Orte der Veränderung – Die Kreuzung in der Bahnhofstraße
Ein Ort stetiger Veränderung war der Kreuzungsbereich zwischen Bahnhof- und Seifartshofstraße, in welchem auch die Hintere Kreuzgasse und die Hindenburgstraße mündete. Aus diesem Grunde blicken wir 100 Jahre zurück und vergleichen die Situation der Kreuzung von damals mit der von heute.
Einen Platz an dieser Stelle gab es bereits in der Frühen Neuzeit. 1858 erhielt das Areal den Namen „Heiligkreuzplatz“. Erst 1875 verschwand dieser Namen zugunsten der Bezeichnung „Bahnhofstraße“. Die hier zu sehende Aufnahme dieses Platzes stammt aus der Zeit um 1900. Der Fotograf blickte dabei gen Osten, Richtung Festungsberg und der Veste Coburg. Diese war zu jener Zeit noch nicht vom Architekten Bodo Ebhardt umgebaut worden, sodass auch der Rote Turm hier auf diesem Foto fehlt. Die Bauarbeiten an der Burg begannen im Jahre 1909.
Auf der rechten Bildseite fällt sofort ein großes dreistöckiges Gebäude auf, welches die Abzweigung des Seifartshofes von der Bahnhofstraße weg erahnen lässt. Dieses Haus entstand um 1875 für den Handelsgärtner Wilhelm Kurth. Schon bald darauf zog in die Erdgeschoss-Räume des Gebäudes eine Gaststätte ein. Sie trug anfangs den Namen „Bayerische Bierstube“. Als im Jahre 1904 der Gastronom Johann Scheler das Anwesen käuflich erwarb, erfolgte die Umbenennung des Lokals in „Altdeutsche Bierstube“. In diesem Hause eröffnete Scheler in der Folgezeit auch eines der ersten Coburger Kinos. Allerdings fiel der „Scheler´sche Kinematograph“ im Jahre 1913 einem Brand zum Opfer. Danach fanden hier keine Filmvorführungen mehr statt. Der Gaststätte tat dies keinen Abbruch. Sie wurde noch lange von der Familie Scheler weitergeführt.
Neben dem Gasthaus sehen wir ein kleines zweistöckiges Wohnhaus, welches schon im 18. Jahrhundert dort stand. Es handelte sich dabei um ein altes Töpferhaus, dessen Ursprünge sich bis ins Jahr 1604 zurückverfolgen lassen. Im Heiligkreuz lebten damals zahlreiche Coburger Töpfer, man kann sogar hier von einem Zentrum des Töpferhandwerks sprechen. Zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme gehörte dem Kaufmann Wilhelm Stüpfert das Anwesen. Stüpfert, dessen Vorfahren selber Töpfer waren, betrieb dort ein kleines Lebensmittelgeschäft. Es existierte bis 1919 und wich schließlich einer Metzgerei, die von dem Fleischermeister Georg Eckardt betrieben wurde.
Im Anschluss an diesem Gebäude sehen wir Neubauten der 1860er Jahre, die auch heute noch stehen. Auf der anderen Straßenseite erblicken wir das Haus der Bahnhofs-Apotheke. Dieses wurde im Jahre 1882 anstelle einer alten Nagelschmiede von der Baufirma Wetter & Gräfe für den Landwirt Georg Weiß errichtet. Ursprünglich war dies ein reines Wohnhaus. Erst 1928 zog nach einem Umbau des Erdgeschosses hier die Bahnhofs-Apotheke ein, die bis heute dort zu finden ist.

