Ein Einbruch ins Herzogliche Mausoleum im Coburger Hofgarten
Der Hofgarten und sein Mausoleum sind gegenwärtig im Besitz der Stadt Coburg. Diese ist laut Vertrag von 1919 für ihre Erhaltung verpflichtet. Der Bausenat der Stadt hatte deshalb am 18. Mai 1983 einer Sanierung des Herzoglichen Mausoleums im Hofgarten zugestimmt, welche dann im Jahr darauf gründlich durchgeführt wurde.
Darauf soll aber hier nicht eingegangen werden. Jedoch sind einige geschichtliche Daten und Hinweise erforderlich, die das Fürstenpaar, welches dort begraben liegt, betreffen.

Das Herzogs-Paar Franz Friedrich Anton und Auguste Caroline Sophie (aus Bachmann/Aumann: Coburg und Europa (Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft 11, Coburg 1997)
Das Mausoleum, dessen Architekt leider bis heute noch nicht festgestellt werden konnte, ließ Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha in den Jahren 1816 und 1817 seinen Eltern Franz Friedrich Anton (gestorben 1806) und Auguste Caroline Sophie (gestorben 1831) errichten. Dieses Herzogspaar hatte vier Söhne und fünf Töchter, von denen allerdings ein Sohn und eine Tochter im Kindesalter verstorben sind. Durch eine geschickte Heiratspolitik des Herzogshauses entstanden Verbindungen zu fast allen Königshäusern Europas.
Am 9. Dezember 1817 wurde Franz Friedrich Anton und im November 1831 seine Gemahlin Auguste Caroline Sophie im Mausoleum beigesetzt. Aber schon neun Monate nach dem letzten Begräbnis, in der Nacht vom Samstag, den 18. August zum Sonntag, dem 19. August 1832, wurde die Gruft durch einen Einbruch geschändet. Ein morgendlicher Spaziergänger hörte laute Hilferufe aus dem Inneren des Mausoleums. Er stellte fest, dass die eiserne Gittertüre des Eingangs geschlossen, aber die Falltüre zur eigentlichen Gruft gewaltsam geöffnet war. Der Spaziergänger vermutete sofort, dass ein Mensch in böswilliger Absicht in die unterirdische Gruft eingebrochen war und sich aus seiner unheimlichen Lage nicht mehr befreien konnte. Kurzentschlossen eilte er zur Polizei, die den Einbrecher aus seinem grauenvollen Gefängnis herausholte, seine Personalien feststellte und ihn eingehend verhörte.
Der Einbrecher war der Schlossergeselle Andreas Stubenrauch aus Hofheim in Unterfranken. Dieser hatte sich am Samstagabend in verschiedenen Wirtshäusern Mut angetrunken, sich dann mit dem notwendigen Einbrecherwerkzeug versehen und dabei auch nicht Feuerzeug und Talglichter vergessen. Man musste zu jener Zeit noch mit Stahl, Feuerstein und Zündschwamm Licht machen. Der Weg zum Hofgartenmausoleum war damals nicht so bequem wie heutzutage. Die Arkaden mit den Treppenaufgängen und der Weg, der an der Reithalle vorbeiführt, waren noch nicht gebaut. An der Stelle des jetzigen mittleren und oberen Hofgartens lagen seinerzeit noch Privatgärten. Man konnte deshalb nur von der Festungsstraße, vorbei an den Zäunen verschiedener Gärten, zum Mausoleum gelangen.
