Der Nadlermeister und Handelsmann Johann Andreas Adami


Nach ihm sind in Coburg ein Berg und eine Straße benannt. Trotzdem weiß kaum jemand etwas über den Namensgeber dieser Fahrwege. Die Rede ist von Johann Andreas Adami. Dieser Blogeintrag will Licht in das Dunkel seines Lebens bringen und geht der Frage nach, warum im Westen der Stadt ein ganzes Areal nach ihm benannt wurde.

Johann Andreas Adami kam am 13. April 1692 in Coburg als Sohn des Nadlermeisters Hans Adami zur Welt. Er verbrachte seine Jugend im Hause Ketschengasse Nr. 19, wo sein Vater einen Handwerksbetrieb führte.


Die Familie Adami stammte ursprünglich aus Luckau in Sachsen, wanderte aber im Jahre 1680 nach Coburg aus.
Der Sohn Johann Andreas führte dort das Nadlergewerbe weiter und bildete sich zum Handelsmann (eine ältere Bezeichnung für einen Kaufmann) weiter. Diese Kombination von Handwerker und Kaufmann war nichts ungewöhnliches. Besonders dieses Gewerbe war eines der ersten, welches bereits im 18. Jahrhundert einer beginnenden Industrialisierung ausgesetzt war. Der Preis- und Konkurrenzdruck, der dadurch auf den Märkten entstand, ließ die Lebensbedingungen für die Nadler schwieriger werden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben mussten sie ihre Preise anpassen – in vielen Fällen nach unten hin – oder ergriffen zusätzlich den Kaufmannsberuf, der zusätzliches Geld einbrachte.
Johann Andreas Adami übernahm schließlich 1727 den Betrieb von seinem Vater, der im gleichen Jahr gestorben war. Anscheinend war das Adami´sche Unternehmen zu jener Zeit wirtschaftlich sehr erfolgreich, denn der neue Betriebsinhaber ließ sogleich sein Wohnhaus in der Ketschengasse komplett abreißen und durch ein neues Gebäude ersetzen. Es handelt sich dabei um das Haus, was sich heute noch an dieser Stelle befindet. Aufgrund seines großen Vermögens, welches er durch seinen Betrieb gewann, war es ihm schließlich auch möglich im Jahre 1741 ein großes Gartengrundstück am Kleinen Judenberg, westlich von Coburg, zu erwerben. Die Geschichte dieses Kaufes hat der Chronist Karche in seinen Jahrbüchern niedergeschrieben. Er erzählt dabei die tragische Geschichte des Coburger Tuchmachermeisters Johann Georg Ketschenbach. Dieser war unterwegs von Naumburg zurück nach Coburg, wo er Wollwaren verkaufte. Während eines Aufenthaltes im Vogtland wurde dieses Geld von Unbekannten gestohlen. In dieser Situation sah sich Ketschenbach genötigt seinen Berggarten am Kleinen Judenberg zu verkaufen. Von diesem Ereignis erfuhr auch Johann Andreas Adami. Er setzte sich mit Ketschenbach in Verbindung und erwarb das Grundstück für 360 fl. Kauff- und drei Spechisthaler Gönnegeld. Der Garten am Kleinen Judenberg wurde fortan der Adamigarten genannt und umfasste das Gebiet des heutigen Schnürsgartens. Adami baute in seinem neuen Garten ein kleines Häuschen, das wohl ein Vorgängerbau des heutigen Jean-Paul-Hauses war. Noch neun Jahre sollte das Areal in Adamis Besitz bleiben.


1750 starb Adami während einer Kutschfahrt auf der Rückreise von Leipzig nach Coburg im kleinen Ort Judenbach bei Sonneberg, vermutlich an Herzversagen. Der knapp 58jährige wurde noch an dem gleichen Ort beerdigt. Das Erbe Adamis trat seine Ehefrau Catharina Maria und die gemeinsamen sechs Kinder an. Die Familie Adami bewohnte das Haus in der Ketschengasse noch bis in die 1770er Jahre hinein. Den Adamigarten erhielt im Erbgang die eine Tochter Adamis, Regina Maria, die den herzoglichen Hoftrompeter Georg Gotthold Waldsachs geheiratet hatte. Dieser gründete dort 1774 den ersten Coburger Biergarten Das ist jedoch eine andere Geschichte. Der Name des Adamigartens wurde jedoch in der Folgezeit auf den ganzen Berg übertragen. So wurde aus dem Kleinen Judenberg der Adamiberg. Diese erst mündliche Bezeichnung übernahm die Stadt Coburg im Jahre 1861 auch offiziell, als sie unterhalb des Berges die Adamistraße anlegte. Die Namensgebung blieb bis heute unverändert.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Die Westseite des heutigen Adamibergs mit dem Schnürs Pavillion (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 2: Das Wohnhaus Adamis in der Ketschengasse Nr. 19, von ihm 1727 erbaut. (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 3: Die Südseite des heutigen Adamiberges (Foto: Christian Boseckert, 2010)