Die Kreuzung in der Bahnhofstraße - Die derzeitige Situation im Jahre 2010 (Foto: Christian Boseckert)
100 Jahre später hat sich das Bild gewandelt. Das Gebäude der Bahnhofs-Apotheke steht ebenso noch wie die Neubauten in der Bahnhofstraße. Das Töpferhaus hingegen wurde 1979 zugunsten eines Neubaus abgerissen, der auf dem aktuellen Foto zu sehen ist. Zuletzt war in dem alten Gebäude das Fotogeschäft Lehmair ansässig. In den Neubau zog schließlich das Papierwarengeschäft Wittmann ein, das dort bis Anfang der 1990er Jahre existierte. Daneben eröffnete zur selben Zeit ein Eiscafe seine Pforten. Bereits 1978 verschwand die ehemalige Gaststätte „Altdeutsche Bierstube“ die zuletzt unter dem Namen „Mönchshof“ bekannt war. Das Haus stand einer Verbreiterung der Hindenburgstraße im Weg, die zur Westtangente ausgebaut werden sollte. Um 1900 gab es diese Straße noch nicht. Erst mit der Einweihung der neuen Coburger Hauptpost im Jahre 1931 wurde die Hindenburgstraße zunächst als Sackgasse und schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer viel befahrenen Straße ausgebaut.
Durch den Abbruch entstand ein weiträumiger Platz, der vor allem vom sogenannten „Berger-Block“ (linke Seite des Bildes) und dem Neubau Hindenburgstraße Nr. 12 (rechte Bildseite) geprägt ist. Trotz der hohen Verkehrsdichte findet sich auf diesem Platz sehr viel grün – Bäume und Hecken.
Längst verschwunden ist auch der Kiosk, der an der Einmündung der Seifartshof- in die Bahnhofsstraße stand. Ihn gab es schon nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr. An seiner Stelle errichtete die Stadt eine Uhr, die ebenfalls schon längst verschwunden ist. Die Kreuzung in der Bahnhofstraße wird wohl ein Ort der Veränderung bleiben. Das ist die Erkenntnis, die man ziehen muss.
Text: Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Die Situation um 1900 (Sammlung: Christian Boseckert)
Bild 2: Die derzeitige Situation im Jahre 2010 (Foto: Christian Boseckert)
Der Theaterplatz
Einer der wichtigsten Plätze Coburgs ist, verkehrstechnisch gesehen, der Theaterplatz, auf dem im Jahre 2008 der zentrale Bus-Rendevouz-Platz der Stadt eingeweiht wurde. Was vielleicht viele gar nicht wissen ist die Tatsache, dass dieser Platz nicht historisch gewachsen ist, sondern erst vor ca. 200 Jahren entstanden ist.
Ursprünglich verlief hier die innere Stadtmauer entlang. Sie führte vom Spitaltor über den heutigen Theaterplatz Richtung Schlossplatz und Schloss Ehrenburg. Der Verlauf dieser Befestigungsanlage ist noch an der Baulinie der am Theaterplatz befindlichen Häuser zu erkennen, welche nicht gerade sondern „gebogen“ ist. Dieser Teil der Stadtmauer nannte man seinerzeit die „Rumpelmauer“. Inwiefern die Bezeichnung von Gerümpel herrührt, lässt sich hier nicht sagen. An der Mauer entlang führte ein schmales Gässchen, dessen letzter Rest heute die „Kleine Mauer“ beim Obst- und Gemüsegeschäft Wollandt bildet. Auf der anderen Seite der Mauer lag der Stadtgraben, der von Quellen im Pilgramsroth gespeist wurde. Auf Seiten des Bürglaßgartens, der mit einer hohen Gartenmauer umschlossen war, befand sich eine Straße, die über die Georgengasse zu erreichen war. Sie führte bis zum Oberen Bürglaß hin.
