Die Biergärten am Festungsberg
Der Festungsberg ist heute eine feine Wohngegend. Die Bebauung begann dort ab 1860. Zahlreiche Villen zeigen uns noch gegenwärtig den Wohlstand ihrer früheren Besitzer. Was befand sich wohl früher auf diesem Areal? Es mag den Leser erstaunen, dass dort einmal drei Biergärten existierten. Über diese Einkehrstätten der Coburger soll dieser Blogeintrag berichten.
Der erste der drei Biergärten befand sich gleich neben der St. Augustinkirche, an der Stelle, wo sich heute das moderne katholische Gemeindezentrum und die Villa Anker (Obere Klinge Nr.1) befinden. Dieser Garten gehörte dem Bäckermeister und Bierwirt Johann Gottfried Fischer, der seinen Betrieb im Steinweg (Haus Nr. 43, heute Weltbasar Rückert) unterhielt. Fischer übernahm 1849 das Unternehmen und richtete daraufhin schließlich einen Biergarten auf seinem Grundstück am Festungsberg ein. 1870 schloss dieser Garten seine Pforten. Heinrich Langbein, der in den 1930er Jahren einen ersten Aufsatz zu diesem Thema schrieb, erinnerte sich, dass dort Gebäude in einfachster Weise vorhanden waren. Dazu gehörten ein Gartenhaus, einige offene Hütten und eine Sandkegelbahn. Die Gäste saßen auf langen Holzbänken an Tischen, die ungehobelt und nicht gestrichen waren. Das Bier wurde in Schlotterkrügen und billigen Gläsern ausgeschenkt. Wer etwas essen wollte, musste es sich seine Brotzeit selber mitbringen oder sich mit dem begnügen, was der Wirt an Wurst und Käse selbst anbot. Die weiblichen Gäste strickten im Sommer die Wollstrümpfe für den Winter und die Männer gingen dem Kegelsport auf der offenen Bahn nach. Liebespaare trafen sich hier ebenso wie die vornehmen Damen der Coburger Gesellschaft. Eine Ziehharmonika sorgte für Musik. Windlichter und Öllampen ließen den Biergarten auch am Abend in hellem Licht erscheinen.
So mag es vielleicht auch bei den beiden anderen Biergärten am Festungsberg zugegangen sein. Die nächste Einkehrmöglichkeit lag direkt hinter der St. Augustinkirche. Dort wo heute die Villa Festungsstraße Nr. 4 zu finden ist, lag bis 1867 der sogenannte „Casinogarten“. Er gehörte zu einer Gaststätte, die sich in dem späteren Logengebäude in der Theatergasse befand. Dieses Haus ist bei einem amerikanischen Luftangriff am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört worden. Zu dem Biergarten gehörten neben einem festen Gasthaus wahrscheinlich auch eine überdachte Kegelbahn. Hier traf sich vornehmlich die bessere Gesellschaft, direkt nach ihrem sonntäglichen Spaziergang im Hofgarten. Eine Reklame in den frühen Coburger Adressbüchern belegt diese Annahme. Die Vermutung liegt hier nahe, dass es sich hierbei nicht nur um einen Biergarten, sondern auch um ein Ausflugslokal mit Kaffeeausschank handelte.
Ein ganzes Stück weiter an der Festungsstraße, dort wo sich jetzt die Häuser Nr. 9a und 9b befinden, war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Biergarten zu finden, der 1804 gegründet wurde. Dieser Garten gehörte dem Bäckermeister und Bierwirt Fritz Frommann, der seine Stadtwirtschaft im Steinweg Nr. 15 (heute Modehaus K&L Ruppert) hatte. Das Anwesen Frommanns erstreckte sich in der ganzen Breite von der Festungsstraße bis zur Bergstraße. Auch in dieser Kellerwirtschaft wurde das Bier nur in Schlotterkrügen ausgeschenkt. Nach 1871 wurde der Ausschank aufgegeben und das Grundstück parzelliert. Auf einem verkleinerten Areal an der Festungsstraße entstand dann schließlich ein neues Ausflugslokal, welches den Namen „Wilhelmshöhe“ trug. Möglicherweise diente das Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel als Vorbild, wo der französische Kaiser Napoleon III. interniert war. Das Ausflugslokal sprach vor allem eine feinere Kundschaft an. So empfhal sie in einem Inserat aus dem Jahre 1882 ihre schönen Gartenanlagen, die Marmorkegelbahn, den Konzert- und Ballsaal, vorzügliche einheimische und fremde Biere, feine Weine und eine hervorragende Küche zu guten Preisen an. Trotz der Werbung konnte sich die „Wilhelmshöhe“ nicht lange halten. Bereits 1890 zog in das Gasthaus eine Molkereikuranstalt ein, in der in den Morgen- und Abendstunden frische Ziegenmilch verabreicht wurde. Gesundheitsfördernde Brunnen- und Heilwasser wurden dort ebenfalls angeboten. 1893 erfolgte der Abbruch sämtlicher Gebäude auf diesem Gelände. Es entstand das heutige Wohnhaus Festungsstraße 9b, in dem ein Knabenerziehungsinstitut einzog.