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Der Gurken-Alex

Der Gurken-Alex bei einem Besuch der Gaststätte Zollhof in den 1950er Jahren (Sammlung Historische Gesellschaft Coburg)

Heuer jährt sich zum 50. Male der Todestag eines der berühmtesten Coburger Originale. Die Rede ist hier von Alexander Otto, den alle nur unter seinem Spitznamen „Gurken-Alex“ gekannt haben. Der „Gurken-Alex“ war seinerzeit eine stadtbekannte Persönlichkeit. Er fehlte auf keiner Kirchweih, es gab kaum ein Gasthaus, in dem er nicht ein Stammgast war und auf dem Coburger Schützenfest, dem Vogelschießen, war er nicht wegzudenken. Immer wenn in Coburg etwas feierliches geschah, war auch der „Gurken-Alex“ vor Ort.

Geboren wurde Alexander Otto am 26. August 1884 im Hause Steinweglein Nr. 1 in Coburg. Das Steinweglein ist die kleine Gasse die von der Ketschengasse (zwischen den Modegeschäften Faulhaber und Reuther) hinauf zum Gymnasium Casimirianum führt. In dem bescheidenen Häuschen sollte Otto sein ganzes Leben verbringen.

Das Wohn- und Geburtshaus des Gurken-Alex im Steinweglein (Foto: Christian Boseckert, 2010)

Nachdem er die Schule beendet hatte, begann er eine Lehre zum Buchbinder bei der Buchbinderei Heinrich Schade in der Judengasse. Diesem Beruf blieb er aber nicht lange treu. Womöglich trieb ihm die Arbeitslosigkeit dazu, mit 25 Jahren in das ambulante Gewerbe einzusteigen. Ab sofort wurde ein kleines Köfferchen, in dem er Schnürsenkel, Rasierklingen, Bonbons, Schokolade und vieles anderes mehr aufbewahrte sein Markenzeichen. Er selbst nannte den Koffer liebevoll „seinen Laden“. Damit zog er von Haus zu Haus um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Zeit seines Lebens blieb aber der „Gurken-Alex“ ein verarmter Mensch. Geheiratet und Kinder gezeugt hatte er nie. Wenn nun die Zeit der Kirchweihen und der Sommerfeste kam, vertauschte der „Gurken-Alex“ den Koffer mit einem Gurkenfass und pries die Gurken mit „Kümmerlinge, Kümmerlinge“ den Menschen an. Die Gurken stammten von der Neuseser Konservenfabrik Emmerling & Pfister, bei der Otto aber nicht angestellt war. Insgesamt trug ihm diese Tätigkeit den Spitznamen „Gurken-Alex“ ein.
Aber wirklich berühmt wurde er durch seine Gabe, phantasievolle und witzige Stegreifreden zu halten. So konnte man bei ihm viel über das kommende Wetter hören, da er „fast genau jedes Wetter“ fühlte. Er berichtete über sein Amt als Vorsitzender des „Preisskat-Kollegiums“ von Coburg und Umgebung und philosophierte über die „Weihnachtsfeenwunderkerze“, die eine starke Weiterverbreitung der Verdienstfestsetzung erfahren hat.“

Trotz seiner geringen Körpergröße und der stets zwei Nummern zu großen Bekleidung, die er trug, besaß er eine große Schlagfertigkeit, die ihn bei der Coburger Bevölkerung beliebt machten. Das brachte ihm sogar Auftritte auf diversen Faschingsveranstaltungen und sogar einer kleinen Rolle im Landestheater ein. Der Alex nahm dies mit Humor, obwohl seine Lebensverhältnisse von Jahr zu Jahr immer schwieriger wurden. Die schwierigen Zeiten wie die Weltwirtschaftskrise, der Zweite Weltkrieg und der schwierige Neuanfang nach 1945 taten ihr Übriges dazu.
In ärmlichen Verhältnissen starb der „Gurken-Alex“ am 23. März 1960 im Alter von 75 Jahren. An seiner Beerdigung drei Tage später nahmen zahlreiche Coburger teil. Der Zweite Bürgermeister Reichenbecher hielt sogar die Trauerrede.

Der Gurken-Alex-Brunnen in der Herrngasse (Foto: Christian Boseckert, 2010)

Auch in den folgenden Jahren blieb der „Gurken-Alex“ unvergessen. Daher entschloss sich die Coburger Faschingsgesellschaft „Narhalla“ im Jahre 1984 dem Alex ein Denkmal zu errichten. Heraus kam ein Brunnen, der 1985 in der Herrngasse, vor dem Haus Nr. 13, eingeweiht wurde. Für den Brunnen kam seinerzeit eine Spendensumme von 55.000 DM zusammen. Auch das ist ein Beleg dafür, wie sehr der „Gurken-Alex“ in den Köpfen der Coburger hängen blieb.

