Der Papierlöwe von Coburg
Gestern fragten sich die Blogkollegen von Vesteblick.de, was es denn mit dem >>>Papier-Löwen von der Itz auf sich hat. Wir wollen mal versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bekommen (teilweise schruben die Kommentateure von Vesteblick des Rätsels Lösung nieder
).
Die Ruhebank stammt unverkennbar aus der Hand des Coburger Stadtbaurats Max Böhme, über den >>>hier und >>>hier bereits einige Informationen nachzulesen sind. Die Jugendstilbank bildete zusammen mit der Bronzefigur der Bogenspannerin von Ferdinand Lepcke (>>>hier kann man über die Arbeit von Lepcke nachlesen) seit 1912 neben der Hohenlohe-Brücke ein Ensemble und lud zum Rasten am Eingang zur Grünanlage längs der Itz ein.
Das Maul des Löwenkopfs war die Öffnung für einen Papier- bzw. Abfalleimer, der in der Steinsäule untergebracht war. Irgendwann fehlte dann der Löwenkopf und an der Ruhebank nagte mehr und mehr der Zahn der Zeit.
2007 wurde über eine Rekonstruktion der Bank nachgedacht, doch leider waren keine Bilder vom Löwenkopf vorhanden, bis durch einen Zeitungsaufruf ein Foto eingesendet wurde. Anhand dieses Fotos wurde die Ruhebank komplett aus dem gleichen Material rekonstruiert, bis – ja, bis auf den Papierkorb. Der wurde nicht mehr in die Säule und den Löwenkopf integriert. Zu groß wäre die Gefahr der Zerstörung (O-Ton H.-H.Ulmann). Am 26.August 2009 war es dann soweit: die Rekonstruktion der Fa.Padi wurde aufgestellt. Die ganze Geschichte mit einem Foto der alten Bank von 1926 (mir liegen leider die Rechte nicht vor) kann >>>hier nachgelesen werden.
Jetzt muss eben das Papier auf der anderen Seite der Bank in den “schicken” Metallabfalleimer eingeworfen werden. Der lässt sich dann im Falle einer Entwendung oder Zerstörung einfacher und kostengünstiger rekonstruieren.
Denkmalgeschützte Häuser – Die Bahnhofstraße Teil 2
Heute gibt es den zweiten Teil der denkmalgeschützten Häuser in der Bahnhofstrasse. Die Adresse des Bahnhofsplatzes gibt es offiziell seit 1995, vorher waren die Häuser zum Teil Bahnhofstrasse, teils Lossaustrasse. Deswegen sind auch die denkmalgeschützten Gebäude des Bahnhofsplatzes mit enthalten.
Bildquelle: alle Fotos © Christian Boseckert
Denkmalgeschütze Häuser – Die Bahnhofstraße Teil 1
Coburg besitzt eine Vielzahl an denkmalgeschützten Häusern.
In einer Collage sollen sie nun einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Dieser Teil beschäftigt sich mit den denkmalgeschützten Häusern der Bahnhofstraße von dessen Beginn im Heiligkreuz bis zur Hohenlohe-(Bahnhofs)brücke.
Bildnachweis: alle Fotos von Christian Boseckert
Häuser der Ketschenvorstadt, Teil 1
Dieses Jahr beginnt die Sanierung der Ketschenvorstadt. Grund genug um sich das ein oder andere Gebäude dieses Viertels näher anzuschauen und dessen Geschichte zu ergründen.
Beginnen möchte ich dabei mit einem reich verzierten Fachwerkhaus, das an der Einmündung der Unteren Salvatorgasse in die Ketschengasse zu finden ist. Offiziell gehört dieses Gebäude zur Ketschengasse und trägt die Hausnummer 43.
Schon der Anfang dieser Häusergeschichte hält eine Überraschung parat. Es handelte sich nämlich um ein Lehen der Schenken von Siemau, deren Stammsitz einst in Untersiemau zu finden war. 1487 wird ein Valentin Schenk zu Siemau als erster Lehensgeber erwähnt. Gleichzeitig tritt damit das Gebäude ins Licht der Geschichte. Das „Schenk´sche Freihaus“ wird letztmalig 1537 erwähnt.