Aus heutiger Sicht ist es bedauerlich, dass sich keines dieser Gastronomiebetriebe halten konnte. Fehlt doch nach Ansicht vieler Coburger, dem Hofgarten so etwas wie eine Ausflugsgaststätte, in der man auch sein Bier trinken könnte.
Text: Christian Boseckert
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Bild 1: Standort des Fischer-Biergartens in der Oberen Klinge (Foto: © S.Peter)
Bild 2: Standort des Casinogartens in der Festungsstraße (Foto: © S.Peter)
Bild 3: Standort des Frommann-Biergartens in der Festungsstraße (Foto: © S.Peter)
Das Café Herold
Der heutige Blogeintrag führt uns in die Bahnhofstraße. Dort, an der Ecke zur Seifartshofstraße, befindet sich mit dem Café Filou eines der schönsten Lokalitäten Coburgs. Auch das Haus mit seinem neuklassizistischen Stil und der davor liegende Biergarten tragen viel zu diesem Flair bei. Umso interessanter ist es die Geschichte des Hauses genauer unter die Lupe zu nehmen.
Noch um 1850 standen an dieser Stelle vier kleine Wohnhäuser, in denen Tagelöhner oder Handwerksknechte (Vorläufer der heutigen Gesellen) lebten. Diese Gebäude gehörten zur Seifartshofstraße, die damals schon als Feldweg existierte. Nur der Anfang dieser Weges war seinerzeit bebaut. Ansonsten säumten Äcker und Wiesen, welche von Coburger Bauern bewirtschaftet wurden, den Weg. Das gleiche gilt für die Bahnhofstraße, die man 1861 als neue Zufahrt zum Bahnhof anlegte. Durch den Bau dieser Straße wurden die dort angrenzenden Felder zum Bauland.
Einer der ersten, der dort ein Stück Land erwarb, war der Baumeister August-Friedrich Franke. Er erhielt das Kopfgrundstück zwischen der neuen Bahnhof- und der Seifartshofstraße, dort wo heute eben das Haus Bahnhofstraße 11 steht. Der gebürtige Saalfelder war in jener Zeit häufig als Baumeister in Coburg beschäftigt. So stammen aus seinen Entwürfen die u.a. Häuser Albertsplatz 6, Löwenstraße 13 sowie mehrere Anwesen in der Bahnhof- und Lossaustraße.
Für sich selbst und seine Familie errichtete er im Jahre 1867 das Wohnhaus Bahnhofstraße 11. Franke war somit Architekt und Bauherr in einer Person. Ursprünglich befand sich in dem Gebäude kein Geschäft. Dies änderte sich erst später. August-Friedrich Francke indes verlebte hier im Kreise seiner Familie seine schönsten Jahre. Er starb 1885 im Alter von 61 Jahren. Das Grundstück ging im Erbgang an seine Ehefrau Luise und nach deren Tod im Jahre 1909 an die gemeinsamen Kinder. Diese verkauften 1912 das Haus an den Konditormeister Albert Herold. Damit war der Grundstein für die gastronomische Nutzung des Hauses gelegt.
Herold baute das Erdgeschoss komplett um, errichtete an der Seite zur Seifartshofstraße einen neuen Backofen in Form eines Turmes und eröffnete neben einer Bäckerei auch ein Café. Der Vorgarten wurde zeitgleich zu einem Cafégarten umfunktioniert. 1924 erfolgte ein Sortimentwechsel hin zu einer Konditorei.
Albert Herold betrieb die Konditorei samt Café bis zu seinem Tod im Jahre 1945. Seine Witwe Kunigunde verpachtete daraufhin das Lokal. Erster Pächter war eine Familie Reinhardt. 1953 übernahm der Bäckermeister Max Treuner das Café und erhielt für dieses die volle Schanklizenz. Das bedeutete, dass dort auch Bier ausgeschenkt werden durfte. Unter dem Namen „Café Herold“ betrieb das Treuner das Geschäft noch bis in die 1970er Jahre hinein weiter.
Danach wurde das Café aufgegeben und das Lokal zu einer Speisegaststätte umgebaut. Vornehmlich gab es hier ein jugoslawisches und italienisches Spezialitätenrestaurant. 1983 fand sich hier die Pizzeria „Rimini“, die dann später in „Athena“ umbenannt wurde. Es ist zu bemerken, dass die Pächter dieser Gaststätten häufig wechselten. Dies änderte sich erst zu Anfang der 1990er Jahre. Nach einem erneuten Umbau eröffnete dort das Café Filou, dass sich zu einem beliebten Studenten- und Jugendtreff mauserte. Auch ältere Coburger genießen es, im Schatten des Biergartens zu sitzen und zu kleinen Speisen etwas zu trinken.
