Schloßplatz 21
Seit Jahrzehnten gibt es in Coburg einige Dauerbrenner-Themen, wie Mehrzweck- oder Ballsporthallen oder auch Flugplätze. Ein weiteres beliebtes Thema, das mal wieder aktuell aus den Schubladen gezogen wird, ist das Thema “Tiefgarage unter dem Schloßplatz“. Der Realisierung steht angeblich nichts im Wege, vorausgesetzt ein potenter Geldgeber wird gefunden (>>> klick).
Drehen wir die Uhr ein paar Jahrzehnte zurück, genauer gesagt in das Jahr 1973. Zwischen 1967 und 1970 war die Südzufahrt über die Bamberger Straße zur B4 errichtet worden, der Weiterbau der B4 durch die Adamistraße zur Callenberger Unterführungen sollte umgesetzt werden. Im Mai 1973 wurden Pläne für zwei Umgehungsstraßen veröffentlicht, die Westtangente, welche die B4 vom Weichengereuth bis zur Rodacher Straße führen sollte und auch ab 1974 gebaut wurde (>>> klick), sowie die innere Osttangente, die den Verkehr von der Alexandrinenstraße in einem Tunnel unter dem Schloßplatz hindurch zum Rittersteich fliessen lassen sollte. Auch von einer Durchgangsstraße durch die Wettiner Anlage über den asphaltierten Schloßplatz war alternativ die Rede. Im Zuge der Untertunnelung kam auch die Idee auf, unter dem Schloßplatz eine Tiefgarage zu bauen.
Bereits frühzeitig im März 1974 lehnte die Gemeinschaft Stadtbild Coburg sowohl den Bau der Osttangente als auch den Bau einer Tiefgarage unter dem Schloßplatz ab. Der damalige OB Dr.Wolfgang Stammberger lehnte 1974 beide Bauvorhaben ebenfalls ab.
Wie so oft reifen solche Vorhaben weiter in irgendwelchen Schubladen. So war es nicht verwunderlich, dass im Juni 1977 die Diskussion um die Schloßplatz-Tiefgarage erneut begann. Diesmal wurde das Vorhaben allerdings viel ernsthafter betrieben. Am 15.August 1977 wurden auf dem Schloßplatz erste Bohrungen zur Untersuchung des Untergrunds vorgenommen. Die IHK zu Coburg springt auf den Zug auf und befürwortet die Tiefgarage. Die Coburger Landesstiftung weist auf den Denkmalschutz hin und ist gegen den Bau.
Im Februar 1980 spricht sich der Leiter des Ordnungsamtes für den Bau der Tiefgarage aus. In den Zeiten des kalten Krieges sieht er im V-Fall die Möglichkeit, dort ca. 4000 Bürger in Sicherheit zu bringen. Der neue OB Karl-Heinz Höhn nimmt ebenfalls Stellung zu diesem Thema und möchte das Parkhaus Post und die Tiefgarage unter dem Schloßplatz realisieren. Einer weiteren Tiefgarage, die nun unter dem Gemüsemarkt errichtet werden soll, erteilt er eine Absage.
Ein Jahr später, am 12.Februar 1981 gibt der Stadtrat der Errichtung des Parkhauses Post Vorrang vor der Tiefgarage unter dem Schloßplatz.
Allerdings wird das Thema noch nicht ad acta gelegt, in einer vertraulichen Stadtratssitzung im Juni 1985 wird beschlossen, das Projekt Tiefgarage zu verwirklichen, wenn entsprechende Gelder aus Bonn fließen sollten. Kurz darauf erkennt auch OB Höhn, dass eine Tiefgarage mit Kosten in Höhe von 22 Millionen DM nicht finanzierbar ist.
Ab 1985 beginnt der Bürgerverein mit einer Unterschriftensammlung gegen den Bau und legt im Juni 1986 OB Höhn eine Liste mit fast 6000 Unterschriften gegen das Projekt vor. Kurz vor der Unterschriftenübergabe werden erneut Probebohrungen auf dem Schloßplatz durchgeführt. Und auch die IHK läßt nicht locker und fordert weiterhin den Bau der Tiefgarage.
1988 lehnt die oberste Baubehörde in München das Projekt aus Kosten- und Denkmalschutzgründen endgültig ab.
