Die Gaststätte Rohmann, Teil 2

Das Haus der ehemaligen Gastwirtschaft Rohmann, heute Coburger Puppenmuseum (Foto Christian Boseckert, 2007)

Das Haus der ehemaligen Gastwirtschaft Rohmann, heute Coburger Puppenmuseum (Foto Christian Boseckert, 2007)

weil es so schön war – die Fortsetzung.

Am Salzmarkt befand sich damals die Firma Gummi Hess ( nicht falsch verstehen)!
Die Kurve dort bezeichneten wir als die “Gummi-Hess-Kurv`n”. Wenn man dort Reifen quietschen hörte, kam garantiert S. mit seinem Glas-BMW um die Ecke gefegt. S., Mitglied des MSC, war wie immer sehr flott unterwegs. Auch als Stammgast im Rohmann war er stets dabei, wenn es darum ging, mehrere Biere zu “versteckeln”!
Soll wieder zurück sein ins Bayerische!

An der "Gummi-Hess-Kurvn" am Salzmarkt (Foto- Christian Boseckert, 2007)

An der "Gummi-Hess-Kurvn" am Salzmarkt (Foto- Christian Boseckert, 2007)

An einem Freitagabend gegen Mitternacht wurde gegen heftigen Protest der Gäste das Lokal geschlossen, keiner wusste warum. Am Samstag war dann zu sehen, weshalb am Vorabend so bald geschlossen wurde. Zwei Maler hatten über Nacht die Kneipe neu gestrichen bzw. neu tapeziert. Ludwig wurde deshalb angepöbelt. Einer, der seine Birne an seinem Stammplatz immer gegen die Wand lehnte und dort natürlich seine “Visitenkarte” hinterlassen hatte, zog ernsthaft in Erwägung, sich eine andere Stammkneipe zu suchen.
Dann kam die Zeit, als der “Schinzel`s Ernst”, vom “Weißen Ross” in der Judengasse, die “Cortendorfer” in der Steingasse übernahm. Wenn wir Ludwig ärgern wollten, sind wir am Rohmann vorbei, ums Eck in die “Cortendorfer” gegangen.
“Ihr könnt auch euer “Scheidmantel” bei mir trinken!” Ludwig war das gar nicht recht und er meckerte uns deshalb an. Er wusste schon, was er an uns hatte. Schinzel hatte damals einen alten Tresen im Hausflur stehen, der stand aber plötzlich eines Abends im Hof der Ehrenburg (damals war die Ehrenburg nachts noch zum Durchgehen offen). Plötzlich brannte der Tresen lichterloh. “Da hammer doch so a paar Sauhünd mein Tres`n ahgazünt! Wer ner die Krüppel bloß war`n?” Das war echt kein feiner Zug. Ernst hat es sicher nie erfahren, wer die “Gauner” waren.

Drei Mann und 30 Jahre Lokalverbot

Begonnen hatte alles mit dem Besuch der Burgschänke an einem Samstagmittag. Nach einem Platzregen hatten wir zwar die Terrasse vor der Burgschänke für uns, zogen uns aber dann in das kleine Aussichtstürmle zurück, weil es dort eben trockener war. Der Kellner brachte uns “Nachschub” und für sich immer gleich ein Bier mit. Zum Schluss war der dann auch ganz schön besoffen. Als die Sonne wieder zu brennen begann, machten wir uns auf den Heimweg, Richtung Rohmann. Zu unserem Glück stand an der Ampel unser Freund B., der hatte einen Kadett-Kombi. Gleich neben der Ampel hatte jemand eine große Kastanie gefällt und in Stücke von ca. 1 m Länge zersägt. K., der im angetrunkenen Zustand immer gute Einfälle hatte, machte den Vorschlag, so ein Stück von der Kastanie dem Ludwig als Heizmaterial zu schenken. Der Kadett-Kombi war zunächst leer aber nicht lange, denn dann waren vier Mann und ein Stück Kastanienbaum drinnen. Als wir beim Rohmann ankamen, peilte ich erst mal die “Lage”. Im letzten Raum, dort wo die “Box” stand, saßen nur drei oder vier Leute. Ein Fenster wurde geöffnet und “bruch-bruch” landete der “Klotz” auf einem Tisch. Zunächst freudig von der Else begrüßt (sie merkte erst mal nix), nahmen wir Platz. Elfi kam und fragte: “Was kriegt`n Ihhh…, seid ja blöd, wenn das der Ludwig sieht”! – Ein Geschrei! Alle Gäste natürlich auf unserer Seite – Endlich mal was los im Rohmann. Ansagen wurden laut: ” Nächste Woche bringe ich eine Dampfwalze mit, usw. usw….