Doch zurück zum Thema. In der Dämmerung schlich sich Stubenrauch zum Hofgarten-Mausoleum. Das Schloss der eisernen Gittertür konnte er mit seinen Schlüsseln und Dietrichen nicht öffnen. Die Stäbe des Gitters ließen aber oben so viel Platz, dass er hindurch kriechen konnte. Innen boten ihm die starken Eichenbohlen der Falltüre ein so starkes Hindernis, das er nur mit einem Brecheisen zu überwinden vermochte. Beim Schein des Talglichtes erblickte er in einer Tiefe von drei Metern die beiden Särge. Aber eine Treppe führte nicht hinab. Der Einbrecher glaubte sich helfen zu können. Er holte sich aus einem benachbarten Garten einen Pfahl. Beim Versuch, daran hinab zu gleiten, stürzte er in die Gruft. Es war ihm sofort klar, dass er mit Hilfe des etwas zu kurzen Pfahles nicht mehr heraus steigen konnte. Umgeben von den Schauern der Verwesung musste er die Nacht in der Gruft zubringen. Er gab aber seinen teuflischen Plan nicht auf und machte sich daran, den Sarg der Herzogin zu öffnen, den er im Schein seines Talglichtes von dem älteren Sarg des Herzogs unterscheiden konnte. Große Schwierigkeiten bereitete ihm das Öffnen des Sargdeckels. Es gelang ihm nur, diesen etwas zu heben. Aber was er gesucht hatte, fand er nicht. Die Leiche der Herzogin war nur mit einem schwarzen Samtkleid ohne jeglichen Schmuck bekleidet. Die grauenhafte Arbeit war umsonst gewesen. Schon der nächtliche Aufenthalt war für Stubenrauch eine Strafe. Man erzählte sich später in Coburg, dass das Haar des Einbrechers in der Schreckensnacht völlig ergraut wäre.
Stubenrauch, auf frischer Tat ertappt, legte ein offenes Geständnis ab und wurde 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Freilassung war er wiederholt straffällig. Im Jahre 1854 fand man in einem Waldstück bei Hofheim seine Leiche. Ein leerer Geldbeutel und eine leere Schnapsflasche waren seine ganze Habe. Er hatte sich selbst gerichtet. Der Gruftschänder endete als Selbstmörder. Damit war die Geschichte des ersten Einbruchs in das Herzogliche Mausoleums zu Ende gegangen. Doch 120 Jahre später, sollte sich dies noch einmal wiederholen, doch dass ist eine andere Geschichte.
Text: Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Das Herzogliche Mausoleum im Hofgarten (Foto © S.Peter)
Bild 2: Das Herzogs-Paar Franz Friedrich Anton und Auguste Caroline Sophie (aus Bachmann/Aumann: Coburg und Europa (Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft 11, Coburg 1997)
Bild 3: Das eiserne Tor des Mausoleum (Foto © S.Peter)
Die Biergärten am Festungsberg
Der Festungsberg ist heute eine feine Wohngegend. Die Bebauung begann dort ab 1860. Zahlreiche Villen zeigen uns noch gegenwärtig den Wohlstand ihrer früheren Besitzer. Was befand sich wohl früher auf diesem Areal? Es mag den Leser erstaunen, dass dort einmal drei Biergärten existierten. Über diese Einkehrstätten der Coburger soll dieser Blogeintrag berichten.
Der erste der drei Biergärten befand sich gleich neben der St. Augustinkirche, an der Stelle, wo sich heute das moderne katholische Gemeindezentrum und die Villa Anker (Obere Klinge Nr.1) befinden. Dieser Garten gehörte dem Bäckermeister und Bierwirt Johann Gottfried Fischer, der seinen Betrieb im Steinweg (Haus Nr. 43, heute Weltbasar Rückert) unterhielt. Fischer übernahm 1849 das Unternehmen und richtete daraufhin schließlich einen Biergarten auf seinem Grundstück am Festungsberg ein. 1870 schloss dieser Garten seine Pforten. Heinrich Langbein, der in den 1930er Jahren einen ersten Aufsatz zu diesem Thema schrieb, erinnerte sich, dass dort Gebäude in einfachster Weise vorhanden waren. Dazu gehörten ein Gartenhaus, einige offene Hütten und eine Sandkegelbahn. Die Gäste saßen auf langen Holzbänken an Tischen, die ungehobelt und nicht gestrichen waren. Das Bier wurde in Schlotterkrügen und billigen Gläsern ausgeschenkt. Wer etwas essen wollte, musste es sich seine Brotzeit selber mitbringen oder sich mit dem begnügen, was der Wirt an Wurst und Käse selbst anbot. Die weiblichen Gäste strickten im Sommer die Wollstrümpfe für den Winter und die Männer gingen dem Kegelsport auf der offenen Bahn nach. Liebespaare trafen sich hier ebenso wie die vornehmen Damen der Coburger Gesellschaft. Eine Ziehharmonika sorgte für Musik. Windlichter und Öllampen ließen den Biergarten auch am Abend in hellem Licht erscheinen.
