Die Restauration „Jägersruh”
Ende April dieses Jahres fiel wieder ein Haus im Weichengereuth der Abrißbirne zum Opfer: das Anwesen an der Ecke zur Samuel-Schmidt-Straße: das ehemalige Gasthaus “Jägersruh” im Weichengereuth 25.
Das Gebäude, das seit Mitte der 70ziger Jahren leer stand und zum Schluß als Büro für einen Gebrauchtwagenhandel diente, blickte auf eine kurze, aber bewegte Geschichte zurück.
Im Jahre 1869 erbaute der königlich-ostpreußische Oberstleutnant von Hofmann-Chappuis eine Villa, das heutige Anwesen Weichengereuth 26. Der Getreidehändler und Kaufmann Adolf Mayer kaufte das Anwesen 1878 und vererbte es 1883 seinem Bruder, Jacob Freiherr von Mayer, ebenfalls Getreidegrosshändler. Nach dessen Tod trennt die Erbengemeinschaft 1901 das Grundstück in zwei Teile: Weichengereuth 25 und 26.

Die Restauration Jägersruh (Inhaber August Hofmann) um 1910, Bildquelle: Sammlung Christian Boseckert
1904 lässt auf dem abgetrennten Grundstück Weichengereuth 25 der Restaurateur August Hofmann ein neues Wirtshaus errichten. Baumeister sind die Gebrüder Frommann. Die Gaststätte bleibt in Familienhand, 1931 übernimmt die Witwe Liberta Hofmann das Gasthaus.
In der Nachkriegszeit als Flüchtlingsunterkunft genutzt (Zeitzeugen berichten von sehr beengten Zuständen), fällt das Anwesen 1955 an die Brauerei Raab in Untersiemau, die selbst 1981 den Braubetrieb einstellt.
Die Gaststätte hatte auch eine Kegelbahn, die von den Coburgern rege genutzt wurde. Auf dem Bild vor dem Abriß kann man die Stelle, an der der Nebenraum angebaut war, noch erkennen.
1967 pachtet ein Grieche die Gaststätte und führt das Lokal unter dem Namen “El Grecco” weiter. Vermutlich war das das erste griechische Lokal in Coburg, jedoch mit einem nicht sehr guten Ruf. Im Herbst 1973 wurde die Gastwirtschaft geschlossen.
Anschliessend stand das Anwesen lange leer, bis zum Schluss ein KFZ-Handel seine Pforten dort eröffnete.
Am 30.April 2010 wurde das Gebäude abgebrochen, zuvor wurden die nutzbaren Baustoffe zur Weiterverwendung ausgebaut. Rege Bauarbeiten haben nun auf diesem und dem benachbarten Grundstück begonnen.
mehrCoburger Ausflugsziele: Schloss Rosenau
Es ist mal wieder an Zeit, daß eine neue Kategorie in diesem Blog Einzug hält: Coburger Ausflugsziele.
Zwar wurden schon in einigen Fotogalerien Impressionen von Ausflugszielen im Coburger Umland (und auch etwas darüber hinaus) präsentiert, mit dieser Kategorie sollen neben Foto-Impressionen auch einige geschichtliche Eindrücke (soweit es sich um ein historisches Ziel handelt) vermittelt werden.
Los geht es mit Schloss Rosenau. Idyllisch am Rand von Rödental gelegen, kann die Parkanlage und das darin gelegene Schloss prima mit dem Rad (beispielsweise vorbei an den Dörfleser Tongruben) erreicht werden.
Die Sommerresidenz der Coburger Herzöge, nordöstlich von Coburg gelegen, war nicht immer in deren Besitz. Bereits 1439 erstmal urkundlich erwähnt, gehörte der mittelalterliche Sitz Rosenau den Rittern von Rosenawe, einem alten Rittersgeschlecht, in deren Besitz u.a. das Rittersteichschlösschen (ehemaliges Wasserschloss Rosenau), das Schloss Ahorn und das Münzmeisterhaus waren.