Eigentlich sollte man meinen, dass das Thema damit beendet wäre. Aber schon 1992 spricht sich die IHK erneut für den Bau einer Tiefgarage unter dem Schloßplatz aus. Diverse Planungen werden durchgeführt. Nachdem zuvor die Zufahrt über die Wettiner Anlage erfolgen sollte, sehen Planungen von 2006 nun die Zufahrt über den Oberen Bürglaß vor. Es ist auch nicht verwunderlich, dass zur Oberbürgermeisterwahl 2008 eben dieses Thema von der CSU auf die Agenda gepackt wird.
Inzwischen gibt es sogar einen Förderverein Schlossplatz-Tiefgarage e.V., der laut seinem Vorsitzenden Peter Kammerscheid mit rund 5000 Bürgern in einer Unterschriftenaktion das Thema wieder im Stadtrat auf den Tisch gebracht hat.
Wie stehen die Leserinnen und Leser zum Thema “Schloßplatz-Tiefgarage”? Haben wir genügend Parkplätze? Brauchen wir eine Tiefgarage?
Die Entstehungsgeschichte des Sintflutbrunnens
In diesem Blogeintrag soll es um die Entstehungsgeschichte des Coburger Sintflutbrunnens gehen, dessen Schöpfer der gebürtige Coburger Ferdinand Lepcke (die Geschichte von Lepcke ist >>>hier zu finden) war. Dieser wurde am 23. März 1866 im Hause Leopoldstraße Nr. 27 als Sohn des Restaurateurs Ernst Lepcke geboren und starb bereits im Alter von 43 Jahren am 12. März 1909 in Berlin an den Folgen einer Lungenentzündung.
Lepcke verlebte also seine früheste Jugendzeit in der Leopoldstraße. Schon in jungen Jahren besuchter er die Kunstakademie in Berlin und war dort Schüler des Bildhauers Fritz Schaper von dem viele Denkmäler in Deutschland stammen. Ferdinand Lepcke wurde bald ein bekannter Künstler seiner Zeit und schuf zahlreiche Broncestatuen, Grabdenkmäler, Marmorbüsten und Denkmäler bedeutender Männer. Bereits im Alter von 25 Jahren erhielt er einen Staatspreis und wurde 1903 zum Professor ernannt. Ein Jahr vorher entstand auf Kosten des preußischen Staates für die Stadt Bromberg in Westpreußen (heute Bydgoszcz in Westpolen) der „Sintflutbrunnen“, das Original des Coburger Sintflutbrunnens.
Im gleichen Jahr 1902 machte Ferdinand Lepcke seiner Heimatstadt Coburg, mit der er sich besonders durch seine Zugehörigkeit zur Künstlerzunft St. Lukas verbunden fühlte, das Angebot, ihr das Gipsmodell dieses Brunnens unentgeltlich zu überlassen. Daran hatte Lepcke insgesamt zwei Jahre gearbeitet.
Nach langem Hin und Her lehnte der Coburger Stadtrat am 2. Dezember 1904 das Anerbieten Lepckes mit der Begründung ab, dass Coburg keinen geeigneten Platz hätte. In den Zeitungen war man darüber empört. Aber der Künstler ließ nicht locker. Schon am 20. Dezember 1904 antwortete er dem Oberbürgermeister Gustav Hirschfeld und machte dabei den Vorschlag, dass die Stadt ein einfaches Museum bauen solle, für das er Abgüsse von zahlreichen seiner von ihm geschaffenen Plastiken stiften würde. Das Auffinden eines geeigneten Platzes musste er aber immer noch dem Coburger Stadtrat überlassen. Einen Fingerzeig gab der Plan des Baues einer Gewerbeschule. Man erwog jetzt, den Brunnen irgendwie vor der geplanten Schule aufzustellen. Aber der Bau lag noch in weiter Ferne. Man überlegte weiter und kam auf die Idee, dass die Veste ein geeigneter Ort sei. Aber hier ergaben sich unüberwindliche Schwierigkeiten.