So mag es vielleicht auch bei den beiden anderen Biergärten am Festungsberg zugegangen sein. Die nächste Einkehrmöglichkeit lag direkt hinter der St. Augustinkirche. Dort wo heute die Villa Festungsstraße Nr. 4 zu finden ist, lag bis 1867 der sogenannte „Casinogarten“. Er gehörte zu einer Gaststätte, die sich in dem späteren Logengebäude in der Theatergasse befand. Dieses Haus ist bei einem amerikanischen Luftangriff am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört worden. Zu dem Biergarten gehörten neben einem festen Gasthaus wahrscheinlich auch eine überdachte Kegelbahn. Hier traf sich vornehmlich die bessere Gesellschaft, direkt nach ihrem sonntäglichen Spaziergang im Hofgarten. Eine Reklame in den frühen Coburger Adressbüchern belegt diese Annahme. Die Vermutung liegt hier nahe, dass es sich hierbei nicht nur um einen Biergarten, sondern auch um ein Ausflugslokal mit Kaffeeausschank handelte.
Ein ganzes Stück weiter an der Festungsstraße, dort wo sich jetzt die Häuser Nr. 9a und 9b befinden, war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Biergarten zu finden, der 1804 gegründet wurde. Dieser Garten gehörte dem Bäckermeister und Bierwirt Fritz Frommann, der seine Stadtwirtschaft im Steinweg Nr. 15 (heute Modehaus K&L Ruppert) hatte. Das Anwesen Frommanns erstreckte sich in der ganzen Breite von der Festungsstraße bis zur Bergstraße. Auch in dieser Kellerwirtschaft wurde das Bier nur in Schlotterkrügen ausgeschenkt. Nach 1871 wurde der Ausschank aufgegeben und das Grundstück parzelliert. Auf einem verkleinerten Areal an der Festungsstraße entstand dann schließlich ein neues Ausflugslokal, welches den Namen „Wilhelmshöhe“ trug. Möglicherweise diente das Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel als Vorbild, wo der französische Kaiser Napoleon III. interniert war. Das Ausflugslokal sprach vor allem eine feinere Kundschaft an. So empfhal sie in einem Inserat aus dem Jahre 1882 ihre schönen Gartenanlagen, die Marmorkegelbahn, den Konzert- und Ballsaal, vorzügliche einheimische und fremde Biere, feine Weine und eine hervorragende Küche zu guten Preisen an. Trotz der Werbung konnte sich die „Wilhelmshöhe“ nicht lange halten. Bereits 1890 zog in das Gasthaus eine Molkereikuranstalt ein, in der in den Morgen- und Abendstunden frische Ziegenmilch verabreicht wurde. Gesundheitsfördernde Brunnen- und Heilwasser wurden dort ebenfalls angeboten. 1893 erfolgte der Abbruch sämtlicher Gebäude auf diesem Gelände. Es entstand das heutige Wohnhaus Festungsstraße 9b, in dem ein Knabenerziehungsinstitut einzog.
Aus heutiger Sicht ist es bedauerlich, dass sich keines dieser Gastronomiebetriebe halten konnte. Fehlt doch nach Ansicht vieler Coburger, dem Hofgarten so etwas wie eine Ausflugsgaststätte, in der man auch sein Bier trinken könnte.
