Coburgs Bankhäuser – Teil 1

Ehemaliges Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 34 (Foto © S.Peter, 2010)

Mohrenstraße 34
1895 errichtete der Architekt Johannes Köhler an der neu angelegten Mohrenstraße ein Wohn- und Geschäftshaus im historistischen Stil als Spekulationsobjekt. Im Jahre 1910 wurde das Gebäude von der Bank für Thüringen AG mit Hauptsitz in Meiningen erworben. Die Bank für Thüringen war das bedeutendste regionale Bankhaus im thüringischen Raum und bezog hauptsächlich ihr Geschäftsfeld auf die Kreditvergabe an Industrieunternehmen, insbesondere in der Porzellan-, Elektro- und Textilindustrie. 1926 wurde die Bank für Thüringen von der heutigen Deutschen Bank übernommen. Ab 1927 war sie auch als Hauseigentümer der Mohrenstraße Nr. 34 erwähnt und führte die Filiale weiter. Nachdem jedoch das Kaufhaus Brandt in der Spitalgasse 1982 Konkurs anmelden musste, zog im Jahr darauf die Deutsche Bank in die freigewordenen Räume des ehemaligen Kaufhauses, wo sie heute noch ansässig ist. Im alten Bankgebäude in der Mohrenstraße hat seitdem ein deutschlandweit bekanntes Optikerunternehmen seine Coburger Niederlassung.

Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 38 (Foto: Christian Boseckert, 2010)

Mohrenstraße 38
Im Jahre 1910 erbaute der Architekt Hans Münscher dieses Wohn- und Geschäftshaus anstelle der bekannten Gaststätte „Grübelei“. Das Gebäude diente anfangs als Hotel und Lichtspieltheater, konnte sich jedoch nicht lange halten. Bereits 1921 erwarb daher die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, kurz Hypo-Bank, das Anwesen und richtete nach umfangen Umbauarbeiten dort eine Filiale ein. Die Bank mit Hauptsitz in München wurde 1835 auf Initiative König Ludwigs I von Bayern gegründet. Sie entwickelte sich rasch zur größten Hypothekenbank Deutschlands und expandierte ab den 1960er Jahren auch ins Ausland. 1998 fusionierte die Hypobank mit der Bayerischen Vereinsbank zur HypoVereinsbank. Die Coburger Filiale wurde in Folge der Fusionierung aufgegeben, das Bankgebäude selbst in den Jahren 2003/04 gründlich saniert und umgebaut. Seither befindet sich in den Räumen eine Filiale der VR-Bank Coburg.

Bankgebäude Steinweg Nr. 5 (Foto © S.Peter, 2010)

Steinweg 5
1861 erwarb die Kreditkasse des Spar- und Hülfevereins Coburg das Anwesen Steinweg Nr. 5 als eigenes Bankhaus. Vorher diente das Gebäude jahrhundertelang als Gasthaus „Zum goldenen Adler“. Die Kasse wurde 1856 von Coburger Kaufleuten, Handwerksmeistern und Selbstständigen als Konkurrenz zur städtischen Sparkasse gegründet. 1911 errichtete im Auftrag des Spar- und Hülfevereins Stadtbaumeister Max Böhme an gleicher Stelle an neues Bankgebäude im Jugendstil. Dieses übernahm im Jahre 1922 die Bayerische Staatsbank aus München, welche eine Filiale dort einrichtete. Dieses Institut entwickelte sich aus der Hofbank der Markgrafen von Ansbach-Bayreuth.

Bankgebäude Steinweg Nr. 5 (Foto © S.Peter, 2010)

Nachdem die beiden Fürstentümer im Wiener Kongress von 1815 an Bayern fielen, übernahm das Königreich auch das Bankhaus und erhob das Institut schließlich zur Königlichen Hofbank. 1971 erfolgte die Umbenennung in Bayerische Vereinsbank. 1927 kaufte die Staatsbank von der Metzgermeisterswitwe Anna Schlick noch das Nachbarhaus Steinweg Nr. 7 dazu. Das dortige Ladengeschäft war lange Zeit vermietet und wurde der Bank erst 1996 zugeschlagen. Seit 1998 beherbergt das Bankgebäude den Sitz der Bayerischen Hypovereinsbank in Coburg.

