraßen veröffentlicht, die Westtangente, welche die B4 vom Weichengereuth bis zur Rodacher Straße führen sollte und auch ab 1974 gebaut wurde (>>> klick), sowie die innere Osttangente, die den Verkehr von der Alexandrinenstraße in einem Tunnel unter dem Schloßplatz hindurch zum Rittersteich fliessen lassen sollte. Auch von einer Durchgangsstraße durch die Wettiner Anlage über den asphaltierten Schloßplatz war alternativ die Rede. Im Zuge der Untertunnelung kam auch die Idee auf, unter dem Schloßplatz eine Tiefgarage zu bauen.
Bereits frühzeitig im März 1974 lehnte die Gemeinschaft Stadtbild Coburg sowohl den Bau der Osttangente als auch den Bau einer Tiefgarage unter dem Schloßplatz ab. Der damalige OB Dr.Wolfgang Stammberger lehnte 1974 beide Bauvorhaben ebenfalls ab.

Wie so oft reifen solche Vorhaben weiter in irgendwelchen Schubladen. So war es nicht verwunderlich, dass im Juni 1977 die Diskussion um die Schloßplatz-Tiefgarage erneut begann. Diesmal wurde das Vorhaben allerdings viel ernsthafter betrieben. Am 15.August 1977 wurden auf dem Schloßplatz erste Bohrungen zur Untersuchung des Untergrunds vorgenommen. Die IHK zu Coburg springt auf den Zug auf und befürwortet die Tiefgarage. Die Coburger Landesstiftung weist auf den Denkmalschutz hin und ist gegen den Bau.

Im Februar 1980 spricht sich der Leiter des Ordnungsamtes für den Bau der Tiefgarage aus. In den Zeiten des kalten Krieges sieht er im V-Fall die Möglichkeit, dort ca. 4000 Bürger in Sicherheit zu bringen. Der neue OB Karl-Heinz Höhn nimmt ebenfalls Stellung zu diesem Thema und möchte das Parkhaus Post und die Tiefgarage unter dem Schloßplatz realisieren. Einer weiteren Tiefgarage, die nun unter dem Gemüsemarkt errichtet werden soll, erteilt er eine Absage.
Ein Jahr später, am 12.Februar 1981 gibt der Stadtrat der Errichtung des Parkhauses Post Vorrang vor der Tiefgarage unter dem Schloßplatz.
Allerdings wird das Thema noch nicht ad acta gelegt, in einer vertraulichen Stadtratssitzung im Juni 1985 wird beschlossen, das Projekt Tiefgarage zu verwirklichen, wenn entsprechende Gelder aus Bonn fließen sollten. Kurz darauf erkennt auch OB Höhn, dass eine Tiefgarage mit Kosten in Höhe von 22 Millionen DM nicht finanzierbar ist.
Ab 1985 beginnt der Bürgerverein mit einer Unterschriftensammlung gegen den Bau und legt im Juni 1986 OB Höhn eine Liste mit fast 6000 Unterschriften gegen das Projekt vor. Kurz vor der Unterschriftenübergabe werden erneut Probebohrungen auf dem Schloßplatz durchgeführt. Und auch die IHK läßt nicht locker und fordert weiterhin den Bau der Tiefgarage.

1988 lehnt die oberste Baubehörde in München das Projekt aus Kosten- und Denkmalschutzgründen endgültig ab.

Eigentlich sollte man meinen, dass das Thema damit beendet wäre. Aber schon 1992 spricht sich die IHK erneut für den Bau einer Tiefgarage unter dem Schloßplatz aus. Diverse Planungen werden durchgeführt. Nachdem zuvor die Zufahrt über die Wettiner Anlage erfolgen sollte, sehen Planungen von 2006 nun die Zufahrt über den Oberen Bürglaß vor. Es ist auch nicht verwunderlich, dass zur Oberbürgermeisterwahl 2008 eben dieses Thema von der CSU auf die Agenda gepackt wird.
Inzwischen gibt es sogar einen Förderverein Schlossplatz-Tiefgarage e.V., der laut seinem Vorsitzenden Peter Kammerscheid mit rund 5000 Bürgern in einer Unterschriftenaktion das Thema wieder im Stadtrat auf den Tisch gebracht hat.

Wie stehen die Leserinnen und Leser zum Thema “Schloßplatz-Tiefgarage”? Haben wir genügend Parkplätze? Brauchen wir eine Tiefgarage?

8 Kommentare

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    Laut OB Kastner sind die Coburger Parkhäuser an gerade einmal 18 Tagen im Jahr ausgelastet. Damit sollte sich die Diskussion um eine Tiefgarage unter dem Schlossplatz eigentlich von alleine erledigt haben.