Text: Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Standort des Fischer-Biergartens in der Oberen Klinge (Foto: © S.Peter)
Bild 2: Standort des Casinogartens in der Festungsstraße (Foto: © S.Peter)
Bild 3: Standort des Frommann-Biergartens in der Festungsstraße (Foto: © S.Peter)
Spuren jüdischen Lebens in der Judengasse
Beschäftigt man sich mit der Geschichte des Mittelalters, so stellt man fest, dass Menschen jüdischen Glaubens oft verfolgt, ausgegrenzt und getötet worden sind. Der traurige Höhepunkt dieser Verfolgung sollte aber erst im 20.Jahrhundert sein. Darum soll es heute aber nicht gehen, sondern um die Lebensweise der jüdischgläubigen Menschen im Mittelalter, speziell in Coburg. Dabei darf man die äußeren Gegebenheiten, wie sie oben genannt werden, nicht außer Acht lassen.

Siedlungsplatz der Coburger Juden im Spätmittelalter bzw. Frühe Neuzeit (Zeichnung Christian Boseckert)
Die ersten Hinweise auf jüdisches Leben in Coburg findet man bereits Mitte des 13.Jahrhunderts. Wo sie damals in Coburg lebten, weiß man heute nicht mehr. Erst ab 1350 dürften sich die Juden den Bereich der unteren Judengasse angesiedelt haben. 1382 werden erstmals vier jüdische Haushalte erwähnt. 1418 sind es bereits neun jüdische Haushalte. Es scheint eine Zeit der Blüte und der Nichtverfolgung gewesen sein. 1393 wird erstmals eine Synagoge erwähnt, die man in der Nähe des Judentores suchen muss. Eine genaue Ortsangabe ist leider nicht möglich. In dieser Zeit entstand auch eines der frühesten Zeugnisse jüdischen Glaubens, ein Pentateuch (besteht aus den fünf Büchern Moses), dass 1395 in Coburg, in hebräischer Handschrift verfasst wurde. In diesem Buch ist auch eine Wehranlage illustriert, die vermutlich die Veste Coburg darstellt. Damit wäre es die älteste, bekannte Darstellung der Veste. Dieser Pentateuch befindet sich heute im Besitz des Britischen Museums in London. Entdeckt wurde diese Kostbarkeit 1979 von Frau Helen Gutman, einer ehemaligen Coburgerin, die wegen ihres jüdischen Glaubens in die USA emigrierte.
1413 erlaubt Markgraf Wilhelm von Meißen seinen jüdischen Untertanen in Coburg, die Anlegung eines Friedhofs. Dieser Friedhof lag zwischen der unteren Judengasse, der Walkmühlgasse und dem Hahnfluss. Beim Neubau des Hauses Judengasse 50 (heute Mutter-Kind-Cafe “Der kleine Muck” ) im Jahre 1896, entdeckte man dort menschliche Knochenreste und eine jüdische Grabplatte.
Aber bereits nach 1413 deutete sich bereits die nächste Judenverfolgung an. Der Chronist Karche berichtet “1422 wurde den Juden der Aufenthalt zu Coburg vom Bischof Johannes zu Würzburg verboten und den Christen aller Umgang mit ihnen untersagt. Zum Kennzeichen mussten die Juden ein rotes Schild an der Brust tragen.”
Und so dürften bis 1447 alle Juden aus Coburg vertrieben worden sein, da zu diesem Zeitpunkt in den Chroniken erwähnt wird, dass durch eine Verfügung des Herzogs Wilhelm von Sachsen die Coburger Synagoge in eine christliche Kirche umgewandelt werden soll. Mit einer großen Spende eines Coburger Bürgers konnte diese Umwandlung vollzogen und die neue Kirche der heiligen Maria geweiht werden. Wie lange diese Marienkirche existierte oder wann sie abgerissen wurde, wissen wir ebenfalls nicht.