Text: Christian Boseckert
Bildquellen:
Foto 1: Das Café Filou, S.Peter 2010
Foto 2: Der Backofen-Anbau, Christian Boseckert, 2010
Als die “Goldene Traube” noch in der Judengasse war
Das jetzige Romantik- und Drei-Sterne-Hotel „Goldene Traube“ am Viktoriabrunnen hatte seine Ursprünge u.a. in der Judengasse. Dort gehen sie auf das Jahr 1727 zurück. Im Häuserbuch von Ernst Cyriaci heißt es dazu, dass der Besitzer des Anwesens Judengasse 13 in Coburg, der Metzgermeister Paul Düsel, in jenem Jahr das Schild „Zur Weintrauben“ vom Hochfürstlichen Rat und Leibmedikus Dr. Carl Christian Xylander aus der Ketschengasse Nr. 5 erhielt. Dort befand sich seit mindestens 1536 eine Gaststätte die den Namen „Zum Roten Krebs“ trug und später dann in „Zur Weintrauben“ umbenannt wurde.
Erster Inhaber des Gasthauses war ein Georg Bachenschwanz. Später, im 20. Jahrhundert, war dort der alte Coburger Ratskeller zu finden. Ob sich in dem Gebäude in der Judengasse bereits vorher eine Lokalität etablierte, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass Paul Düsel der erste „Traubenwirt“ in der Judengasse war. Er führte das Haus bis 1739. In diesem Jahr übernahm dessen Schwiegersohn, der Metzgermeister Johann Georg Rögner, den Gasthof. Ihm folgten zahlreiche Gastronomen, die sich alle nacheinander, nicht lange halten konnten.
Für eine längere Phase trug nur die Familie Bärmann, von 1766 bis 1782 die Verantwortung für das Gasthaus. In jener Zeit war die „Goldene Traube“ nur ein einfacher Gasthof mit Fremdenzimmer und einer angeschlossenen Metzgerei – kein Vergleich mit dem heutigen Hotel. Die häufigen Besitzerwechsel endeten erst im Jahre 1792, als der Metzgermeister Johann Georg Mönch das Haus käuflich erwarb. Mit der Familie Mönch begann auch der Aufstieg der „Goldenen Traube“ vom Gasthof zu einem erstklassigen Hotel. Gleichzeitig war Johann Georg Mönch der Stammvater einer für Coburg bedeutenden Familie.
Sein Sohn Martin Christian Mönch eröffnete im Jahre 1832, ebenfalls in der Judengasse, im Haus Nr. 18 gegenüber, welches der Vater 1826 käuflich erwarb, ein Lebensmittelgeschäft, das unter dem Namen „M. C. Mönch“ bis in die jüngste Gegenwart existierte und das für seine Delikatessen nicht nur in Coburg sondern in ganz Deutschland bekannt war. Die beiden anderen Söhne Georg und Andreas Mönch führten den väterlichen Betrieb gemeinsam weiter. Das Haus indes hatte Johann Georg Mönch schon zu Lebzeiten an seinen Schwiegersohn Johann Georg Schultheiß verkauft. Als dieser starb, erbte dessen Ehefrau Helene Margaretha Schultheiß, geb. Mönch das Anwesen. Da das Ehepaar Schultheiß keine Erben aufweisen konnte, ging die „Goldene Traube“ im Erbgang wieder an den Bruder Georg Mönch zurück. Doch lange konnte sich Georg Mönch an seinem Besitz nicht erfreuen. Er starb 1859 im Alter von 62 Jahren.
Neuer Wirt und Hausbesitzer wurde dessen Sohn Christian Mönch, der damals gerade mal 28 Jahre alt war. Ihn kann man aus heutiger Sicht, als Vater des Hotels „Goldene Traube“ bezeichnen, denn er verfolgte ehrgeizige Pläne mit seinem Besitz. Bereits ein Jahr nach dem Tode seines Vaters, im Jahre 1860, ließ er den alten Gasthof abreißen und an dessen Stelle, vom Architekten Paul Gehrlicher ein Hotelgebäude im neugotischen Stil errichten. Bei diesem Neubau wurde die Metzgerei aufgegeben. Von der alten „Traube“ erhielt sich im Album des Coburger Bauinspektors Jakob Lindner eine Zeichnung. Sie ist identisch mit einer Beschreibung aus dem Jahre 1706. Dort wird von einem Gebäude mit zwei Stockwerken, drei Stuben, einem Gewölbe und einem Keller gesprochen. Einen zusätzlichen Bierkeller besaß die „Traube“ am Plattenäcker. In den folgenden Jahren boomte die „Goldenen Traube“ regelrecht. Bereits 1862 musste Christian Mönch anbauen. Er ließ zusätzlich zu dem eigentlichen Hotel auf seinem Grundstück ein Hinterhaus und vier Jahre später, im Jahre 1866 eine Wagenremise errichten. Ferner erwarb Mönch die Konzession für eine Posthalterei in Coburg, welche dem Gasthof noch zusätzlich aufwertete und durch die er drei Postillione einstellen konnte. Dass die „Goldene Traube“ bereits zu dieser Zeit einen hohen Stellenwert besaß, zeigt der von Rudolf Genée im Jahre 1866 herausgebrachte Fremdenführer „Stadt und Veste Coburg nebst Umgebung“. In diesem Führer wird ausdrücklich der Gasthof in der Judengasse als eines der besten Gast- und Logierhäuser Coburgs, neben dem Hotel Leuthäuser in der Spitalgasse oder dem Gasthof „Grüner Baum“ am Markt erwähnt.
