Die Restauration „Jägersruh”

Das ehemalige Wirtshaus „Jägersruh“, Foto: © S.Peter

Ende April dieses Jahres fiel wieder ein Haus im Weichengereuth der Abrißbirne zum Opfer: das Anwesen an der Ecke zur Samuel-Schmidt-Straße: das ehemalige Gasthaus “Jägersruh” im Weichengereuth 25.
Das Gebäude, das seit Mitte der 70ziger Jahren leer stand und zum Schluß als Büro für einen Gebrauchtwagenhandel diente, blickte auf eine kurze, aber bewegte Geschichte zurück.

Im Jahre 1869 erbaute der königlich-ostpreußische Oberstleutnant von Hofmann-Chappuis eine Villa, das heutige Anwesen Weichengereuth 26. Der Getreidehändler und Kaufmann Adolf Mayer kaufte das Anwesen 1878 und vererbte es 1883 seinem Bruder, Jacob Freiherr von Mayer, ebenfalls Getreidegrosshändler. Nach dessen Tod trennt die Erbengemeinschaft 1901 das Grundstück in zwei Teile: Weichengereuth 25 und 26.

Die Restauration Jägersruh (Inhaber August Hofmann) um 1910, Bildquelle: Sammlung Christian Boseckert

1904 lässt auf dem abgetrennten Grundstück Weichengereuth 25 der Restaurateur August Hofmann ein neues Wirtshaus errichten. Baumeister sind die Gebrüder Frommann. Die Gaststätte bleibt in Familienhand, 1931 übernimmt die Witwe Liberta Hofmann das Gasthaus.

In der Nachkriegszeit als Flüchtlingsunterkunft genutzt (Zeitzeugen berichten von sehr beengten Zuständen), fällt das Anwesen 1955 an die Brauerei Raab in Untersiemau, die selbst 1981 den Braubetrieb einstellt.
Die Gaststätte hatte auch eine Kegelbahn, die von den Coburgern rege genutzt wurde. Auf dem Bild vor dem Abriß kann man die Stelle, an der der Nebenraum angebaut war, noch erkennen.

Jetzt staubt es, Foto: © S.Peter

1967 pachtet ein Grieche die Gaststätte und führt das Lokal unter dem Namen “El Grecco” weiter. Vermutlich war das das erste griechische Lokal in Coburg, jedoch mit einem nicht sehr guten Ruf. Im Herbst 1973 wurde die Gastwirtschaft geschlossen.
Anschliessend stand das Anwesen lange leer, bis zum Schluss ein KFZ-Handel seine Pforten dort eröffnete.

Die Überreste, Foto: © S.Peter

Am 30.April 2010 wurde das Gebäude abgebrochen, zuvor wurden die nutzbaren Baustoffe zur Weiterverwendung ausgebaut. Rege Bauarbeiten haben nun auf diesem und dem benachbarten Grundstück begonnen.

Hier stand es mal, Foto: © S.Peter

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Coburger Bankhäuser, Teil 2

Eines der markantesten Bankgebäude Coburgs ist der ehemalige Sitz der Coburger Bank am Theaterplatz. Es mag viele überraschen, dass dieses Grundstück erst vor knapp 200 Jahren bebaut wurde. Dennoch bietet es eine umfangreiche Geschichte, deren Inhalt Gegenstand des heutigen Blogeintrages sein wird.

Anstelle des ehemaligen Stadtgrabens am Spitaltor errichteten in den Jahren 1816/17 der Bauinspektor Johann Adam Koch und der Geheime Rat Johann Friedrich Carl von Griesheim eine großzügige Stadtvilla im Biedermeierstil. Das neue Gebäude war ein Doppelhaus mit einem Eingang an der Kleinen Mauer und einem Eingang in der Georgengasse. Diese Zweiteilung spiegelt sich heute noch an der Adresse des Hauses, die Theaterplatz Nr. 10 und 11 lautet, wieder. Beide Häuserteile sahen im Laufe des 19. Jahrhunderts vornehmer Besitzer. So finden sich für das Gebäude Theaterplatz Nr. 10 die Herzogin Luise von Sachsen-Coburg und Gotha (1824-25), die Frau Oberforstmeisterin Amalie von Wangenheim (1825-44) und der Justizrat Philipp Braun (1844-63) als Hauseigentümer erwähnt. Das Häuserteil Theaterplatz Nr. 11 blieb indes bis 1843 im Besitz der Familie von Griesheim und gelangte danach in den Besitz der Kaufmannswitwe Friederike Schöner (1844-71) und des Musikdirektors Carl Julius Abt (1871-89).
Der ursprüngliche Charakter des Gebäudes als reines repräsentatives Stadthaus ging schließlich im Jahre 1879 verloren. Damals erwarb der Restaurateur und Hoflieferant Theodor Herold das Anwesen Nr. 10 und richtete dort eine Weinhandlung mit eigenem Ausschank ein. Die Weinstube Herold, die vorher im Landestheater untergebracht war, galt als eine vornehme Einkehrmöglichkeit für Theaterbesucher und der vornehmen Coburger Bürgerschicht.
Die Weinstube existierte bis zum Tode Theodor Herolds im Jahre 1889. Das Haus kam daraufhin in den Besitz seines Sohnes Theodor Alphons Herold, der als Hotelier in Wien tätig war. Er erwarb 1889 noch das Nachbarhaus Nr. 11 und war damit der erste, dem der gesamte Häuserkomplex am Theaterplatz alleine gehörte.