Nach dem wirtschaftlichen Niedergang der von Rosenau wechselten die Besitzverhältnisse bis schließlich 1805 der Coburger Herzog Franz Friedrich Anton das Schloss für seinen Sohn Ernst I. erwarb. Ernst I. ließ den verfallenen Bau zwischen 1808 und 1817 unter Mitwirkung von Karl Friedrich Schinkel umbauen und es entstand das Schloss Rosenau mitsamt den Parkanlagen wie wir es heute kennen. Ernst I. gefiel das Schloss so sehr, dass er 1817 auf Schloss Rosenau die blutjunge, bildschöne und lebenslustige Tochter des Herzogs von Altenburg, Dorothea Luise ehelichte.
Am 26.8.1819 wird auf Schloss Rosenau Prinz Albert, der spätere Gemahl von Queen Victoria, geboren. Seine Wiege gehört noch heute zu den Highlights der Ausstellungsstücke. Albert und Victoria sind häufig auf Schloss Rosenau, selbst nach dem frühen Tod von Albert besucht Queen Victoria mehrfach ihre Sommerresidenz. Ihr Ausspruch
“Wäre ich nicht, was ich bin, so wäre hier mein wahres Zuhause.”
zeigt die Verbundenheit mit dem Schloss.
Das Ferienhaus der Herzöge wurde ausschließlich in den Sommermonaten genutzt, Öfen oder Feuerstellen sucht man übrigens vergebens.
1920 ging das Schloss mit samt der Liegenschaften an die Coburger Landesstiftung und ist seit 1972 im Besitz der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.
Das vorzüglich gepflegte Schloss sowie die Parkanlagen laden zu einem Besuch ein. Empfehlenswert ist auch die Führung durch Schloss Rosenau, insbesondere die Kinderführungen sind ein Genuss! Nähere Infos gibt es >>> hier.
Anbei einige Impressionen von Schloss Rosenau.
mehrCoburgs Bankhäuser – Teil 1
Mohrenstraße 34
1895 errichtete der Architekt Johannes Köhler an der neu angelegten Mohrenstraße ein Wohn- und Geschäftshaus im historistischen Stil als Spekulationsobjekt. Im Jahre 1910 wurde das Gebäude von der Bank für Thüringen AG mit Hauptsitz in Meiningen erworben. Die Bank für Thüringen war das bedeutendste regionale Bankhaus im thüringischen Raum und bezog hauptsächlich ihr Geschäftsfeld auf die Kreditvergabe an Industrieunternehmen, insbesondere in der Porzellan-, Elektro- und Textilindustrie. 1926 wurde die Bank für Thüringen von der heutigen Deutschen Bank übernommen. Ab 1927 war sie auch als Hauseigentümer der Mohrenstraße Nr. 34 erwähnt und führte die Filiale weiter. Nachdem jedoch das Kaufhaus Brandt in der Spitalgasse 1982 Konkurs anmelden musste, zog im Jahr darauf die Deutsche Bank in die freigewordenen Räume des ehemaligen Kaufhauses, wo sie heute noch ansässig ist. Im alten Bankgebäude in der Mohrenstraße hat seitdem ein deutschlandweit bekanntes Optikerunternehmen seine Coburger Niederlassung.
Mohrenstraße 38
Im Jahre 1910 erbaute der Architekt Hans Münscher dieses Wohn- und Geschäftshaus anstelle der bekannten Gaststätte „Grübelei“. Das Gebäude diente anfangs als Hotel und Lichtspieltheater, konnte sich jedoch nicht lange halten. Bereits 1921 erwarb daher die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, kurz Hypo-Bank, das Anwesen und richtete nach umfangen Umbauarbeiten dort eine Filiale ein. Die Bank mit Hauptsitz in München wurde 1835 auf Initiative König Ludwigs I von Bayern gegründet. Sie entwickelte sich rasch zur größten Hypothekenbank Deutschlands und expandierte ab den 1960er Jahren auch ins Ausland. 1998 fusionierte die Hypobank mit der Bayerischen Vereinsbank zur HypoVereinsbank. Die Coburger Filiale wurde in Folge der Fusionierung aufgegeben, das Bankgebäude selbst in den Jahren 2003/04 gründlich saniert und umgebaut. Seither befindet sich in den Räumen eine Filiale der VR-Bank Coburg.
