Schloßplatz 21
Seit Jahrzehnten gibt es in Coburg einige Dauerbrenner-Themen, wie Mehrzweck- oder Ballsporthallen oder auch Flugplätze. Ein weiteres beliebtes Thema, das mal wieder aktuell aus den Schubladen gezogen wird, ist das Thema “Tiefgarage unter dem Schloßplatz“. Der Realisierung steht angeblich nichts im Wege, vorausgesetzt ein potenter Geldgeber wird gefunden (>>> klick).
Drehen wir die Uhr ein paar Jahrzehnte zurück, genauer gesagt in das Jahr 1973. Zwischen 1967 und 1970 war die Südzufahrt über die Bamberger Straße zur B4 errichtet worden, der Weiterbau der B4 durch die Adamistraße zur Callenberger Unterführungen sollte umgesetzt werden. Im Mai 1973 wurden Pläne für zwei Umgehungsstraßen veröffentlicht, die Westtangente, welche die B4 vom Weichengereuth bis zur Rodacher Straße führen sollte und auch ab 1974 gebaut wurde (>>> klick), sowie die innere Osttangente, die den Verkehr von der Alexandrinenstraße in einem Tunnel unter dem Schloßplatz hindurch zum Rittersteich fliessen lassen sollte. Auch von einer Durchgangsstraße durch die Wettiner Anlage über den asphaltierten Schloßplatz war alternativ die Rede. Im Zuge der Untertunnelung kam auch die Idee auf, unter dem Schloßplatz eine Tiefgarage zu bauen.
Bereits frühzeitig im März 1974 lehnte die Gemeinschaft Stadtbild Coburg sowohl den Bau der Osttangente als auch den Bau einer Tiefgarage unter dem Schloßplatz ab. Der damalige OB Dr.Wolfgang Stammberger lehnte 1974 beide Bauvorhaben ebenfalls ab.
Wie so oft reifen solche Vorhaben weiter in irgendwelchen Schubladen. So war es nicht verwunderlich, dass im Juni 1977 die Diskussion um die Schloßplatz-Tiefgarage erneut begann. Diesmal wurde das Vorhaben allerdings viel ernsthafter betrieben. Am 15.August 1977 wurden auf dem Schloßplatz erste Bohrungen zur Untersuchung des Untergrunds vorgenommen. Die IHK zu Coburg springt auf den Zug auf und befürwortet die Tiefgarage. Die Coburger Landesstiftung weist auf den Denkmalschutz hin und ist gegen den Bau.
Im Februar 1980 spricht sich der Leiter des Ordnungsamtes für den Bau der Tiefgarage aus. In den Zeiten des kalten Krieges sieht er im V-Fall die Möglichkeit, dort ca. 4000 Bürger in Sicherheit zu bringen. Der neue OB Karl-Heinz Höhn nimmt ebenfalls Stellung zu diesem Thema und möchte das Parkhaus Post und die Tiefgarage unter dem Schloßplatz realisieren. Einer weiteren Tiefgarage, die nun unter dem Gemüsemarkt errichtet werden soll, erteilt er eine Absage.
Ein Jahr später, am 12.Februar 1981 gibt der Stadtrat der Errichtung des Parkhauses Post Vorrang vor der Tiefgarage unter dem Schloßplatz.
Allerdings wird das Thema noch nicht ad acta gelegt, in einer vertraulichen Stadtratssitzung im Juni 1985 wird beschlossen, das Projekt Tiefgarage zu verwirklichen, wenn entsprechende Gelder aus Bonn fließen sollten. Kurz darauf erkennt auch OB Höhn, dass eine Tiefgarage mit Kosten in Höhe von 22 Millionen DM nicht finanzierbar ist.
Ab 1985 beginnt der Bürgerverein mit einer Unterschriftensammlung gegen den Bau und legt im Juni 1986 OB Höhn eine Liste mit fast 6000 Unterschriften gegen das Projekt vor. Kurz vor der Unterschriftenübergabe werden erneut Probebohrungen auf dem Schloßplatz durchgeführt. Und auch die IHK läßt nicht locker und fordert weiterhin den Bau der Tiefgarage.
1988 lehnt die oberste Baubehörde in München das Projekt aus Kosten- und Denkmalschutzgründen endgültig ab.
Eigentlich sollte man meinen, dass das Thema damit beendet wäre. Aber schon 1992 spricht sich die IHK erneut für den Bau einer Tiefgarage unter dem Schloßplatz aus. Diverse Planungen werden durchgeführt. Nachdem zuvor die Zufahrt über die Wettiner Anlage erfolgen sollte, sehen Planungen von 2006 nun die Zufahrt über den Oberen Bürglaß vor. Es ist auch nicht verwunderlich, dass zur Oberbürgermeisterwahl 2008 eben dieses Thema von der CSU auf die Agenda gepackt wird.