Nachdem die Stadtmauer als Befestigungsanlage während des 18. Jahrhunderts ausgedient hatte, wurde sie schließlich im Jahre 1815 im Bereich des Theaterplatzes abgebrochen und der Stadtgraben zugeschüttet. Durch diese Maßnahmen entstanden nicht nur neue Häuser, wie zum Beispiel die Stadtvilla Theaterplatz Nr. 10/11 (an deren Stelle befindet sich heute eine Filiale der VR-Bank), sondern auch ein repräsentativer Platz, der noch keinen Namen trug. Zur Verschönerung wurde in der Platzmitte eine Grünanlage angelegt. Die Anlegung des Schlossplatzes ab den 1820er Jahren sollte dann schließlich auch Auswirkungen auf die Ausgestaltung des Theaterplatzes haben. Problematisch dabei waren die zahlreichen Handwerkerhäuser am Platz, die immer noch ein „Hinterhof-Flair“ besaßen. Man löste dieses Problem damit, dass die betreffenden Fassaden durch eine intensive Baumbepflanzung verdeckt wurden. Die Reste dieser Bepflanzung findet sich noch heute als Abgrenzung des Schlossplatzes zur Grafengasse. Andere Gebäudekomplexe wie zum Beispiel die Stahlhütte, eine Schießstätte welche von Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg errichtet wurde, fielen dem Abbruch zum Opfer. Anstelle der Stahlhütte entstand das Landestheater, welches auch zum Namenspatron des Platzes avancierte. Bis 1910 wurden schließlich auch die alten Handwerkerhäuser saniert und so umgebaut, dass sie vorzeigbar waren. Als Beispiel hierfür kann das Gebäude Theaterplatz Nr. 4a (Gaststätte Künstlerklause) erwähnt werden, dass in seiner heutigen Form im Jahre 1871 entstanden ist. Von der Altbebauung existieren noch die Häuser Theaterplatz Nr. 5 (Cafe & Bäckerei Feiler), Nr. 6 (ehemals Gaststätte „Schnellzug“ bzw. „Unicum“) und Nr. 7 (Konditorei Schubart).
Eine Aufwertung erfuhr der Theaterplatz 1911, als zu Ehren des Prinzen Friedrich Josias von Sachsen-Coburg und Saalfeld, in der bereits erwähnten Grünanlage, ein Denkmal eingeweiht wurde. Es ist vielleicht noch interessant zu wissen, dass der Theaterplatz ursprünglich zum großen Teil in herzoglichem Besitz war. So verbot die Schlosshauptmannschaft beispielsweise den Kindern auf dem Theaterplatz zu spielen oder gar lärmend über den Platz zu ziehen. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich der Theaterplatz teilweise zu einer vornehmen Wohngegend entwickelt. Weinstuben, Modewaren- und Delikatessen-geschäfte säumten hier den Weg. Zwischendurch schimmerte aber auch immer wieder das handwerkliche Coburg mit Schusterbetrieben und Bierwirtschaften durch. Das hinderte den amerikanischen Konsul aber nicht daran, für einige Jahre am Theaterplatz (im Hause Nr. 10) zu residieren. Viele Jahre blieb der Theaterplatz von verkehrsveränderten Maßnahmen verschont.
Erst 1968 fand durch die Erweiterung des Bürglaßgartens auf die Grünanlage mit dem Josias-Denkmal eine tiefgreifende Veränderung auf dem Platz statt. Damals verschwand eine von zwei Fahrstraßen, die jeweils beide an dem Josias-Denkmal vorbeiführten. Ein anderer Teil des Theaterplatzes wurde zu einem Parkplatz umgestaltet. Bauliche Veränderungen blieben aber auch weiterhin nicht aus. 1986 wurden die Häuser Theaterplatz Nr. 2 und 3 zugunsten von Neubauten abgerissen; Das Haus Nr. 4 (Reisebüro Gevers) war schon zuvor neu errichtet worden. Große Veränderungen brachte aber die Anlegung des Zentralen Omnibusbahnhofes zwischen 2006 und 2008. Trotz eines Bürgerbegehrens, welches die Anlegung des Bus-Rendevouz-Platzes auf dem Theaterplatz ablehnte, wurde dort als Ersatz für den Markt, ein solcher Busbahnhof angelegt.
