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Archiv für die Kategorie ‘Geschichte’

Veränderungen – Die Nordseite des Johann-Strauß-Platzes

5. Februar 2010

Städtische Landschaften sind einem permanenten Wechsel unterworfen. Straßen werden erweitert, Häuser abgerissen und neue Gebäude wieder aufgebaut. Einige Orte der Veränderung werden in den kommenden Wochen hier an dieser Stelle zu sehen sein.

Blick in die Leopoldstraße 1965, Foto: Karl-Ulrich Pachale, Archiv der Historischen Gesellschaft Coburg

Erste Station auf der Reise durch die Coburger Innenstadt ist der Johann-Strauß-Platz, der seit 1986 diesen Namen trägt. Die Aufnahme zeigt die Nordseite des Platzes, wie er im Jahre 1965 aussah. Der Blick fällt dabei auf das markante Gebäude in der Bildmitte. In diesem Haus war einst das Coburger Stadtgefängnis untergebracht. Errichtet wurde dieser Komplex zwischen 1838 und 1840.
Ursprünglich diente das Gebäude als herzogliches Waschhaus und war demnach auch im herzoglichen Besitz. Keine 20 Jahre später, hatte die Coburger Landesregierung ein Auge auf das Grundstück geworfen. Grund hierfür waren die katastrophalen Zustände im Coburger Justizwesen. Das Gerichtsgebäude am Marktplatz (das heutige Stadthaus) brach aus allen Nähten und das Stadtgefängnis in der Fronveste am Ernstplatz war dermaßen marode, das es für Gefangene ein leichtes war, daraus zu entkommen. Ein neues Gebäude musste deshalb her. Der Coburger Landtag erwarb deshalb am 17. Juli 1858 für 15.000 Gulden aus herzogliche Waschhaus im Stetzenbach, welches sich nach Meinung der Landesregierung als Gefängnis und als Tagungslokal für das Schwurgericht eignete. Nach den damaligen Unterlagen zu schließen, wurde der Kauf aber recht überstürzt vollzogen, denn es stellte sich bald heraus, dass der bauliche Zustand nur bedingt den Anforderungen entsprach und für die Untersuchungsgefangenen zudem ein Anbau erforderlich wurde. Deshalb konnte das Gefängnis erst im Juli 1861 seiner Bestimmung übergeben werden.
Der Volksmund bezeichnete diese Anstalt als „Hotel Mayer“ oder „Villa Mayer“. Dieser Name rührt von dem früheren Gefängnisinspektor August Christian Mayer (1858-1933) her, der hier seiner Tätigkeit nachging. Andere Inspektoren standen ebenfalls Namenspate für das Stadtgefängnis in der seit 1850 erwähnten Leopoldstraße.

Hundert Jahre später war das Gebäude völlig abgewirtschaftet, der Anbau wegen Baufälligkeit sogar polizeilich gesperrt. Erst 1968 ordnete das bayerische Justizministerium die sofortige Schließung der Anstalt wegen Baufälligkeit an. Das Schwurgericht war bereits 1921 vor das Ketschentor, ins ehemalige herzogliche Ministerium, gezogen. In den darauf folgenden Jahren stand das Stadtgefängnis leer und verfiel zusehends. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Hauses stellt nochmal das Jahr 1978 dar, als im ehemaligen Schwurgerichtssaal Szenen des Rainer-Werner- Fassbinder-Films „Die Ehe der Maria Braun“ gedreht wurden.

Johann-Strauß-Platz 1994, Foto: Karl-Ulrich Pachale, Archiv der Historischen Gesellschaft Coburg