Auch bei der einheimischen Kundschaft war die „Goldene Traube“ sehr beliebt. Dazu trug sicherlich auch der Sommergarten bei, der hinter dem Haus angelegt worden war. Hier konnten die Coburger Bürger bei Musik und Tanz der hiesigen Stadtkapelle vergnügt ihr Bier unter schattigen Bäumen im Freien trinken. Bei schlechtem Wetter stand sogar ein Gartensaal zur Verfügung, der später dann dem Hotelneubau am Viktoriabrunnen weichen musste. Desweiteren existierte im Traubegarten seit 1853 eine Kegelbahn, die von Georg Mönch noch errichtet wurde. Auch der Ausblick von diesem Sommergarten war zu jener Zeit herrlich. Das Grundstück reichte im Westen bis zur heutigen Viktoriastraße, die damals noch kaum bebaut war. Im Süden grenzte das Anwesen an den Viktoriabrunnen. An der Nordseite grenzten die kleinen, zweistöckigen Häuschen der Kleinen Judengasse an den „Traubegarten“ an. Die Zufahrt zu diesem Gesellschaftsgarten erfolgte über die Viktoriastraße. Erst später wurde dieser Weg an den Viktoriabrunnen verlegt. Dort ist er noch, zwischen dem ehemaligen Gebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) und dem heutigen Hotelkomplex der „Goldenen Traube“ zu erkennen. Christian Mönch verkaufte im Jahre 1868 das Anwesen an den Coburger Hotelier Albert Stedtenfeld für 45.500 Gulden. Er selbst erwarb daraufhin das ehemalige Wohnhaus des Barons Christian von Stockmar in der Webergasse Nr. 21, wo er, zusammen mit seinem Sohn Leopold Mönch, seine Posthalterei weiter betrieb und wo heute noch die Nachfahren der Familie Mönch dort leben.

Ehemaliger Bier-und Gesellschaftsgarten der "Goldenen Traube Richtung Viktoriastraße, gegenwärtiger Zustand (Foto: Christian Boseckert)
Unter Stedtenfeld blieb die „Goldene Traube“ auch weiterhin eine gut besuchte Lokalität. Bereits im Jahre 1873 musste er das Hotel um ein neues Logierhaus erweitern. Dieses Gebäude entstand auf dem Gelände des „Traubegartens“ wofür der schöne Sommergarten merklich verkleinert wurde. Noch heute können wir diesen Anbau von Albert Stedtenfeld sehen. Er gehört immer noch zum Hotel und beherbergt im Erdgeschoss seit einigen Jahren das Lokal „Weinstübla“. Ein besonderer Kundendienst der „Traube“ war der Omnibus, wie er in einem Inserat genannt wurde. Das war eine geschlossene Kutsche mit seitlich gepolsterten Bänken. Die Fahrgäste stiegen von hinten ein. Nachdem er die Türe geschlossen hatte, setzte sich der Hoteldiener auf den Kutschbock, knallte mit der Peitsche, worauf das vorgespannte Pferd das Gefährt in Bewegung setzte. Der „Omnibus“ holte mehrmals am Tage die Gäste vom Coburger Bahnhof ab und fuhr sie wieder dorthin. Der Coburger Heimatforscher Ernst Eckerlein, aufgewachsen in der unteren Judengasse, erinnerte sich in seinen Geschichten aus der Coburger Heimat noch gut daran, das in seiner Kinderzeit dieser „Omnibus“ vom Bahnhof zur „Goldenen Traube“ verkehrte. Ein weiterer Beleg über diese „Omnibusfahrten“ existiert im Coburger Stadtarchiv. Dort hat sich eine Rechnung an den Coburger Sängerkranz erhalten, der im Jahre 1862 eine Fahrt mit dem „Omnibus“ der Goldenen Traube nach Schloss Callenberg unternahm. Der Gastronom Christian Mönch stellte damals die Hin –und Rückfahrt dem Gesangsverein in Rechnung. Heute reisen die Gäste in Reisebussen und eigenen Autos an, was ein Beleg dafür ist, wie sehr sich die Zeit verändert hat.