Der 1968 entstandene Bürglaßgarten verschwand wieder und kehrte in seinen alten Umfang zurück. Das Josias-Denkmal wurde versetzt und die Häuser um den Theaterplatz herum von Grund auf saniert. Es bleibt abzuwarten für die Zukunft, wie sich dieser Platz noch weiter verändern wird. Spannend dürfte die Entwicklung des Theaterplatzes auch weiterhin bleiben.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Der Theaterplatz heute (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 2: Der Theaterplatz mit Grünanlage und Prinz-Josias-Denkmal um 1914 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 3: Der erweiterte Bürglaßgarten von 1968 (Foto: Christian Boseckert, 2006)
Bild 4: Der neue Bus-Rendevouz-Platz von 2008 (Foto: Christian Boseckert, 2008)
Häuser der Ketschenvorstadt, Teil 4
Ketschengasse 42
Das dreigeschossige Traufseithaus entstand in der Zeit um 1800 für den Webermeister Johann Anton Christoph Sturm. Die Familie, aus der auch der Gründer der gleichnamigen Brauerei entstammte, hatte den Altbau im Jahre 1793 erworben. Tatsächlich existierte hier im 19. Jahrhundert eine Weberei. 1903 kam das Grundstück in den Besitz der Familie Schramm, die dort ab 1907 ein Lebensmittelgeschäft (Nachfolger Backdie) betrieb. Im Garten des Hauses Richtung Goethestraße befanden sich die Werkstätten der Korbmöbelfabrik Jacob (später Viktoriastraße) und der Glaserei Carl (heute in der Mühlgasse). Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich in dem Gebäude das Geschäft „Fahrzeug-Schneider“. Im Zuge der Ketschengassen-Sanierung wird auch dieses Haus von Grund auf saniert.
Ketschengasse 44
Das zweigeschossige Traufseithaus mit korbbogiger Tordurchfahrt stammt aus der Zeit um 1600. Im Gebäude dürfte allerdings schon seit 1521 eine Hufschmiede bestanden haben. Hier befand sich auch die letzte Hufschmiede Coburgs, die vom Schmiedemeister Karl Schuhmann bis in die 1970er Jahre hinein betrieben wurde. Das Gebäude ist heute ein reines Wohnhaus.
Ketschengasse 46
1694 eröffnete Johann Christoph Sinnlau in dem Hause eine Gaststätte, welche den Namen „Zum Roten Ross“ trug. Wahrscheinlich war der Lokalität auch eine Metzgerei angeschlossen. 1708 wurde das Haus abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt worden. Ab 1736 betrieb der Hofmetzger Christoph Breithut dort nur noch eine Metzgerei, die sich über 200 Jahre halten konnte. Seit 1895 war sie im Besitz des Hofschlachters Emil Köhler – nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Geschäft an verschiedene Metzgermeister verpachtet (zuletzt Fleischerei Halaß). Derzeit ist noch ein Elektrogeschäft in dem Haus untergebracht.
Ketschengasse 48
Die Entstehungszeit dieses Gebäudes datiert die Bauforschung auf das Ende des 18. Jahrhunderts. Als Bauherr käme demnach der Schmiedemeister Johann Andreas Kolb in Betracht. Als Schmiede dürfte das Haus auch in den ersten Jahren benutzt worden sein. Der Laden entstand 1883 für den Schlossermeister und Hausbesitzer Andreas Schuhmann. Seitdem existierte in dem Gebäude auch eine Schlosserei, die schließlich von Ernst Weidmann weitergeführt wurde. Sie existierte bis in die 1970er Jahre hinein. Danach befand sich in dem Geschäft ein Getränkemarkt der Firma Krug aus Lützelbuch. Heute ist das Haus in Privatbesitz, die Räumlichkeiten sind an den Pfadfinderbund Weltenbummler e.V. vermietet.
Ketschengasse 50
Auch in diesem Gebäude existierte seit 1668 eine Hufschmiede, die aber bereits 1759 geschlossen wurde. Seine heutige Gestalt erhielt das Haus 1842. Es wurde für den damaligen Hausbesitzer, den Zimmermeister Ernst Resch, aufgestockt und modernisiert. Seit 1873 befindet sich in dem Gebäude eine Gaststätte. Erster Wirt war seinerzeit der Restaurateur Joseph Reichardt. Ihm folgte 1881 August Görauch nach, von dem Name des Lokals „Görauch´s Gaststätte“ stammte. Ab 1909 wurde die Restauration verpachtet. Heute heißt die Lokalität „bei Adam“ und ist bei Einheimischen sehr beliebt.