Ab 1582 kann sich auf dem Grundstück eine Huf- oder Kupferschmiede nachweisen lassen. Schmiedebetriebe wurden vornehmlich in den Vorstädten angesiedelt, da von ihnen eine hohe Brandgefahr ausging. Die enge Holz/Strohbebauung der frühen Neuzeit machte solche Vorkehrungen notwendig. Im Jahre 1646 kam die Schmiede in den Besitz der Familie Quarck, die im 20. Jahrhundert vor allem als Heimatforscher, Juristen und Politiker in Erscheinung traten. Ursprünglich kamen die Quarcks aus Schweden, was um 1900 zu einem Politikum wurde. Das Thema diskutierte man auch am Stammtisch des Roeperts-Karl, einem Coburger Original, im Gasthaus Loreley. Als dort das Thema schließlich aufkam, sprach der Roeperts-Karl: „Dass hätte ich euch gleich sagen können, das die nicht aus Coburg stammen. Sonst hätten sie nicht Quarck geheißen, sondern Glickerläskas.“ Die Familie Quarck kann auch als Bauherr für das Haus Ketschengasse 43 angenommen werden. Die Struktur des Fachwerks, welches an der Seite zur Unteren Salvatorgasse freigelegt ist, entspricht dem Gestaltungsmuster, das im 17. Jahrhundert verwendet wurde. Das Haus blieb bis 1716 im Besitz der Familie Quarck. Aus dieser Zeit stammt auch die erste detaillierte Beschreibung des Gebäudes. Danach handelte es sich um ein zweistöckiges Wohnhaus mit drei Stuben, einem Keller, einer Werkstatt und einer Esse. Unter Esse versteht man den Rauchfangtrichter über einer Feuerstelle.
Nach den Quarcks folgten zahlreiche Kupferschmiede mit ihren Familien als Grundstückseigentümer nach. 1882 erwarb der Schmiedemeister August Koch das Anwesen und ließ es komplett umbauen. Dabei wurde die Schmiede, die einst an der Ketschengasse lag, ins Hinterhaus an der Unteren Salvatorgasse verlegt. Ferner wurde das Dachgeschoss zu einem vollwertigen dritten Stockwerk ausgebaut, was an der Fachwerkfassade zu sehen ist, und ein Ladengeschäft eröffnet. Dort eröffnete Koch eine Eisenwarenhandlung. Dieses Geschäft übernahm 1902 sein Sohn Ferdinand. 1906 folgte Reinhold Schubert als Geschäftsinhaber und Hausbesitzer nach. Bereits 1894 erwarb der Firmengründer August Koch das Nachbaranwesen Ketschengasse Nr. 41 (ehemals Rosen-Apotheke) mit hinzu und erweiterte dort seinen Geschäftsbetrieb. Die Schmiede wurde nach 1900 aufgegeben.
In einer Geschäftsanzeige aus dem Jahre 1934 lässt sich feststellen, dass die Firma Koch nicht nur Eisenwaren sondern auch Glas-, Porzellan- und Steingutwaren sowie Öfen, Haus- und Küchengeräte verkauften. Die Tatsache, das sich dieses Geschäft über zwei Häuser und auch zwei Etagen erstreckte, lässt vermuten, das sich die Eisenwarenhandlung mit der Zeit zu einem richtigen kleinen Kaufhaus entwickelte. Unter der Familie Schubert existierte dieses „kleine Kaufhaus“ noch bis in die 1960er Jahre hinein. Danach erfolgte der Verkauf von Haus und Geschäft an den Kaufmann Paul Wünn, der dort einen Werkzeuggroßhandel eröffnete. Noch heute befindet sich dieses Unternehmen im Hause Ketschengasse 43. Damit schließen wir die Betrachtung zu diesem Gebäude. Mancherlei unbekanntes trat dabei zutage. Am interessantesten mag wohl sein, das neben einer reich verzierten Fachwerkfassade, dieses Haus über eine über mehrere Jahrhunderte gehende Tradition der Metallverarbeitung besaß. Die gegenwärtige Firma Wünn führt diese Tradition, unter den gegebenen Umständen, weiter fort.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
Nr. 1 Das Haus Ketschengasse 43 um 2006 (Foto: Christian Boseckert)
Nr. 2 Die Eisenwarenhandlung Koch, Ketschengasse 41-43 um 1930 (Sammlung Christian Boseckert)
Aus der Geschichte des Barock-Hauses Spitalgasse 12
Große Veränderungen werden sich in der Spitalgasse ab 2011 anbahnen. Die Rede ist von den Gebäuden des ehemaligen WEKA-Kaufhauses in der Spitalgasse.