Die Gedenktafel am Hause des Gurken-Alex (Foto: Christian Boseckert, 2010)

Zu seinem 100. Geburtstag ließ ebenfalls die „Narhalla“ an seinem Geburts- und Sterbehaus im Steinweglein eine Gedenktafel anbringen. Auch sie erinnert an den „Gurken-Alex“ dem bekanntesten Coburger Original.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Der Gurken-Alex bei einem Besuch der Gaststätte Zollhof in den 1950er Jahren (Sammlung Historische Gesellschaft Coburg)
Bild 2: Das Wohn- und Geburtshaus des Gurken-Alex im Steinweglein (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 3: Der Gurken-Alex-Brunnen in der Herrngasse (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 4: Die Gedenktafel am Hause des Gurken-Alex (Foto: Christian Boseckert, 2010)

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Coburger Oberbürgermeister – Dr. Walter Langer

Oberbürgermeister Dr. Walter Langer (Fotosammlung Christian Boseckert)

Als seinerzeit der dienstälteste Oberbürgermeister Bayerns, Dr. Walter Langer, am 30. April 1970 aus dem Amt schied, dankte ihm die Stadt mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechtes. Damit erfuhr er die höchste Ehrung der Stadt Coburg. Sie traf einen Mann, der wie kein anderer die Coburger Geschichte der Nachkriegsjahrzehnte gestaltete und ihr seinen Stempel aufdrückte.

Dr. Walter Langer wurde am 2. Oktober 1892 in Crimmitschau in Sachsen geboren. Nach dem Abitur am Leipziger Thomas-Gymnasium nahm er als Kriegsfreiwilliger am Ersten Weltkrieg teil. Im Jahre 1922 promovierte er zum Doktor der Rechte und wurde Rechtsanwalt. Diese Tätigkeit übte er bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 aus. Danach wurde er zur Reichsluftwaffe eingezogen wo er als Major im Jagdgeschwader Udet seinen Dienst tat.
Nach Kriegsende wurde Langers Heimat von der Roten Armee besetzt, sodass er sich genötigt sah mit seiner zweiten Frau Maria diese zu verlassen. Beide flohen nach Coburg, der Heimat seiner Frau (Maria Langer war die Tochter des bekannten Coburger Theatermalers Friedrich Lütkemeyer), wo er wieder als Rechtsanwalt arbeitete. In den bald einsetzenden Entnazifizierungsverfahren wurde er als Verteidiger rasch stadtbekannt. Über die Freie Demokratische Partei kam er in die Kommunalpolitik. Schon bald war Dr. Langer dort einer der einflussreichsten Politiker und so bestimmte ihn die FDP, bei der ersten Coburger Oberbürgermeisterwahl nach dem Kriege, im Mai 1948, zum OB-Kandidaten. Langer betonte vor der Wahl die oppositionelle, offenbar auch auf coburgisches Selbstbewusstsein gegenüber Bayern setzende Haltung der FDP. So sagte er in einer Wahlveranstaltung: „ Die Opposition ist der Spiegel der Demokratie. Die CSU wäre noch schwärzer, noch bayerischer, wenn sie nicht Rücksicht nehmen müsste auf die unbequeme Opposition der FDP…“. Mit dieser Kombination aus Liberalismus, Nationalismus und Lokalpatriotismus gewann Langer die OB-Wahlen gegen den bisherigen Amtsinhaber Ludwig Meyer von der SPD.
Er trat am 01. Juli 1948 sein neues Amt an. Dass zehn Tage zuvor durch die Währungsreform die DM eingeführt wurde, sollte für Walter Langer ein großer Vorteil sein. Endlich konnten die Probleme gelöst werden unter denen die Coburger besonders zu Leiden hatten. Das war vor allem immer noch das Flüchtlings- bzw. Wohnungsproblem. Langer versuchte das Problem damit zu lösen, die Bautätigkeit in Coburg zu fördern. Dazu gründete er die Coburger Wohnbaugesellschaft, die in den Folgejahrzehnten zahlreiche Stadtrandsiedlungen in allen Himmelsrichtungen anlegte.
Schon im Jahre 1951 konnten die ersten 51 Neubauwohnungen am Schießstand fertig gestellt werden. Damit begann eine rege Bautätigkeit in der Ära Langer, die erst mit der Fertigstellung des so genannten „Demo“ am Hörnleinsgrund Ende der 1960er Jahre, ihr Ende fand.

Ein anderes Problem seinerzeit war die Frage der Arbeitslosigkeit. Im Jahre 1951 lag die Erwerbslosenquote in Coburg bei 15,7%. Langers Ziel war es deshalb auch vermehrt Industrie in Coburg anzusiedeln, was aufgrund der geographischen Situation der Stadt an der deutsch-deutschen Grenze sich als zunehmend schwierig darstellte. Zwar wurde auch hier eine Industrieförderungsgesellschaft gegründet, doch kannte man den Weggang namhafter Unternehmen wie Zeiss-Opta oder dem Vogel-Verlag nicht verhindern. Langers Kritiker nahmen dies zum Anlass den OB als industriefeindlich darzustellen. Doch der Wirtschaftsaufschwung der 1950er Jahre verhalf auch Coburg zu einer wesentlichen Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt.