Steinweg 5
1861 erwarb die Kreditkasse des Spar- und Hülfevereins Coburg das Anwesen Steinweg Nr. 5 als eigenes Bankhaus. Vorher diente das Gebäude jahrhundertelang als Gasthaus „Zum goldenen Adler“. Die Kasse wurde 1856 von Coburger Kaufleuten, Handwerksmeistern und Selbstständigen als Konkurrenz zur städtischen Sparkasse gegründet. 1911 errichtete im Auftrag des Spar- und Hülfevereins Stadtbaumeister Max Böhme an gleicher Stelle an neues Bankgebäude im Jugendstil. Dieses übernahm im Jahre 1922 die Bayerische Staatsbank aus München, welche eine Filiale dort einrichtete. Dieses Institut entwickelte sich aus der Hofbank der Markgrafen von Ansbach-Bayreuth.
Nachdem die beiden Fürstentümer im Wiener Kongress von 1815 an Bayern fielen, übernahm das Königreich auch das Bankhaus und erhob das Institut schließlich zur Königlichen Hofbank. 1971 erfolgte die Umbenennung in Bayerische Vereinsbank. 1927 kaufte die Staatsbank von der Metzgermeisterswitwe Anna Schlick noch das Nachbarhaus Steinweg Nr. 7 dazu. Das dortige Ladengeschäft war lange Zeit vermietet und wurde der Bank erst 1996 zugeschlagen. Seit 1998 beherbergt das Bankgebäude den Sitz der Bayerischen Hypovereinsbank in Coburg.
Steinweg 13
Auch das ehemalige Modehaus Steinmann im Steinweg beherbergte in früheren Zeiten ein Bankinstitut. 1870 eröffnete in diesem Gebäude der Bankier Eduard Hülbig ein eigenes Bankhaus, das wohl schon vorher existierte. Elf Jahre später erfolgte der Zusammenschluss mit dem Bankier Adolf Haessler zum Bankhaus Haessler & Hülbig. In der Folgezeit, aber auch schon zuvor, hatte sich besonders Eduard Hülbig um das Gemeinwesen verdient gemacht. Er erhielt dafür als einer der ersten Coburger das Ehrenbürgerrecht der Stadt. Als er 1889 starb übernahm dessen Sohn Otto die Leitung der Privatbank. Ihm folgte schließlich 1927 dessen Sohn Eduard jun. Dieser gab in einer Selbstanzeige vom Oktober 1929 zu, dass er mindestens 100.000 Reichsmark unterschlagen habe. Daraufhin wurde Hülbig verhaftet und das Bankhaus brach zusammen. Das Bankgebäude wurde schließlich nach 1931 versteigert. In den folgenden Jahren erfuhr das Haus dann eine Umgestaltung zum Modehaus. Ein Bankgeschäft hat sich seither nicht mehr dort niedergelassen.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Ehemaliges Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 34 (Foto © S.Peter, 2010)
Bild 2: Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 38 (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 3 + 4: Bankgebäude Steinweg Nr. 5 (Foto © S.Peter, 2010)
Bild 5: Ehemaliges Bankgebäude Steinweg Nr. 13 (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Das Bürglaßschlösschen
Unter der Adresse “Oberer Bürglaß 1″ steht direkt gegenüber dem Coburger Landestheater eines der wohl schönsten Standesämter Deutschlands: das Bürglaßschlösschen. Bereits 1499 wird an der Stelle des heutigen Schlösschen ein Anwesen erwähnt, welches ab 1521 im Besitz der Familie Gottsmann aus Neuhaus zu Thurn war. 90 Jahre lang sollte es im Familienbesitz bleiben, bis das Gottsmannhaus 1611 an Herzog Johann Casimir zurückfiel.