Im November 1980 erfolgte schließlich der Abbruch des Gebäudes. Auf dem Grundstück entstanden schließlich Anwohnerparkplätze und Besucherparkplätze des Kunstvereins. Auf dem jüngeren Foto sind diese Parkplätze recht gut zu erkennen.
Das abgerissene Stadtgefängnis gibt uns heute den Blick auf dessen Nachbarhaus Leopoldstraße 55 frei, das im Jahre 1569 zum ersten Mal erwähnt wurde. Bei diesem Gebäude handelte sich wohl ein einfaches Tagelöhner-Wohnhaus, das 1683 wie folgt beschrieben wurde: Ein Mittelbau mit zwei Stockwerken, zwei Stuben und einem Keller. 1711 brannte dieses Gebäude ab, so dass das heutige Aussehen des Hauses wohl auf einen Neubau aus der Zeit nach dieser Feuersbrunst zurückgeht. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts war hier eine Schreinerei ansässig, welche einer Familie Weidmann gehörte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Schreinermeister Heinrich Baier das Unternehmen, der es bis in die 1970er Jahre weiterführte. Ihm folgte sein Kollege Horst Dunker nach, der den Schreinerbetrieb bis in die 1980er Jahre hinein fortführte. Im Zuge der in den letzten Jahren dort einsetzenden Altstadtsanierung wurde das Rückgebäude der Leopoldstraße 55, hier auf dem Foto an dem weißen Außenputz zu sehen, im Jahre 2006 abgerissen. Mit den Sanierungsmaßnahmen erfolgte auch die Umgestaltung des dortigen Areals.

Es sei vielleicht zum Schluss noch erwähnt, das es zwischen dem Stadtgefängnis und dem Anwesen Leopoldstraße 55 eine Auffahrt zur früheren Stadtgärtnerei gab, die unterhalb des Hofgartens für einige Jahrzehnte dort zu finden war. Der Schotterweg wurde in den letzten Jahren geteert und auf dem ehemaligen Gärtnereigelände entstanden eine öffentliche Gartenanlage und ein Freilufttheater. Auf dem jüngeren Foto, welches 1994 gefertigt wurde, lässt sich noch die vorherige Situation des Areals erahnen. Nachdem die Stadtgärtnerei auf den Glockenberg verzog, verwilderte das Grundstück unterhalb des Kunstvereins. Auch das gehört in der Zwischenzeit der Vergangenheit an. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Gelände nördlich des Johann-Strauß-Platzes in der Zunkunft sich weiter entwickeln wird.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:

Bild 1: Darstellung der Situation im Jahre 1965
Bild 2: Darstellung der Situation im Jahre 1994

(Beide Fotos: Karl-Ulrich Pachale, Archiv der Historischen Gesellschaft Coburg)

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Die Ursprünge des Hofgartens

8. Januar 2010
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kleiner Rosengarten, Foto: © S.Peter

kleiner Rosengarten, Foto: © S.Peter

Mit Recht sind die Coburger stolz auf ihren Hofgarten, ist er doch eine Zierde und ein Erholungsgebiet, wie wir sie nicht oft in Deutschland finden. Über dessen Geschichte, ist dem normalen Coburger jedoch wenig bekannt. Die Ursprünge des Hofgartens gehen auf das Ende des 17. Jahrhunderts zurück, als 1680 mit dem Einzug des Herzogs Albrecht III. Coburg wieder zu einer Residenzstadt wurde. Albrecht III. war sehr daran gelegen Coburg zu einer Residenzstadt auszubauen, der aber zu Anfang ein fürstlicher Park, wie viele andere deutschen Kleinstaaten ihn schon hatten, fehlte. Deshalb beauftragte der Herzog den Architekten Justinus Bieler aus Saalfeld einen Hofgarten zu schaffen, denn die vorhandene Grünanlage beim Ballhaus am Schlossplatz (heute stehen dort die Arkaden), reichte den repräsentativen Ansprüchen eines Fürsten in der Barockzeit nicht mehr aus.
Bieler hatte bereits Erfahrung mit Parkanlagen gesammelt, da er schon vorher bereits einige kleine Fürstenhöfe in Thüringen verschönert hatte. Nun ging er mit vollem Elan an die neue Aufgabe heran, sodass bereits 1680 der Plan zur Anlegung eines Hofgartens entstanden ist. Die Urzelle des Coburger Hofgartens war der Probstacker, der sich bereits im herzoglichen Besitz befand und sich im Süden von der Leopoldstraße bis hinauf zum heutigen Herzog-Alfred-Brunnen erstreckte. Sein Name leitete sich von der, einst hinter der Moritzkirche befindlichen Propstei des Benediktinerklosters Saalfeld ab, die auch Eigentümerin des nahe gelegenen Probstgrundes war. Nach der Reformation ging in Coburg der kirchliche Besitz in landesherrliches bzw. städtisches Eigentum über. Das ganze Gebiet des Ur-Hofgartens teilte Bieler dem Zeitgeschmack entsprechend rechtwinklig und im Stil eines italienischen Hanggartens terrassenförmig ein.