Der 1873 errichtete Neubau der "Goldenen Traube" Richtung Viktoriastraße (Foto: Christian Boseckert, 2009)
Kamen die Hotelgäste vor dem Haus in der Judengasse an, wurden sie mit einem roten Teppich, der vor dem Eingang lag, begrüßt. Zur Zierde stellte man zusätzlich vor dem Hotelgebäude fünf Lorbeerbäume auf. Auf alten Fotographien sind diese Bäumchen noch zu sehen. Im Foyer des Hotels lagen für die Gäste, aber auch für die Einheimischen, diverse Zeitungen zum lesen und schmökern bereit. Zu jener Zeit war der Beruf des Zeitungsausträgers noch recht unbekannt und so mussten die Leute in Buchhandlungen oder in Hotel-Lobbys gehen, um eine Zeitung überhaupt lesen zu können. Nach Albert Stedtenfelds Tod, der dem Hotel auch eine Weinhandlung angeschlossen hatte, erbte sein Sohn Oskar, ebenfalls Hotelier von Beruf, das Anwesen. Im Coburger Adressbuch von 1897 ist er noch als Hauseigentümer eingetragen. Doch im selben Jahr verkaufte er das Anwesen an den Kaufmann und Fabrikanten Gustav Müller, der es nur wenig später an den Hotelier Fritz Götze weiter veräußerte. Unter Götze erreichte die Auslastung des Hotels ihren Höhepunkt, so dass auch er gezwungen war anzubauen. Doch die Lage des Gebäudes in der Judengasse ließ eine weitere Ausdehnung nicht mehr zu.
Da entschloss sich Götze an der Südseite seines Anwesens, am Viktoriabrunnen entlang, ein völlig neues Hotelgebäude zu errichten. Dafür wurde der Sommergarten nun endgültig aufgelöst und der Gartensaal abgerissen. Unter dem Gothaer Architekten Richard Klepzig entstand nun ein großes, mehrstöckiges Hotel im seinerzeit vorherrschenden Jugendstil mit vielen Salons, Gästezimmern und Lokalen. Dies entsprach dem Repräsentationsbedürfnis der damaligen Zeit. Im Jahre 1906 war das neue Haus fertig gestellt. Das alte Hotelgebäude in der Judengasse hatte nun ausgedient. Diesen Grundstücksteil verkaufte Fritz Götze schließlich an seinen Nachbarn, den Blechschmiedemeister Samuel Spanaus, vom Haus Judengasse 15. Damit endete die Geschichte der „Goldenen Traube“ in der Judengasse, doch die Erfolgsgeschichte konnte in ihrem neuen Domizil am Viktoriabrunnen fortgeschrieben werden. Glücklicherweise zeugen noch heute das alte Hotelgebäude, in dem gegenwärtig das Spielwarengeschäft Schleier seine Heimat gefunden hat, und der Stedtenfeld´sche Anbau von dieser Zeit. Lediglich vom Garten ist heute nichts mehr zu sehen. Die gegenwärtigen Hotelbesitzer, die Familie Glauben, haben ihn jedoch, als Sommerterrasse des „Weinstübla“ in bescheidenen Verhältnissen wieder reaktiviert. Die Familie Götze blieb bis 1926 im Besitz des Hotels.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Das Haus Judengasse 13 heute (Foto: Christian Boseckert, 2009)
Bild 2: Ehemaliger Bier-und Gesellschaftsgarten der “Goldenen Traube Richtung Viktoriastraße, gegenwärtiger Zustand (Foto: Christian Boseckert)
Bild 3: Der 1873 errichtete Neubau der “Goldenen Traube” Richtung Viktoriastraße (Foto: Christian Boseckert, 2009)
Bild 4: Der Neubau des Hotel “Goldene Traube” um 1920, Quelle: Sammlung S.Peter
Der Mohrenkeller im Weichengereuth
Schon bald 20 Jahre ist es her, als mit der Einweihung der Frankenbrücke eines der wohl umstrittensten Bauprojekte der neueren Zeit in Coburg seinen Abschluss fand. Dem Bau fielen damals insgesamt 21 Häuser zum Opfer: Fünf am Marschberg, zwei in der Schlachthofstraße, eines in der Hutstraße und 13 im Weichengereuth!
Erbittert umkämpft waren vor allem die Jugendstil-Fassaden der Häuser im Weichengereuth. Vor allem einem Gebäude trauern die alten Coburger noch heute nach, nämlich dem sogenannten Mohrenkeller.
Diese Gastwirtschaft befand sich in einem Haus, dass gleich drei Grundstücke miteinander vereinte: Weichengereuth Nr. 1 sowie Marschberg Nr. 1 bis 3. Architekt dieses „Dreifach-Gebäudes“ war der Maurermeister Carl Bauer, der diesen Komplex im Jahre 1904 auf eigene Rechnung wahrscheinlich mit wenig Eigenkapital und erheblichen Krediten errichten ließ. Bauer, geboren am 13.Mai 1878 in Neustadt bei Coburg, betrieb, nachdem er mit dem Alter von 16 Jahren begann, die Baugewerkeschule zu besuchen, seit 1902 ein Baugeschäft in Coburg. Seine ersten Bauwerke stehen in der Hut und der Sandstraße (einfache Backsteinbauten). Mit 26 Jahren begann Bauer im Weichengereuth und am Marschberg Jugendstilvillen zu bauen.