Else bekam einen Weinkrampf oder so ähnlich. Dass wir für sie Brennholz mitgebracht hätten, wollte sie nicht gelten lassen – So was blödes. Einer hat mal erzählt, 1946 haben sie sogar ins Theater Brikett´s mitgebracht!?

“Raus, raus, alle Lokalverbot! Wie viel Mann? Drei? – 30 Jahre Lokalverbot”!
Unter dem Beifall der Gäste wurde nun der “Klotz” durch das ganze Lokal, bis vor die Haustüre getragen (das Ding war sauschwer) und dort zunächst abgelegt. Mittlerweile war es dunkel geworden. B. musste erst den Kadett holen und jeder, der ins Lokal wollte, musste über den “Klotz” steigen. – Das war Samtstagabend! Am Freitagabend darauf gab es eine Amnestie und die 30 Jahre Lokalverbot wurden wieder aufgehoben! – Scho lang her….

(Fortsetzung folgt)

Text: Gerd Bieler

Die Gaststätte Rohmann, Teil 1

Die Rückertstraße um die Jahrhundertwende (Sammlung Norbert Niermann)

Die Rückertstraße um die Jahrhundertwende (Sammlung Norbert Niermann)

“Servus!” – “Servus” – “Wo gehst`n hie?” – “Ah`ns trink`n, zum Ludwich!” – “Geh ich mit!”

Freitag Abend, erster Anlaufpunkt “Rohmanns Gaststätte” in der Rückertstrasse. Damaliger Pächter in den 60-70er Jahren Ludwig Koch. Frau Else, ständig im Stress hinter der Theke in ihrer “Kochnische”. Jeder neue Gast wurde mit “Servus” und “Hallo” begrüßt. Man kannte sich und ging an keinem Tisch vorbei ohne freundschaftlich zu “klopfen”. Ch., wie immer am Flipper, gleich dort am Eingang und stets mit der Frage auf den Lippen: “Kannste mir mal`n Bier bezahlen?” Wie oft hat der die Scheibe vom Flipper zerhauen!? Lokalverbot das Resultat. Aber 3 Trage später war wieder alles vergessen. Neue Scheibe und Ch. war in noch schlechterer finanzieller Verfassung!

Endlich den ” 3er” und den “1er” gleich dazu. F. war als Fahrschullehrer ganz okay und kam auch regelmäßig ins Rohmann. Das erste Auto! Mit was für “Krück`n” ging es los? 600er Fiat, NSU Prinz 4, DKW Junior, BMW 700, VW, und, und, und! Sprit bei 60 bis 70 Pfennig pro Liter bis später die sogenannte “Energiekrise” den Weg frei machte für die “Abzocke” nach oben! Nur Probe aufs Exempel! Mal sehen, wie der konsumverblödete deutsche Michel darauf reagiert? Zuvor wurde der deutsche Autofahrer bei z. B. ESSO mit dem “Tiger im Tank” geködert und bei BP und ARAL wurden die Leute verrückt gemacht mit dem Losspiel “Rubbel die Mark”. Es konnten bis zu 10.000 DM gewonnen werden. Nur brauchte man zum Los das passende Gegenlos. Am Samstag waren dann die Anzeigen in der Presse oder im Tageblatt zu lesen: Habe Los Nr……., suche Gegenlos. Gewinn “Halbe-Halbe”. Die Leute haben getank wie die “Weltmeister” – und dann plötzlich “Energiekrise”! Wie wurden wir damals nur verarscht!

Erstmal eine “Ehrenrunde” um den Markt, rein in die “Spit”, um den “Gräfsblock” und zurück zum Albert. Spätestens jetzt brüllte oder pfiff einer und wollte mitfahren – wieder Retour und durch die Mohrenstrasse runter zum Bahnhof. Jetzt müssen die Kumpels kommen, die zur Zeit beim Bund sind. Massen von Leuten schieben sich durch den Bahnhof. V. kommt heute im Dienstanzug – da muss der Wachhabende in Amberg gerade auf dem Klo gewesen sein, als V. an der Wache vorbei ging! P. kommt natürlich mit Ausgehuniform nach Coburg. Mohrenstrasse, Spit, Markt, Herrengasse, Rückertstrasse – Parkmöglichkeiten fast überall! Wie gross war damals die Verkehrsdichte in Deutschland? Der Kult um Deutschlands liebstes Kind, sprich “PKW” war halt damals noch nicht so ausgeprägt wie heute. Die Bürgersteige waren vielerorts schmäler, Fussgängerzone? – Hä? Was`n des? – Unbekannt! Tempo 30? – Wohl blöd was! – Parken also kein Problem.