Ehemaliges Bankgebäude Steinweg Nr. 13 (Foto: Christian Boseckert, 2010)

Steinweg 13
Auch das ehemalige Modehaus Steinmann im Steinweg beherbergte in früheren Zeiten ein Bankinstitut. 1870 eröffnete in diesem Gebäude der Bankier Eduard Hülbig ein eigenes Bankhaus, das wohl schon vorher existierte. Elf Jahre später erfolgte der Zusammenschluss mit dem Bankier Adolf Haessler zum Bankhaus Haessler & Hülbig. In der Folgezeit, aber auch schon zuvor, hatte sich besonders Eduard Hülbig um das Gemeinwesen verdient gemacht. Er erhielt dafür als einer der ersten Coburger das Ehrenbürgerrecht der Stadt. Als er 1889 starb übernahm dessen Sohn Otto die Leitung der Privatbank. Ihm folgte schließlich 1927 dessen Sohn Eduard jun. Dieser gab in einer Selbstanzeige vom Oktober 1929 zu, dass er mindestens 100.000 Reichsmark unterschlagen habe. Daraufhin wurde Hülbig verhaftet und das Bankhaus brach zusammen. Das Bankgebäude wurde schließlich nach 1931 versteigert. In den folgenden Jahren erfuhr das Haus dann eine Umgestaltung zum Modehaus. Ein Bankgeschäft hat sich seither nicht mehr dort niedergelassen.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Ehemaliges Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 34 (Foto © S.Peter, 2010)
Bild 2: Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 38 (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 3 + 4: Bankgebäude Steinweg Nr. 5 (Foto © S.Peter, 2010)
Bild 5: Ehemaliges Bankgebäude Steinweg Nr. 13 (Foto: Christian Boseckert, 2010)

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Das Bürglaßschlösschen

Das Bürglaßschlösschen, Foto © S.Peter 2010

Unter der Adresse “Oberer Bürglaß 1″ steht direkt gegenüber dem Coburger Landestheater eines der wohl schönsten Standesämter Deutschlands: das Bürglaßschlösschen. Bereits 1499 wird an der Stelle des heutigen Schlösschen ein Anwesen erwähnt, welches ab 1521 im Besitz der Familie Gottsmann aus Neuhaus zu Thurn war. 90 Jahre lang sollte es im Familienbesitz bleiben, bis das Gottsmannhaus 1611 an Herzog Johann Casimir zurückfiel.
Ab 1648 wechselten die Besitzer, 1648 verweilte Georg Eyermann in dem Anwesen, 1654 gibt Herzog Friedrich Wilhelm das Haus an den Hauptmann Johann Georg von Bachstedt zu Lehen. Das baufällige Haus wurde von Bachstedt in Stand gesetzt, dieser erwarb zusätzlich im Jahre 1658 das Nebenhaus “Oberer Bürglaß 3″, in welchem sich heute das Mehrgenerationenhaus der Stadt Coburg befindet. Nach dem Ableben des von Bachstedt ging das Anwesen 1690 an den Jägermeister und Kammerjunker Wilhelm von Witzleben und 1699 wieder an die von Bachstedt. Die Familie von Bachstedt verkauft das sog. Bachstedtsche Haus 1721 an Nicolaus Dietrich von Henniges auf Rothenhof. Nach nur wenigen Jahren, 1734, erwirbt die Witwe des Herzogs Ernst Ludwig von Meinigen, Elisabeth Sophie von Brandenburg, Herzogin von Sachsen-Meiningen das Bachstedtsche Haus. 1737 wechselt erneut der Besitzer: der Kaufmann Friedrich Matthes Scheler erwirbt das Anwesen. Dieser läßt von 1752 bis 1763 den Erbprinz Ernst Friedrich von Sachsen-Coburg-Saalfeld das nun Scheler’sche Haus genannte herrschaftliche Anwesen als erstes Mitglied des herzoglichen Hauses bewohnen. 1775 brennt das Anwesen samt der Nebengebäude nieder und wird nur notdürftig repariert.

Das Prinz-Josias-Denkmal hinter dem Bürglaßschlößchen, Foto: © S.Peter 2010

Im Jahre 1794 geht das gesamte Anwesen an Generalfeldmarschall Prinz Friedrich Josias, der jüngste Sohn des Herzogs Franz Josias, der einen kompletten Neubau 1795 in einer kleinen Gartenanlage veranlasst. Zu dieser Zeit entsteht das Bürglaßschlösschen, wie wir es heute kennen, im klassizistischen Stil als Alterssitz für den Generalfeldmarschall im Ruhestand.
Die Vorderseite des Gebäudes ist geprägt von einem eindrucksvollen Balkon, der auf zierlichen Säulen ruht, den Eingang auf der Rückseite wird von zwei steinernen Löwen bewacht. Im ersten Stock befindet sich der prächtige Empfangssaal des Prinzen – heute das Trauzimmer.
Die einstigen Gartenanlagen können heute nur noch erahnt werden. Es sind nur noch Reste der Neu-Gestaltung von 1904 erhalten geblieben.