Ein weiterer roter Faden, der sich durch die Amtszeit von Walter Langer sich zieht, ist der Bau von öffentlichen Gebäuden wie Kirchen, Verwaltungsgebäuden und Schulen gewesen. Mit der Bevölkerung wuchs auch die Schülerzahl und somit der Raumbedarf der Schulen. So wurden in den 1950er und 1960er Jahren zahlreiche neue Schulhäuser erbaut, und Vorhandene erweitert. Doch Langers „Lieblingsprojekt“ war jedoch der Bau eines Kongreßzentrums. Er wollte Coburg zu einer Kongressstadt machen und ging dabei nicht gerade zimperlich mit seinen Gegnern um, so dass er bald als „Adenauer von Coburg“ tituliert wurde. Trotz heftiger Proteste der Bevölkerung drückte er 1959 den Bau des Kongresshauses am Rosengarten durch den Coburger Stadtrat. Als das Gebäude 1962 eingeweiht wurde waren die Coburger eher schockiert als erfreut. Schon allein der Anblick des überdimensionierten Außenaufgangs zum hauseigenen Restaurant, der so genannten Elefantentreppe ließ die Leute nur so den Kopf schütteln. Das Kongresshaus blieb neben dem Wohngebiet Demo eines der umstrittensten Projekte die in der Ära Langer. Weitere Schwerpunkte in seiner Arbeit waren die Modernisierung und der Ausbau der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserversorgung, die Förderung der Kultur, des Sports und des Fremdenverkehrs. Auch wurde unter Walter Langer das erste Städtische Alten- und Pflegeheim in der Neustadter Straße eröffnet.

Langers erster Wohnsitz, die von-Horst-Villa in der Festungsstraße (Foto: Christian Boseckert 2007)

Langers Führungsstil war für heutige Begriffe sehr autoritär, was ihn den oben genannten Titel „Adenauer von Coburg“ einbrachte. Sein langjähriger Stellvertreter Dr. Paul Haubner sagte mal über ihn: „Wie steht er vor unser alle Augen? Unendlich fleißig, zielstrebig, vital, nimmermüde, pünktlich, gewandt, aber auch mutig, Draufgänger, geschickter Verhandlungspartner. Zäh und unnachgiebig, beweglich, vorzüglicher Redner, liebenswürdiger Gastgeber, hervorragender Vertreter und Repräsentant der Stadt Coburg.“ Es sei vielleicht noch zu erwähnen, dass er wohl der reichste OB in Deutschland war, da er in seinem Arbeitszimmer im Rathaus einen echten van Gogh hängen hatte, der nach dem Ende von Langers Amtszeit der Stiftung Pommern, zurückgegeben wurde. Das Bild war ursprünglich Teil der Stettiner Gemäldesammlung. 22 Jahre kämpfte Dr. Walter Langer dafür die Stadt Coburg aus dem Not und dem Elend herauszuführen und diese zu einer lebensbejahenden, lebensmutigen Stadt zu machen. Aus heutiger Sicht muss man sagen dass es ihm das gelungen ist. Mit 78 Jahren schied Walter Langer im Jahre 1970 aus dem Amt des Oberbürgermeisters. Doch mit dem Verlust der Macht holte ihn das Alter ein. Am 22. Juli 1977 starb Dr. Walter Langer im Alter von 84 Jahren in Coburg. Zu recht stand in seiner Todesanzeige: „Er hat Krankheit und Siechtum seiner letzten Monate ohne zu klagen hingenommen, willensstark und selbstlos, wie er das ganze Leben war.“

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Oberbürgermeister Dr. Walter Langer (Fotosammlung Christian Boseckert)
Bild 2: Langers erster Wohnsitz, die von-Horst-Villa in der Festungsstraße (Foto: Christian Boseckert 2007)

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Dr. Hans Berger

Zweimal sollte ihm der Nobelpreis für Medizin verliehen werden. 1936 scheiterte es, weil die politischen Verhältnisse dagegen sprachen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es zu spät. Professor Dr. Hans Berger starb am 1. Juni 1941 in Jena, nachdem er sich in einem Anfall von Schwermut das Leben nahm. Das Lebenswerk des in Coburg aufgewachsenen Psychiaters, Neurologen und Hirnforschers wurde erst nach seinem Tod in Fachkreisen anerkannt.
Dr. Hans Berger, der seit 1897 an der psychiatrischen Klink der Universität Jena arbeitete, entdeckte in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts die bioelektrischen Hirnströme und entwickelte ein Gerät, um diese Energie messen zu können. Er selbst nannte seine Erfindung „Elektrencephalogramm“. Heute ist dieses Gerät unter der Abkürzung „EEG“ bekannt.