Am Stammtisch gegenüber der “Kochnische” ist noch Platz. “Was kriegt`n ihr?” – Elfi, wie immer gut drauf, bedient heute Abend. Urkulm, Edelherb, EKU-Pils bitte! Es wurde behauptet, der Ludwig hätte weit über 40 (!) Biersorten parat! Das ist wie heute beim Sagasser. Gulaschsuppe, Schmalzbrot oder Brot mit Bratwurstfülle, die einzigen Gerichte im Rohmann. Wenn in der Gulaschsuppe Fleisch war, ging das wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Doch essen sollte man die Gulaschsuppe erst gegen 23 Uhr! Man hatte ja dann schon mehrere Pils intus. Eifrige Stammtischbeobachter konnten nämlich berichten, dass der angebrannte Topf, in dem die Gulaschsuppe so vor sich hin köchelte, schon mal am Rand mit einem Zeigefinger etwas “gereinigt” wurde! – Scho` lang her!

(Fortsetzung folgt)

Text: Gerd Bieler

Der Gasthof “Zum Löwen” am Oberen Bürglaß

Der ehemalige Gasthof "Zum Löwen", heute Maccaroni am Oberen Bürglaß (Foto: Christian Boseckert 2007)

Der ehemalige Gasthof "Zum Löwen", heute Maccaroni am Oberen Bürglaß (Foto: Christian Boseckert 2007)

Coburg besitzt eine Vielzahl traditionsreicher Einkehrstätten. Man denke dabei nur an die „Loreley“ oder das „Goldenen Kreuz“ in der Herrngasse. Doch es gibt noch weitere bedeutsame Lokalitäten in der Vestestadt, die eine lange Vergangenheit vorweisen können. Ein Beispiel hierfür ist das italienische Spezialitätenrestaurant „Maccaroni“ am Oberen Bürglaß, das alten Coburgern noch als Gasthaus „Zum Löwen“ bekannt ist. Hier lässt sich die Geschichte der Gastronomie bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen.

Ursprünglich gehörte das Anwesen einer Familie Hübner, die dort eine Schreinerei betrieb. Das Grundstück bestand damals aus einem zweistöckigen Wohnhaus mit einer großen Tordurchfuhrt in der Mitte, einigen Nebengebäuden und einem Hof. 1846 verkaufte die Familie Hübner ihr Anwesen an den Büttner, Bierbrauer und Bierwirt Johann Peter Spühler. Damit war der Grundstein für die spätere Gaststätte im Hause gelegt. Aufgrund der auf das Gebäude gelegenen Braugerechtigkeit, konnte Spühler in seiner Bierwirtschaft sein selbstgebrautes Bier ausschenken. Geradezu ideal für die Brautätigkeit im Hause, waren die großen Keller unterhalb des Anwesens. Diese Keller erstrecken sich vom Oberen Bürglaß bis an die Allee. Sie bestehen aus einem zentralen Raum mit einem Stollen, der in Richtung Süden führt. Daran schließt sich nach Norden hin ein größerer kreuzgratgewölbter Raum mit Mittelstütze an. Von hier führen zwei längere tonnengewölbte Stollen in Richtung Allee. Richtung Westen folgen auf unterschiedlichen Ebenen drei im Winkel angeordnete und mittels Durchgängen verbundene tonnengewölbte Räume. Die Bauzeit dieser Kelleranlage, die im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller diente, lässt sich nur ungenau datieren. Man schätzt, dass sie zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert entstanden ist. Genauere Quellen fehlen bislang dazu.

Der Bierkeller des Gasthofs "Zum Löwen" an der Allee (Foto: Patrick Aigner)

Der Bierkeller des Gasthofs "Zum Löwen" an der Allee (Foto: Patrick Aigner)