Gartenansicht des Gebäudes, Foto © S.Peter 2010

Friedrich Josias wohnte hier bis zu seinem Tod 1815. Anschließend dient es der Mutter Ernst I., der Herzoginwitwe Auguste Caroline Sophie, als Stadtresidenz. Nach ihrem Tod 1831 geht das Gebäude an die katholische Linie des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha über und wird 1842/1843 für den Prinzen August von Coburg-Koháry mit Gattin Clementine von Orleans und Sohn Ferdinand hergerichtet.

Ansicht des Bürglaßschlößchens von 1857 (Foto: Francis Bedford, Sammlung Christian Boseckert)

Ferdinand von Coburg-Kohary wird Zar von Bulgarien und kehrt 1918 nach seiner Abdankung in sein Exil Coburg zurück und bewohnt wieder das Schlösschen und die Zaren-Villa im Hofgarten. In dieser Zeit entstand in der Coburger Bevölkerung der Name “Bulgaren-Schlösschen”. Dieser Begriff blieb bis heute erhalten. Zar Ferdinand I. von Bulgarien stirbt 1948.

Das Bürglaßschlösschen heute, Foto © S.Peter 2010

Seitdem ist die Stadt Coburg Eigentümerin des Gebäudes. Nach Komplettumbau und -sanierung (in den letzten Tagen des 2.Weltkrieges wurde das Gebäude durch eine Artilleriegranate schwer beschädigt) befindet sich seit 1957 das Standesamt in Bürglaßschlösschen und bietet seitdem einen stilvollen Rahmen für Trauungen. Heute zählt das Palais zu den bedeutendsten Beispielen der Architektur des Klassizismus in Coburg.

Bildquellen:
Bild 1, 5: Das Bürglaßschlösschen heute (Foto: S.Peter, 2010)
Bild 2: Das Prinz-Josias-Denkmal hinter dem Bürglaßschlösschen (Foto: S.Peter, 2010)
Bild 3: Gartenansicht des Gebäudes (Foto: S.Peter, 2010)
Bild 4: Ansicht des Bürglaßschlösschens von 1857 (Foto: Francis Bedford, Sammlung Christian Boseckert)

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Der Theaterplatz


Der Theaterplatz heute (Foto: Christian Boseckert, 2010)

Einer der wichtigsten Plätze Coburgs ist, verkehrstechnisch gesehen, der Theaterplatz, auf dem im Jahre 2008 der zentrale Bus-Rendevouz-Platz der Stadt eingeweiht wurde. Was vielleicht viele gar nicht wissen ist die Tatsache, dass dieser Platz nicht historisch gewachsen ist, sondern erst vor ca. 200 Jahren entstanden ist.

Ursprünglich verlief hier die innere Stadtmauer entlang. Sie führte vom Spitaltor über den heutigen Theaterplatz Richtung Schlossplatz und Schloss Ehrenburg. Der Verlauf dieser Befestigungsanlage ist noch an der Baulinie der am Theaterplatz befindlichen Häuser zu erkennen, welche nicht gerade sondern „gebogen“ ist. Dieser Teil der Stadtmauer nannte man seinerzeit die „Rumpelmauer“. Inwiefern die Bezeichnung von Gerümpel herrührt, lässt sich hier nicht sagen. An der Mauer entlang führte ein schmales Gässchen, dessen letzter Rest heute die „Kleine Mauer“ beim Obst- und Gemüsegeschäft Wollandt bildet. Auf der anderen Seite der Mauer lag der Stadtgraben, der von Quellen im Pilgramsroth gespeist wurde. Auf Seiten des Bürglaßgartens, der mit einer hohen Gartenmauer umschlossen war, befand sich eine Straße, die über die Georgengasse zu erreichen war. Sie führte bis zum Oberen Bürglaß hin.