Die beiden Pavillions bildeten den nördlichen Abschluss des alten Hofgartens, Foto: © S.Peter

Die beiden Pavillions bildeten den nördlichen Abschluss des alten Hofgartens, Foto: © S.Peter

Der Park sollte sportlichen, ästhetischen und praktischen Zwecken dienen, so legte er im nördlichsten Teil auf Höhe des jetzigen Herzog-Alfred-Brunnens und ein Stück davor den „oberen Baumgarten“ an, in dem Bieler auch zwei Pavillons vorsah, die aber erst 1754 gebaut und als „Lustbäulein und Theehäuser“ Verwendung fanden. Davor lag der dreigeteilte Park, indem von oben nach unten sich die „Schieß- und Exerzierplätze“ und dann weiter nach Süden sich ein breites Mittelfeld anschloss, welches als „Lust- und Blumenquartier“ bezeichnet wurde. Dieser Teil war von Parallelwegen und einem Mittelweg durchzogen, der am Ende von einem „herrschaftlichen Lustgebäude“, welches sich ungefähr auf Höhe der heutigen Zinnenmauer befand, abgeschlossen war. Links und rechts von diesem Gebäude rundeten vermutlich Pavillons das Gesamtkunstwerk ab. Der Mittelweg stand allerdings nicht im Bezug zum Zugang, denn dieser erfolgte über einen von Südwesten heranführenden Weg, der seitlich zur linken Baumallee führte oder zunächst parallel zur südlichen Gartenmauer, dann in der Hauptachse abknickend zum „Lustgebäude“. Dieser Verlauf entspricht dem heutigen breiten Weg an der Reithalle vorbei in Richtung Kleiner Rosengarten und Großem Kinderspielplatz. An das Mittelfeld grenzten rechts und links quadratische Felder an, die der „Heranzucht von Küchengewächsen“ und als Blumenbeete dienten. An den beiden äußersten Seiten befanden sich zwei einreihige Baumalleen, die den Park nach Westen und Osten begrenzten.

Das heutige Hofgärtnerhaus bildete das südliche Ende des ursprünglichen Hofgartens, Foto: © S.Peter

Das heutige Hofgärtnerhaus bildete das südliche Ende des ursprünglichen Hofgartens, Foto: © S.Peter

Der heutige Kleine Rosengarten war der südlichste Teil dieses Hofgartens, welcher in vier Grünflächen aufgeteilt war. Dort grenzte das Hofgärtnerhaus, welches heute noch in etwas veränderter Form steht, den Park nach Süden ab. Ein weiteres Relikt aus dieser Zeit ist der “Lustbrunnen”, welcher an der Zinnenmauer des Kleinen Rosengartens angelehnt ist. Er bot wahrscheinlich der Hofgesellschaft Herzog Albrechts III. beim Lustwandeln einen erfrischenden Trunk an. Begrenzt wurde dieser von einer zwei Meter hohen Mauer, deren Reste heute noch u.a. bei den Grundstücken Park 3 und 3a, sowie beim Hofgärtnerhaus noch zu sehen sind. Das bedeutete, dass nur die herzogliche Familie Zutritt zum Park hatte und das gemeine Volk außen vor blieb.Diese Mauer wurde bei der Erweiterung des Hofgartens von 1856/57 zum größten Teil entfernt, als man daran ging den Hofgarten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wann nun der Hofgarten genau angelegt wurde ist allerdings nicht aus den Akten ersichtlich, lediglich erwähnen diese, dass die für den Bau notwendigen Abmessungen im März 1682 stattfanden. Von den Bäumen der ersten Zeit waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch einige Exemplare vorhanden. Auf einer alten Abbildung kann man erkennen, dass sie im Schnitt gehalten wurden, dass also die erste Anlage im Rokokostil ausgeführt wurde. Leider haben sich aus der Zeit danach nur wenige Belege und Akten über das Aussehen und den Geschehnissen im und um den Hofgarten herum erhalten. Dies änderte sich erst als 1816/17 Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld für seine Eltern das Hofgartenmausoleum errichten ließ. Doch das ist eine andere Geschichte.