Erst ab 1533 haben sich Juden wieder in Coburg angesiedelt. Im Jahre 1880 zählt man bereits 210, und im Jahre 1925 sogar 316 jüdische Glaubensangehörige. Seit 1873 gab es auch wieder eine Synagoge, die in der St. Nikolauskapelle untergebracht war. Ein jüdischer Friedhof wurde 1874 auf dem Gelände des neuen Friedhofs auf dem Glockenberg angelegt.
Heute ist all dies Geschichte, denn seit den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 gibt es keine jüdische Gemeinde in Coburg mehr. Übrig geblieben sind die oben genannten Fragmente, die die Stürme der Zeit überdauert haben. Und natürlich erinnern die Judengasse und das Judentor an das mittelalterliche Siedlungsgebiet an sie.
Text: Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Siedlungsplatz der Coburger Juden im Spätmittelalter bzw. Frühe Neuzeit (Zeichnung Christian Boseckert)
Bild 2: Kapelle St.Nikolaus in der Ketschendorfer Straße (Foto: © S.Peter)
Bild 3: Inschrift über dem Eingang der St.Nikolaus Kapelle, Ps 118,20 (Foto: © S.Peter)
Schaurig, gruselig… schön!
Auch wenn der inzwischen sehr kommerziell aufgebauschte 31.Oktober nicht Jedermanns Geschmack ist, so haben wir doch sicherlich eins gemein: wir alle hören gerne Geschichten! Und an Halloween (ich spare mir diesmal irgendwelche geschichtlichen Erläuterungen und verweise frech auf Wikipedia >>>klick<<<) gibt es eben gruselige, finstere und düstere Geschichten, die gerne bei Kerzenschein, einem Kakao oder einem Glas Wein, am besten am Kamin, erzählt werden.
Und eine solche Geschichte möchte ich Euch heute vorstellen: Meiky von Meikys-Podcast (bekannt auf Funk und Fernsehen
) hat mal wieder kräftig in die Geschichten- und Trickkiste gegriffen und gibt allen Hörwilligen was auf die Ohren:
Der Wassergeist vom Schottenholz heißt seine diesjährige Halloween-Geschichte, die ihr über iTunes, auf seiner Seite oder diesmal auch direkt hier hören könnt.
Also, macht es Euch gemütlich und viel Spaß beim Hören!
Ach ja, Meiky freut sich immer gerne über Kommentare, nicht schüchtern sein…
Die Entstehungsgeschichte des Sintflutbrunnens
In diesem Blogeintrag soll es um die Entstehungsgeschichte des Coburger Sintflutbrunnens gehen, dessen Schöpfer der gebürtige Coburger Ferdinand Lepcke (die Geschichte von Lepcke ist >>>hier zu finden) war. Dieser wurde am 23. März 1866 im Hause Leopoldstraße Nr. 27 als Sohn des Restaurateurs Ernst Lepcke geboren und starb bereits im Alter von 43 Jahren am 12. März 1909 in Berlin an den Folgen einer Lungenentzündung.
Lepcke verlebte also seine früheste Jugendzeit in der Leopoldstraße. Schon in jungen Jahren besuchter er die Kunstakademie in Berlin und war dort Schüler des Bildhauers Fritz Schaper von dem viele Denkmäler in Deutschland stammen. Ferdinand Lepcke wurde bald ein bekannter Künstler seiner Zeit und schuf zahlreiche Broncestatuen, Grabdenkmäler, Marmorbüsten und Denkmäler bedeutender Männer. Bereits im Alter von 25 Jahren erhielt er einen Staatspreis und wurde 1903 zum Professor ernannt. Ein Jahr vorher entstand auf Kosten des preußischen Staates für die Stadt Bromberg in Westpreußen (heute Bydgoszcz in Westpolen) der „Sintflutbrunnen“, das Original des Coburger Sintflutbrunnens.