Man weiß jedoch, dass sie seit der Ära Spühler als Bierkeller benutzt wurden. Dieses Bier scheint zur damaligen Zeit einen guten Zuspruch erfahren zu haben, denn erst 1872 gab Johann Peter Spühler seinen Betrieb aus Altersgründen auf. Da aus der eigenen Familie kein Nachfolger zur Verfügung stand, verkaufte Spühler das Anwesen an den Bierwirt und Bierbrauer Jacob Ehrlicher aus Eicha. Ihm gelang es die Hausbrauerei und die Bierwirtschaft erfolgreich weiter zu führen. Davon zeugt ein Gedicht des Coburger Mundart-Poeten Georg „Schursch“ Eckerlein der einst schrieb: „Es besta Halbbier dös hot´s ahm, Beim Ährlicher auf´m Börglaß gam.“ Schon bald schenkte man den Gerstensaft auch außerhalb der Bierwirtschaft, beispielsweise in späteren Gaststätte „Weberstüble“ in der Webergasse aus. Die Beliebtheit des Ehrlicher-Bieres machten auch Investitionen notwendig. 1872 wurde die Anlage eines Braukessels und eines neuen Kühlschiffs im Wohnhaus am Oberen Bürglaß installiert. Ein Jahr später erfolgte die Einrichtung einer Malzdarre. Jacob Ehrlicher indes führte die Brauerei mit angeschlossener Gaststätte bis 1903. Danach verkaufte er das Areal an den Gastronomen Carl Bonengel, der ebenfalls zahlreiche Umbauten durchführte. So ließ er 1910 das Wohnhaus um eine Etage erhöhen und es durch den Maurermeister Christian Renner im Jugendstil umgestalten. Durch diesen Umbau wurde aus der einfachen Bierwirtschaft ein feines Speiselokal, das gerne von den Coburgern besucht wurde. Den Niedergang der Brauerei läutete schließlich der Erste Weltkrieg ein. Aufgrund von Rohstoffproblemen, Mangel an Brauern usw. gab Bonengel 1920 den Braubetrieb auf und verkaufte die Brauerei an die Coburger Hofbräu AG. Er selbst führte aber die Gaststätte noch bis 1927 weiter. Danach erfolgte ein weiterer Umbau durch die Coburger Hofbräu. Es entstanden eine Kegelbahn und der bis heute noch beliebte Wirtsgarten über den Bierkellern. Schon damals existierte dort ein Saalbau, der gerne von Schüler- und Studentenverbindungen genutzt wurde. Auch die Coburger Schlaraffia hatte dort ihre Zusammenkünfte. Heute steht dieses Gebäude leer und harrt einer Nutzung.

Die Kegelbahn des Löwen vor 1929 (AK-Sammlung Norbert Niermann)

Der Name „Zum Löwen“ taucht erstmals 1929 auf. Die Hofbräu verpachtete das Speiselokal an diverse Gastronomen. Der bekannteste unter ihnen war der gebürtige Österreicher Leo Harth, der von 1956 bis 1972 als Wirt im „Löwen“ schaltete und waltete. Nach 1977 übernahm der Italiener Walter Piasini die Gaststätte und machte daraus ein italienisches Spezialitätenrestaurant. Dieses wurde unter der Familie Giuffre als „Dal Passadore“ bis 1998 weitergeführt. Nach einem Besitzer- und Pächterwechsel heißt das Lokal nun „Maccaroni“ und kann ebenso eine große Beliebtheit unter den Einheimischen vorweisen, wie auch der frühere Gasthof „Zum Löwen“.

Text und Fotos: Christian Boseckert

Der Hotel-Gasthof Bellevue am Salzmarkt

Das Haus Bellvue im Jahre 2009, Foto: Christian Boseckert

Das Haus Bellevue im Jahre 2009, Foto: Christian Boseckert

Seit 2008 wird in der Nähe des Coburger Schlossplatzes, auf dem Salzmarkt, ein Gebäude restauriert, welches durch seine Größe weithin beeindruckt. Die Rede ist vom ehemaligen Warenhaus Montag, welches Ende 2008 seine Pforten schloss. Dieses Geschäft war ein alteingesessenes Coburger Unternehmen, welches seit den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts am Salzmarkt residierte. Als Warenhaus wurde dieses Gebäude aber nicht gebaut. Seine Entstehungsgeschichte geht in das 19. Jahrhundert zurück.

Im Jahre 1864 errichtete der Gastwirt Carl Grau anstelle von drei Wohnhäusern dort ein stattliches Wohn- und Geschäftshaus im Stil der Neurenaissance. Die Bebauung des Grundstücks indes kann sich bis ins Jahr 1555 zurückverfolgen. Grau eröffnete in dem neuen Gebäude einen Hotel- und Gaststättenbetrieb, wie uns der erste Coburger Fremdenführer von 1866 berichtet. Als Namen für das Hotel wählte Grau die französische Bezeichnung „Bellevue“, was so viel wie „Schöne Aussicht“ bedeutet. Tatsächlich hatten die Hotelgäste eine schöne Aussicht von ihren Fenstern. Der Blick schweifte hinüber zum Schlossplatz Richtung Hoftheater und Palais Edinburgh. Als Besonderheit bot das Hotel einen eigenen Abholservice am Coburger Bahnhof an. Täglich stand dort eine Pferdedroschke, um die Gäste auf den Salzmarkt zu fahren. Dort angekommen fanden sie im Erdgeschoss des Hauses das Restaurant nebst Nebenzimmer und Billardzimmer vor. Der Eingang zu den Hotelzimmern erfolgte über einen separaten Hauseingang.