Ab 1648 wechselten die Besitzer, 1648 verweilte Georg Eyermann in dem Anwesen, 1654 gibt Herzog Friedrich Wilhelm das Haus an den Hauptmann Johann Georg von Bachstedt zu Lehen. Das baufällige Haus wurde von Bachstedt in Stand gesetzt, dieser erwarb zusätzlich im Jahre 1658 das Nebenhaus “Oberer Bürglaß 3″, in welchem sich heute das Mehrgenerationenhaus der Stadt Coburg befindet. Nach dem Ableben des von Bachstedt ging das Anwesen 1690 an den Jägermeister und Kammerjunker Wilhelm von Witzleben und 1699 wieder an die von Bachstedt. Die Familie von Bachstedt verkauft das sog. Bachstedtsche Haus 1721 an Nicolaus Dietrich von Henniges auf Rothenhof. Nach nur wenigen Jahren, 1734, erwirbt die Witwe des Herzogs Ernst Ludwig von Meinigen, Elisabeth Sophie von Brandenburg, Herzogin von Sachsen-Meiningen das Bachstedtsche Haus. 1737 wechselt erneut der Besitzer: der Kaufmann Friedrich Matthes Scheler erwirbt das Anwesen. Dieser läßt von 1752 bis 1763 den Erbprinz Ernst Friedrich von Sachsen-Coburg-Saalfeld das nun Scheler’sche Haus genannte herrschaftliche Anwesen als erstes Mitglied des herzoglichen Hauses bewohnen. 1775 brennt das Anwesen samt der Nebengebäude nieder und wird nur notdürftig repariert.
Im Jahre 1794 geht das gesamte Anwesen an Generalfeldmarschall Prinz Friedrich Josias, der jüngste Sohn des Herzogs Franz Josias, der einen kompletten Neubau 1795 in einer kleinen Gartenanlage veranlasst. Zu dieser Zeit entsteht das Bürglaßschlösschen, wie wir es heute kennen, im klassizistischen Stil als Alterssitz für den Generalfeldmarschall im Ruhestand.
Die Vorderseite des Gebäudes ist geprägt von einem eindrucksvollen Balkon, der auf zierlichen Säulen ruht, den Eingang auf der Rückseite wird von zwei steinernen Löwen bewacht. Im ersten Stock befindet sich der prächtige Empfangssaal des Prinzen – heute das Trauzimmer.
Die einstigen Gartenanlagen können heute nur noch erahnt werden. Es sind nur noch Reste der Neu-Gestaltung von 1904 erhalten geblieben.
Friedrich Josias wohnte hier bis zu seinem Tod 1815. Anschließend dient es der Mutter Ernst I., der Herzoginwitwe Auguste Caroline Sophie, als Stadtresidenz. Nach ihrem Tod 1831 geht das Gebäude an die katholische Linie des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha über und wird 1842/1843 für den Prinzen August von Coburg-Koháry mit Gattin Clementine von Orleans und Sohn Ferdinand hergerichtet.
Ferdinand von Coburg-Kohary wird Zar von Bulgarien und kehrt 1918 nach seiner Abdankung in sein Exil Coburg zurück und bewohnt wieder das Schlösschen und die Zaren-Villa im Hofgarten. In dieser Zeit entstand in der Coburger Bevölkerung der Name “Bulgaren-Schlösschen”. Dieser Begriff blieb bis heute erhalten. Zar Ferdinand I. von Bulgarien stirbt 1948.
Seitdem ist die Stadt Coburg Eigentümerin des Gebäudes. Nach Komplettumbau und -sanierung (in den letzten Tagen des 2.Weltkrieges wurde das Gebäude durch eine Artilleriegranate schwer beschädigt) befindet sich seit 1957 das Standesamt in Bürglaßschlösschen und bietet seitdem einen stilvollen Rahmen für Trauungen. Heute zählt das Palais zu den bedeutendsten Beispielen der Architektur des Klassizismus in Coburg.
Bildquellen:
Bild 1, 5: Das Bürglaßschlösschen heute (Foto: S.Peter, 2010)
Bild 2: Das Prinz-Josias-Denkmal hinter dem Bürglaßschlösschen (Foto: S.Peter, 2010)
Bild 3: Gartenansicht des Gebäudes (Foto: S.Peter, 2010)
Bild 4: Ansicht des Bürglaßschlösschens von 1857 (Foto: Francis Bedford, Sammlung Christian Boseckert)
Das Sonnenhaus in der Alexandrinenstraße
Es ist wohl das beeindruckenste Jugendstil-Gebäude Coburgs. Gemeint ist hier das sogenannte Sonnenhaus bzw. die Sonnenburg in der Alexandrinenstraße, die inzwischen auch schon über 100 Jahre alt ist. Die Geschichte des Hauses soll nun Gegenstand des heutigen Blogeintrages sein.