Nachdem die Stadtmauer als Befestigungsanlage während des 18. Jahrhunderts ausgedient hatte, wurde sie schließlich im Jahre 1815 im Bereich des Theaterplatzes abgebrochen und der Stadtgraben zugeschüttet. Durch diese Maßnahmen entstanden nicht nur neue Häuser, wie zum Beispiel die Stadtvilla Theaterplatz Nr. 10/11 (an deren Stelle befindet sich heute eine Filiale der VR-Bank), sondern auch ein repräsentativer Platz, der noch keinen Namen trug. Zur Verschönerung wurde in der Platzmitte eine Grünanlage angelegt. Die Anlegung des Schlossplatzes ab den 1820er Jahren sollte dann schließlich auch Auswirkungen auf die Ausgestaltung des Theaterplatzes haben. Problematisch dabei waren die zahlreichen Handwerkerhäuser am Platz, die immer noch ein „Hinterhof-Flair“ besaßen. Man löste dieses Problem damit, dass die betreffenden Fassaden durch eine intensive Baumbepflanzung verdeckt wurden. Die Reste dieser Bepflanzung findet sich noch heute als Abgrenzung des Schlossplatzes zur Grafengasse. Andere Gebäudekomplexe wie zum Beispiel die Stahlhütte, eine Schießstätte welche von Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg errichtet wurde, fielen dem Abbruch zum Opfer. Anstelle der Stahlhütte entstand das Landestheater, welches auch zum Namenspatron des Platzes avancierte. Bis 1910 wurden schließlich auch die alten Handwerkerhäuser saniert und so umgebaut, dass sie vorzeigbar waren. Als Beispiel hierfür kann das Gebäude Theaterplatz Nr. 4a (Gaststätte Künstlerklause) erwähnt werden, dass in seiner heutigen Form im Jahre 1871 entstanden ist. Von der Altbebauung existieren noch die Häuser Theaterplatz Nr. 5 (Cafe & Bäckerei Feiler), Nr. 6 (ehemals Gaststätte „Schnellzug“ bzw. „Unicum“) und Nr. 7 (Konditorei Schubart).

Der Theaterplatz mit Grünanlage und Prinz-Josias-Denkmal um 1914 (Sammlung Christian Boseckert)

Eine Aufwertung erfuhr der Theaterplatz 1911, als zu Ehren des Prinzen Friedrich Josias von Sachsen-Coburg und Saalfeld, in der bereits erwähnten Grünanlage, ein Denkmal eingeweiht wurde. Es ist vielleicht noch interessant zu wissen, dass der Theaterplatz ursprünglich zum großen Teil in herzoglichem Besitz war. So verbot die Schlosshauptmannschaft beispielsweise den Kindern auf dem Theaterplatz zu spielen oder gar lärmend über den Platz zu ziehen. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich der Theaterplatz teilweise zu einer vornehmen Wohngegend entwickelt. Weinstuben, Modewaren- und Delikatessen-geschäfte säumten hier den Weg. Zwischendurch schimmerte aber auch immer wieder das handwerkliche Coburg mit Schusterbetrieben und Bierwirtschaften durch. Das hinderte den amerikanischen Konsul aber nicht daran, für einige Jahre am Theaterplatz (im Hause Nr. 10) zu residieren. Viele Jahre blieb der Theaterplatz von verkehrsveränderten Maßnahmen verschont.

Der erweiterte Bürglaßgarten von 1968 (Foto: Christian Boseckert, 2006)

Erst 1968 fand durch die Erweiterung des Bürglaßgartens auf die Grünanlage mit dem Josias-Denkmal eine tiefgreifende Veränderung auf dem Platz statt. Damals verschwand eine von zwei Fahrstraßen, die jeweils beide an dem Josias-Denkmal vorbeiführten. Ein anderer Teil des Theaterplatzes wurde zu einem Parkplatz umgestaltet. Bauliche Veränderungen blieben aber auch weiterhin nicht aus. 1986 wurden die Häuser Theaterplatz Nr. 2 und 3 zugunsten von Neubauten abgerissen; Das Haus Nr. 4 (Reisebüro Gevers) war schon zuvor neu errichtet worden. Große Veränderungen brachte aber die Anlegung des Zentralen Omnibusbahnhofes zwischen 2006 und 2008. Trotz eines Bürgerbegehrens, welches die Anlegung des Bus-Rendevouz-Platzes auf dem Theaterplatz ablehnte, wurde dort als Ersatz für den Markt, ein solcher Busbahnhof angelegt.