Ansicht des Restaurants "Bellevue" um die Jahrhundertwende (Sammlung Christian Boseckert)

Das Hotel dürfte jedoch nur bis 1872 bestanden haben. Danach folgte mit der Coburg-Gothaische-Kreditgesellschaft ein Bankinstitut als Hauseigentümer nach. In dieser Zeit dürfte nur noch das Restaurant betrieben worden sein. 1905 erfolgte ein nochmaliger Hausbesitzerwechsel. Damals erwarb der Restaurateur Gottfried Rissland das Anwesen und baute das Lokal nach seinen Vorstellungen um. In dieser Zeit hieß das Lokal „Risslands Gasthaus“. Es entstand ein großer Gastraum mit neuem Eingang an der Ecke zur Theatergasse. Mit den Bauarbeiten war seinerzeit der bekannte Jugendstil-Architekt August Berger betraut. Das Restaurant erhielt fortan einen guten Zuspruch in der Bevölkerung. 1937 erhielt die Gaststätte den Namen „Zum Patrizier“. Unter dieser Bezeichnung ist das Haus den alten Coburgern noch in Erinnerung. Grund für die Namensnennung war die Tatsache, dass dort Bier der Patrizier Bräu AG aus Nürnberg ausgeschenkt wurde. Den Gastraum schmückten zu jener Zeit auch Wandmalereien, welche Sehenswürdigkeiten der Frankenmetropole zeigten. So konnte man unter der Kaiserburg und dem Dürerhaus genüsslich seine Mahlzeit einnehmen. Doch die ruhigen Friedenszeiten waren bald vorbei.

1939 brach der Zweite Weltkrieg aus und das Gebäude wurde in den letzten Kriegstagen, am 8. April 1945, durch einen amerikanischen Bombenangriff zerstört. Besonders der Trakt an der Theatergasse war schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Zwar konnte das Haus noch im gleichen Jahr wieder aufgebaut werden, aber die Gaststätte konnte ihren Betrieb nicht mehr wieder aufnehmen. Das Anwesen wurde von der US-Army beschlagnahmt und diente den einfachen Soldaten, die vornehmlich im sogenannten „Amerika-Haus“ am Schlossplatz ihren Dienst taten, fortan als Kasino. 1948 richteten die Amerikaner in dem Gebäude das „Haus der Jugend“ ein. Hier sollten die jungen Coburger mit der amerikanischen Kultur vertraut gemacht werden. Diese Jahre gingen nicht spurlos an der Bausubstanz vorüber. Als die Amerikaner 1951 das Anwesen an den ursprünglichen Eigentümer zurückgaben, waren die Räume stark renovierungsbedürftig.

Das kriegszerstörte Haus "Bellevue" im April 1945. Die Aufnahme entstand im Einmündungsbereich Große Johannisgasse / Theatergasse, die linke Häuserfront gehört zum Anwesen Theatergasse 3 (ehemals Hoons) (Foto: Karl Borneff)

Das Grundstück ging in der Folgezeit in den Besitz des Kaufmanns Walter Schaff über, der in den Räumen des Erdgeschosses ein Waren-Kredithaus eröffnete. Die Kunden hatten hier die Möglichkeit, Waren die sie einkauften, nicht sofort bezahlen zu müssen, sondern durch einen Kredit in Raten abzustottern. Zu den umfangreichen Geschäftsräumen zählte auch das Ladengeschäft des Gebäudes Grafengasse Nr. 6, welches seit 1864 mit dem Haus am Salzmarkt über die selben Hausbesitzer vereinigt war. Als Geschäftsführer im Warenhaus Schaff fungierte schon in den Fünfziger Jahren Alois Montag. Er übernahm später den Betrieb und führte ihn in seine Glanzzeit in den 1970er Jahren. Die letzten 20 Jahre jedoch, brachten eine Änderung des Kaufkonsums. Das Warenhaus verlor seine Kundschaft an andere größere und modernere Geschäfte. Zudem machte sich die Lage des Unternehmens am Salzmarkt zunehmend negativ bemerkbar. So schloss Ende 2008 das Warenhaus Montag, zuletzt in der Grafengasse Nr. 6 ansässig, für immer seine Pforten. Das Gebäude am Salzmarkt hatte es schon zuvor verlassen. Es erfolgt seither eine Grundsanierung des Hauses, das nach dem Abschluss der Arbeiten wieder seinen alten Namen erhalten soll – Haus Bellevue.