Nachdem an anderer Stelle bereits über den Gasthof „Zum Bären“ und dessen Geschichte gesprochen wurde (>>> hier geht es zum Artikel), soll es nun um das andere WEKA-Gebäude in der Spitalgasse gehen. Dieses ist nicht wie der „Bären“ der Abrissbirne zum Opfer gefallen, sondern erfreut mit seiner barocken Fassade noch heute die Coburger.
Die Geschichte des hier beschriebenen Hauses Spitalgasse Nr. 12 geht bis ins Jahr 1403 zurück, als ein Eberhard Vogler das Ratslehen in seinem Besitz hatte. Betrachtet man sich die Häusergeschichte weiter, so muss festgestellt werden, das dort wohl hauptsächlich vermögende Kaufleute ansässig waren. Verwundern kann dies kaum – war doch die Spitalgasse schon in frühester Zeit das Zentrum des Coburger Handels. In diesem Zusammenhang interessiert uns aber nur eine Familie, nämlich die Kaufmannsfamilie Rieth. Diese hatte gegen Ende des 17. Jahrhunderts bereits ein beträchtliches Vermögen verdient.
Seit 1664 in der Spitalgasse 12 ansässig, war die Familie Rieth auch für ihre Wohltätigkeit bekannt. 1688 zum Beispiel, stiftete die Witwe des Kaufmanns Georg Friedrich Rieth eine neue Orgel für die Heiligkreuzkirche. Es war demnach auch Geld für ein repräsentatives Wohnhaus da. 1697 gelangte das Anwesen in den Besitz des Handelsmanns Johann Martin Rieth, dem Sohn des oben genannten Georg Friedrich Rieth. Dieser plante das alte Wohnhaus abzureißen und an dessen Stelle ein neues Gebäude im barocken Stil zu errichten.
Als Baumeister für dieses Unternehmen gewann er vermutlich die Gebrüder Lucchese aus Italien. Das Rieth ausgerechnet diese beiden Stuckateure mit der Ausgestaltung seines Wohnhauses beauftragte war wohl nicht zufällig. Beide waren am Wiederaufbau von Schloss Ehrenburg beteiligt, das 1690 einer Feuersbrunst zum Opfer viel. Von ihnen stammen dort die Stuck-Elemente der Hofkirche und des Riesensaals. Die Barockfassade in der Spitalgasse gilt daher als das einzige Coburger Werk der Brüder, das nicht vom Herzogshaus in Auftrag gegeben wurde.
Das neue Gebäude besaß vier Stockwerke, zwei Keller, zwei Gewölbe, acht Stuben und einen Stall. Am Hauseingang stellte man zwei Karyatide (Riesengestalten) auf, welche über zwei Jahrhunderte das Gesicht der Spitalgasse prägten. Bis 1719 blieb das prächtige Anwesen im Besitz der Familie Rieth. Danach folgten weitere Kaufmannsfamilien als Hauseigentümer.
1893 erwarb die Firma K. M. Fechheimer & Co. Manufaktur- und Modewaren, Damen- und Kinderkonfektion sowie Wäscheausstattung, das Anwesen. Die Inhaber des Geschäfts, Julius Blüth und Hugo Fechheimer, waren jüdischen Glaubens, was zur Schließung des Geschäfts im März 1933 mit beitrug. Nachdem beide im Frühjahr 1933 von den Nationalsozialisten schwer misshandelt wurden, gingen beide in das niederländische Exil. Die Firma existierte fortan nur noch auf dem Papier und wurde schließlich liquidiert und das Haus zwangsversteigert. Den Zuschlag erhielt die Coburger Sparkasse, die es 1939 an den Kaufmann Carl Hartung veräußerte, der dort ein Strumpfwarengeschäft eröffnete. Die Firma Hartung existierte bis in die 1960er Jahre hinein. Danach zog in die Geschäftsräume das „Kaufhaus zum Mohren“ ein, das 1958 im Nachbarhaus Spitalgasse Nr. 14 eröffnet wurde.