Ursprünglich befand sich auf diesem Gelände der sogenannte „Sturmsgarten“. Der Bierbrauer und Gastwirt Anton Sturm, der ein Lokal in der Ketschengasse besaß, schenkte hier ab 1840 in den Sommermonaten seinen selbstgebrauten Gerstensaft aus. Der Sturmsgarten war seinerzeit der größte Biergarten Coburgs und reichte von der Alexandrinenstraße bis hoch zum Glockenberg bzw. zur Hohen Straße. Nach dem Tode Sturms 1874 betrieben dessen Erben das Gartenlokal weiter, verkauften es aber schließlich 1891, um von dem Erlös ihre Brauerei an der Callenberger Straße modernisieren zu können. Der Sturmsgarten wurde dadurch zum Bauland. Dies weckte natürlich das Interesse der Architekten an dem Gebiet. Allen voran der aus Plauen stammende Jugendstil-Architekt Otto Leheis sah hier die Chance sich baulich zu betätigen. Er erwarb zu Anfang des 20. Jahrhunderts zehn Grundstücke (jeweils vier in der Alexandrinen- und Marienstraße sowie zwei Am Glockenberg), die nach dem Verkauf des Sturmsgartens dort entstanden waren. 1902 ging auch das Areal auf dem heute das Sonnenhaus steht, in seinen Besitz über. Der Bauplatz gehörte vorher dem Geheimen Finanzrat und Bankdirektor Emil Riemann.
Das Ziel Leheis war es, auf diesem Grundstück eine Villa auf eigene Rechnung zu errichten. Schon Anfang 1902 hatte er dafür die notwendige Erlaubnis, seitens der Stadt, erhalten. So begannen im Herbst 1902 die Bauarbeiten an der Sonnenburg, die im Jahr darauf ihren Abschluss fanden. Unter den Jugendstil-Häusern Coburgs erhielt es sogleich aufgrund seiner üppigen Ornamentik eine Sonderstellung. Einflüsse des belgischen und Münchner Jugendstils machen sich dadurch bemerkbar. Die Annahme, das Leheis das Gebäude selbst entwarf, ist jedoch nicht ganz korrekt. Bereits sechs Jahre vorher entstand das gleiche Gebäude, allerdings seitenverkehrt, in Frankreich, so dass das Coburger Sonnenhaus nur als Kopie gesehen werden kann. Die Baukosten für dieses Gebäude waren jedoch enorm. Zu Leheis Pech hatte sich auch noch die wirtschaftliche Gesamtsituation geändert. Es gab mehr Häuser als Käufer und so blieb er auf dem Haus sitzen. Der Architekt verschuldete sich und musste deshalb 1907 das Sonnenhaus zwangsversteigern lassen. Im Rahmen dieses Verfahrens erwarb der Kaufmann Richard Burmeister das Anwesen.
Im Jahre 1919 ging die Sonnenburg in den Besitz der Korbwarenfabrikantenfamilie Rädlein aus Weidhausen/Coburg über. Als Haubesitzer folgten noch die Familie Emrich, die Hofschlachtermeisterswitwe Anna Schlick und eine Familie Heydenreich. Auch in der Folgezeit wechselten oft noch die Grundstücksbesitzer, was der Pflege des Hauses keinen Abbruch tat. Sanierungsmaßnahmen erfolgten 1977/78, 1985 und 1995/96, so dass wir das Sonnenhaus gegenwärtig in einem guten Zustand vorfinden können. Otto Leheis indes verließ nach der Insolvenz seines Baugeschäfts Coburg und starb 1921 in Wüstenselbitz bei Schleiz in Thüringen.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
Alle drei Fotoaufnahmen stammen von Christian Boseckert, 2010.
Bild 1 und 2 zeigt das Sonnenhaus
Bild 3 das Jugendstil-Ensemble, das Otto Leheis in der Alexandrinenstraße geschaffen hat.
Das Spitaltor
Eines von drei erhaltenen Coburger Stadttoren ist das Spitaltor, welches das innere Stadtzentrum nach Norden hin abgrenzte. Es war damit zugleich das Tor zur Steinwegvorstadt, die sich bis an die Heiligkreuzkirche erstreckte. Wie das Judentor gehörte auch das Spitaltor zum inneren Stadtmauerring. Die erste Erwähnung des Turmes erfolgte im Coburger Stadtbuch von 1393.