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    Ok, ich lass es mal hier raus – das Thema hat mich angespornt. Was wäre, wenn wir unterm Schloßplatz ein paar geheime Gänge finden würden – naaaaaa…. dann hätte (hab ich) das neue Realityhörspiel:

    “Die verboten Geheimgänge von Coburg”

    Und jup ich hab schon begonnen zu schreiben, man mags kaum glauben.

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    Ich habe meine Meinung zu dem Thema übrigens bereits hier (http://www.heiko-adams.de/2011/01/schlossplatz-tiefgarage-bullshit/) niedergeschrieben

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    22 Millionen zu DM-Zeiten. Gut anzunehmen, dass es dann heute 22 Millionen Euro sind. Sauber! Und wenn sich zehn Investoren finden würden, so wäre ich noch immer dagegen. Gründe gibt es mehrere.

    1. Wurde die komplette Sache ja schon einmal von höherer Stelle aufgrund des Denkmalschutzes abgelehnt. Die Kostengründe sind außen vor bei einer Fremdfinanzierung.

    2. 18 Tage im Jahr Vollbelegung. Also praktisch an Samba, Schloßplatzfest, Flohmarkt, Großveranstaltungen. Ansonsten: kein weiterer Parkplatzbedarf. Zudem dürften diese Tage der Vollbelegung auch die sein, an denen sowieso kein Theaterspiel (außerhalb des Rathauses ;-) ) stattfindet.

    3. Finde ich es auffällig, dass ausgerechnet die IHK als Anlieger und chronisch mit Parkplätzen unterversorgt immer wieder fordert. Fehlt nur noch, dass die Garage von unseren Zwangsgebühren (Mitgliedsbeitrag) teilfinanziert wird.

    4. Wurde ja schon in einem Finanzierungslastenheft von einem potentiellen Investoren gefordert, die restlichen Parkgebühren in Coburg zu erhöhen. Warum? Weil die Theaterbesucher zu bequem sind, vom Parkhaus Mauer aus die paar Meter zu Fuß zu gehen?

    5. Dürfte es wohl nur unwesentlich teurer für die Stadt Coburg sein, ein Schauspielhaus mit Parkplätzen außerhalb der Stadt auf der grünen Wiese zu errichten. Nur mal so als Gedankenspiel.

    6. Kann für die Millionen sicher der Nahverkehr optimiert werden. Vielleicht wäre es auch möglich – wenn die 18 Tage der Vollbelegung immer die selben sind – an diesen Tagen die Stadtbuszeiten auszuweiten, die auch nennenswert sind.

    Ich finde so ein Vorhaben mehr als Schwachsinn, die Stelle ist falsch und jede andere Stadt würde sich hüten, solche baulichen Sünden wie in den 60er und 70er Jahren geschehen (C+A-Haus, KAufhof) noch einmal zu begehen. Aber, der Coburger Sturkopf fordert gerne und denkt wenig. Hauptsache, das Maul aufgerissen….!

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    ist schon irgendwie komisch:
    offensichtlich bin ich nicht der Einzige, der entschieden gegen dieses Projekt ist – Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen sind ebenfalls der Meinung, dass wir an diesem Ort keine Tiefgarage brauchen. DENNOCH will man uns Glauben machen, dass eine breite Bevölkerungsgruppe (5000 Unterschriften) hinter dem Vorhaben steht. Ich kann nur hoffen, dass sich die Verantwortlichen davon nicht blenden lassen!
    Ich bin durchaus dafür – im Rahmen der Steinwegsanierung – für weitere Parkplätze zu sorgen (z.B. Parkhaus Post II am Lohgraben) aber nicht unter dem Schlossplatz! Das Interesse der IHK ist verständlich, der Wunsch nach sauberen Schuhen der Theaterbesucher nachvollziehbar, aber rechtfertigen diese Wünsche einen solchen Aufwand?????

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    Lasst uns doch eine Unterschriften-Aktion gegen(!) diesen Schwachfug starten und schauen, wie viele Unterschriften wir zusammen kriegen 8-)

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    ich wär dabei, habe aber überhaupt keine Ahnung wie man so was aufzieht.
    Müssen wir da auch einen Verein gründen?
    Brauchen eine Satzung, ein Logo oder am besten eine Fahne (kann man sich diese auch notfalls antrinken)?

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    Scheinbar sind nicht nur die ersten Planungen, sondern auch die heutigen Gedankengänge eher aus den 60er/70er Jahren. Immer schön die ganzen Autos mitten in die Innenstadt fahren lassen. Laufen soll ja ohnehin ganz ungesund sein – vor allem wegen den ganzen Abgasen…

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