Inzwischen war der Gedanke aufgetaucht, nicht das Gipsmodell, sondern einen Bronceguss des Brunnens aufzustellen. Am 20. März 1905 schrieb Lepcke an Oberbürgermeister Hirschfeld, dass ein Bronceguss 30.000 Goldmark kosten würde. Er schlug gleichzeitig eine Sammlung unter den Bürgern vor und erklärte sich bereits das Modell noch ein Jahr aufzuheben, bis das Geld zusammengekommen sei. Da wurde Mitte des Jahres 1905 ein Coburger Bürger, der Baumeister Max Frommann, aktiv. Wahrscheinlich nach privater Fühlungnahme mit dem Herzoglichen Staatsministerium schlug er als Standort für den Sintflutbrunnen die Zollbauerswiese an der Ketschendorfer Straße vor. Er garantierte 20.000 Goldmark, die er selbst durch eine Sammlung aufzubringen gedachte. Den Rest von 10.000 Goldmark sollte die Stadt zusteuern. Bereits am 17. Juli 1905 bewilligte der Coburger Stadtrat diesen Betrag unter Voraussetzung, dass die Zollbauerswiese von der Herzoglichen Domäne unentgeltlich zur Verfügung gestellt würde. Das Herzogliche Staatsministerium gab am 29. Juli 1905 seine Zustimmung zur unentgeltlichen Überlassung der Zollbauerswiese mit der Auflage, dass das Gelände unbebaut bleiben sollte. Die entsprechenden Verträge zwischen der Stadt, dem Ministerium sowie mit Lepcke kamen zustande. Dieser nahm an dem Modell geringfügige Änderungen vor und sicherte sich das geistige Eigentum. Für den Guss des Brunnens, den die Firma Gladenbeck in Berlin ausführen sollte, waren jedoch Monate erforderlich.
Inzwischen hatte Frommann die 20.000 Goldmark zusammengebracht. Die Spender waren betuchte Coburger Bürger, darunter auch einige Bewohner der nahe gelegenen Alexandrinenstraße. Die israelitische Kultusgemeinde, die ihre Gottesdienste damals in der St. Nikolauskapelle abhielt, gab einen Sonderbeitrag.
Der Sintflutbrunnen, dessen Aufstellung man Ende 1906 erwartete, sollte an den Regierungsantritt des Herzogs Carl Eduard am 23. Juli 1905 erinnern. Zu diesem Zweck wollte die Stadt Coburg eine Plakette an dem Brunnen anbringen. Damit war das Ministerium nicht einverstanden und machte den Vorschlag, den Brunnen Carl-Eduard-Brunnen und den Platz Carl-Eduard-Platz zu nennen. Der Brunnenname könnte sich jedoch nicht durchsetzen.
Die Einweihung des Brunnens fand am 15. November 1906 um 11.45 Uhr statt. Der Herzog mit seiner Gemahlin fuhr im Automobil vor. Das erregte damals großes Aufsehen. Zur Einleitung der Feier spielte die Stadtkapelle „Schutzgeist alles Schönen“ von Mozart. Oberbürgermeister Hirschfeld hielt die Weiherede. Den Schluss der Feier, zu der solche Bürger der Stadt eingeladen waren, die irgendwie ein Ehrenamt besaßen, bildete Beethovens Hymne „Die Himmel rühmen“. Lepcke erhielt vom Herzog das Ritterkreuz 1. Klasse, der Direktor der Gießerei den gleichen Orden in der 2. Klasse und aus dem Baumeister Max Frommann wurde ein herzoglicher Baurat.
Nach dem Bau des Kongreßhauses 1962 wurde der Sintflutbrunnen von der Mitte des Rosengartens an seinen heutigen Platz, den südlichen Rosengarten, versetzt.
Text: Christian Boseckert
Bildquelle:
Bild 1: Der Sintflutbrunnen (Sammlung S.Peter), Bild 2 und 3: © S.Peter
150 Jahre St. Augustinkirche
In diesem Jahr konnte die katholische Pfarrkirche St. Augustin ihr 150jähriges Jubiläum begehen. Mit ihrer Einweihung im Jahre 1860 markierte die katholische Kirche symbolisch ihre Präsenz in Coburg nach über 300 Jahren.
Die ersten Katholiken siedelten sich bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts hier wieder an. Einer der ersten war der Kaufmann Johannes Zangerle. In seinem Haus in der Ketschengasse aber auch vermutlich in seinem Gartenhaus am Plattenäcker, welches wie eine Kapelle aussah, fanden die ersten Gottesdienste statt. Der Name der späteren Ausflugsgaststätte „Kapelle“ rührt von diesem Zangerle´schen Gartenhaus her, welches 1945 durch den Artilleriebeschuss der Amerikaner zerstört wurde.