Die weitere Ausdehnung des Kaufhauses forderte Anfang der 1970er Jahre einen kompletten Neubau. Geplant war dabei der Abbruch der Häuser Spitalgasse 12 und 14, wobei auch die schöne Barockfassade zerstört werden sollte. Dies erregte den Widerstand der Coburger Bevölkerung. Es wurden Unterschriften gesammelt und Eingaben an den Stadtrat gemacht. Besonders der damalige Stadtheimatpfleger, Prof. Adalbert Bringmann, setzte sich vehement für dieses „vollständigstes Barock-Gebäude Coburgs“ (nach Jürgen Erdmann) ein, wofür er massiv kritisiert wurde. Doch die Proteste hatten Erfolg. Zwar wurden 1974 beide Häuser abgerissen, doch musste die Barockfassade am neuen Gebäude wieder angebracht werden. Ferner installierte man im 2. Obergeschoss eine Stuckdecke aus dem Altbau in die Verkaufsräume mit ein. Bringmann selbst erlebte diesen Erfolg nicht mehr, denn er starb bereits 1972. Ihm ist es mit zu verdanken, dass dieses schöne Haus nicht dem Abbruchwahn zum Opfer gefallen ist. Zum Opfer gefallen sind jedoch bei diesem Neubau die beiden Karyatiden. Diese, nach Georg Voß „geringen Arbeiten des Barockstils“, barg der Bauunternehmer Brockardt von der Baustelle und stellte die beschädigten Figuren in seinem Garten in Finkenau bei Coburg auf. Die heute dort stehenden Riesengestalten sind Kopien, die Ende der 1980er Jahre aufgestellt wurden. Als Kaufhaus kann das Gebäude Spitalgasse 14 ebenfalls viel erzählen – von der großen Einweihung 1975, dem Konkurs des Kaufhaus „Zum Mohren“ im Jahre 1983 und dessen Nachfolger, der WEKA, die am 31.12.2009 ihre Pforten schloss.
Es wird interessant sein, welche Geschäfte in Zukunft in der Spitalgasse 12 anzutreffen sein werden.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
1. Das Haus Spitalgasse 12 (Foto: Christian Boseckert, 2007)
2. Einer der Karyatiden im Jahre 1906 (Sammlung: Christian Boseckert)
3. Das Haus Spitalgasse 12 in den 1920er Jahren (Sammlung: Christian Boseckert)
“Thomas-Eck” und “Berger-Block”
Es gehört zu einem der monumentalsten Jugendstilbauten in Coburg. Die Rede ist hier vom sogenannten „Berger-Block“, welcher wie ein Palast an der Kreuzung Bahnhofstraße / Hintere Kreuzgasse / Hindenburgstraße steht. Benannt ist er nach dem Architekten dieses Bauwerks, dem Hildburghäuser Jugendstil-Baumeister August Berger. Dieser errichtete zwischen 1910 und 1913 in mehreren Bauabschnitten dieses durchaus architektonisch wertvolle Gebäude. Was jedoch kaum einer weiß: Bereits vor dem Bau des „Berger-Blocks“ standen dort einige Häuser. Auch diesen gilt hier unser Augenmerk. Insgesamt standen dort drei Handwerkerhäuser, welche wohl aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammten. Eine Beschreibung aus der Zeit um 1700 spricht hier von zwei Hofstätten und einem alten Haus mit zwei Etagen, einer Stube und einer Werkstatt. Der Begriff Hofstatt bedeutet in diesem Zusammenhang, dass hier wohl zwei Gehöfte, also zwei landwirtschaftlich geprägte Anwesen, existierten. Auf dem Urkatasterplan von 1860 ist dieses Gehöft, mit Zugang über die Hintere Kreuzgasse, noch deutlich erkennbar. 1875 erhielten die drei Gebäude die Adressen Bahnhofstraße 8, 10 und 12. An der Ecke zur Hinteren Kreuzgasse stand das Haus Nr. 8. Dieses war über hundert Jahre lang ein Weber- bzw. ein Tuchmacherhaus. Ab 1864 befand sich in dem Gebäude eine Schuhmacherwerkstatt. Im Jahre 1883 kam das Anwesen in den Besitz des Kaufmanns Carl Thomas, welcher dort ein Lebensmittelgeschäft eröffnete. Dieser Laden erfreute sich in seiner Umgebung einer großen Beliebtheit. Schon bald bezeichnete der Volksmund diese Straßenecke als „Thomas-Eck“. Das nächste Haus