Der Geheimgang von der Veste zur Stadt – Teil 2

Fortsetzung von Teil 1

Die Ehrenburg um 1900, Sammlung S.Peter

Über hundert Jahre sollte nun die Sage um den Geheimgang ruhen.
Wir schreiben nun das Jahr 1843. Am 31. August berichtete der geheime Registrator des Herzoglichen Ministeriums A.Pfrenger:

“Ich habe im Geheimen Archiv eine Original-Registratur vom 18. Mai 1734 von der Hand des damaligen Rats Johann Sebastian Kob gefunden, aus der sich mit Gewißheit ergibt, daß von dem herzoglichen Residenzschloß, der Ehrenburg, ein unterirdischer Gang auf die hiesige Festung führt.[…] und als Herr Obrist von Schauroth, welchen ich heute auf der Festung traf, sich mit mir über diesen Gegenstand unterhielt, und dabei äußerte, wie auch er [...] der Meinung sei, daß dieser Gang in den vor mehreren Jahren wieder geöffneten, von der Bärenbastei auf den Wallgraben gehenden Ausfall auslaufen möge, weil sich daselbst eine Stelle befinde, welche beim Betreten sehr hohl klinge und Sr. Herzoglichen Durchl. deshalb auch aufgefallen sei und der Nachforschung wert geschienen habe.”

In der Registratur von 1734 entdeckt er folgende Aussage von Hansteins:

“Inzwischen glaube er [von Hanstein], weil höchstgedachter Herr Herzog Albrecht in den Basteien verschiedene Thüren und Ausfälle habe vermauern lassen, dass solches auch diesen Gang mit betroffen habe. Es müßte demnach derselbe entweder in dem damaligen Eingange der Schloßkapelle gesucht, oder aber ein Versuch mit der Wünschelrute vorgenommen werden”

Drei Tage später erhält Freiherr von Schauroth, selbst Festungskommandant, von Herzog Ernst I. den Auftrag, nach dem Gang zu suchen. Er beginnt mit Ausgrabungsarbeiten auf der Bärenbastei mit der Hilfe einiger Tagelöhner. Knapp vier Wochen  nach Beginn der Grabungsarbeiten berichtet von Schauroth,

“daß die in den Gewölben der Bärenbastei angestellten Nachsuchungen, sowie auch die unternommene Nachgrabung in dem an die Bärenbastei anstoßenden verdeckten Gang, dem sogenannten Ausfall, ohne allen entsprechenden Erfolg geblieben sind; auch nicht eine Spur vorhanden sei, welche hoffen ließ, den an dieser Stelle vermuteten unterirdischen Gang aufzufinden.”

Am 8. Oktober 1843 verfügt Ernst I. die Nachforschungen nach dem Gang vorläufig einzustellen. Die Kosten für die bisherigen Anstrengungen werden aus der Privatkasse der Herzogs bezahlt und belaufen sich nur auf 5 Gulden. Mit dem Tod Enst I. 1844 sind die Grabungen nun komplett ad acta gelegt. Ernst II. hat keinerlei Interesse an einem Geheimgang.

Zu Beginn des 21.Jahrunderts wurde mit Hilfe eines Erdradars der Untergrund im Umkreis der Veste nochmals nach unterirdischen Stollen abgesucht. Das Ergebnis war ernüchternd, ein Geheimgang von der Veste zur Stadt wurde nicht entdeckt.

Der Geheimgang – nur ein Erfindung?

Also zurück in die Gegenwart. Wie sind nun die geschichtlichen Beschreibungen der Grabungen 1733/34 und 1843 zu bewerten? Ist ein solcher Gang aus baulicher und geologischer Sicht überhaupt möglich?

Die Ehrenburg

Geht man von einem Einstieg in der Ehrenburg aus, muss man sich zunächst die Ansicht der Ehrenburg und deren Umgebung vor 1690 vor Augen führen.
An der Stelle, an der heute die Ehrenburg zu finden ist, stand während des Mittelalters ein Franziskanerkloster, welches in den Zeiten der Reformation einging. Als Luther 1530 auf der Veste weilte, war das Kloster bereits jahrelang von seinen ehemaligen Bewohnern verlassen worden und diente kurfürstlichen sächsischen Beamten als Wohung und Unterkunft. Die alten Gebäude werden abgerissen, an deren Stelle ein Stadtschloss errichtet. 17 Jahre später zieht Herzog Johann Ernst in den Naubau ein und empfängt dort Kaiser Karl V. Es wird behauptet, der Name “Ehrenburg” gehe auf diesen prominenten Gästeempfang zurück.

Der Schloßplatz, die Arkaden und der Hofgarten existieren in ihrer heutigen Form noch nicht, der Stadtgraben, gespeist vom Stetsambach, verläuft durch die heutige Wettiner Anlage und Richtung Oberer Bürglaß.