Text: Christian Boseckert (mit freundlicher Genehmigung)

Weitere Bilder zum Hofgarten gibt es in den herbstlichen Impressionen >>> hier <<<.

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Der alte Augustengarten am Oberen Bürglaß

30. Oktober 2009
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Coburg ist reich an zahlreichen Parks und Parkanlagen. Man denke dabei nur an den Hofgarten. Leider sind auch im Laufe der Jahrhunderte auch einige Gärten wieder verschwunden. Dazu gehört auch der so genannte Prinzen- oder Augustengarten am Oberen Bürglass. Dieser befand sich auf dem Gelände des heutigen städtischen Kindergartens (dem ehemaligen Kyrill-Palais) und der Industrie- und Handelskammer (Palais Edinburgh).

Schöpfer dieser Anlage war Prinz Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld, der letzte Generalfeldmarschall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Dieser kaufte im Jahre 1794 nach dessen Pensionierung das gegenüberliegende Bürglassschlösschen und baute es im klassizistischen Stil um. Nach Fertigstellung des Schlösschens konnte Friedrich Josias dort einziehen. Allerdings störte ihm der alltägliche Blick von seinem Balkon auf die gegenüberliegenden Gebäude. Diese Häuser waren durch eine Brandkatastrophe im Jahre 1775 nur notdürftig wieder aufgebaut worden und waren kein schöner Anblick. Der Prinz entschloss sich daraufhin die Grundstücke zu erwerben und daraus eine Gartenanlage zu machen.
Endlich, im Jahre 1802 konnte mit dem Abbruch der Gebäude begonnen werden. Auf dem Gelände das bis zum heutigen Schlossplatz reichte, wurden Gemüsebeete, Obstbäume und Beerensträucher angelegt. Dazwischen waren Wege aus Kieselsteinen angelegt worden um dort lustwandeln zu können. Durch die hügelige Form des Geländes sah dieser Park wie ein Steingarten aus. An der Seite zur schwarzen Allee hin, ließ Friedrich Josias eine künstliche Ruine mit Zinnen- und Ecktürmchen und einem versteckten Dach errichten.
Warum gerade eine künstliche Ruine? Künstliche Ruinen wurden zunächst als Gestaltungselement in Landschaftsgärten und später auch als Aussichtsturm in der “freien Natur” errichtet. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wandte man sich auch im deutschsprachigen Raum ab vom nun als langweilig erachteten, rationalen Barockpark hin zum emotionalen Landschaftspark. Neben der Anwendung rein gärtnerischer neuer Formen begann man bald, künstliche Grotten und Wasserfälle sowie Tempel und altertümliche Gebäude (meist Adelssitze bzw. Verteidigungsanlagen) in unterschiedlichen Verfallsstadien nachzubauen. Mit dem Erstarken des Bürgertums und dem Aufkommen der Romantik hielten die künstlichen Ruinen Einzug in die “wirkliche” Landschaft, in der Regel als neugotische Nachbildungen verfallender mittelalterlicher Burgen. Im Zuge der Naturbegeisterung wurden diese Bauwerke nun nicht mehr als vorwiegend private, zweckfreie ästhetische Elemente, sondern als Aussichtstürme an landschaftlich herausragenden Stellen dem Volk gestiftet – anfangs von einzelnen Mäzenen, später von Bürgervereinen und ähnlichen Körperschaften. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden in einer beinahe “Aussichtsturm-Manie” an nahezu jeder sich bietenden örtlichen Gegebenheit Türme und Türmchen, die Mehrzahl von ihnen als künstliche Ruinen.
In Coburg wollte man einst auch auf dem Eckardtsberg eine künstliche Ruine errichten. Allerdings fehlten hierzu die finanziellen Mittel, sodass im Coburger Land nur im Schlosspark Rosenau bei Rödental eine Ruine aus dieser Zeit zu finden ist, die nicht mal künstlich ist, sondern den Rest der ehemaligen Befestigungsanlage der Burg Rosenau darstellt.