Ketschengasse 52
Das heutige Gebäude wurde 1842 im Auftrag von Johann Heinrich Eberhardt errichtet. Die Familie stammte aus Hildburghausen und erwarb das Grundstück im Jahre 1814 von der Rotgerberswitwe Lobenstein. Ab 1870 befand sich in dem Haus eine Gaststätte, die bis 1881 existierte. Danach erwarb der Kaufmann Ludwig Ungelenk das Anwesen und eröffnete dort ein Kolonialwarengeschäft. Dieses existierte bis Anfang der 1960er Jahre. Später konnte man hier das Trachtenstudio Ferschl finden. Heute hat hier der Bäcker Reißenweber eine Filiale.
Ketschengasse 54
Auch das Gebäude Ketschengasse 54 ist neuerem Datums. Es wurde 1863 im Auftrag des Fabrikanten Dr. Friedrich Carl Ortloff durch den Baumeister Wilhelm Streib im klassizistischen Stil errichtet. Aber schon vorher war das Areal mit einem zweistöckigen Haus bebaut. Das neue Gebäude diente von Anfang an als repräsentatives Wohnhaus. 1903 erbte Ortloffs Sohn Paul, von Beruf Major, das Anwesen. Er verkaufte es 1919 an Dr. med. Siegfried Krafft. Das Anwesen besitzt zur Casimirstraße hin einen Garten, der zur Zeit gut einzusehen ist.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
Ansichten der Häuser Ketschengasse 42 bis 54, nebst Gartenanlage Ketschengasse 54 (Fotos: Christian Boseckert, 2010)
Veränderungen – Die Ecke Marschberg / Hutstraße
Wie bereits in den letzten beiden Artikeln festgestellt werden konnte, war die Ecke Marschberg / Hutstraße einer großen städtebaulichen Veränderung unterworfen. Anhand des Vergleichs zweier Fotos soll dies dargestellt werden. Das obere Bild zeigt die Situation der Einmündung beider Straßen in der Zeit um 1970.
Das linke Gebäude Marschberg Nr. 2 entstand 1903 als historistische Kleinvilla mit einem Erker und einem Eckturm. Der Architekt Gustav Keßler hatte es seinerzeit für den Braumeister Reinhold Heymann erbaut. Dieser arbeitete für Coburger Hofbräu AG, deren Brauerei ja ebenfalls an der Einmündung der Hutstraße in den Marschberg lag. Es fällt in diesem Zusammenhang auf, dass viele Arbeiter dieser Brauerei in dem Bereich auch lebten.
Ein weiteres Beispiel wird im Laufe des Artikels noch folgen. Im mittleren hier gezeigten Gebäude Hutstraße Nr. 1 befand sich einst die Gaststätte „Zum Lindenthal“. Das Haus ließ der Gastronom Adam Sachs bereits im Jahre 1868 für sich errichten. Es war damit das älteste Wohngebäude in der Umgebung. Woher die Bezeichnung „Lindenthal“ herrührte, verraten uns die Chroniken nicht. Jedenfalls scheint es so, dass das Lokal einen regen Zuspruch erhielt, was aus der langen Existenz der Gaststätte hervorgeht. Dazu mag auch der Biergarten beigetragen haben, der vor dem Haus an der Einmündung beider Straße lag.