Der neue Bus-Rendevouz-Platz von 2008 (Foto: Christian Boseckert, 2008)

Der 1968 entstandene Bürglaßgarten verschwand wieder und kehrte in seinen alten Umfang zurück. Das Josias-Denkmal wurde versetzt und die Häuser um den Theaterplatz herum von Grund auf saniert. Es bleibt abzuwarten für die Zukunft, wie sich dieser Platz noch weiter verändern wird. Spannend dürfte die Entwicklung des Theaterplatzes auch weiterhin bleiben.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Der Theaterplatz heute (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 2: Der Theaterplatz mit Grünanlage und Prinz-Josias-Denkmal um 1914 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 3: Der erweiterte Bürglaßgarten von 1968 (Foto: Christian Boseckert, 2006)
Bild 4: Der neue Bus-Rendevouz-Platz von 2008 (Foto: Christian Boseckert, 2008)

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Die Fotografen Gattineau und Adler

Das Anwesen Allee Nr. 6, Foto: © S.Peter 2010

Die Geschichte der Fotografie in Coburg ist noch weitgehend unerforscht und doch so sehr interessant. Fotos und Ansichtskarten zeigen uns schließlich, wie es früher in der Vestestadt ausgesehen hat, wobei Verlage, Druckereien und Foto-Ateliers einen besonderen Beitrag leisteten.
Eine letzte Erinnerung an diese Zeit ist im Steinweg, neben der Hahnmühle zu finden. Dort sieht man, an der Fassade eines kleinen Gebäudes, den Schriftzug „Photographie W. Adler“. Dieses Haus und das dahinter liegende Gebäude Allee Nr. 6 spielen in der Fotografie-Geschichte Coburgs eine wesentliche Rolle. Diese beginnt im Jahre 1867. In jenem Jahr erwarb der Fotograf Johann Georg Gattineau für 4.500 fl von den Maurermeistern Christian und Johannes Lutz ein Wohnhaus in der Allee.
Gattineau war 1810 in Erlangen als Nachfahre einer Hugenottenfamilie geboren worden. Er erlernte das Flaschner-Handwerk und eröffnete bereits 1846 in seiner Heimatstadt ein Fotogeschäft. Schon bald gab es eine Filiale des Gattineau´schen Fotogeschäfts in Würzburg. 1863 und 1866 gab er beide Geschäfte nacheinander an seinen Sohn, bzw. Schwiegersohn ab und verzog nach Coburg. Dort hatte er bereits 1864 von Herzog Ernst II von Sachsen-Coburg und Gotha den Titel eines Hoffotografen verliehen bekommen. Dies ist deshalb schon ungewöhnlich, da die Verleihung eine Person betraf, welche nicht die Coburger Staatsangehörigkeit besaß. Wahrscheinlich hatte es zu diesem Zeitpunkt in Coburg noch keinen Fotografen gegeben. Die ersten Aufnahmen der Vestestadt entstanden erst 1857 durch den britischen Fotografen Francis Bedford.

Werbeanzeige des Foto-Ateliers Gattineau aus der Zeit um 1880 (Sammlung Christian Boseckert)

In Gattineau´s neuem Domizil in der Allee entstand schließlich in einem Nebengebäude ein erstes Atelier, dass er zusammen mit seinem Sohn Franz betrieb. Wohl aus Altersgründen gab Gattineau den Betrieb im Jahre 1886 auf. Zwei Jahre später starb der Hoffotograf im Alter von 78 Jahren in Coburg. Haus und Atelier gingen 1886 in den Besitz der Brüder Otto und Paul Häußler über, die ebenfalls als Fotografen arbeiteten. Sie ließen seinerzeit ein größeres Atelier auf ihrem Grundstück errichten, welches heute noch im Steinweg zu sehen ist. Nach fünf Jahren erfolgte jedoch die Auflösung des Unternehmens und die Versteigerung des Wohnhauses nebst des Ateliers.

Beides übernahm 1891 der Fotograf Wilhelm Adler, der ebenfalls den Titel eines Hoffotografen trug. Er selbst besaß schon vorher ein Atelier. Dieses befand sich seit 1881 im Hinterhaus des Anwesens Oberer Bürglaß Nr. 14 (heute Immobilien Otte). Vorher war Adler in der Badergasse ansässig. Das Unternehmen entwickelte sich in der Folgezeit sehr erfolgreich und existierte bis in die 1980er Jahre hinein. Wilhelm Adler selbst betrieb das Atelier bis zu seinem Tode 1918.

Werbeanzeige des Foto-Ateliers Wilhelm Adler um 1900 (Sammlung Christian Boseckert)

Als Nachfolger stand bereits sein Sohn Max bereit, der das Unternehmen bis 1942 führte. Danach wurde das Geschäft an den Fotomeister Karl-Heinz Frick verpachtet (der später auch als Hausbesitzer in Erscheinung trat), wobei es aber weiterhin den Namen „Adler“ trug. Erst später erfolgte eine Umbenennung. Über 100 Jahre war im Hause Allee Nr. 6 ein Fotograf zu finden. Heute ist es dort ruhig geworden. Das Grundstück wird gegenwärtig nur privat benutzt. Jedoch hat sich in der Zwischenzeit im Umfeld des Hauses ein neues Fotostudio niedergelassen, so dass der Bereich zwischen Allee, Hahnmühle und Steinweg auch weiterhin einen traditionellen Standort für die Coburger Lichtbildkunst darstellt.