Doch zurück zum Augustengarten. Neben der Ruine wurde noch eine Wagenremise, das so genannte Kutschenhaus errichtet das auf dem Gelände des Palais Edinburgh stand. Dieses Gebäude war im gleichen Stil wie die Ruine mit Türmchen und Spitzbogen versehen.
Lange konnte sich Prinz Friedrich Josias an seinen Garten nicht erfreuen. Er starb 1815. Daraufhin ging der Garten in den Besitz von Herzog Ernst I. der ihn, zusammen mit dem Bürglassschlösschen, seiner Mutter, der Herzoginwitwe Auguste Caroline Sophie überließ. Aus dieser Zeit stammt wohl die Bezeichnung „Augustengarten“. Es ist deshalb anzunehmen das Herzogin Auguste diesen Garten oft benutzt hatte.

Der Niedergang der Parkanlage begann mit dem Tode Augustes im Jahre 1831. Während der Bürglaßschlößchen an die katholische Linie des Hauses Coburg ging, blieb der Garten im Besitz von Herzog Ernst I. Dieser hatte allerdings keine Verwendung für eine derartige Anlage. So kam es, das während des Umbaus des Stadtschlosses Ehrenburg der Hofstuckateur Hofmann in der künstlichen Ruine sein Atelier einrichtete und hier die Ornamente zum inneren Ausbau des Residenzschlosses modellierte und in Gips goss. Nach der Fertigstellung der Ehrenburg wurde es auch hier wieder ruhig.

Die heutige Situation des früheren Augustengartens, bebaut durch das Palais Edinburgh und dem Kyrill-Palais (Foto: Christian Boseckert, 2007)

Die heutige Situation des früheren Augustengartens, bebaut durch das Palais Edinburgh und dem Kyrill-Palais (Foto: Christian Boseckert, 2007)

Das endgültige Aus für den Garten kam im Jahre 1847. In diesem Jahr verkaufte Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha das Anwesen am Bürglass an den Coburger Staatsrat Emil Freiherr von Pawel-Rammingen, während der südliche Teil zum Schlossplatz hin, an den Freiherrn von Wangenheim ging. Von Pawel-Rammingen ließ die Anlage einebnen und einreißen und erbaute an der Stelle eine klassizistische Villa, die später unter dem Namen „Kyrill-Palais“ bekannt werden sollte. Doch dies ist eine andere Geschichte. So hat diese Gartenanlage ihr Ende gefunden. Aber wir haben ja noch viele Parks, wie in den Hofgarten oder den Rosengarten, die zu Spaziergängen oder anderen Vorhaben einladen.

Text und Bilder: Christian Boseckert

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Die Brauerei Sturm

25. September 2009

Werbung der Brauerei Sturm (Sammlung Christian Boseckert)

Die Ketschengasse sah in ihrer langen Geschichte viele Geschäfte, die hoffnungsvoll gegründet und später wieder aufgegeben wurden. Das gleiche galt für die dort ansässigen Gastwirtschaften. Allein in der oberen Ketschengasse, von Markt bis zum Albertsplatz, gab es einst acht Speise- oder Bierwirtschaften. Die Bierlokale waren allerdings nicht über das ganze Jahr geöffnet, sondern sie konnten nur dann besucht werden, wenn Bier im Haus zum Verkauf vorhanden war. Gebraut wurde der Gerstensaft von den Hausbesitzern, wenn sie eine Brau- und Schankgerechtigkeit aufweisen konnten.

Die Sturm´sche Bierwirtschaft in der Ketschengasse 15, mit dem Sturmsbrunnen im Vordergrund (Zeichnung: Emil Maurer)