mit der Nummer 10 war einst ein Gerberhaus. Davon zeugen die Trockenböden auf der Fotoaufnahme von 1900. Die bekannte Gerberfamilie Aumüller hatte es seit 1820 in ihrem Besitz. Das Gebäude Bahnhofstraße 12 war ebenfalls im Besitz der Familie Aumüller und gleichermaßen ein Gerberanwesen. Es kann dabei vermutet werden, dass beide Gebäude einst zusammengehörten. Dafür spricht, dass die zwei Häuser vor 1875 eine gemeinsame Hausnummer besaßen. Die Frage jedoch, welche sich hierbei stellt, ist die nach dem fließenden Gewässer, welches für die Ausübung des Gerberberufs unbedingt von Nöten war. Der Hahnfluss, an welchem sich ja die meisten Gerber angesiedelt hatten, floss hier nicht vorbei. Wo kam demnach das Wasser her? Bis 1875 floss zwischen dem eben genannten Haus Nr. 12 und dem Anwesen Nr. 14 (heutiger Reiterladen) der sogenannte „Lautergraben“ entlang. Dessen Verlauf begann in der Nähe der Heiligkreuzbrücke, wo er die Itz verließ, überquerte die Bahnhofstraße und folgte einer Linie Hindenburgstraße / Löwenstraße, bis er am heutigen Alexandrinenbad in den Hahnfluss mündete. Die Aumüller´schen Anwesen besaßen damals einen Zugang zum Lautergraben. Mit der Zuschüttung des Grabens wurden auch die Gerbereien in der Bahnhofstraße aufgegeben. Großflächige Veränderungen auf diesem Areal begannen kurz nach 1900. Der Baurat Carl Kleemann plante dort ein Geschäftshaus zu errichten. 1904 erfolgte die Zustimmung des Städtischen Bauamts für dieses Vorhaben.
Als erstes Teilstück wurde bereits 1908 das Haus Hintere Kreuzgasse Nr. 1 errichtet, welches auf der Zufahrt zur alten Hofstatt entstand. Inzwischen war der Baurat Kleemann allerdings verstorben. Sein Baugeschäft übernahm der bereits erwähnte August Berger, welcher die einzelnen Grundstücke zum Hausbau erwarb. 1910 konnte der Architekt den Bauantrag an die Stadt stellen, welcher einen positiven Bescheid erhielt. Sogleich begannen die Arbeiten an diesem Projekt. Das „Thomas-Eck“ durfte jedoch noch ein Jahr stehen bleiben. Erst 1911 kaufte Berger dieses Anwesen auf Abbruch. Die Familie Thomas zog daraufhin in das Haus Hintere Kreuzgasse Nr. 4 um, und betrieb ihr Lebensmittelgeschäft dort noch einige Jahrzehnte. 1913 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Es ist beachtenswert, dass es zu diesem Projekt zahlreiche Fotoaufnahmen vorhanden sind, welche den Stand des Hausbaus dokumentieren. Eine der bekanntesten Aufnahmen aus dem Jahre 1910 ist hier abgebildet.

Bauarbeiten am neuen Jugendstilhaus. Daneben das noch stehende "Thomas-Eck" um 1910 (Sammlung Christian Boseckert)
August Berger hat hier einen der markantesten Jugendstilbauten Coburgs geschaffen. Es war kein Spekulationsobjekt, sondern der Komplex blieb im Besitz des Architekten. Als dieser 1947 starb, traten seine Kinder das väterliche Erbe an. Die Geschäfte, welche in das neue Haus einzogen, waren vielfältig. Bedeutende Unternehmungen waren darunter aber nicht. Interessanter ist jedoch die Tatsache, dass sich neben einige Familien mit der Zeit auch zahlreiche Arztpraxen in dem Komplex niederließen. Der bekannteste Bewohner des „Berger-Blocks“ ist jedoch der Kunstmaler Heinrich Höllein gewesen, der im Haus Nr. 12 einige Zeit lebte. Etwas kurioses gäbe es am Schluss auch noch zu berichten. Ende der 1970er Jahre stürzte ein Erker des Teil-Gebäudes Bahnhofstraße 10 an der Seite zur Hinteren Kreuzgasse aus unbekannter Ursache auf die Straße. Verletzte und Tote waren dabei nicht zu verzeichnen, da dass Unglück mitten in der Nacht geschah. Der Erker wurde kurz darauf wieder aufgerichtet.
Text: Christian Boseckert (mit freundlicher Genehmigung)