Im gleichen Jahr 1902 machte Ferdinand Lepcke seiner Heimatstadt Coburg, mit der er sich besonders durch seine Zugehörigkeit zur Künstlerzunft St. Lukas verbunden fühlte, das Angebot, ihr das Gipsmodell dieses Brunnens unentgeltlich zu überlassen. Daran hatte Lepcke insgesamt zwei Jahre gearbeitet.
Nach langem Hin und Her lehnte der Coburger Stadtrat am 2. Dezember 1904 das Anerbieten Lepckes mit der Begründung ab, dass Coburg keinen geeigneten Platz hätte. In den Zeitungen war man darüber empört. Aber der Künstler ließ nicht locker. Schon am 20. Dezember 1904 antwortete er dem Oberbürgermeister Gustav Hirschfeld und machte dabei den Vorschlag, dass die Stadt ein einfaches Museum bauen solle, für das er Abgüsse von zahlreichen seiner von ihm geschaffenen Plastiken stiften würde. Das Auffinden eines geeigneten Platzes musste er aber immer noch dem Coburger Stadtrat überlassen. Einen Fingerzeig gab der Plan des Baues einer Gewerbeschule. Man erwog jetzt, den Brunnen irgendwie vor der geplanten Schule aufzustellen. Aber der Bau lag noch in weiter Ferne. Man überlegte weiter und kam auf die Idee, dass die Veste ein geeigneter Ort sei. Aber hier ergaben sich unüberwindliche Schwierigkeiten.
Inzwischen war der Gedanke aufgetaucht, nicht das Gipsmodell, sondern einen Bronceguss des Brunnens aufzustellen. Am 20. März 1905 schrieb Lepcke an Oberbürgermeister Hirschfeld, dass ein Bronceguss 30.000 Goldmark kosten würde. Er schlug gleichzeitig eine Sammlung unter den Bürgern vor und erklärte sich bereits das Modell noch ein Jahr aufzuheben, bis das Geld zusammengekommen sei. Da wurde Mitte des Jahres 1905 ein Coburger Bürger, der Baumeister Max Frommann, aktiv. Wahrscheinlich nach privater Fühlungnahme mit dem Herzoglichen Staatsministerium schlug er als Standort für den Sintflutbrunnen die Zollbauerswiese an der Ketschendorfer Straße vor. Er garantierte 20.000 Goldmark, die er selbst durch eine Sammlung aufzubringen gedachte. Den Rest von 10.000 Goldmark sollte die Stadt zusteuern. Bereits am 17. Juli 1905 bewilligte der Coburger Stadtrat diesen Betrag unter Voraussetzung, dass die Zollbauerswiese von der Herzoglichen Domäne unentgeltlich zur Verfügung gestellt würde. Das Herzogliche Staatsministerium gab am 29. Juli 1905 seine Zustimmung zur unentgeltlichen Überlassung der Zollbauerswiese mit der Auflage, dass das Gelände unbebaut bleiben sollte. Die entsprechenden Verträge zwischen der Stadt, dem Ministerium sowie mit Lepcke kamen zustande. Dieser nahm an dem Modell geringfügige Änderungen vor und sicherte sich das geistige Eigentum. Für den Guss des Brunnens, den die Firma Gladenbeck in Berlin ausführen sollte, waren jedoch Monate erforderlich.
Inzwischen hatte Frommann die 20.000 Goldmark zusammengebracht. Die Spender waren betuchte Coburger Bürger, darunter auch einige Bewohner der nahe gelegenen Alexandrinenstraße. Die israelitische Kultusgemeinde, die ihre Gottesdienste damals in der St. Nikolauskapelle abhielt, gab einen Sonderbeitrag.