Die frühere Coburger Brauerei Sturm ist aus einer solchen Bierstube in der Ketschengasse entstanden. Der Firmengründer Anton Sturm, wurde im Jahre 1809 in Coburg im Hause Obere Salvatorgasse Nr. 4 geboren und heiratete 1833 Johanna Christiane Friederike Obenauf, deren Vater ein angesehener Bürger und Seilermeister in der Ketschengasse (Haus Nr. 15) war. Dieses Gebäude besaß damals eine solche Brau- und Schankgerechtigkeit. Um das Brauen und den Betrieb der Schenke kümmerte sich nach seiner Heirat ausschließlich der junge Ehemann Anton Sturm, welcher hauptberuflich das Handwerk eines Webers ausübte. Damals wurde in einem der städtischen Brauhäuser die Würze für das Bier gebraut, die dann in Holzbutten in die Keller der einzelnen Bierlokale getragen wurde. Dort setzten die Hausbrauer Hefe der Bierwürze zu, was zu einer Vergärung führte. Nach vollendeter Reife entstand daraus ein schmackhaftes Bier. Ein solches braute auch Anton Sturm. Die Einheimischen konnten es in seiner Bierwirtschaft in der Ketschengasse und ab 1840 auch im Sommer, im sogenannten „Sturmsgarten“ zwischen der heutigen Alexandrinenstraße und der Hohen Straße trinken. Der Garten besaß auch einige Keller, wo Sturm sein Bier gut lagern konnte. Nachdem auch viele Wirte Interesse am Sturmsbier zeigten, wurde im Jahre 1873 nach viele Schwierigkeiten die heute noch bestehende Brauerei-Anlage an der Callenberger Straße gebaut. Sturms Plan, die Brauerei am Glockenberg, anstelle seines Kellerbiergartens zu errichten, scheiterte an den Einsprüchen der Nachbarn und der herzoglichen Regierung. Wenige Monate nach der erfolgreichen Aufnahme der Bierproduktion im neuen Gebäude am Bärenhölzchen, starb Anton Sturm am 3. Januar 1874 im Alter von 64 Jahren an Herzversagen.

Die Brauereigebäude in der Callenberger Straße (Quelle: ehemaliges Firmenarchiv Sturmsbrauerei)

Seine drei Söhne Georg, Samuel und Gotthold übernahmen fortan die Geschäftsführung und den Betrieb von Gaststätte und Gartenlokal. 1891 wurde die Kellergartenwirtschaft verkauft, um aus dem Erlös für die Brauerei neueste Technik anschaffen zu können. Die Lokalität in Ketschengasse bestand bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts fort und wurde von den beiden unverheirateten Töchtern Anton Sturms, Emma und Wilhelmine, weitergeführt. Der Volksmund gab der beliebten Gastwirtschaft fortan an den Spitznamen „Sturms Tanten“. Die Brauerei indes entwickelte sich erfolgreich weiter. Um 1910 konnte bereits eine jährliche Bierproduktion von 25.000 Hektolitern erreicht werden. Die Absatzgebiete lagen vor allem im Thüringer Raum. 1908 übernahm Anton Sturm jun. die Brauerei. Als er zu Anfang des Ersten Weltkrieges an der Westfront fiel, ging die Brauerei an eine Erbengemeinschaft. Geschäftsführer wurde sodann der Kommerzienrat Julius Schiller, der seit 1897 in der Brauerei arbeitete und mit einer geborenen Sturm verehelicht war. 1923 wandelte er das Unternehmen von einer als OHG geführten Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft als AG um. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gelang es Schiller, das Unternehmen erfolgreich durch die schwierige wirtschaftliche Situation der 1920er Jahre zu führen. Der Krieg und die nachfolgende Teilung Deutschlands brachten der Brauerei wirtschaftliche Nachteile. So verlor man durch die Grenzziehung ca. 75 % seiner Kunden. Doch gelang es dem neuen Brauereichef Walter Steinhäuser, der zuvor als Buchhalter in dem Betrieb gearbeitet hatte, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Notwendige Investitionen wurden durch die Aufstockung von Kapital finanziert und als Folge daraus mit dem Coburger Kaufmann Carl Puff einen neuen Großaktionär in die Aktiengesellschaft aufzunehmen. 1975 trat mit Friedrich Puff der letzte Brauerei-Vorstand sein Amt an. Unter seiner Führung entwickelte sich die Brauerei zu einem mittelständischen Unternehmen mit rund 50 Mitarbeiten und einem jährlich Bierausstoß von 45.000 Hektolitern.