Wohnhaus Bergers im Steinweg (Foto: Christian Boseckert, 2008)

Geboren wurde Hans Berger am 21. Mai 1873 im Wohnhaus seines Großvaters, des Dichters und Orientalisten Friedrich Rückert in Neuses bei Coburg. Sein Vater, Dr. Paul Friedrich Berger war Direktor des Coburger Landkrankenhauses, welches ich zu jener Zeit im ehemaligen Landratsamt in der Allee befand. Wohl aus diesem Grund lebte die Familie Berger auch seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts im nahe gelegenen Hause Steinweg Nr. 32. Nach dem Abitur, das Berger im Jahre 1892 am Gymnasium Casimirianum ablegte, verließ er Coburg, um in Berlin, Kiel und Jena zu studieren.
Zunächst wendete er sich der junge Mann der Astronomie und der Mathematik zu, wechselte aber bald zur Medizin über. 1897 begann Hans Berger als Assistent an der Psychiatrischen und Nervenklinik der Universität Jena. Sein zuständiger Oberarzt zu jener Zeit war der bekannte Nervenarzt und Philosoph Theodor Ziehen. 1901 habilitierte er sich mit einer Arbeit „Zur Lehre von der Blutzirkulation in der Schädelhöhle des Menschen, namentlich unter dem Einfluß von Medikamenten.“ Danach blieb Berger an dem Krankenhaus in Jena. Er rückte im Jahre 1912 zum Oberarzt und 1919 zum Direktor der Psychiatrischen Klinik und ordentlichen Professor auf. 1927/28 bekleidete er das Amt des Rektors der Jenaer Universität. Seine Rektoratsrede über die Lokalisation im Großhirn stellte eine Art wissenschaftliches Glaubensbekenntnis dar. Das Hauptaugenmerk des Mediziners galt allerdings der neurologischen Forschung.
Bereits 1902 begann er mit Experimenten an der Hirnrinde von Hunden und Katzen. Dabei suchte er immer nach Wegen, die Beziehung zwischen Körper und Seele durch physikalischen Methoden zu objektivieren. 1924 gelang es Berger nach zahlreichen Vorversuchen bei einem jungen Mann, dem ein Teil der Schädeldecke entfernt worden war, ständige elektrische Potentialschwankungen zu messen. Die Weiterentwicklung der Berger’schen Apparatur, die er selbst „Elektrencephalogramm“ nannte, erlaubte es bald, nicht nur an Schädellücken die Energiefelder des Gehirns aufzuspüren. 1927 war das Gerät in der Lage, am unversehrten Schädel und sogar an der Kopfhaut Aufzeichnungen der Hirnströme vorzunehmen.

Nach seinem Erfolg experimentierte Berger unermüdlich weiter, hatte Zweifel, begann wieder von neuem. Erst im Jahre 1929 publizierte er seine Entdeckung. Seine Arbeit trug den Titel „Über das Elektrenkephalogramm des Menschen“. Seine bahnbrechende Entdeckung fand viele Jahre keine Anwendung. Erst im Jahre 1934 stieß der englische Neurophysiologe Edgar Douglas Adrian auf die Arbeiten Bergers und erkannte die Tragweite der Entdeckung. Er gab dem Alpha-Grundrhythmus der hirnelektrischer Tätigkeit den Namen Berger-Rhythmus.

Gedenktafel auf der Rückseite des Wohnhauses Richtung ASCO (Foto: Christian Boseckert)

Heute ist das EEG eine unentbehrliche Hilfe bei der Diagnose von Anfallserkrankungen und zur Lokalisierung von Tumoren. Im Jahre 1938 wurde Hans Berger emeritiert. Nach Ausbruch des 2.Weltkrieges übertrug man ihm 1939 nochmals die Klinik in kommissarischer Leitung. Drei Jahre später starb er im Alter von 68 Jahren in Jena. Ihm zu Ehren enthüllte man während des 11. Deutschen Ärztetages im Jahre 1958 an seinem ehemaligen Coburger Wohnhaus im Steinweg Nr. 32 eine Gedenktafel. Bei der feierlichen Weihe war auch Hans Bergers Witwe anwesend. Sieben Jahre später benannte die Stadt Coburg eine Straße am Ketschendorfer Hang nach dem bedeutenden Mediziner. So ist der Name Dr. Hans Berger in der Vestestadt bis heute unvergessen geblieben.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Dr. Hans Berger (Sammlung HG Coburg)
Bild 2: Wohnhaus Bergers im Steinweg (Foto: Christian Boseckert, 2008)
Bild 3: Gedenktafel auf der Rückseite des Wohnhauses Richtung ASCO (Foto: Christian Boseckert)

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Freiherr Ferdinand Martin von Rast

Bildnis des Freiherrn von Rast (Fotosammlung Christian Boseckert)

Vielen werden die Begriffe „Raststraße“ und „Freiherr-von-Rast-Schule“ bekannt sein. Wer sich jedoch hinter dieser Person verbirgt, wissen nur wenigsten Coburger.