Der Sintflutbrunnen, dessen Aufstellung man Ende 1906 erwartete, sollte an den Regierungsantritt des Herzogs Carl Eduard am 23. Juli 1905 erinnern. Zu diesem Zweck wollte die Stadt Coburg eine Plakette an dem Brunnen anbringen. Damit war das Ministerium nicht einverstanden und machte den Vorschlag, den Brunnen Carl-Eduard-Brunnen und den Platz Carl-Eduard-Platz zu nennen. Der Brunnenname könnte sich jedoch nicht durchsetzen.
Die Einweihung des Brunnens fand am 15. November 1906 um 11.45 Uhr statt. Der Herzog mit seiner Gemahlin fuhr im Automobil vor. Das erregte damals großes Aufsehen. Zur Einleitung der Feier spielte die Stadtkapelle „Schutzgeist alles Schönen“ von Mozart. Oberbürgermeister Hirschfeld hielt die Weiherede. Den Schluss der Feier, zu der solche Bürger der Stadt eingeladen waren, die irgendwie ein Ehrenamt besaßen, bildete Beethovens Hymne „Die Himmel rühmen“. Lepcke erhielt vom Herzog das Ritterkreuz 1. Klasse, der Direktor der Gießerei den gleichen Orden in der 2. Klasse und aus dem Baumeister Max Frommann wurde ein herzoglicher Baurat.
Nach dem Bau des Kongreßhauses 1962 wurde der Sintflutbrunnen von der Mitte des Rosengartens an seinen heutigen Platz, den südlichen Rosengarten, versetzt.
Text: Christian Boseckert
Bildquelle:
Bild 1: Der Sintflutbrunnen (Sammlung S.Peter), Bild 2 und 3: © S.Peter
Coburger Künstler – Der Bildhauer Prof. Otto Poertzel

Der Brunnen der Gastwirtschaft Fischerei von Otto Pörtzel, heute am Ausstellungspavillon des Kunstvereins am Hofgarten befindlich (Foto: © S.Peter)
Als die einst beliebte Gaststätte „Fischerei“ in der Webergasse und mit ihr die Klause „St. Lucas“ um 1980 der Stadtsanierung in diesem Bereich weichen musste, blieb ein Zeuge übrig, eine seltsame Brunnenfigur, die ein Mitglied der Künstlerzunft St. Lucas, der Professor Otto Pörtzel, schuf. Die Figur stellt einen Schweinekopf mit menschlichen Zügen dar, aus dessen Maul klares Wasser floss. Möglicherweise hat sich der Künstler dabei einen Scherz erlaubt und bei der Gestaltung an irgendein Vorbild gedacht. Im Jahre 1940 versiegte der Brunnen. Inzwischen hat dieser einen würdigen Platz am Ausstellungspavillon des Kunstvereins im Hofgarten gefunden.
Otto Pörtzel hat seine Begabung von seinem Vater Gustav Wilhelm geerbt, der in Scheibe / Thüringen (heutiges Scheibe-Alsbach) in einer Porzellanfabrik als Modelleur tätig war. Geboren wurde Otto Pörtzel am 24. Oktober 1876 in dem thüringischen Waldort, besuchte nach einer Bildhauerlehre drei Jahre die Sonneberger Industrieschule, welche im Gebäude des heutigen Deutschen Spielzeugmuseums untergebracht war und arbeitete danach im Atelier Stellmacher in Gotha.
Im Jahre 1900 ließ er sich in Coburg als selbstständiger Bildhauer nieder, ergänzte aber sein Können noch durch ausgedehnte Reisen in Italien und durch Studien an der Königlich-Bayrischen Akademie der Bildenden Künste in München, wo er u.a. bei Adolf von Hildebrand lernte. In der bayrischen Landeshauptstadt unterhielt Pörtzel, neben seinem Atelier in Coburg am Ernstplatz 1, eine eigene Werkstätte.
In der Vestestadt lebte er allerdings weiterhin, bis zu seinen Tod am 17. Januar 1963. In der Hügelstraße 8 baute er sich ein Künstlerheim, in dem er seine Werke schuf.