Das Schicksal hatte es mit Bauer aber nicht gut gemeint. Weil er seine Villen nicht verkaufen konnte, mussten diese schon bald zwangsversteigert werden. Der Mohrenkeller-Komplex kam schließlich 1910 unter den Hammer und ging an drei Coburger Bürger. Da Bauer ausgerechnet die meisten seiner Jugendstilhäuser im Bereich Weichengereuth / Marschberg errichtete, fielen diese ausnahmslos dem Bau der Frankenbrücke zum Opfer.
Bauer, der bereits beim Bau des Hauses 1904 vorsorglich einen Antrag auf Genehmigung einer Bewirtschaftung stellte, sollte erst 1907 die Genehmigung für den Betrieb eines Hotels vom Magistrat erhalten. Der Betrieb wurde unter dem Namen “Wirtschaft und Cafe Bauer” geführt. Die wirtschaftliche Lage zwang Bauer, das Haus zu verkaufen. 1910 erwarb der Gastronom Christian Schneider das Haus und führte so das Lokal weiter. Bauer und seine Frau, die aus Theisenort bei Kronach stammte, verliessen Coburg 1913. Bauer verstarb 1954 in Kronach.
Die Gaststätte Mohrenkeller hatte zu damaligen Zeit einen schlechten Ruf und wurde für Militärpersonen verboten. Erst 1916 wurde diese Anordnung vom damaligen Stadtkommandanten aufgehoben.
Dem Gastronom Schneider folgte als Hauseigentümer der Restaurateur Johann Knorr nach, bis 1927 der Brauereibesitzer Gottlieb Stahn aus Meschenbach das Grundstück erwerben konnte. So floss auch hier der Meschenbacher Gerstensaft ab diesen Zeitpunkt in Strömen.
In den 50zigern war der Mohrenkeller ein sehr gutes Speiselokal, dessen Pächter später das Meschenbacher im Steinweg übernahm.
Im Jahre 1960 übernahm der im Coburger Land bekannte Diplom-Braumeister Friedrich Müller die Meschenbacher Brauerei. Für den Mohrenkeller konzipierte er eine neue Form der Gaststätte. Er machte aus dem allgemeinen Speiserestaurant eine Brathähnchenstation. Die Idee kam bei den Kunden sehr gut an. Noch lange Jahre konnte man hier seinen „Gummiadler“ bestellen und verzehren.
Anfang der 1970er Jahre traten allerdings verstärkt vor der Kreuzung am Mohrenkeller Verkehrsprobleme auf. Schuld daran war eine abknickende Vorfahrt mit langen Staus bei den untergeordneten Straßen sowie der Bahnübergang am Städtischen Schlachthof. Ferner plante man den Fernverkehr westlich an der Innenstadt vorbei zuleiten. Dies sollte nach Meinung des Coburger Stadtrates mittels einer vierspurigen Stadtautobahn geschehen, deren Verlauf über die Adamistraße und den Neuen Weg direkt zu der Kreuzung am Mohrenkeller führte. Die Bauarbeiten für dieses Projekt begannen 1974. Natürlich sollte die Stadtautobahn ins Weichengereuth weiter geführt und eine Entschärfung der sogenannten „Schlachthofkreuzung“ herbeigeführt werden. Dabei stand der Bauer´sche Häuserkomplex im Weg.
Ende März/Anfang April 1977 hatte schließlich das letzte Stündlein für den Mohrenkeller geschlagen. Als letzter Hauseigentümer wird im Adressbuch von 1977 die Bundesrepublik Deutschland angegeben. Ihr oblag seinerzeit der Ausbau der neu angelegten Bundesstraße 4.
Mit dem Abbruch des Mohrenkellers begannen seinerzeit die Umgestaltung in diesem Bereich. Die Nachbarhäuser im Weichengereuth und am Marschberg fielen schließlich ab 1989 der Abrissbirne zum Opfer. Deren Geschichte hier zu erwähnen, würde den Rahmen des Aufsatzes sprengen. Man sollte jedoch diesen Artikel nicht beenden, ohne noch auf die beiden anderen Teile Marschberg Nr. 1 und 3 des Bauer´schen Komplexes einzugehen.
Der Mittelbau Marschberg 1 kam 1910 in den Besitz von Schlossermeister Ernst Weidmann, welcher das Haus 1919 an den Kaufmann Albert Bores weiter veräußerte. Bores führte dort ein Lebensmittelgeschäft, das bis in die 1970er Jahre hinein unter den Namen „Hanft“ weiter existierte. Der dritte Gebäudeteil ging 1910 in den Besitz des Kaufmanns August Scheler über. 1911 eröffnete dort Hermann Gröckel eine Fleischerei, die später von der Familie Jahn geführt wurde. Später betrieb dort die Firma Großmann AG eine Filiale. Auch diese beiden Teile wurden 1977 abgerissen. Architektonisch war dies ein riesiger Verlust für die Coburger Baukultur. Größere Protestete gab seinerzeit aber kaum, denn der Jugendstil galt in den 1970er Jahren als „Kitsch-Architektur“ und genoss keinen großen Stellenwert. Erst nach der großen Abbruchserie des Jahres 1989 besann man sich der Bedeutung des Jugendstils wieder und lernte ihn wieder schätzen.