Der ursprüngliche Zuname des Freiherrn Ferdinand Martin von Rast lautete Liebmann. Dieser wurde am 28. Januar 1781 in Berlin als der Sohn eines reichen jüdischen Handelsherrn geboren. Ihm wurde eine vielseitige sorgfältige Erziehung zuteil, die ihn zur Leitung der Niederlassung des väterlichen Handelsunternehmens in Hamburg vorbereitete.
Als junger Mann unternahm er zahlreiche geschäftliche Reisen in Europa, lernte Land und Leute und dabei auch viele menschliche Schicksale kennen. Das war vielleicht bestimmend für sein späteres menschenfreundliches Wohltun.
Ein Schlüsseljahr in seinem Leben war bestimmt das Jahr 1805. Er erwarb zum einen in Hamburg das Bürgerrecht, zum anderen ließ er sich in Halle/ Saale evangelisch taufen. Nach der Schlacht von Jena und Auerstedt im Jahre 1806, die viele Menschen in Angst und Schrecken versetzte, zeigte er Organisationstalent und Besonnenheit. Er übersiedelte nach Prag, nahm seine großen Vorräte an Garn und seine reichlichen Geldmittel mit. Die Kontinentalsperre Kaiser Napoleon I. von Frankreich, die gegen den Handel mit Großbritannien gerichtet war, umging er durch Zufuhren über Triest im heutigen Italien. Bald beherrschte er den Garnmarkt in Böhmen und erwarb sich durch geschickte Spekulationen ein beträchtliches Vermögen. 1807 verlegte er seinen Wohnsitz nach Wien. Dort heiratete er Johanna Sonnefeld, die Tochter eines Hofrates. Das Paar bewohnte das Palais des Fürsten Esterhazi. Das große prunkvolle Gebäude hatte Ferdinand Martin Liebmann vorher käuflich erworben. Die Ehe wurde nach 12 Jahren geschieden. Mit Frauen hatte er trotz seines Vermögens kein Glück. Auch spätere eheliche Beziehungen scheiterten.
Als er ins gesetzte Alter kam, hatte er kein Verlangen mehr nach Frauen. 1837 löste er schließlich seinen Wiener Haushalt auf. Nicht nur mit seiner Familie, auch mit der Stadt Wien gab es Ärger, hatte er doch 26.000 Gulden Strafe wegen angeblich unrichtiger Angabe seines Vermögens zahlen müssen. Liebmann zog nach Florenz, kaufte einige Villen und Paläste und setzte seine Spekulationen fort. Seine Bestrebungen, in Wien und in Florenz für das Gemeinwohl tätig zu sein, scheiterten an der Gleichgültigkeit der maßgebenden Personen. 1828 kaufte er die Herrschaft Faal in der Steiermark mit Hammerwerken und Eisengruben. Bereits 1829 bereitete er seine Übersiedlung nach München vor. Dort äußerte er den Wunsch, eine Nationalbank unter seiner Leitung ins Leben zu rufen. Er kaufte das Wornzofische Palais das er aber an König Ludwig I. abtrat, als er hörte, dass dieser darauf ein Auge geworfen hatte. Dieser Verzicht zu Gunsten des Monarchen war vielleicht die Ursache, dass er dafür in den Bayerischen Adelsstand erhoben wurde. Der Titel Freiherr von Rast bezieht sich auf das Dorf Rast in der Herrschaft Faal. Freiherr von Rast hat mehrere Male Coburg besucht. Anlässlich eines Aufenthaltes im Jahre 1832 wurde er zum herzoglichen Kammerherrn ernannt.

Das Haus Bahnhofstraße 36 mit dem Rast-Relief (Foto: Christian Boseckert 2007)

Möglicherweise spielte dabei Geld auch eine Rolle. Seinen endgültigen Wohnsitz in Coburg nahm der Freiherr im Jahre 1859. Er hat zuletzt in keinem Palast, sondern in einer schlichten Wohnung in der Gymnasiumsgasse 6 gewohnt. Hier starb er am 14. Dezember 1863 im Alter von 82 Jahren. Sein Grab existiert nicht mehr, wohl aber sein Grabdenkmal im unteren Teil unseres Friedhofes in der Nähe des herzoglichen Mausoleums. Am 13. Juni 1861 errichtete Rast eine für Coburg bedeutungsvolle Stiftung, nämlich die sogenannte Freiherr-von-Rast´sche Stiftung. Der Hauptzweck der Stiftung war, Söhne armer Eltern, die Handwerker werden wollten, bei tüchtigen Lehrherrn unterzubringen und das Lehrgeld für sie zu bezahlen. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, dass früher die Lehrlinge, bzw. deren Eltern, Lehrgeld in beträchtlicher Höhe an den Lehrherrn zahlen mussten. Daher wurde 1892 die in Verbindung mit der Baugewerkschule gegründete gewerbliche Fachschule durch Zuschüsse aus der Rast´schen Stiftung unterhalten.