Bereits 1806 erhielt die kleine katholische Gemeinde mit der Nikolauskapelle auch ein eigenes Gotteshaus. Durch den Zuzug von immer mehr Katholiken nach Coburg wurde die Kapelle nach 50 Jahren zu klein. Unter der Förderung des Prinzen August von Sachsen-Coburg-Kohary, einem Spross der katholischen Linie des Herzogshauses, ging man schließlich in den 1850er Jahren daran, eine komplett neue katholische Kirche zu bauen.
Mit dem Bau wurde der herzogliche Baurat Vincenz Fischer-Birnbaum betraut. Anfangs gab Diskussionen darüber, wo nun die neue Kirche stehen soll. Als mögliche Standorte galten die Zollbauerswiese (heute befindet sich dort der Rosengarten) oder die Gegend um den Rittersteich. Schließlich entschied man sich die Kirche am Fuße des Festungsberges zu errichten.
Die Bauarbeiten begannen im Jahre 1855 und dauerten fünf Jahre an. Den Bau der Kirche hat der britische Fotograf Francis Bedford auf einen der ersten Fotografien von Coburg 1857 festgehalten. Die Einweihung fand schließlich am 28. August 1860 im Beisein des Bamberger Erzbischofs Michael von Deinlein statt. Zu Ehren von Prinz August erkor man den Heiligen Augustinus von Hippo zum Patron der neugotisch gestalteten Kirche. Der erste Pfarrer von St. Augustin bezog noch im selben Jahr das Wohnhaus des Hofmalermeisters Halter in der Festungsstraße, welches heute noch als Pfarramt dient.
Mit der Einweihung der Kirche hatte nicht nur die katholische Gemeinde ein neues spirituelles Zentrum erhalten, sondern auch die katholische Linie des Hauses Sachsen-Coburg eine Grablege für sich gefunden. Prinz August hatte diese Krypta für sich und seine Nachfahren extra auf seine Kosten anlegen lassen. Er war auch der erste, der nach seinem Tod im Jahre 1881 dort beigesetzt wurde. Ihm folgten seine Frau Clementine und deren gemeinsame Kinder, darunter der bulgarische Zar Ferdinand I., nach.
Die letzte Beisetzung fand 1967 statt, als die Herzogin Dorothea von Schleswig-Holstein, eine Enkeltochter Prinz Augusts hier zu Grabe getragen wurde. Neben Kirche und Pfarrhaus besitzt die katholische Gemeinde heute ein eigenes Pfarrzentrum an der Oberen Klinge, welches den Mittelpunkt der Pfarrei darstellt.
Text: Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1 und 3: Die St. Augustinkirche im Jahre 2010 (Fotos: Christian Boseckert)
Bild 2: Bild vom Bau der Kirche aus dem Jahre 1857 (Foto: Francis Bedford, Sammlung Chr. Boseckert)
Bild 4: Krypta in der St. Augustinkirche (Foto: © S.Peter 2009, 2010)
Coburger Ausflugsziele: Die Burgruine von Lichtenstein
Gelegen im Landkreis Haßberge, nur einen Steinwurf von Bischwind im Coburger Land entfernt, befindet sich ein weiteres, sehr schönes Ausflugsziel: die Burgruine von Lichtenstein.
Die Burg Lichtenstein existiert seit über 750 Jahren. Erstmalig wurde die Burg im Jahre 1232 erwähnt, Besitzer waren vermutlich die Herren von Lichtenstein, eng verbunden mit dem Bischofstum von Würzburg.
1257 fällt die Burg für kurze Zeit an den Bamberger Bischof. Nachdem das Hochstift Würzburg die Burg Lichtenstein wieder in ihrem Einflussbereich hat, verleiht es diese als Lehensgeber an die von Rotenhahn, von Schaumburg, zu Schottenstein, zu Lichtenstein u.a.
Der Ausbau der Burg erfolgt aufgrund der Hussitenkriege zwischen 1420 und 1430. Der im Bauerkrieg 1525 zerstörte nördliche Teil der Burg verkommt zunehmends zur Ruine, während der südliche Teil der Burg ab 1570 auf die heutige Größe erweitert wurde.
Ab 1568 übernehmen wieder die von Lichtenstein die Burg, bis 1699 mit Wilhelm Ulrich von Lichtenstein der Letzte aus der Linie verstirbt. Nach der Linie Lichtenstein zu Lahm übernehmen ab 1845 bis heute die Freiherren von Rotenhahn die Südburg.