Auf der Aufnahme von 1970 ist dieser bereits verschwunden. Er musste bereits zuvor neuen Parkplätzen weichen. So kann man nur erahnen, wie es dort vorher aussah. Vor diesem Biergarten stand einst, bis 1956, der sogenannte „Ölberg- oder Hölberlesbrunnen“ von dem schon an anderer Stelle die Rede war. Im Jahre 1970 findet sich dort eine wenig schmucke Bushaltestelle. Nach dem Tode von Adam Sachs 1898, erbte dessen Sohn Andreas das Anwesen. Er selbst arbeitete als Büttnermeister bei der Coburger Hofbräu AG. Es scheint, als hätten die Brauerei-Angestellten aufgrund des großen wirtschaftlichen Erfolges ihres Unternehmens, ebenfalls davon gut profitiert.
Wie sein Arbeitskollege Heymann ließ sich auch Sachs auf dem hinteren Gartengrundstück seines Anwesens im Jahre 1908 eine dreistöckige Villa errichten. Diese Villa mit Eckturm ist auf unserem Foto auf der rechten Seite des Bildes gut zu erkennen. Sie trug einst die Adresse Hutstraße Nr. 3 und wurde fortan von der Familie Sachs bewohnt. Als Andreas Sachs während des Ersten Weltkrieges verstarb, verkaufte dessen Witwe das Gasthaus an den Wirt Wilhelm Müller. Die Familie Sachs indes ist noch bis 1955 als Eigentümer der Villa Hutstraße Nr. 3 nachweisbar.
Beide Häuser der Familie teilten schließlich noch ein gemeinsames Schicksal – sie wurden nach 1989 im Zuge des Baus der Frankenbrücke abgebrochen. Wie auf dem aktuellen Foto zu sehen ist, thront heute nur noch die Heymann´sche Villa über der Einmündung der Hutstraße in den Marschberg. Sie war bis Mitte der 1950er Jahre im Besitz der Familie Heymann. Die Gaststätte „Zum Lindenthal“ existierte noch weit nach 1945. Anfang der 1950er Jahre verkaufte die Gastwirtswitwe Alma Müller Haus und Lokal an die Coburger Hofbräu AG. Es folgte schließlich die Verpachtung der Gaststätte, u.a. an den Gastronomen August Hose und an eine Familie Kunze. Anfang der 1980er Jahre wurde das Wirtshaus in „Hofbräustuben“ umgenannt und genoss keinen sonderlich guten Ruf mehr. Zuletzt versuchte hier ein Italiener mit einer Pizzeria sein Glück. Der letzte Hauseigentümer, die Paulaner AG München als Nachfolger der Coburger Hofbräu AG, verkaufte schließlich das Haus an die Bundesrepublik Deutschland. Das Haus Hutstraße Nr. 3 gehörte nach der Ära Sachs einer Familie Kühn. Im Erdgeschoss befand sich seinerzeit ein Friseursalon. Aber auch das ist inzwischen Geschichte.
Die abgerissenen Häuser lassen heute einen Blick zum Anwesen Hutstraße Nr. 5 zu. Es bildet den Auftakt zu einer Reihe von einfachen Wohnhäusern, die der Baumeister Bernhard Felber 1873 auf eigene Rechnung errichten ließ. Hier lebten vor allem kleine Handwerker, wie die Adressbücher Coburgs berichten. Das hier zu sehende Gebäude erwarb 1876 der Malermeister Carl Held. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Anwesen den Familien Döll und Kühner. Die Frankenbrücke wurde 1994 durch den Coburger Oberbürgermeister Norbert Kastner eingeweiht. Sie hat das verkehrstechnische Nadelör am Schlachthof entfernt. Doch bis heute bleibt die Frankenbrücke ein umstrittenes Objekt, auch weil ihr über 20 Wohnhäuser zum Opfer fallen mussten.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Die heutige Situation 2010 (Foto: Christian Boseckert)
Bild 2: Die Situation um 1970 (Fotosammlung: Christian Boseckert)
Bild 3: Gasthaus Lindenthal und die Situation Weichengereuth gegen 1970, Quelle: Archiv Heinz Schuler
Häuser der Ketschenvorstadt, Teil 3
Ein architektonisch auffallendes Gebäude in der Ketschengasse ist das Haus Nr. 27, besser bekannt als „Cafe Prinz Albert“. Eine sehr interessante Geschichte kann dieses Gebäude uns heute erzählen.