Text: Christian Boseckert

Fotos:
Bild 1: Das Haus Bellevue im Jahre 2009 (Foto: Christian Boseckert)
Bild 2: Ansicht des Restaurants “Bellevue” um die Jahrhundertwende (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 3: Das kriegszerstörte Haus “Bellevue” im April 1945. Die Aufnahme entstand im Einmündungsbereich Große Johannisgasse / Theatergasse, die linke Häuserfront gehört zum Anwesen Theatergasse 3 (ehemals Hoons) (Foto: Karl Borneff)

Der Gasthof “Zum Schwarzen Bären”

Das Alte Gasthaus "Zum Schwarzen Bären", bevor es 1975 abgerissen wurde (Sammlung Norbert Niermann)

Noch häufig schwärmen die alten Coburger von den urig gemütlichen Gastwirtschaften in ihrer Stadt, in der sie einst einheimische Spezialitäten wie Bratwürste, Rindfleisch und Meerch, sowie auch Klöße und Bratkartoffeln bekamen. Viele dieser Speiselokale sind inzwischen verschwunden und damit ein Stück Lebensqualität.

Eines der beliebtesten Lokalitäten war der Gasthof „Zum Schwarzen Bären“ in der Spitalgasse. Er befand sich dort, wo sich heute der Eingang zum noch existierenden WEKA-Kaufhaus befindet. Dort stand vor über 30 Jahren noch das alte Haus Spitalgasse Nr. 14, wo der „Bären“ beheimatet war. Die Ursprünge dieses Gebäude gehen bis ins Jahr 1404 zurück. Damals gehörte das Anwesen der bekannten Coburger Patrizierfamilie Bach und wurde im Volksmund als der „Bachenhof“ bezeichnet. 1461 wurde an dieser Stelle ein neues Haus errichtet, in dem wohl 1584 eine Gaststätte eröffnet wurde.
Seit 1596 bis zu seinem Ende hieß es „Gasthof zum Schwarzen Bären“ und war ursprünglich Absteigequartier von Fürsten und Rittern. Erster Wirt war seinerzeit ein Hans Christian. Das Haus Spitalgasse Nr. 14 hatte einst eine große Ausmaße, die man der Ausdehnung des gegenwärtigen Kaufhauses in der Großen Johannisgasse erkennen kann, dessen heutige Front dort das ehemalige Haus Große Johannisgasse Nr. 4 mit einschließt. Für größere gesellige Veranstaltungen standen schon früher im „Bären“ Räume zur Verfügung. So berichtet der Chronist Karche von einem Fest im Jahre 1766, das die Handwerker nach Errichtung eines Galgens auf dem Glockenberg (Dieser Galgen lag an der heutigen Hohen Straße) im „Bären mit Musik und Tanz feierten“. Man fand anscheinend damals nichts weiter dabei, sich durch ein „Richtfest“ eines neuen Galgens ein paar schöne Stunden zu machen.
Einen sehr großen Umfang hatten die Stallanlagen des „Bären“, die über 100 Pferde fassten. Das war noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Fall, denn Autos gab es zu dieser Zeit noch sehr wenige und der „Bären“ war das bevorzugte Einstell- und Einkehrgasthaus der Landbevölkerung. Wahrscheinlich gab es schon damals Parkprobleme, denn eine endlose Reihe von Wagen säumten die Johannis- und Spitalgasse.

Werbung des "Bären" um 1920 (Sammlung Norbert Niermann)