Text: Christian Boseckert, ergänzt von S.Peter
Bildquellen:
Bild 1: Der Mohrenkeller – Weichengereuth 1 um 1950, Archiv Heinz Schuler
Bild 2: Der Mohrenkeller – Weichengereuth 1 – kurz nach dessen Eröffnung um 1910
Bild 3: Der Kiosk vor dem Mohrenkeller, Bildquelle Archiv Heinz Schuler
Bild 4: Die beiden anderen Hausteile Marschberg 1 und 3 kurz vor deren Abriss 1977
Die Bilder 2 und 4 sind entnommen aus: Stadt verkehrt. Ein fächerübergreifendes Unterrichtsprojekt in der 10. Jahrgangsstufe am Beispiel der Stadt Coburg (Heft 19/1997 der Lehrerzeitung “die untere anlage” am Gymnasium Albertinum)
Die Gaststätte Rohmann, letzter Teil
Oftmals zur später Stunde begannen dann die Gäste (die Alteingesessenen) das “Revolutionslied” zu gröhlen.
Brennt das Rohmann nieder
Brennt das Rohmann nieder
Brennt das Rohmann nieder
Macht ‘nen Puff daraus!
Ja sie kommt schon…
Die Revolution!
Da bekam dann die Else immer “Muffe” und schluchzte wir sollten doch nicht so ein Lied singen! Und schwupps, wie von Geisterhand, standen dann zwei oder drei “Liter” auf dem Tisch. Meistens stimmte Ch. dieses Lied an und er hatte auch dann stets den ersten Maßkrug in der Hand und gab ihn nicht mehr her.
Scho’ lang her!
Eva, Elfi, Karin, die”Nitt’l”, Bobbi, Mike und wer noch alles versuchten sich als Bedienung. M. hatte auch einmal Lokalverbot. Die Kumpels die in der Kneipe saßen, bestellten für ihn ein Bier und er trank es durch das geöffnete Fenster auf dem Bürgersteig. Das merkte natürlich der Ludwig und die Fenster wurden geschlossen. Für die Else in ihrer “Kochnische” war das enorm schweißtreibend bei den hochsommerlichen Temperaturen und die Fenster waren sofort wieder offen.
Die NPD machte von sich Reden und an einem Samstagnachmittag sprach der Vorsitzende Adolf von Thadden auf dem Schlossplatz. Vormittags erschien ein gut gekleideter Herr im Rohmann und kurz darauf ging Ludwig durchs Lokal. “Alle mal herhören! Wenn ihr heute Nachmittag auf’m Schlossplatz kräftig grölt und pfeift gibt’s Freibier!” Endlich mal was gutes, meinte Chr.. Gähnende Leere in der Kneipe, alles stand am Schlossplatz. Schreien und Pfeifen und: “NPD raus!” war zu hören und dann: “Hoch die Tassen!” – wer nur das Freibier bezahlt hatte?
Dienstag Abend, die Mohrenstraße war gesperrt und schwarz vor Menschen. Mehrere Hundertschaften BePo aus Nürnberg waren anwesend. Die NPD hatte eine Veranstaltung im Hofbräu-Saal und Adolf von Thadden hatte sich als Redner angekündigt (das haben ja schon andere vor ihm in diesem Saal getan). Die Menschenmenge konnte nur mühsam von der BePo zurückgehalten werden. Ein Zutritt war für die NPD´ler nicht möglich und deshalb entschlossen sich die Veranstalter einen Zugang über die Badergasse ins Hofbräu zu ermöglichen. Neben dem “Central Kino” in der Badergasse war ein Holztor und hier konnte man, wenn es offen war, in den ehemaligen Biergarten der Hofbräu-Gaststätten gelangen. Hier hinten hatte Hilde Scheer ihr Fotoatelier und unter dem Hofbräu-Saal befand sich das “Passage Kino”. Nun hatte es sich in Windeseile herumgesprochen, dass der Thadden über die Badergasse in den Hofbräu-Saal eintritt. Ein wildes Gerenne begann Richtung Badergasse – aber auch hier hatte die BePo bereits alles abgeriegelt. Als dann Thadden mit seinen Gefolgsleuten erschien wurde er mit wüsten Beschimpfungen und Gejohle und dem Ruf: “Ho, Ho, Ho Tschi Mihn!” empfangen, abends gab es dann wieder Freibier im Rohmann. Ob wir denn auch kräftig gepfiffen und geschrieen hätten, wollte Ludwig wissen?! Als erster meldete sich Ch.: “Logisch!”