Das Atelier-Gebäude von 1887 am Steinweg gelegen, Foto: © S.Peter, 2010

Zum Schluss soll noch ein kleiner Exkurs zur Geschichte des Hauses Allee Nr. 6 folgen. Um 1850 befand sich an dieser Stelle ein Stadel mit angeschlossenem Garten, der auch das Grundstück Steinweg Nr. 66 erfasste. Eigentümer dieses Grundstücks war eine Familie Schöner. Der „Schönersgarten“ war in Coburg durchaus bekannt, diente er doch als Kellerbiergarten des Gasthofs „Zur grünen Linde“ in der Heiligkreuzstraße. (Haus Nr. 1) Der Zugang zu diesem Garten erfolgte über einem schmalen Weg zwischen dem Atelier Adler und dem Hause Steinweg Nr. 66 (ehemals Drogerie Zimmermann). Von der Allee konnte man das Grundstück nicht erreichen, da diese zur jener Zeit noch eine herzogliche Privatstraße war und Herzog Ernst II von Sachsen-Coburg und Gotha keinen weiteren Verkehr auf diesem Weg duldete. 1865 erwarben die Maurermeister Christian und Johannes Lutz das Grundstück und bauten 1867 den Stadel zu einem Wohnhaus aus. Dadurch entstand das heute noch bestehende Kleinhaus mit Laube und neugotischen Motiven. Anscheinend diente das Haus als Spekulationsobjekt, denn bereits im Jahr der Errichtung verkauften die beiden Maurermeister das Gebäude, wie schon erwähnt an den Hoffotografen Gattineau.

Text:
Chistian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Das Anwesen Allee Nr. 6 (Foto: S.Peter, 2010)
Bild 2: Werbeanzeige des Foto-Ateliers Gattineau aus der Zeit um 1880 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 3: Werbeanzeige des Foto-Ateliers Wilhelm Adler um 1900 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 4: Das Atelier-Gebäude von 1887 am Steinweg gelegen (Foto: S.Peter, 2010)

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Das Sonnenhaus in der Alexandrinenstraße

Das Sonnenhaus in der Alexandrinenstraße, Bild: C.Boseckert

Es ist wohl das beeindruckenste Jugendstil-Gebäude Coburgs. Gemeint ist hier das sogenannte Sonnenhaus bzw. die Sonnenburg in der Alexandrinenstraße, die inzwischen auch schon über 100 Jahre alt ist. Die Geschichte des Hauses soll nun Gegenstand des heutigen Blogeintrages sein.

Ursprünglich befand sich auf diesem Gelände der sogenannte „Sturmsgarten“. Der Bierbrauer und Gastwirt Anton Sturm, der ein Lokal in der Ketschengasse besaß, schenkte hier ab 1840 in den Sommermonaten seinen selbstgebrauten Gerstensaft aus. Der Sturmsgarten war seinerzeit der größte Biergarten Coburgs und reichte von der Alexandrinenstraße bis hoch zum Glockenberg bzw. zur Hohen Straße. Nach dem Tode Sturms 1874 betrieben dessen Erben das Gartenlokal weiter, verkauften es aber schließlich 1891, um von dem Erlös ihre Brauerei an der Callenberger Straße modernisieren zu können. Der Sturmsgarten wurde dadurch zum Bauland. Dies weckte natürlich das Interesse der Architekten an dem Gebiet. Allen voran der aus Plauen stammende Jugendstil-Architekt Otto Leheis sah hier die Chance sich baulich zu betätigen. Er erwarb zu Anfang des 20. Jahrhunderts zehn Grundstücke (jeweils vier in der Alexandrinen- und Marienstraße sowie zwei Am Glockenberg), die nach dem Verkauf des Sturmsgartens dort entstanden waren. 1902 ging auch das Areal auf dem heute das Sonnenhaus steht, in seinen Besitz über. Der Bauplatz gehörte vorher dem Geheimen Finanzrat und Bankdirektor Emil Riemann.