Inzwischen gibt es sogar einen Förderverein Schlossplatz-Tiefgarage e.V., der laut seinem Vorsitzenden Peter Kammerscheid mit rund 5000 Bürgern in einer Unterschriftenaktion das Thema wieder im Stadtrat auf den Tisch gebracht hat.
Wie stehen die Leserinnen und Leser zum Thema “Schloßplatz-Tiefgarage”? Haben wir genügend Parkplätze? Brauchen wir eine Tiefgarage?
Blitzlicht: Hochwasser 3.1.2003
Nachdem nun die Hochwassergefahr zunächst gebannt und der Winter mit Schnee und Frost zurück ist, haben uns noch ein paar Hochwasser-Fotos erreicht: vom Hochwasser am 3.Januar 2003.
Vielen Dank an Christian von Christian’s Hobby Blog.
Fotoquelle: alles Fotos © Christian Häussler
Blitzlicht: Hochwasser 6.1.1982
Coburg war schon immer gerade bei anhaltenden Regenfällen und/oder starker Schneeschmelze von Hochwasser betroffen. So auch im Januar 1982.
Am 6.Januar 1982 erreicht der Pegel der Itz 4,10 Meter und es muss Katastrophenalarm ausgelöst werden. Der Bau des Schönstädtspeichers wird vom damaligen oberfränkischen Regierungspräsident Wolfgang Winkler befürwortet. Der damalige OB Karl-Heinz Höhn geht noch einen Schritt weiter und fordert zusätzliche Maßnahmen für den Hochwasserschutz: den Bau des Goldbergsees.
Die Fotos wurden mir dankenswerter Weise von Georg zugeschickt, vielen Dank dafür.
Quellenangabe:
Alle Fotos © Georg
Blitzlicht: Datenklo
Was einem beim Aufräumen nicht so alles in die Hände fällt. Da habe ich doch noch eine Original-Ausgabe der Hackbibel von 1985 im Schrank entdeckt. Der Chaos-Computer-Club (>>>CCC) brachte in dieser Blattsammlung ein Sammelsurium aus Dokumenten, Geschichten und Anleitungen aus der Hacker-Szene und des Magazins des CCC, der Datenschleuder (die es auch heute noch gibt >>>klick) heraus. U.a. konnte dort das sogenannte Datenklo, ein Akkustik-Koppler nachgebaut werden. Und dieses Datenklo konnte die wahnsinnige Geschwindigkeit von 300 – 1200 Baud zum BTX-Surfen (konnte man das damals so nennen? 1200 Baud entsprechen ca. 0,15 KB/s!) leisten.
Zitat:
“Die folgende Bauanleitung stellt aufgrund des hochintegrierten Chips AM7910 (von AMD) eine nachbausichere, vielseitig und realtiv preisgünstige (ca. 300 DM) Lösung dar.”
(Für alle Spät-Geborenen: früher gab es noch das Post-Monopol mit der berüchtigten FFZ-Nummer, ohne die ein Akkustik-Koppler bzw. ein Moden nicht betrieben werden durfte – Selbstbau ging natürlich gar nicht!) .
Es erschienen zwei Ausgaben der Hackbibel, die beide online verfügbar sind:
Wer von den Leserinnen und Leser kann sich denn an diese Zeit erinnern und hat vielleicht selbst noch Erlebnisse zu berichten?
Coburger Hymnen
Am morgigen Freitag wird ein weiteres Lied über Coburg veröffentlicht. Der Liedermacher Christian Kahl hat eine dreistrophige Hymne auf seine und unsere Heimat geschrieben und singt den Song selbst zusammen mit Grete.
Zu hören ist das Lied bei Radio Eins (>>> klick) und käuflich kann man die CD in der Tourist Information in der Herrngasse erwerben.
Müssen die bisherigen Coburg Hymnen, der Coburger Josias-Marsch, auch bekannt als der Coburger Marsch, der vom Generalfeldmarschall Prinz Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld in Auftrag gegeben wurde oder das Lied Hoch Coburg, komponiert von Karl Türk nach einem Text von August Göpfert um ihren Platz als Coburger Hymnen fürchten?
Wie findet Ihr das Lied und braucht Coburg eine Hymne?