Herold vermietete die Gebäude in der Folgezeit. So war auch um die Jahrhundertwende das amerikanische Konsulat für eine kurze Zeit in dem Haus untergebracht.
1904 verkaufte Herold die beiden Gebäude an den Architekten August Berger und an die Spar- und Vorschuss-Bank GmbH, einem Vorgänger-Institut der Coburger Bank. Damit begann die lange Geschichte des Gebäudes als Bankhaus. Das Bausubstanz des Gebäudes allerdings hatte mit den Jahren gelitten und entsprach nicht mehr den Vorstellungen eines repräsentativen Bankgebäudes. Auch verlangte das herzogliche Ministerium eine Neugestaltung des Hauses zur Aufwertung des Theaterplatzes. Grund hierfür war die Einweihung des Prinz-Josias-Denkmals im Jahre 1911. Aus diesen Gründen erwarb die Vereinsbank Coburg GmbH, wie die Spar- und Vorschussbank seit 1909 hieß, im Jahre 1910 den anderen Teil des Hauses und baute ihn zusammen mit ihrem Stammsitz zu einem repräsentativen Gebäude um. Aber auch dies war keine endgültige Lösung.

Schließlich erfolgte inmitten des Ersten Weltkrieges 1915 der Abbruch des Gebäudekomplexes. Die beiden Chemnitzer Architekten Alfred Zapp und Erich Basarke errichteten schließlich bis 1917 ein neuklassizistisches Bankgebäude. Zur Erinnerung an die teilweise recht schwierigen Verhältnisse während der Bauphase, wurde an der Ecke zur Georgengasse hin vom Bildhauer Bruno Ziegler ein Gedenkstein errichtet, der von einem Reiter bekrönt ist. Diesen Stein kann man noch heute am Gebäude sehen.

1934 wurde das Gebäude Sitz der Coburger Bank eGmbH, die aus einer Fusion zwischen der Vereinsbank und der Coburg-Gothaischen Bank AG entstand. Über 70 Jahre blieb dieses Kreditinstitut am Theaterplatz bestehen. Es erfolgten Umbauten im Inneren des Hauses und einige Veränderungen an der Hausfassade.
2006 schließlich fusionierte die Coburger Bank mit der VR-Bank Coburg-Rennsteig eG zur VR-Bank Coburg. In der Folgezeit wurde das Bankgebäude am Theaterplatz völlig umgebaut auch die Außenfassade erhielt durch die Vergrößerung der Schaufenster und der Entfernung der Eingangstreppe ein völlig neues Gesicht.

Heute befindet sich in dem Räumen eine Filiale der VR-Bank. So bleibt die seit 1904 andauernde Bankhaus-Tradition auch für die Zukunft erhalten.

Text: Christian Boseckert

Bild 1: Das Bankgebäude Theaterplatz 10/11 im Jahre 2010 (Foto: Christian Boseckert)
Bild 2: Der umgebaute Vorgängerbau der Vereinsbank Coburg mit dem Prinz-Josias Denkmal um 1913 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 3: Das Bankgebäude der Coburger Bank um 1930 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 4: Gedenkstein zur Errichtung des Gebäudes an der Ecke zur Georgengasse (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 5: Architektonische Impressionen (Foto: Christian Boseckert, 2010)

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Coburger Ausflugsziele: Schloss Rosenau

Es ist mal wieder an Zeit, daß eine neue Kategorie in diesem Blog Einzug hält: Coburger Ausflugsziele.
Zwar wurden schon in einigen Fotogalerien Impressionen von Ausflugszielen im Coburger Umland (und auch etwas darüber hinaus) präsentiert, mit dieser Kategorie sollen neben Foto-Impressionen auch einige geschichtliche Eindrücke (soweit es sich um ein historisches Ziel handelt) vermittelt werden.