Und hier ein paar Impressionen, alle von Christian Boseckert aufgenommen.
Die Restauration „Jägersruh”
Ende April dieses Jahres fiel wieder ein Haus im Weichengereuth der Abrißbirne zum Opfer: das Anwesen an der Ecke zur Samuel-Schmidt-Straße: das ehemalige Gasthaus “Jägersruh” im Weichengereuth 25.
Das Gebäude, das seit Mitte der 70ziger Jahren leer stand und zum Schluß als Büro für einen Gebrauchtwagenhandel diente, blickte auf eine kurze, aber bewegte Geschichte zurück.
Im Jahre 1869 erbaute der königlich-ostpreußische Oberstleutnant von Hofmann-Chappuis eine Villa, das heutige Anwesen Weichengereuth 26. Der Getreidehändler und Kaufmann Adolf Mayer kaufte das Anwesen 1878 und vererbte es 1883 seinem Bruder, Jacob Freiherr von Mayer, ebenfalls Getreidegrosshändler. Nach dessen Tod trennt die Erbengemeinschaft 1901 das Grundstück in zwei Teile: Weichengereuth 25 und 26.

Die Restauration Jägersruh (Inhaber August Hofmann) um 1910, Bildquelle: Sammlung Christian Boseckert
1904 lässt auf dem abgetrennten Grundstück Weichengereuth 25 der Restaurateur August Hofmann ein neues Wirtshaus errichten. Baumeister sind Max und Tobias Frommann. Die Gaststätte bleibt in Familienhand, 1931 übernimmt die Witwe Liberta Hofmann das Gasthaus.
In der Nachkriegszeit als Flüchtlingsunterkunft genutzt (Zeitzeugen berichten von sehr beengten Zuständen), fällt das Anwesen 1955 an die Brauerei Raab in Untersiemau, die selbst 1981 den Braubetrieb einstellt.
Die Gaststätte hatte auch eine Kegelbahn, die von den Coburgern rege genutzt wurde. Auf dem Bild vor dem Abriß kann man die Stelle, an der der Nebenraum angebaut war, noch erkennen.
1967 pachtet ein Grieche die Gaststätte und führt das Lokal unter dem Namen “El Grecco” weiter. Vermutlich war das das erste griechische Lokal in Coburg, jedoch mit einem nicht sehr guten Ruf. Im Herbst 1973 wurde die Gastwirtschaft geschlossen.
Anschliessend stand das Anwesen lange leer, bis zum Schluss ein KFZ-Handel seine Pforten dort eröffnete.
Am 30.April 2010 wurde das Gebäude abgebrochen, zuvor wurden die nutzbaren Baustoffe zur Weiterverwendung ausgebaut. Rege Bauarbeiten haben nun auf diesem und dem benachbarten Grundstück begonnen.
Quellen:
Morsbach, Titz, Stadt Coburg, 2006
E.Cyriaci, Die Häusergeschichte der Stadt Coburg, 1948
Coburger Bankhäuser, Teil 2
Eines der markantesten Bankgebäude Coburgs ist der ehemalige Sitz der Coburger Bank am Theaterplatz. Es mag viele überraschen, dass dieses Grundstück erst vor knapp 200 Jahren bebaut wurde. Dennoch bietet es eine umfangreiche Geschichte, deren Inhalt Gegenstand des heutigen Blogeintrages sein wird.
Anstelle des ehemaligen Stadtgrabens am Spitaltor errichteten in den Jahren 1816/17 der Bauinspektor Johann Adam Koch und der Geheime Rat Johann Friedrich Carl von Griesheim eine großzügige Stadtvilla im Biedermeierstil. Das neue Gebäude war ein Doppelhaus mit einem Eingang an der Kleinen Mauer und einem Eingang in der Georgengasse. Diese Zweiteilung spiegelt sich heute noch an der Adresse des Hauses, die Theaterplatz Nr. 10 und 11 lautet, wieder. Beide Häuserteile sahen im Laufe des 19. Jahrhunderts vornehmer Besitzer. So finden sich für das Gebäude Theaterplatz Nr. 10 die Herzogin Luise von Sachsen-Coburg und Gotha (1824-25), die Frau Oberforstmeisterin Amalie von Wangenheim (1825-44) und der Justizrat Philipp Braun (1844-63) als Hauseigentümer erwähnt. Das Häuserteil Theaterplatz Nr. 11 blieb indes bis 1843 im Besitz der Familie von Griesheim und gelangte danach in den Besitz der Kaufmannswitwe Friederike Schöner (1844-71) und des Musikdirektors Carl Julius Abt (1871-89).