Die Freiherr-von-Rast-Schule in der Kanalstraße (Fotosammlung Christian Boseckert)

Diese Schule wurde schließlich 1909 zur Rast´schen Gewerbeschule umgebildet. Aus ihr entwickelte sich die in der Kanalstraße befindliche Freiherr-von-Rast-Berufsschule. In der Stiftungsurkunde bestimmte Rast auch größere Zuwendungen für das im Jahre 1862 errichtete Landkrankenhaus in der Allee. In Legaten bedachte er die evangelische Kirche in Coburg, den israelitischen Frauenverein in München, die Gewerbewitwenkasse sowie den Frauenverein in Coburg. Für die jeweiligen Verwalter ergaben sich schwierige Aufgaben bei der Regelung der Stiftung, die sich fast 20 Jahre hinzogen, galt es doch, nicht nur die Ansprüche der Hinterbliebenen zu klären, sondern auch Außenstände in Österreich und Italien einzuziehen. Die Folgen zweier Weltkriege, der Inflation und der Währungsreform haben das Stiftungskapital arg zusammenschrumpfen lassen. Immerhin beträgt es noch gegenwärtig knapp 20.000 Euro. Die Zinsen werden als Prämien für fleißige Berufsschüler verwendet. Es war eine Ehrenpflicht für die Stadt Coburg, dem Stifter nicht nur zu danken, sondern ihn auch gebührend zu ehren. Der Magistrat verlieh ihm 1861 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Coburg. Am 100. Geburtstag des Stifters gedachte die Stadt in besonderer Weise ihres Wohltäters. Am Hause Gymnasiumsgasse 6 wurde am 28. Januar 1881 eine Gedenktafel zu Ehren des Freiherrn von Rast in schwarzem Marmor enthüllt. Dieses Gebäude wurde 1967 zu Gunsten des Anbaus zum Casimirianum abgerissen. Die Tafel blieb erhalten und wurde an dem Neubau wieder angebracht. Auf einer der Ehrentafeln im Rathaus wurde des Wohltäters ehrend gedacht. An ihn erinnert ferner ein Reliefbild am Hause Bahnhofstraße 36 an der Ecke zur Raststraße, welche 1894 den Namen des Freiherrn erhielt. So blieb der Name des Freiherrn von Rast noch bis in unsere heutige Zeit den meisten Leuten präsent, was aufgrund der Wohltätigkeit des Freiherrn auch verdient ist.

Text:

Christian Boseckert

Fotos:
Bild 1: Bildnis des Freiherrn von Rast (Fotosammlung Christian Boseckert)
Bild 2: Das Haus Bahnhofstraße 36 mit dem Rast-Relief (Foto: Christian Boseckert 2007)
Bild 3: Die Freiherr-von-Rast-Schule in der Kanalstraße (Fotosammlung Christian Boseckert)

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Coburger Oberbürgermeister – Ludwig Meyer

Ludwig Meyer (Fotosammlung Stadtarchiv Coburg aus dem Nachlaß Schneier)

Ludwig Meyer (Fotosammlung Stadtarchiv Coburg aus dem Nachlaß Schneier)

Er war der erste gewählte Oberbürgermeister von Coburg nach dem Zweiten Weltkrieg. Er war einer der bedeutendsten Kommunalpolitiker, die es nach 1945 in unserer Region gab. Trotzdem ist sein Name heute fast völlig vergessen. Oder wer kann sich noch an die Amtszeit des Oberbürgermeisters Ludwig Meyer erinnern?

Neustadt bei Coburg zu Ende des 19. Jahrhunderts (Sammlung Christian Boseckert)

Neustadt bei Coburg zu Ende des 19. Jahrhunderts (Sammlung Christian Boseckert)

Geboren wurde Ludwig Meyer als Sohn eines Handwerkers am 15. April 1886 in Neustadt bei Coburg. Nach dem Besuch der Volksschule ging er an die Neustadter Industrieschule und ließ sich dort zum Modellier ausbilden. Meyer war Schüler des bekannten Künstlers und Pädagogen Professor Max Derra, der schon den bedeutenden Karikaturisten und Zeichner Karl Arnold prägte. Nach der Beendigung der Schullaufbahn ging Meyer auf Wanderschaft und legte seinen Militärdienst ab. Er ließ sich danach in Coburg nieder und arbeite als Augeneinsetzer für Puppen.