Los geht es mit Schloss Rosenau. Idyllisch am Rand von Rödental gelegen, kann die Parkanlage und das darin gelegene Schloss prima mit dem Rad (beispielsweise vorbei an den Dörfleser Tongruben) erreicht werden.

Schloss Rosenau um 1900, Bildquelle: Sammlung S.Peter

Die Sommerresidenz der Coburger Herzöge, nordöstlich von Coburg gelegen, war nicht immer in deren Besitz. Bereits 1439 erstmal urkundlich erwähnt, gehörte der mittelalterliche Sitz Rosenau den Rittern von Rosenawe, einem alten Rittersgeschlecht, in deren Besitz u.a. das Rittersteichschlösschen (ehemaliges Wasserschloss Rosenau), das Schloss Ahorn und das Münzmeisterhaus waren.

Nach dem wirtschaftlichen Niedergang der von Rosenau wechselten die Besitzverhältnisse bis schließlich 1805 der Coburger Herzog Franz Friedrich Anton das Schloss für seinen Sohn Ernst I. erwarb. Ernst I. ließ den verfallenen Bau zwischen 1808 und 1817 unter Mitwirkung von Karl Friedrich Schinkel umbauen und es entstand das Schloss Rosenau mitsamt den Parkanlagen wie wir es heute kennen. Ernst I. gefiel das Schloss so sehr, dass er 1817 auf Schloss Rosenau die blutjunge, bildschöne und lebenslustige Tochter des Herzogs von Altenburg, Dorothea Luise ehelichte.

Am 26.8.1819 wird auf Schloss Rosenau Prinz Albert, der spätere Gemahl von Queen Victoria, geboren. Seine Wiege gehört noch heute zu den Highlights der Ausstellungsstücke. Albert und Victoria sind häufig auf Schloss Rosenau, selbst nach dem frühen Tod von Albert besucht Queen Victoria mehrfach ihre Sommerresidenz. Ihr Ausspruch

“Wäre ich nicht, was ich bin, so wäre hier mein wahres Zuhause.”

zeigt die Verbundenheit mit dem Schloss.
Das Ferienhaus der Herzöge wurde ausschließlich in den Sommermonaten genutzt, Öfen oder Feuerstellen sucht man übrigens vergebens.

1920 ging das Schloss mit samt der Liegenschaften an die Coburger Landesstiftung und ist seit 1972 im Besitz der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.

Das vorzüglich gepflegte Schloss sowie die Parkanlagen laden zu einem Besuch ein. Empfehlenswert ist auch die Führung durch Schloss Rosenau, insbesondere die Kinderführungen sind ein Genuss! Nähere Infos gibt es >>> hier.

Anbei einige Impressionen von Schloss Rosenau.

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Das Café Herold

Damals Café - heute Café, Foto: © S.Peter

Der heutige Blogeintrag führt uns in die Bahnhofstraße. Dort, an der Ecke zur Seifartshofstraße, befindet sich mit dem Café Filou eines der schönsten Lokalitäten Coburgs. Auch das Haus mit seinem neuklassizistischen Stil und der davor liegende Biergarten tragen viel zu diesem Flair bei. Umso interessanter ist es die Geschichte des Hauses genauer unter die Lupe zu nehmen.