Schon damals hieß es „Spitaltor“, benannt nach dem in der Nähe liegenden St. Georgen-Spital, dass bereits im Jahre 1317 gegründet wurde. Über das Alter des Tores kann man indes nur Vermutungen anstellen. Aufgrund der Verwendung von romanischen Buckelquadern kann von einer Entstehungszeit im 13. oder 14. Jahrhundert ausgegangen werden. Sein Umfang beträgt 7,50 x 7,20 Meter mit einer Mauerstärke von 1,60 Metern. Die heutige Turmhöhe beträgt 21,5 Meter. Ursprünglich dürfte das Tor ein Spitzdach und Erker besessen haben.
Aber schon 1626 kann man auf dem sogenannten „Isselburg-Stich“ erkennen, dass das Spitaltor einen Fachwerkaufbau mit einem Satteldach besaß. Diese Darstellung zeigte auch der Maler Emil Maurer auf der hier veröffentlichten Zeichnung. Dieses Aussehen besaß das Spitaltor bis 1685. In der Nacht des 13. Juli des gleichen Jahres brach in der Turmstube des Tores ein Feuer aus, bei dem die gesamte Türmerfamilie (fünf Personen) ums Leben kam. Die Turmglocke stürzte glühend herab und blieb vor dem Hause Steinweg Nr. 2 (heute Bettengeschäft Gebers) liegen. Der Fachwerkaufbau wurde mit Kanonen oder Feldschlangen aus der Stahlhütte (heute steht dort das Landestheater) abgeschossen, da man nicht in der Lage war, das Feuer zu löschen. Diese Versuche brachten aber nichts. Der sechsgeschossige Turm brannte vollständig aus und auch das Uhrwerk wurde total zerstört. Umgehend begann aber der Wiederaufbau des Spitaltores im barocken Stil. In dieser Zeit entstand der achteckige Turmaufsatz, ein sogenanntes Oktogon, an dem zwei Zifferblätter für die Uhren angebracht wurde. 1688 installierte man die neue Turmglocke, welche aus der Gießerei am Glockenberg stammte. Die endgültige Fertigstellung des Turmes erfolgte im Jahre 1691.
Das Spitaltor selbst besaß seinerzeit kein Vortor wie das Judentor, sondern einen überdachten Wehrgang Richtung Steinweg, der die Straße überquerte. Der Wehrgang war mit dem Häusern Steinweg Nr. 2 und 1 (1934 zugunsten des neuen Gräfsblocks abgerissen) verbunden mit bildete damit einen kleinen Zwinger. Vor dem Spitaltor, auf der Steinwegseite befand sich auch der Stadtgraben, der vom Stetzenbach gespeist wurde. Die Quelle dieses Stezenbaches findet sich heute noch im Pilgramsroth. Der Aufgang zum Turm erfolgte von alters her über die Stadtmauer. Nachdem diese nach und nach im Bereich des Spitaltores abgetragen wurde, konnte man über das Turmwächterhaus in das Stadttor gelangen. Dieses Turmwächterhaus existiert heute noch und ist an der sogenannten „Kleinen Mauer“ gelegen. Es beherbergt heute das Obst- und Gemüsegeschäft Wollandt. Vom ersten Stock dieses Hauses gelangt man in den Turm hinein.
Heute besitzt das Spitaltor neben seinem eigentlichen Durchgang noch zwei Fußgängerdurchlässe, und einen zweiten Durchgang für den Straßenverkehr. Im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Gräfsblocks wurde dies 1937 angelegt. In den folgenden Jahren erfuhr das Spitaltor immer wieder Sanierungen, so dass es immer noch strahlend auf die Einkaufsstraßen „Spitalgasse“ und „Steinweg“ herunter schauen kann.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Das Spitaltor bis 1685 nach Emil Maurer, vom Steinweg gesehen. (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 2: Das Spitaltor um 1900 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 3: Das Spitaltor heute (Foto Christian Boseckert, 2009)




