Das Sonnenhaus in der Alexandrinenstraße, Foto: C. Boseckert

Das Ziel Leheis war es, auf diesem Grundstück eine Villa auf eigene Rechnung zu errichten. Schon Anfang 1902 hatte er dafür die notwendige Erlaubnis, seitens der Stadt, erhalten. So begannen im Herbst 1902 die Bauarbeiten an der Sonnenburg, die im Jahr darauf ihren Abschluss fanden. Unter den Jugendstil-Häusern Coburgs erhielt es sogleich aufgrund seiner üppigen Ornamentik eine Sonderstellung. Einflüsse des belgischen und Münchner Jugendstils machen sich dadurch bemerkbar. Die Annahme, das Leheis das Gebäude selbst entwarf, ist jedoch nicht ganz korrekt. Bereits sechs Jahre vorher entstand das gleiche Gebäude, allerdings seitenverkehrt, in Frankreich, so dass das Coburger Sonnenhaus nur als Kopie gesehen werden kann. Die Baukosten für dieses Gebäude waren jedoch enorm. Zu Leheis Pech hatte sich auch noch die wirtschaftliche Gesamtsituation geändert. Es gab mehr Häuser als Käufer und so blieb er auf dem Haus sitzen. Der Architekt verschuldete sich und musste deshalb 1907 das Sonnenhaus zwangsversteigern lassen. Im Rahmen dieses Verfahrens erwarb der Kaufmann Richard Burmeister das Anwesen.

Jugendstil-Ensemble, das Otto Leheis in der Alexandrinenstraße geschaffen hat, Foto: C.Boseckert

Im Jahre 1919 ging die Sonnenburg in den Besitz der Korbwarenfabrikantenfamilie Rädlein aus Weidhausen/Coburg über. Als Haubesitzer folgten noch die Familie Emrich, die Hofschlachtermeisterswitwe Anna Schlick und eine Familie Heydenreich. Auch in der Folgezeit wechselten oft noch die Grundstücksbesitzer, was der Pflege des Hauses keinen Abbruch tat. Sanierungsmaßnahmen erfolgten 1977/78, 1985 und 1995/96, so dass wir das Sonnenhaus gegenwärtig in einem guten Zustand vorfinden können. Otto Leheis indes verließ nach der Insolvenz seines Baugeschäfts Coburg und starb 1921 in Wüstenselbitz bei Schleiz in Thüringen.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Alle drei Fotoaufnahmen stammen von Christian Boseckert, 2010.
Bild 1 und 2 zeigt das Sonnenhaus
Bild 3 das Jugendstil-Ensemble, das Otto Leheis in der Alexandrinenstraße geschaffen hat.

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Das erste Deutsche Turn- und Jugendfest in Coburg

Turner aus ganz Deutschland grüßen die Veste Coburg, Sammlung Christian Boseckert

Kein anderes Fest ist mit der deutschen Turnerbewegung so verbunden, wie das erste Deutsche Turn- und Jugendfest, das zwischen dem 16. und dem 19. Juni 1860 in Coburg stattfand.

Ihren Ursprung hatte die Turnidee im Wirken des Pädagogen Friedrich Ludwig Jahn, der bereits 1811 in der Hasenheide bei Berlin einen Turnplatz errichtete. Seine Ziele nach Einführung demokratischer Strukturen und der Einigung des in Kleinstaaten zersplitterten Deutschlands mochten die deutschen Fürsten nach dem Wiener Kongress von 1815 nicht folgen. In engem Bezug zu den Turnern stand auch die Bewegung der Burschenschaften, da auch sie die gleichen politischen Ziele verfolgten. Durch die Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue durch den Turner und Burschenschafter Karl Ludwig Sand im Jahre 1819 wurden alle Turnveranstaltungen in Preußen und anderen deutschen Staaten verboten. Jahn selbst musste für fünf Jahre ins Gefängnis. Trotz der Turnsperre wurde an vielen Orten im Verborgenen weiter geturnt. Im Laufe der Jahre lockerte die Obrigkeit das Turnverbot, um es schließlich in Preußen 1842 ganz aufzuheben. Turnen galt nun als „notwendiger Bestandteil der Erziehung männlichen Jugend.“ In der Folgezeit lebte auch das Vereinsturnen wieder auf, doch eine Dachorganisation, wo alle deutschen Turnvereine sich versammeln konnten, existierte nicht.
Dies wollten die beiden bedeutenden süddeutschen Turner Theodor Georgii und Carl Kallenberg ändern. Sie riefen im Herbst 1859 zu einer gemeinsamen Tagung auf und schlugen als Veranstaltungsort das zentral gelegene Coburg vor. Ferner hofften die beiden Protagonisten, dass sich der damalige Landesherr, Herzog Ernst II von Sachsen-Coburg und Gotha, infolge seiner liberalen Gesinnung sein Staatsgebiet nicht den Turnern verschließen würde. Die Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Am 21. März 1860 erteilte die herzogliche Regierung die Genehmigung für diese Veranstaltung. Finanzielle Zusagen, wie von den Veranstaltern gewünscht, wurden jedoch abgelehnt. Am 29. April 1860 trafen sich schließlich Georgii, Kallenberg und andere Turnfunktionäre mit den Mitgliedern des Turnvereins von 1848 Coburg, um die Feierlichkeiten zu besprechen. Am Schluss der Beratungen rief man zu einem Turn- und Jugendfest auf. Dieses sollte zwischen dem 16. Juni und dem 19. Juni 1860 stattfinden. Der Zeitraum wurde bewusst gewählt, da er mit dem Gedenktag der Schlacht bei Waterloo, wo Napoleon I vernichtend geschlagen wurde, einher ging. Diese patriotischen Emotionen müssen aus der Zeit heraus verstanden werden. Man hatte Sehnsucht nach einem deutschen Einheitsgefühl.
Als das Fest im Juni begann, war die Stadt festlich geschmückt. Der Herzog stellte die Reithalle und das Hoftheater für Veranstaltungen zur Verfügung und die Stadt half bei der Organisation des Festes und schaffte eine Vielzahl von Turngeräten an. Als Turn- und Vorführplatz diente der Ketschenanger. Insgesamt 1200 Teilnehmer kamen aus allen Teilen der deutschen Länder nach Coburg, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Diese begannen mit einer Versammlung auf der Veste, welche mit einem Feuerwerk feierlich abgerundet wurde. Am nächsten Tag folgte die offizielle Begrüßung der Stadt durch den damaligen 1. Bürgermeister Leopold Oberländer.