Die Hutmacherfamilie Ehrlich
Die Geschichte der Hut- und Mützenfabrik Ehrlich begann bereits 1894 als der aus Römhild stammende Karl Ehrlich im Hause Judengasse 3 das oben genannte Unternehmen gründete. Nach dem Tod des Betriebsgründers übernahm seine Frau Clara 1906 das Geschäft, bis es schließlich in die Hände der beiden Söhne Hermann und Sally Ehrlich überging. Unter deren Leitung wurde die Fabrik zu einem prosperierenden Unternehmen mit Geschäftsverbindungen im gesamten süddeutschen Raum. Dies führte dazu, dass die Firma in immer größeren Betriebsräumen untergebracht werden musste. Nachdem man seit 1908 im Gebäude Judengasse 45 ansässig war, verlegten Hermann und Sally Ehrlich das Unternehmen in den Zinkenwehr, genauer gesagt ins Haus Nr. 39 (heute Sally-Ehrlich-Straße 10), wo die Hut- und Mützenfabrik bis zu deren Auflösung ansässig bleiben sollte.
Insgesamt hatte Karl Ehrlich vier Söhne, Neben Hermann und Sally waren dies Julius Ehrlich, der 1914 auf den Schlachtfeldern von Verdun fiel und Max Ehrlich, der 1919 in der Löwenstraße 17a eine Zahnarztpraxis eröffnete. Die Ehrlichs genossen bei der Coburger Bevölkerung hohes Ansehen. In den Notzeiten der Zwanziger Jahre half das Unternehmen arme, Not leidende Menschen wie das Coburger Volksblatt berichtete: „Die Hut- und Mützenfabrik Karl Ehrlich hat sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, für verschiedene Kinder von Kriegsbeschädigten und –Hinterbliebenen Mützen kostenlos abzugeben. Die Firma hat sich durch diesen Akt edler Nächstenliebe den Dank vieler Coburger erworben.“ Die Familie Ehrlich waren durchaus liberale Juden und vollkommen in der Coburger Bevölkerung integriert.
Dies änderte sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 grundlegend. Hermann Ehrlichs Tochter Hilde, in deren Klasse auch die Tochter eines hohen Nazi-Funktionärs war, wurde in der Schule schikaniert und diskriminiert. Das ging sogar so weit, dass die Eltern Hilde erst in ein jüdisches Pensionat und dann nach England bringen müssen. Nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 wurden Hermann und Sally Ehrlich festgenommen und zusammen mit anderen Juden durch die Stadt getrieben. Hermann kam schließlich nach Hof ins Gefängnis, währenddessen die Coburger Polizei seinem Bruder Sally die Gewerbekarten entzog und damit auch die Hut- und Mützenfabrik schloss. Nur durch den Verkauf des Hauses und die Überweisung des Geldes auf ein Sperrkonto kommt Hermann Ehrlich wieder frei und darf Coburg Richtung England verlassen, wo ihn seine Tochter Hilde bereits erwartete

Die Gedenktafel am Hause Sally Ehrlichs erinnert noch heute an das Schicksal der Coburger Juden in der Zeit des Dritten Reiches (Foto © S.Peter)
Sally Ehrlich hingegen blieb in Coburg, da er darauf hoffte, später nachkommen zu können. Doch zu einem „Später“ kam es für ihn nicht mehr. Am 24. April 1942 wurde er als einer der letzten Coburger Juden deportiert und ins Konzentrationslager Majdanek gebracht, wo er ums Leben kam. Das gleiche Schicksal ereilte auch Max Ehrlich, der zwar 1937 nach Frankreich geflohen war, aber dort nach der Besetzung durch die Deutschen ins Konzentrationslager Gurs interniert wurde und ebenfalls ums Leben kam. Einzig Hermann Ehrlich überlebte den Holocaust zusammen mit seiner Tochter und seinem Sohn Carl, der bereits 1938 in die USA auswanderte. Als amerikanischer Besatzungssoldat kehrte Carl Ehrlich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Coburg zurück, wo er als Assistent des Militärgouverneurs die Aufgabe wahrnahm, die Voraussetzungen für eine zivile Verwaltung zu ergründen. Auf seine Initiative hin entschied der Coburger Stadtrat im Jahre 1946 einen Teil des Zinkenwehrs in Sally-Ehrlich-Straße umzubenennen. Am ehemaligen Wohnhaus der Familie wurde zeitgleich, ebenfalls auf Anregung Carl Ehrlichs eine Gedenktafel angebracht, die an das Schicksal seines Onkels und damit stellvertretend auch an das Schicksal der Coburger Juden im Dritten Reich erinnern sollte.
Text: Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Hier im Hause Judengasse 3 gründete Karl Ehrlich 1896 seine Hut- und Mützenfabrik (Foto © S.Peter)
Bild 2: Das Fabrikgebäude der Familie Ehrlich im Zinkenwehr, heute Sally-Ehrlich-Straße (Foto © S.Peter)
Bild 3: Sally Ehrlich (1878-1942) (Fotosammlung Stadtarchiv Coburg)
Bild 4: Die Gedenktafel am Hause Sally Ehrlichs erinnert noch heute an das Schicksal der Coburger Juden in der Zeit des Dritten Reiches (Foto © S.Peter)