Werbung der Brauerei Sturm (Sammlung Christian Boseckert)

Das Ende der Selbstständigkeit erfolgte 2001 mit dem Tode Friedrich Puffs, welcher im August 2001 im Alter von 58 Jahren seinen Tod in einem Gärbottich fand. Bereits am 1. November 2001 wurde die Firma an die Kulmbacher Brauerei verkauft. Der Name Sturm ist allerdings noch heute allgegenwärtig in Coburg. Sei es der Sturmsbrunnen in der Ketschengasse oder die Sturmstreppe am Glockenberg – beides erinnert an dieses große Coburger Unternehmen.

Text: Christian Boseckert

Bildnachweise:
Bild 2: Die Sturm´sche Bierwirtschaft in der Ketschengasse 15, mit dem Sturmsbrunnen im Vordergrund (Zeichnung: Emil Maurer)
Bild 3: Die Brauereigebäude in der Callenberger Straße (Quelle: ehemaliges Firmenarchiv Sturmsbrauerei)
Bild 1 und 4: Werbung der Brauerei Sturm (Sammlung Christian Boseckert)

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Als die B4 noch durch die Stadt ging oder aus der Geschichte der Ketschengasse

10. Juli 2009
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Wer kann sich noch an die alte B4 erinnern, welche einst sich durch die Coburger Innenstadt zog. Für die jüngere Generation ist dies kaum noch vorstellbar. Der folgende Abschnitt über die B4 in der Ketschengasse soll zeigen welches verkehrstechnischen Probleme sich besonders nach 1945 offenbarten, welche schließlich zu einer Verlegung der Bundesstraße führten.

Das Äußere Ketschentor um 1900 (Sammlung Patrick Aigner)

Das Äußere Ketschentor um 1900 (Quelle: Sammlung Patrick Aigner)

Der Bereich des äußeren Ketschentores war verkehrstechnisch bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ein Problem. In den 1920er Jahren hatte die Motorisierung vor den Toren Coburgs auch nicht halt gemacht und der aufkommende Verkehr ließ die einspurige Durchfahrt durch das äußere Ketschentor zu einer ganz gefährlichen Engstelle werden. 1929 wurde deshalb erstmals ins Auge gefasst auf der Westseite vom Ketschentor eine Fahrbahn mit Gehweg durch das zur Stadt Coburg gehörende Anwesen Ketschengasse 56 zu schaffen. Aber erst 1939 stellte die Stadt beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege den Antrag, das besagte Haus abreißen zu dürfen.
Doch das Landesamt war strikt gegen dieses Vorhaben und argumentierte: „Die Fernstraße 4, die durch das Ketschentor führt, soll man regional irgendwie umleiten, oder man solle sich doch dieser modernen Verkehrssignalanlage bedienen.“
Der Coburger Stadtspitze kam schließlich der Zweite Weltkrieg zu Hilfe. Nach einem Bombenangriff im Jahre 1940 auf Coburg wurden durch die gewaltigen Druckwellen Mauerrisse sichtbar, die zu einer Einsturzgefahr des Gebäudes neben dem Ketschentor führten. Gegen solche Tatsachen war selbst das Landesamt für Denkmalpflege machtlos. Noch im selben Jahr erfolgte die Abbruchgenehmigung, die aber aufgrund des Kriegsverlaufs nicht mehr ausgeführt wurde.

Das Äußere Ketschentor heute (Foto: Christian Boseckert, 2006)

Das Äußere Ketschentor heute (Foto: Christian Boseckert, 2006)