Einzug der Turner in den Burghof der Veste, Sammlung Christian Boseckert

Am 17. Juni, um neun Uhr morgens begann der Turntag in der Reithalle. Ziel war es einen gesamtdeutschen Turnerbund zu gründen. Aber nach lebhaften Debatten setzte sich der spätere langjährige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Turnerschaft, Ferdinand Goetz, mit dem Beschluss durch, vorerst keine gesamtdeutsche Organisation zu gründen, da dies wegen der in vielen deutschen Ländern bestehenden Vereinsgesetze nicht zu verwirklichen war. Goetz und seine Anhänger wollten lediglich das erreichen, was realistisch erschien: Eine positive Entwicklung des deutschen Turnwesens, unabhängig von allen parteipolitischen Bestrebungen. Erst 1868 gründete sich nach jahrelanger Vorbereitung eine Deutsche Turnerschaft unter der Führung von Goetz und Georgii
Der Nachmittag dieses Tages war geprägt von einem Festzug, in dem auch schwarz-rot-goldene Fahnen mitgeführt wurden und von Wett- und Schauturnvorführungen, die unter großem Applaus der Coburger Bevölkerung stattfanden. Am 18. Juni fanden Freiübungen und Turnspiele statt. Abends folgte dann ein Kommers in der Reithalle.

Turnübungen auf dem Ketschenanger, Sammlung Christian Boseckert

Am letzten Veranstaltungstag wanderten die Turner nach Schloss Callenberg, wobei diese dem Dichter Friedrich Rückert in Neuses einen Besuch abstatteten. Bei der Rückkehr nach Coburg teilten sich die jüngeren Turner in zwei Gruppen zu einem Kriegsspiel. Den Schluss der Festtage bildete am Abend in Gegenwart des Herzogs, ein großer Ball im Hoftheater. Ernst II war nur am letzten Tag des Turn- und Jugendfestes in Coburg zugegen, da zuvor auf dem deutschen Fürstentag zu Baden-Baden weilte.
Dieses Ereignis nicht mehr erlebt, hatte Friedrich Ludwig Jahn, der Turnvater. Er war bereits 1852 in Freyburg an der Unstrut gestorben. Die Turner erinnerten in Coburg dennoch an sein Wirken. Ohne ihn wäre die Entwicklung des Turnens und schlussendlich auch des Sports in Deutschland ganz anders verlaufen.

Text:
Christian Boseckert
(Dieser Text stammt aus der neuen Ausgabe der Zeitschrift “Coburger Geschichtsblätter”, die bald veröffentlicht wird.)

Bildquellen:
(alle drei Bilder: Sammlung Christian Boseckert)
Bild 1: Turner aus ganz Deutschland grüßen die Veste Coburg
Bild 2: Einzug der Turner in den Burghof der Veste
Bild 3: Turnübungen auf dem Ketschenanger

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