Schon in der frühesten Jugend hatte er Kontakt zu den Arbeitermilieus. So führte sein Weg zur Sozialdemokratischen Partei, in der er bald Mitglied wurde. Aber erst in Coburg sollte er kommunalpolitisch aktiv werden. Bei den Coburger Stadtratswahlen von 1924 zog Meyer für SPD in das Gremium ein. So wurde er hautnah Zeuge des Aufstiegs des Nationalsozialismus in Coburg.
Nachdem die NSDAP im Jahre 1931 die Macht in Coburg endgültig an sich gerissen hat, war Ludwig Meyer immer größeren Anfeindungen ausgesetzt. Als schließlich im Jahre 1933 Hitler die Macht ergriff, waren Meyers Tage in Freiheit gezählt. Er und seine sozialdemokratischen Parteifreunde wurden aus dem Stadtrat entfernt und Meyer selbst in das Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er einige Jahre interniert war. Nach seiner Freilassung war er aufgrund seiner Vergangenheit lange arbeitslos, so dass er in ärmlichen Verhältnissen leben musste.
Seine Stunde schlägt erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Auf der Suche nach unbelasteten Deutschen stieß die US-Militärregierung in Coburg auf Meyer. Sie ernannte ihn am 18. Mai 1945 zum Zweiten Bürgermeister von Coburg. Gleich nach Ende des Krieges betrieb er mit anderen die Gründung eines sozialdemokratischen Ortsvereins in Coburg an, der schließlich auch am 29. September 1945 unter seiner Mitwirkung entstand. Als am 19. Dezember 1945 der kommissarische Oberbürgermeister Bornhauser zurücktrat, ernannten die Amerikaner Ludwig Meyer zum neuen Stadtoberhaupt. Die Probleme die er vorfand waren katastrophal. Er beschrieb das später so: „Die gesamte militärische, zivile und juristische Gewalt lag in den Händen der Besatzungsmacht. Erst viel später gab man die Rechte nacheinander an die Zivilbevölkerung frei. Die Offiziere der Militärregierung waren unterschiedlich. Vernunft und Rachsucht lagen oft nahe beisammen, wenn auchder einsichtige Teil mit der Zeit überwog.“ Das größte Problem seiner Zeit war die Frage der Flüchtlinge. Nach Kriegsende drängten sich in Coburg an die 17.000 Flüchtlinge vor allem aus Schlesien und dem Sudetenland. Die Einwohnerzahl schnellte von rund 30.000 vor dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend auf 50.000 hoch, womit Coburg in punkto Überbelegung nach München und Nürnberg den dritten Platz einnahm. Wohnraum war dadurch zur Mangelware geworden. Es ist vollkommen klar, dass die ersten Schritte in ein geregeltes Nachkriegsdasein unter derartigen Bedingungen nur in Maßnahmen zur Behebung der schlimmsten Not bestehen konnten. Das hieß konkret, das Alteingesessene und Neubürger zusammenrücken mussten. Die Flüchtlinge wurden in bereits belegte Privatwohnungen, Baracken und Kasernen untergebracht. Ein weiteres Problem das Meyer bewältigen musste war die Lebensmittelversorgung der „alten“ und „neuen“ Coburger.

Meyers letztes Wohnhaus in der Mohrenstraße 36 (Foto: Christian Boseckert)

Meyers letztes Wohnhaus in der Mohrenstraße 36 (Foto: Christian Boseckert)

Aber auf der anderen Seite gab es aber auch Fortschritte. Im Januar 1946 erschien mit der NEUEN PRESSE erstmal wieder eine Zeitung in Coburg. Auch die Demokratisierung machte weitere Fortschritte. So fand am 26. Mai 1946 die erste Wahl zum Coburger Stadtrat nach dem Ende des Krieges statt. Zwar lag die Wahlbeteiligung bei 94%, aber waren Flüchtlinge und ehemalige NSDAP-Mitglieder nicht wahlberechtigt, sodass nur eine Minderheit zur Wahl gehen durfte. In Zahlen waren das 16.000 Wahlberechtigte Coburger, bei einer Einwohnerzahl von 46.000. Der neue Stadtrat wählte schließlich Ludwig Meyer zum Oberbürgermeister. Eine OB-Wahl gab es damals noch nicht. Aufgrund seiner guten Kontakte berief ihn der bayerische Ministerpräsident Hoegner in die bayerische Landesversammlung, dem Vorgängergremium des bayerischen Landtages. Es hatte sich auch München herumgesprochen das Meyer alles versuchte, das Nazi-Image seiner Stadt zu entkräften. Dies tat er zum Beispiel mit der Gründung einer Internationalen Volksakademie in Coburg. Bei der ersten Landtagswahl in Bayern, im Dezember 1946, wurde er als Abgeordneter der SPD in das Landesparlament direkt gewählt. Meyer blieb eine Legislaturperiode im Amt und schied 1950 aus.
Als im Jahre 1948 die Coburger Bevölkerung erstmals die Möglichkeit hatte, den Oberbürgermeister direkt zu bestimmen, stellte sich Meyer als Kandidat der SPD zur Wahl. Er unterlag allerdings seinem Gegenkandidaten Dr. Walter Langer von der FDP. So endete am 30.06.1948 die Amtszeit Meyers als Oberbürgermeister. Er nahm allerdings sein Stadtratsmandat, das er errungen hatte, an. Als es im Jahre 1952 darum ging einen neuen Stadtrat zu bestimmen, stellte er sich nicht mehr zur Wahl und zog sich von der politischen Bühne zurück. Nach langer, schwerer Krankheit starb Ludwig Meyer am 11. August 1957 im Alter von 71 Jahren in Coburg. In einem Nachruf war über ihn zu lesen, dass er sich immer treu geblieben sei und sich immer wie der einfacher Mann aus dem Volk gefühlt habe. Sein Vermächtnis als Oberbürgermeister war es doch, das er in vielen Fällen die Voraussetzungen dafür schuf, dass in den späteren Jahren der Wiederaufbau in der Stadt so erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Text: Christian Boseckert

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