Noch um 1850 standen an dieser Stelle vier kleine Wohnhäuser, in denen Tagelöhner oder Handwerksknechte (Vorläufer der heutigen Gesellen) lebten. Diese Gebäude gehörten zur Seifartshofstraße, die damals schon als Feldweg existierte. Nur der Anfang dieser Weges war seinerzeit bebaut. Ansonsten säumten Äcker und Wiesen, welche von Coburger Bauern bewirtschaftet wurden, den Weg. Das gleiche gilt für die Bahnhofstraße, die man 1861 als neue Zufahrt zum Bahnhof anlegte. Durch den Bau dieser Straße wurden die dort angrenzenden Felder zum Bauland.
Einer der ersten, der dort ein Stück Land erwarb, war der Baumeister August-Friedrich Franke. Er erhielt das Kopfgrundstück zwischen der neuen Bahnhof- und der Seifartshofstraße, dort wo heute eben das Haus Bahnhofstraße 11 steht. Der gebürtige Saalfelder war in jener Zeit häufig als Baumeister in Coburg beschäftigt. So stammen aus seinen Entwürfen die u.a. Häuser Albertsplatz 6, Löwenstraße 13 sowie mehrere Anwesen in der Bahnhof- und Lossaustraße.
Für sich selbst und seine Familie errichtete er im Jahre 1867 das Wohnhaus Bahnhofstraße 11. Franke war somit Architekt und Bauherr in einer Person. Ursprünglich befand sich in dem Gebäude kein Geschäft. Dies änderte sich erst später. August-Friedrich Francke indes verlebte hier im Kreise seiner Familie seine schönsten Jahre. Er starb 1885 im Alter von 61 Jahren. Das Grundstück ging im Erbgang an seine Ehefrau Luise und nach deren Tod im Jahre 1909 an die gemeinsamen Kinder. Diese verkauften 1912 das Haus an den Konditormeister Albert Herold. Damit war der Grundstein für die gastronomische Nutzung des Hauses gelegt.

Der Backofen-Anbau, Christian Boseckert, 2010

Herold baute das Erdgeschoss komplett um, errichtete an der Seite zur Seifartshofstraße einen neuen Backofen in Form eines Turmes und eröffnete neben einer Bäckerei auch ein Café. Der Vorgarten wurde zeitgleich zu einem Cafégarten umfunktioniert. 1924 erfolgte ein Sortimentwechsel hin zu einer Konditorei.
Albert Herold betrieb die Konditorei samt Café bis zu seinem Tod im Jahre 1945. Seine Witwe Kunigunde verpachtete daraufhin das Lokal. Erster Pächter war eine Familie Reinhardt. 1953 übernahm der Bäckermeister Max Treuner das Café und erhielt für dieses die volle Schanklizenz. Das bedeutete, dass dort auch Bier ausgeschenkt werden durfte. Unter dem Namen „Café Herold“ betrieb das Treuner das Geschäft noch bis in die 1970er Jahre hinein weiter.
Danach wurde das Café aufgegeben und das Lokal zu einer Speisegaststätte umgebaut. Vornehmlich gab es hier ein jugoslawisches und italienisches Spezialitätenrestaurant. 1983 fand sich hier die Pizzeria „Rimini“, die dann später in „Athena“ umbenannt wurde. Es ist zu bemerken, dass die Pächter dieser Gaststätten häufig wechselten. Dies änderte sich erst zu Anfang der 1990er Jahre. Nach einem erneuten Umbau eröffnete dort das Café Filou, dass sich zu einem beliebten Studenten- und Jugendtreff mauserte. Auch ältere Coburger genießen es, im Schatten des Biergartens zu sitzen und zu kleinen Speisen etwas zu trinken.

Text: Christian Boseckert

Bildquellen:
Foto 1: Das Café Filou, S.Peter 2010
Foto 2: Der Backofen-Anbau, Christian Boseckert, 2010

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Ein scharfes Eck

Verkehrsprobleme hat es durch die Jahrhunderte schon immer gegeben und sind nicht erst in der Neuzeit durch den Autoverkehr entstanden. Nein, schon früher als man mit Pferden und Kutschen sich fortbewegte hat es diese Art von Problemen gegeben. Eines dieser Verkehrsprobleme was vor 130 Jahren Coburg erregte und schon längst gelöst wurde, soll heute das Thema sein. Es geht um die Kreuzung Judengasse/Viktoriastraße/Löwenstraße. Heute ist sie ein Bestandteil der so genannten Westtangente und eine der verkehrsreichsten Kreuzungen Coburgs. Im 19. Jahrhundert befand sich hier eine der gefährlichsten Engstellen der Stadt. Wie eng es dort zuging, zeigt eines der hier veröffentlichten Bilder.

Die Ecke Viktoriastraße/Judengasse um 1900 (Sammlung: Historische Gesellschaft Coburg)

An der Stelle der heutigen Löwenapotheke stand ein einfaches Wohnhaus das weit in die Viktoriastraße hineinragte. Diese war einst sehr schmal und bei trockenem Wetter sehr staubig und nach einem Regenguss eine Moraststraße. Das Haus welches in die Viktoriastraße hineinragte, war ein schmuckloses breit dahingelagertes Gebäude, als dessen einzige Zierde man die angemalte Firma “P. Eichmüllers + Sanitäts-Bazar” ansehen konnte. Um 1903 wurde der Bau abgerissen und Peter Eichmüller verlegte sein Sanitäts- und Parfümeriegeschäft in das Haus Judengasse 54, welches ebenfalls auf dem Foto zu sehen ist und dort bis 1955 existierte.