Der ursprüngliche Charakter des Gebäudes als reines repräsentatives Stadthaus ging schließlich im Jahre 1879 verloren. Damals erwarb der Restaurateur und Hoflieferant Theodor Herold das Anwesen Nr. 10 und richtete dort eine Weinhandlung mit eigenem Ausschank ein. Die Weinstube Herold, die vorher im Landestheater untergebracht war, galt als eine vornehme Einkehrmöglichkeit für Theaterbesucher und der vornehmen Coburger Bürgerschicht.
Die Weinstube existierte bis zum Tode Theodor Herolds im Jahre 1889. Das Haus kam daraufhin in den Besitz seines Sohnes Theodor Alphons Herold, der als Hotelier in Wien tätig war. Er erwarb 1889 noch das Nachbarhaus Nr. 11 und war damit der erste, dem der gesamte Häuserkomplex am Theaterplatz alleine gehörte.
Herold vermietete die Gebäude in der Folgezeit. So war auch um die Jahrhundertwende das amerikanische Konsulat für eine kurze Zeit in dem Haus untergebracht.
1904 verkaufte Herold die beiden Gebäude an den Architekten August Berger und an die Spar- und Vorschuss-Bank GmbH, einem Vorgänger-Institut der Coburger Bank. Damit begann die lange Geschichte des Gebäudes als Bankhaus. Das Bausubstanz des Gebäudes allerdings hatte mit den Jahren gelitten und entsprach nicht mehr den Vorstellungen eines repräsentativen Bankgebäudes. Auch verlangte das herzogliche Ministerium eine Neugestaltung des Hauses zur Aufwertung des Theaterplatzes. Grund hierfür war die Einweihung des Prinz-Josias-Denkmals im Jahre 1911. Aus diesen Gründen erwarb die Vereinsbank Coburg GmbH, wie die Spar- und Vorschussbank seit 1909 hieß, im Jahre 1910 den anderen Teil des Hauses und baute ihn zusammen mit ihrem Stammsitz zu einem repräsentativen Gebäude um. Aber auch dies war keine endgültige Lösung.
Schließlich erfolgte inmitten des Ersten Weltkrieges 1915 der Abbruch des Gebäudekomplexes. Die beiden Chemnitzer Architekten Alfred Zapp und Erich Basarke errichteten schließlich bis 1917 ein neuklassizistisches Bankgebäude. Zur Erinnerung an die teilweise recht schwierigen Verhältnisse während der Bauphase, wurde an der Ecke zur Georgengasse hin vom Bildhauer Bruno Ziegler ein Gedenkstein errichtet, der von einem Reiter bekrönt ist. Diesen Stein kann man noch heute am Gebäude sehen.
1934 wurde das Gebäude Sitz der Coburger Bank eGmbH, die aus einer Fusion zwischen der Vereinsbank und der Coburg-Gothaischen Bank AG entstand. Über 70 Jahre blieb dieses Kreditinstitut am Theaterplatz bestehen. Es erfolgten Umbauten im Inneren des Hauses und einige Veränderungen an der Hausfassade.
2006 schließlich fusionierte die Coburger Bank mit der VR-Bank Coburg-Rennsteig eG zur VR-Bank Coburg. In der Folgezeit wurde das Bankgebäude am Theaterplatz völlig umgebaut auch die Außenfassade erhielt durch die Vergrößerung der Schaufenster und der Entfernung der Eingangstreppe ein völlig neues Gesicht.
Heute befindet sich in dem Räumen eine Filiale der VR-Bank. So bleibt die seit 1904 andauernde Bankhaus-Tradition auch für die Zukunft erhalten.
Text: Christian Boseckert
Bild 1: Das Bankgebäude Theaterplatz 10/11 im Jahre 2010 (Foto: Christian Boseckert)
Bild 2: Der umgebaute Vorgängerbau der Vereinsbank Coburg mit dem Prinz-Josias Denkmal um 1913 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 3: Das Bankgebäude der Coburger Bank um 1930 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 4: Gedenkstein zur Errichtung des Gebäudes an der Ecke zur Georgengasse (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 5: Architektonische Impressionen (Foto: Christian Boseckert, 2010)

