Im Jahre 1945 kamen schließlich die Amerikaner nach Coburg. Diese fuhren Zeitzeugenberichten zu Folge mit ihren Panzern am 11.April 1945 oder kurz danach gegen das Haus Ketschengasse 56, um von Süden her in die Stadt zu gelangen, da die Durchfahrt durchs Ketschentor für ihre Fahrzeuge zu schmal war. Jetzt war das Gebäude endgültig einsturzgefährdet und stellte eine ernsthafte Gefahr für Fußgänger dar. Auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung mussten deutsche Kriegsgefangene im Juni/Juli 1945 das Haus abbrechen und beseitigen. Auf diese Weise war nun eine freie Durchfahrt für alle Fahrzeuge entstanden und damit das erste bauliche Eingriff im Bereich der alten Bundesstraße 4 abgeschlossen.
Dieser Zustand hielt sich aber nur bis 1956, den in diesem Jahr stand die 900-Jahr-Feier Coburgs an und die Stadtführung wollte aus diesem Anlass diesen noch offen sichtbaren Kriegsschaden beseitigen. In einer Kampfabstimmung stellte der Stadtrat Mittel in Höhe von 104.000 DM bereit. Der Bauplan sah vor, einen runden Torbogen an dieser Stelle zu errichten. Die Arbeiten wurden im März 1956 begonnen und mit einer sechswöchigen Unterbrechung während der 900-Jahr-Feier im Dezember 1956 abgeschlossen. Dabei musste aber die verbliebene Flügelmauer auf der Westseite wegen des Überhanges von 23 cm gänzlich abgebaut und um diese Länge versetzt werden. Die Ausführung des gesamten Bauvorhabens wurde mit 134.000 DM abgerechnet. Das war enorm viel Geld für die damalige Zeit wodurch das Projekt in der Bevölkerung nicht ganz unumstritten war. Die einen bedauerten, dass die bisher so schön freie Durchfahrt nunmehr durch einen Torbogen eingeengt worden war, de anderen waren der Meinung, dass die Stadt soviel Geld besser hätte in den notwendigen Wohnungsbau angesichts des Flüchtlingsproblems stecken sollen.

Die Ecke Rosengasse / Ketschengasse um 1950 (Archiv Historische Gesellschaft Coburg)

Die Ecke Rosengasse / Ketschengasse um 1950 (Archiv Historische Gesellschaft Coburg)

Ein weiteres Verkehrshindernis im Bereich der alten Bundesstraße 4 war die Einmündung der Rosengasse in die Ketschengasse. Dort standen, wo sich heute der Flachbau des Orthopädiegeschäftes Brünnerbefindet, die Wohnhäuser Ketschengasse 26 und Rosengasse 24, die eine Engstelle im Bereich der Rosengasse verursachten. Als im Jahre 1955 im Zuge der verstärkten Motorisierung der Coburger Bevölkerung der Stadtrat die Ketschengasse zur Einbahnstraße Richtung Marktplatz erklärte, musste Richtung Süden eine parallele einspurige Fahrbahn gefunden werden. Die Rosengasse war dafür wie geeignet. Problematisch war hier nur der Einmündungsbereich zur Ketschengasse hin. Autofahrer konnten Kraftfahrzeuge die aus Richtung Ketschentor kamen erst sehr spät sehen. Ein Jahr später, im April 1956, konnte diese Engstelle mit dem Abriss der Häuser Ketschengasse 26 (zuletzt Motorrad- und Automobilgeschäft Gottlieb Kob, vorher Gaststätte „Zum Deutschen Kaiser“) und Rosengasse 24 (zuletzt Färberei Arnold) beseitigt werden. Dass es sich bei den beiden Gebäuden um wichtige Denkmäler der Geschichte Coburgs handelte, störte anscheinend damals nicht. Schließlich befand sich seit 1317 an dieser Stelle das so genannte Ketschenbad bzw. die Untere Badstube in der sich die Coburger Bevölkerung des Mittelalters dem Badevergnügen hingeben konnte. Nun, im Jahre 1956 waren diese beiden Häuser Geschichte. An deren Stelle entstand ein einstöckiger Flachbau (ursprünglich war hier der Bau eines Hochhauses geplant, doch der Stadtrat lehnte eine solches Projekt im Jahre 1957 ab) der der Architektur der 1950er Jahre entsprach. Gleichzeitig wurde die Rosengasse verbreitert und die Sicht Richtung Süden gründlich verbessert.

Die Ecke Rosengasse / Ketschengasse heute (Foto: Christian Boseckert, 2007)

Die Ecke Rosengasse / Ketschengasse heute (Foto: Christian Boseckert, 2007)

Dieser Zustand blieb bis 1983 erhalten. Danach verlegte man die Bundesstraße 4 auf den Neuen Weg bzw. Adamistraße (einen Bericht auf Coburg-Life gibt es >>> hier) und erklärte die Ketschengasse zur verkehrsberuhigten Zone. Seit 1997 ist der obere Teil dieser Straße eine Fußgängerzone.

Text: Christian Boseckert

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