Der „Bären“ war ursprünglich nicht nur ein großer Gasthof, sondern gleichzeitig auch eine Bäckerei und Brauerei. Sein Bier braute der „Bären“ noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Städtischen Brauhaus in der Steingasse (heute Sitz des Stadtarchivs Coburg). Noch um 1900 war hoch oben unter dem Dach des „Bären“ der Malzboden, als eine letzte Erinnerung der Brautätigkeit der Wirte, vorhanden. Ebenfalls um diese Zeit war der tiefe, breite Hausflur mit dem großen Torbogen, den der schreitende Bär krönte, besonders im Sommer ein bevorzugter Aufenthalt der Gäste. Rechts vom Hausflur war damals noch ein kleiner Friseurladen des Barbiers und Staatlich geprüften Heilgehilfen Adam Winkelmann und links ging es einige Stufen hinauf zur eigentlichen Gaststube. Oft war der Betrieb im Hausflur so beängstigend groß, dass die Hausbewohner ihre liebe Not hatten, zu ihren Wohnungen zu gelangen.
Der „Bären“ war so geräumig, dass nicht nur für die große Küche, die Gast- und Übernachtungsräume, sondern auch für Mieter genügend Platz war. Jene bildeten eine treue Hausgemeinschaft und wohnten oft über Generationen im Hause. Meist löste nur der Tod das Mietverhältnis.

Selbstverständlich wurde der „Bären“ sehr oft umgebaut, verbessert und modernisiert. Man passte sich den Erfordernissen der Zeit an. Das tat besonders der beliebte „Weißens Helm“ (= Wilhelm Weiß) mit seiner Ehefrau Frieda und der Schwiegermutter, der „Vögtin“, die im „Bären“ viel zu sagen hatte.
Die erste große Erweiterung unter Wilhelm Weiß fand schon vor dem Ersten Weltkrieg statt. Im Jahre 1922 verschwand der Friseursalon und wurde zum Eingang umgebaut. Der breite Hausflur wurde mit dem Gastzimmer vereinigt. 1924 wurde erneut umgebaut. Diesmal wurde ein Saal geschaffen, wobei ein Teil der Stallanlagen wegfiel. Der Saal war den Sängern vom Coburger Musikverein, der Turngenossenschaft und dem Infanterie-Regiment Nr. 95, welches in der Kaserne an der Neustadter Straße stationiert war, eine willkommene Heimstätte, die mit humorvollen Bildern, Wappen und Emblemen der Vereine geschmückt war.

Das Eingangsportal des "Bären" in der Großen Johannisgasse (Foto: Christian Boseckert, 2006)

Das Eingangsportal des "Bären" in der Großen Johannisgasse (Foto: Christian Boseckert, 2006)

Der „Bären“ war ein Gasthof, der weit über die Grenzen des Coburger Landes hinaus bekannt war. Er bot eine preiswerte Unterkunft und die eigene Metzgerei sowie die Küche sorgten für gutes Essen zu soliden Preisen. Umso trauriger war man, als im Jahre 1958 das Aus für den „Bären“ kam. Die Gaststube wurde zu einem Verkaufsraum umgebaut, in dem das Kaufhaus „Zum Mohren“ einzog. Dort blieb das Unternehmen bis 1975. Im selben Jahr kam es zum Abbruch des Gebäude, zugunsten eines neuen Kaufhaus-Komplexes (siehe auch >>> hier). Erhalten blieb dabei das alte Eingangstor mit dem schreitenden Bären, welches in die Große Johannisgasse versetzt wurde und wo es heute noch als letzte Erinnerung an den alten „Bären“ zu sehen ist.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Das Alte Gasthaus “Zum Schwarzen Bären”, bevor es 1975 abgerissen wurde (Sammlung Norbert Niermann)
Bild 2: Werbung des “Bären” um 1920 (Sammlung Norbert Niermann)
Bild 3: Das Eingangsportal des “Bären” in der Großen Johannisgasse (Foto: Christian Boseckert, 2006)

Die Ausflugsgaststätte Kapelle auf dem Plattenäcker

Ausflugsgaststätte Kapelle (Sammlung Christian Boseckert)

Am Anfang des Plattenäckers, wenn man vom Hofbräuhaus aus hinaufsteigt, genau gegenüber vom Eckardtsberg und der Veste, lag einst die beliebte Ausflugsgaststätte „Kapelle“, welche am 10. April 1945 durch einen amerikanischen Luftangriff zerstört wurde. Brandbomben und Granaten hatten den beliebten Ort dem Erdboden gleichgemacht. Doch schon zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hörte die Kapelle auf, eine beliebte Gaststätte zu sein. Der letzte Wirt, Franz Ramster, wurde zum Heeresdienst eingezogen und eine Flakabteilung nahm sie am 26. August 1939 für kurze Zeit in Beschlag. Während des Krieges diente sie gefangenen Franzosen und Belgiern auch als Unterkunft. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war sie Quartier für eine Nachschubeinheit der Wehrmacht.