Wie gefährlich diese Engstelle war, ist auch recht gut zu erkennen, vor allem wenn man von der Judenbrücke in die Viktoriastraße einbiegen wollte. So kam es in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zu einem “folgenschweren Unfall”, der sich bis heute in das Gedächtnis der Coburger eingeprägt hat und in den Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha verwickelt war.

Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha (Foto: Eduard Uhlenhuth, Sammlung Boseckert)

Dieser wollte man einem Vierergespann von der Viktoriastraße in Richtung Judenbrücke fahren, streifte dabei das Haus. Der Herzog, ein volkstümlicher Monarch der die Sprache der einfachen Leute sprach, erregte sich über dieses Malheur so sehr, dass er laut forderte man möge dieses “Scheißhaus” abreißen. Seither hatte dieses Gebäude diesen Spitznamen, sehr zum Leidwesen des damaligen Hausbesitzers dem Buchdruckermeister Bastel und weil er sich selbst zu den höher stehenden Bürgern Coburgs zählte (im Volksmund hieß er Graf Lytho) fühlte er sich durch den Kraftausdruck des Herzogs besonders gekränkt. Nun beide haben den Abriss des Hauses nicht mehr erlebt. 1904 errichte hier der Architekt Otto Leheis ein neues Jugendstilhaus, welches es zusammen mit dem Hause Judengasse 54 und dem Portikusbau des Ernst-Alexandrinenbades noch heute ein schönes Jugendstilensemble bildet.

Die Kreuzung heute (Foto: Christian Boseckert, 2010)

Durch diesen Neubau konnte nun die Viktoriastraße verbreitert werden, wozu auch der Biergarten der Gaststätte Bauer (Judengasse 39) beitrug, der um ein Stück verkleinert wurde. Wie sehr diese Veränderung nötig war, kann man heute täglich sehen. Unfälle konnten jedoch durch diese Maßnahme nicht verhindert werden. So kam es zuletzt dort 1996 zu einem tödlichen Unfall, wobei ein Motorradfahrer von einem Auto überfahren wurde und starb.

Vieles hat sich an dieser Kreuzung in den letzten hundert geändert. Häuser sind abgerissen und wieder aufgebaut worden. Zusätzlich wurde hier 1978 eine Verbindung zur Lossaustraße gebaut die die Umgebung maßgeblich veränderte. Möge man die verbliebenen alten Gebäude erhalten und sie nicht dem Verkehr opfern.

Text: Christian Boseckert

Bildquellen 1
Bild 1: Die Ecke Viktoriastraße/Judengasse um 1900 (Sammlung: Historische Gesellschaft Coburg)
Bild 2: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha (Foto: Eduard Uhlenhuth, Sammlung Boseckert)
Bild 3: Die Kreuzung heute (Foto: Christian Boseckert, 2010)

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Coburgs Bankhäuser – Teil 1

Ehemaliges Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 34 (Foto © S.Peter, 2010)

Mohrenstraße 34
1895 errichtete der Architekt Johannes Köhler an der neu angelegten Mohrenstraße ein Wohn- und Geschäftshaus im historistischen Stil als Spekulationsobjekt. Im Jahre 1910 wurde das Gebäude von der Bank für Thüringen AG mit Hauptsitz in Meiningen erworben. Die Bank für Thüringen war das bedeutendste regionale Bankhaus im thüringischen Raum und bezog hauptsächlich ihr Geschäftsfeld auf die Kreditvergabe an Industrieunternehmen, insbesondere in der Porzellan-, Elektro- und Textilindustrie. 1926 wurde die Bank für Thüringen von der heutigen Deutschen Bank übernommen. Ab 1927 war sie auch als Hauseigentümer der Mohrenstraße Nr. 34 erwähnt und führte die Filiale weiter. Nachdem jedoch das Kaufhaus Brandt in der Spitalgasse 1982 Konkurs anmelden musste, zog im Jahr darauf die Deutsche Bank in die freigewordenen Räume des ehemaligen Kaufhauses, wo sie heute noch ansässig ist. Im alten Bankgebäude in der Mohrenstraße hat seitdem ein deutschlandweit bekanntes Optikerunternehmen seine Coburger Niederlassung.

Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 38 (Foto: Christian Boseckert, 2010)

Mohrenstraße 38
Im Jahre 1910 erbaute der Architekt Hans Münscher dieses Wohn- und Geschäftshaus anstelle der bekannten Gaststätte „Grübelei“. Das Gebäude diente anfangs als Hotel und Lichtspieltheater, konnte sich jedoch nicht lange halten. Bereits 1921 erwarb daher die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, kurz Hypo-Bank, das Anwesen und richtete nach umfangen Umbauarbeiten dort eine Filiale ein. Die Bank mit Hauptsitz in München wurde 1835 auf Initiative König Ludwigs I von Bayern gegründet. Sie entwickelte sich rasch zur größten Hypothekenbank Deutschlands und expandierte ab den 1960er Jahren auch ins Ausland. 1998 fusionierte die Hypobank mit der Bayerischen Vereinsbank zur HypoVereinsbank. Die Coburger Filiale wurde in Folge der Fusionierung aufgegeben, das Bankgebäude selbst in den Jahren 2003/04 gründlich saniert und umgebaut. Seither befindet sich in den Räumen eine Filiale der VR-Bank Coburg.

Bankgebäude Steinweg Nr. 5 (Foto © S.Peter, 2010)

Steinweg 5
1861 erwarb die Kreditkasse des Spar- und Hülfevereins Coburg das Anwesen Steinweg Nr. 5 als eigenes Bankhaus. Vorher diente das Gebäude jahrhundertelang als Gasthaus „Zum goldenen Adler“. Die Kasse wurde 1856 von Coburger Kaufleuten, Handwerksmeistern und Selbstständigen als Konkurrenz zur städtischen Sparkasse gegründet. 1911 errichtete im Auftrag des Spar- und Hülfevereins Stadtbaumeister Max Böhme an gleicher Stelle an neues Bankgebäude im Jugendstil. Dieses übernahm im Jahre 1922 die Bayerische Staatsbank aus München, welche eine Filiale dort einrichtete. Dieses Institut entwickelte sich aus der Hofbank der Markgrafen von Ansbach-Bayreuth.

Bankgebäude Steinweg Nr. 5 (Foto © S.Peter, 2010)

Nachdem die beiden Fürstentümer im Wiener Kongress von 1815 an Bayern fielen, übernahm das Königreich auch das Bankhaus und erhob das Institut schließlich zur Königlichen Hofbank. 1971 erfolgte die Umbenennung in Bayerische Vereinsbank. 1927 kaufte die Staatsbank von der Metzgermeisterswitwe Anna Schlick noch das Nachbarhaus Steinweg Nr. 7 dazu. Das dortige Ladengeschäft war lange Zeit vermietet und wurde der Bank erst 1996 zugeschlagen. Seit 1998 beherbergt das Bankgebäude den Sitz der Bayerischen Hypovereinsbank in Coburg.

Ehemaliges Bankgebäude Steinweg Nr. 13 (Foto: Christian Boseckert, 2010)

Steinweg 13
Auch das ehemalige Modehaus Steinmann im Steinweg beherbergte in früheren Zeiten ein Bankinstitut. 1870 eröffnete in diesem Gebäude der Bankier Eduard Hülbig ein eigenes Bankhaus, das wohl schon vorher existierte. Elf Jahre später erfolgte der Zusammenschluss mit dem Bankier Adolf Haessler zum Bankhaus Haessler & Hülbig. In der Folgezeit, aber auch schon zuvor, hatte sich besonders Eduard Hülbig um das Gemeinwesen verdient gemacht. Er erhielt dafür als einer der ersten Coburger das Ehrenbürgerrecht der Stadt. Als er 1889 starb übernahm dessen Sohn Otto die Leitung der Privatbank. Ihm folgte schließlich 1927 dessen Sohn Eduard jun. Dieser gab in einer Selbstanzeige vom Oktober 1929 zu, dass er mindestens 100.000 Reichsmark unterschlagen habe. Daraufhin wurde Hülbig verhaftet und das Bankhaus brach zusammen. Das Bankgebäude wurde schließlich nach 1931 versteigert. In den folgenden Jahren erfuhr das Haus dann eine Umgestaltung zum Modehaus. Ein Bankgeschäft hat sich seither nicht mehr dort niedergelassen.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Ehemaliges Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 34 (Foto © S.Peter, 2010)
Bild 2: Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 38 (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 3 + 4: Bankgebäude Steinweg Nr. 5 (Foto © S.Peter, 2010)
Bild 5: Ehemaliges Bankgebäude Steinweg Nr. 13 (Foto: Christian Boseckert, 2010)

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