Situationsplan Ehrenburg um 1679, Zeichnung © S.Peter

Die Ehrenburg hat auch noch nicht die heutige Form mit Ost- und West-Flügeln. Den Baustil vor Neu- bzw. Umbau der Ehrenburg kann man heute noch sehr gut an den Gebäuden entlang der Steingasse und des Vorderen Residenz-Schlosshofes inkl. Türmchen erkennen (siehe Foto >>>hier). Der Eingang ist von der Steingasse, Ökonomiegebäude und Marstall waren direkt an die Ehrenburg angegliedert (der heutige Marstall wurde erst zwischen 1685-90 erbaut) und auf der anderen Seite des Stadtgrabens stand das Ballhaus (erbaut 1627/29), an dessen Stelle sich seit 1843 die Arkaden befinden.
Geht man zur Aussage des Festungskommandanten von Hanstein zurück, so gab er zu Protokoll, dass “der Eingang zu diesem Gange in der Schloßkapelle gewesen sei”. Vor dem Großbrand am 9.März 1690 befand sich die Schloßkirche ungefähr an der Stelle des heutigen Museumsshops (an der Stelle xx auf dem Plan von 1679) neben dem Treppenhaus im Ostflügel. Fraglich ist, ob Stollen und Gänge bei diesem “plötzlichen und erschröcklichem” Brand, bei dem der Fürstenbau und die gegen Norden anstoßenden Flügel in Asche gelegt wurden, weiterhin existent bzw. gefunden worden wären.

Situationsplan Ehrenburg um 1800, Zeichnung © S.Peter

Die Schloßkirche wurde beim Neubau 1690 in den westlichen Flügel verlegt (an der Stelle xx im Plan von vor 1800), wo sie auch heute noch zu finden ist. Um den Gang also zu von Hansteins Zeiten begehen zu können, hätte ein neuer Ausgang des Ganges in den Neubau der Ehrenburg integriert werden müssen.

Ebenso hätte dieser Gang den Seitenarm des Stetsambach unterqueren müssen. Schutz vor eindringendem Wasser geschützt wäre notwendig gewesen, was sicherlich noch mit entsprechendem Aufwand möglich gewesen wäre. Gegen einen solchen Stollen spricht aber die Tatsache, dass der Grundwasserspiegel in diesem Gebiet bei Schmelzwasser so anstieg, dass selbst in den Kellergewölben der Ehrenburg Wasser eintrat. Man hätte also nicht gegen Wasser “von oben” sondern auch gegen Grundwasser Schutzmaßnahmen ergreifen müssen bzw. mit einer Einschränkung der Begehbarkeit rechnen müssen.

Gibt es also keinen Geheimgang in der Ehrenburg? Nun, so ganz stimmt das nicht. Innerhalb der Ehrenburg gibt es sehr wohl einen verdeckten Gang. Vom Schlaf- bzw. Ankleidezimmer des Herzogs im 2.Stock, vorbei am Schlafgemach der Herzogin im 1.Stock bis hinab in den ehemaligen Weinkeller.

Fortsetzung folgt…

Bildquellen:
Bild 1:  Die Ehrenburg um 1900, Sammlung S.Peter
Bild 2:  Situationsplan Ehrenburg um 1679, Zeichnung S.Peter
Bild 2:  Situationsplan Ehrenburg um 1800, Zeichnung S.Peter

13 Kommentare

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    Hey das is wie auf Hohenschwangau und Neusschwanstein – da werden manchmal beiden Führen auch die geheimen Verbindungstüren gezeigt. Also wegen Schloß Ehrenburg jetzt.

    Bin schon gespannt wie es weiter geht.

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    Zumindest gab es Prioritäten: vorbei am Frauenzimmer in den Weinkeller. Effektiv und mehr ist auch nicht nötig. Hut ab!

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      In welcher Reihenfolge der Stopp eingelegt wurde, ist geschichtlich nicht überliefert und es verbleibt ein gewisser Freiraum für Spekulationen… ;)

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    Also Stefan, erstmal Hut ab die Story ist die wieder mal gut gelungen.
    Es gab bzw. gibt einen Gang vom Schlafzimmer des Herzogs bis in den Weinkeller.
    Die Treppe bestand aus Holz und ist nur noch bedingt im Weinkeller wieder zu finden.

    Nochmal zu den Unterirdischen See zurück…..

    den gibt es wirklich wie Ich vor paar Jahren im Tiefbau noch gearbeitet, mussten wir ein Stück in diesen verschlossenen Keller rein…….Ich kann euch sage es ist recht interessant

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    Wenn Du der Sohn von Jutta bist, dann ja. Hast bei mir mal ein Praktikum gemacht.

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      Ja der bin ich.

      hmmmm mal überlegen……

      In deinen Privaten Blog kann man was über Rezepte nachlesen…… da würde nur einer in Frage kommen der Essen liebt und meine Mutter kennt….

      Mein Tipp: Holger

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    @Dominik: genau! Sei gegrüßt

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