Gastbereich der Ausflugsgaststätte (Sammlung Christian Boseckert)

Ihre Glanzzeit erlebte die „Kapelle“ in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg von 1880 bis 1914. Wie die Eckardtsklause auf dem Eckardtsberg besaß sie einen schattigen Biergarten, von dem man eine wunderschöne Aussicht zur Stadt und hinüber zur Veste Coburg hatte. Die Kapelle als Aussichtsgaststätte war ein viel besuchtes Ausflugslokal. Sie hatte aber noch einen weiteren Vorzug: einen großen Vereinssaal mit einer Bühne. Deshalb trafen sich in ihren Räumen namhafte Coburger Vereine, Handwerksinnungen, studentische Korporationen und Schülerverbindungen zu frohen Feiern und festlichen Veranstaltungen. Ein Musikpavillon fehlte ebenfalls nicht. Im Sommer fanden häufig Konzerte statt, die meist von der Bataillonsmusik des 6. Thüringer Infanterieregiments Nr. 95, welches in Coburg stationiert war, veranstaltet wurden.

Aussicht von der Terasse der Kapelle (Sammlung Christian Boseckert)

Die „Kapelle“ hatte aber noch eine weitere Funktion. Sie diente der „Plattenäckergemeinde Coburg“ als „Rathaus“ und Vereinslokal. Die Mitglieder waren Coburger Bürger, in der Hauptsache aber Nachbarn von der „Platten“, die in humorvoller Weise gute Nachbarschaft und fröhliche Geselligkeit pflegten. Die „Plattenäckergemeinde“, die im Vereinsregister eintragen war, bestand von 1899 bis 1939. Ihr Wappen war ein Glatzkopf von hinten (Coburgerisch als „Platten“ bezeichnet) mit einer Henne darauf, eine Anspielung an den Gründer des Vereins Karl Henne. Die „Kapelle“ ist im Jahre 1835 gegründet worden und ist einer der ältesten Schankwirtschaften Coburgs gewesen. Ob der Name von einer ehemaligen Kapelle herrührt, die dort gestanden haben soll, kann nicht mehr festgestellt werden, doch lag unterhalb des Restaurants die sogenannte „Kleine Kapelle“, die als Wohnhaus dienend, in ihrem Aussehen einer Kapelle ähnelte. Im oberen Stockwerk hatte sie neuromanische Bogenfenster, ferner auf dem Dach ein kleines Glockentürmchen mit einem Kreuz darauf.

Werbeanzeige der Ausflugsgaststätte (Sammlung Norbert Niermann)

Bis zum Jahre 1876 wechselte die Wirtschaft mehrfach den Inhaber, nachdem sie 1849 abgebrannt war und im Jahr darauf wieder aufgebaut wurde. 1876 erwarb Ferdinand Gothe aus Stadtilm die „Kapelle“. Von da ab hatte die Familie Gothe die Bewirtschaftung fast 70 Jahre inne, wobei das Ansehen, die Größe und die Bedeutung der Gaststätte wuchsen. Nach dem Tod von Ferdinand Gothe im Jahre 1900 übernahm die Führung des Betriebs die Ehefrau Emilie mit Sohn Otto und nach dessen Ableben die Ehefrau Minna bis 1928. Die „Kapelle“ wurde dann verpachtet. Einer der letzten Pächter war, wie schon erwähnt, Franz Ramster. Unter ihm wurde die „Kapelle“ auch ein beliebtes Tanzlokal für die jüngere Generation.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlten der Familie Gothe die Mittel für einen Wiederaufbau der „Kapelle“. Auf dem Grundstück Plattenäcker 3, wo sie einst stand, wurde vom Coburger Geschäftsmann Gerhard Alberti ein komfortabler Bungalow errichtet. Lediglich auf dem Platz der ehemaligen „Kleinen Kapelle“ baute sich die Familie Gothe ein bescheidenes Haus. Dieses trägt heute die Adresse Plattenäcker 2 und befindet sich an der Weggabelung zwischen dem Fußweg des Plattenäckers Richtung Wasserwerk und der Fahrstraße des Plattenäckers, welche heute nur für Anlieger befahrbar ist.

Oberhalb der beiden Häuser befand sich die "Kapelle" (Foto: HG Coburg, 1995)

Heute ist von der schönen Aussicht nichts mehr zu sehen. Das Grundstück der „Kapelle“ war lange verwildert, der Bungalow stand viele Jahren leer, lieferte vor kurzem negative Schlagzeilen in der örtlichen Presse und ist seit kurzem wieder bewohnt. So bleibt dem Heimatforscher nur noch die Erinnerung an diese schöne Stätte aufrecht zu erhalten, in der so viele Coburger frohe Stunden verbracht haben.

Text:
Christian Boseckert