Viel könnte man noch erzählen vom Rohmann, doch plötzlich war alles anders. Andere Leute kamen dort rein, mehr und mehr fremde Gesichter. Es kam die Zeit wo es hieß:”Hasste Haschisch in den Taschen, – hasste immer was zu naschen!” und damit war der Niedergang dieser Kneipe vorprogrammiert. “Was macht’n der?” – “Is nimmer in Cobborch!” – “Un’ der?” – “Wah’s ich net” – Es war halt “Unsere Zeit!”
Scho’ lang her!
Vor einiger Zeit waren wir mal im “Balkan Grill” wie die Kneipe jetzt heißt. Essen war gut. Und als ich so durch die Gaststätte geh, kommen wieder die Erinnerungen an damals. “Monday, Monday” von den “Mamas and Papas” hämmerte damals die Box und Ludwig musste die Platte erneuern, weil sie schon mächtig “eierte” – so oft wurde sie gewählt! Lieder der Beatles und der Stones waren “in”. Und als ich so über dem Essen sitze, kommen mir alle wieder in den Sinn, die sich damals “Rohmänner” nannten und einige davon sind schon nicht mehr unter uns! Generationen hat das “Rohmann” in seiner Langen Geschichte schon gesehen – wurde halt gern von jungen Leuten besucht!
Scho’ lang her!
ENDE
Hier geht es übrigens zu den anderen Teilen über die Gaststätte Rohmann:
Teil 1, Teil 2, Teil 3
Die Gaststätte Rohmann, Teil 3
Gegen zwei Uhr früh klingelts bei mir und H. steht “dicht” vor der Türe. “Was`n mit dir los?” – “Eh Alter, die ham`mer`mei Horex geklaut!” – “Wo warste denn?” – ” Im Rohmann!” – “Kannste mich hemm fahr?” – “Logo!” – Drauf auf die BMW und nach “Siemau” gegeigt! – “Geh fei erst später zur Polente wegen deiner Fahne, gell!” – “Ja, ja!”
Pfingstsonntag. Die Horex lehnte am Brunnen vorm Rohmann – außen! Am Montag lehnte die Horex immer noch am Brunnen, aber innen und zwei Meter unter Wasser! Und H. hatte die Horex monatelang aus Schrott wieder aufgebaut und war so stolz darauf. Die Horex gibts schon lang nicht mehr und H. hat sich mit 52 auch schon verabschiedet! H. meinte damals zu mir, dass er die Kneipe nie mehr betreten will! – Was kann aber die Rohmanns Kneipe dafür, dass dem sein Motorrad im Brunnen steht?!?
Da sind schon lange vor dem “Horex-Bad” zwei Pferde mal in den Brunnen reingehüpft und um die rauszukriegen wurde das halbe Brunnengeländer abgebaut! – Glauben Sie nicht? – gibt`s doch Bilder davon! Ist halt schon fast 100 Jahre her!
Wer noch nicht 16 war flog raus! Es bestand für Neulinge Ausweispflicht! Da war die Else sehr streng! Gell!?
In der Mittagspause, wenn Berufsschule war, begann eine kleine “Völkerwanderung” zum Rohmann! Schule nachmittags? – Kannste vergessen!
Telefonat beim Lehrherren war meistens die Folge. Einmal wollten F. und R. den Berufsschullehrer verklopfen! Beide waren “hackedicht”! Unser Chef meinte nur dazu: Geht halt am Wochenende dorthin! Dann gibts keine Probleme! Unser “Boss” war eigentlich sehr für uns “Stiften”. Es kam vor, dass er am Freitag Abend mit seiner Frau in die “Lore” ging. Wenn wir uns dann zufällig über den Weg liefen, meinte er nur: “Na Jung, wo gehts denn hin?” – “Ins Rohmann!” – “Da nimm, und trink mal auf unser Wohl!” – “Super, der Abend war gerettet und manchmal war auch noch “Eins” für den CH. mit drin!
Schön wars im Rohmann am Morgen, so gegen 1o Uhr wenn geöffnet wurde. Da war der “Dunst” zwar noch zu riechen, aber er war wenigstens “umgelüftet”. Die Gläser waren gespült, die Lippenstifte abgewischt, die Aschenbecher sauber und die Kneipe war gekehrt! Auch war der Fussboden wieder trocken, denn es blieb nicht aus, dass bei dem Geschiebe und Gedränge in den “Stosszeiten” der Bedienung manchmal ein volles Tablett “abgeräumt” wurde!
Abends war es aber manchmal “kriminell”. Da war teilweise der Zigarettendunst so dicht, dass man die Musicbox nur “schemenhaft” sehen konnte! Hauptsächlich dann, wenn die Fenster im letzten Raum zu waren. Es waren im Lokal nur zwei Fenster zu öffnen und die mussten abends wegen dem Krach geschlossen werden. Alles Quatsch! Die “Box” hämmerte doch eh den ganzen Tag “volle Kanne”, und wenn die Kneipe voll war, musste man schreien, um sich zu verständigen! Deshalb war Else auch immer so stressig.
(Fortsetzung folgt!)
Text: Gerd Bieler