Mit den Künstlern Coburgs, besonders aber mit denen der Zunft St. Lucas, verband ihn enge Freundschaft. Otto Pörtzel war ein Mitbegründer des Coburger Kunstvereins, Ehrenvorsitzender des Schutzverbandes bildender Künstler, Vorsitzender der Prüfungskommission für das künstlerische Handwerk und viele Jahre Vorsteher der Künstlerzunft St. Lucas. In dem Hause Pörtzels versammelte sich immer eine außergewöhnliche Gesellschaft. Wenn Besucher kamen, so trafen sie dort in Gips, Stein und Bronze den Kaiser Wilhelm II. in Großadmiralsuniform, Kaiser Haile Selassie von Abessinien, den Zaren Ferdinand von Bulgarien, das Coburger Herzogspaar Carl Eduard und Viktoria Adelheid sowie eine Reihe damals prominenter Persönlichkeiten.
Unter der Schar der Schöpfungen Pörtzels befand sich auch die anmutige modellierte Figur der Hofschauspielerin Hilde Knoth vom Coburger Hoftheater. Knoth war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Liebling des Coburger Theaterpublikums. In Coburg wollten deshalb nach der Einweihung des Ernst-Alexandrinen-Volksbades im Jahre 1907 die Gerüchte nicht verstummen, dass die Schauspielerin dem Bildhauer für die graziöse nackte Gestalt auf dem Giebel des Portikusbaues Modell gestanden habe. Man war eben damals sehr prüde in Coburg. Als Professor Pörtzel an seinem 80. Geburtstag im Jahre 1956 darauf angesprochen wurde, soll er lächelnd geantwortet haben: Sie war eine bildhübsche junge Frau“. Das Geheimnis aber, nahm Pörtzel mit ins Grab.
Der Künstler war zeitlebens ein keramischer Bildhauer, konnte aber auch mit Bronze und Marmor umgehen. Eine Reihe von Krieger- und Grabdenkmälern außerhalb von Coburg, bzw. auf dem Coburger Friedhof am Glockenberg geben davon Kunde. Zahlreiche Plastiken für die keramische Industrie gingen aus seinem Atelier hervor. Sein Ruf war in ganz Europa verbreitet. Auf den Weltausstellungen in St. Louis / USA im Jahre 1904, und Brüssel im Jahre 1910 war er mit Großplastiken vertreten. Die zahlreichen Kinderplastiken sind ihm besonders gut gelungen. Sie vermitteln dem Betrachter Freude. Der Gesichtsausdruck der Kinder entspricht ihrer jeweiligen Tätigkeit. Erinnert sei hier an die ehemalige Rosenschau und an den Aufgang zum alten Union-Theater am Hahnweg, wo Pörtzels Kinderfiguren aufgestellt waren. Bei der Darstellung von Menschen legte der Künstler großen Wert auf eine originale Wiedergabe. Ein Beispiel dafür ist die Büste der Herzogin Alexandrine, die in der Alfred-Sauerteig-Anlage vor dem ehemaligen Ernst-Alexandrinen-Volksbad steht. Auszeichnungen, Orden und der ihm im Jahre 1913 verliehene Titel Professor blieben nicht aus. Seit 1911 übte Pörtzel seine künstlerische Tätigkeit freiberuflich aus. Die Folgen zweier Weltkriege allerdings, die sein erarbeitetes Vermögen und seine Alterssicherung aufzehrten, zwangen ihn, noch im hohen Alter tätig zu sein. Professor Pörtzel wurde 86 Jahre alt.
Text: Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Der Brunnen der Gastwirtschaft Fischerei von Otto Pörtzel, heute am Ausstellungspavillon des Kunstvereins am Hofgarten befindlich (Foto: © S.Peter)
Bild 2: Professor Otto Poertzel (Fotosammlung Christian Boseckert)
Bild 3: “Die Badende” von Otto Pörtzel auf dem Dach des Portikusbaues. (Foto: © S.Peter)