Ursprünglich stand hier das städtische Narrenhaus. Es wurde 1531 beim Inneren Ketschentor, das zwischen dem Haus Ketschengasse 25 (heute Modegeschäft Reiter) und dem Flachbau des Orthopädiegeschäfts Brünner lag, errichtet. Im Narrenhaus waren seinerzeit Menschen mit diversen Geisteskrankheiten untergebracht. Sie durften sich jedoch frei bewegen, waren aber durch eine spezielle Narrenkleidung schon weitem zu erkennen. Bei begangenen Straftaten konnten Narren dafür nicht belangt werden. Sie genossen, wie das Sprichwort schon sagt, Narrenfreiheit.
1719 verkaufte die Stadt das Gebäude an den Bäckermeister Michael Lautensack, der dort ein neues Wohnhaus mit zwei Stockwerken und zwei Stuben errichtete. In den folgenden Jahren wechselten oft die Hauseigentümer bis 1823 der Müllermeister Johann Carl Wittig das Anwesen durch Tausch erwarb. Wittig eröffnete in dem Gebäude eine Konditorei, welche die lange Tradition des Hauses bis hin zum Cafe Prinz Albert begründete.
Im Jahre 1863 gelangte das Grundstück in den Besitz des Konditormeisters Julius Ruprecht, der das alte Haus abreißen ließ. An seiner Stelle entstand das heutige Gebäude Ketschengasse 27 mit zweistöckigem Erker, im englischen Stil gehalten. Der Name des Baumeisters ist bis heute jedoch unbekannt.
Unter Ruprechts Nachfolger Gustav Heinrich, der ab 1870 hier eine Konditorei betrieb, entwickelte sich das Unternehmen zum Hoflieferanten. Auch ein Cafe wurde jetzt der Konditorei angeschlossen. Schon bald entwickelte sich das Kaffeehaus zu einem beliebten Treffpunkt für Damenkränzchen und Gesellschaften. Im Jahre 1905 kam das Aus für Konditorei und Cafe. Der Mützenmacher und Kürschnermeister Robert Bergmann erwarb seinerzeit das Gebäude und richtete im Erdgeschoss sein Ladengeschäft ein, wo er u.a. auch Schülermützen verkaufte. Da störte ein Cafe nur. In den darauf folgenden Jahren wechselten jedoch die dort ansässigen Geschäfte häufiger. In den 1930er Jahren befand sich hier eine BACKDIE-Filiale, ein Lebensmittelgeschäft vergleichbar mit heutigen Supermarkt-Ketten. Ab 1937 befand sich im 1. Obergeschoss des Hauses das Büro der Kohlenhandlung Alfred Bauer (Nachfolger Henkel). Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Modehaus. Bekannte Firmen wie Kaspar (heute auf dem Markt) Reuther (später in der Spitalgasse) und Matzer & Worsch (heute auf der Mauer) hatten hier ihren Sitz bzw. eine Filiale. Zu dieser Zeit entstanden auch die großen Schaufenster, die eigentlich für ein neugotisches Gebäude völlig ungewöhnlich sind.
In den 1970er Jahren befand sich das Brautstudio Reiter in den Geschäftsräumen des Hauses. Die Wiederaufnahme der alten Konditorei-Tradition erfolgte erst wieder im Jahre 1983. Ein Nachfahre der Kohlenhändler-Familie Henkel, die das Grundstück seinerzeit besaßen, erlernte in der bekannten Konditorei Schubart sein Handwerk und machte sich schließlich 1983 selbstständig. Dabei wurde das Haus komplett umgebaut und im 1. Obergeschoss ein Etagencafe eingerichtet, während im Parterre wieder eine Konditorei eingerichtet wurde. Das Cafe erfreute sich einer großen Beliebtheit in der Coburger Bevölkerung. So entwickelte sich das Kaffeehaus zu einer beliebten Einkehrstätte für Bürger und Besucher, in der Kaffee, Kuchen oder sogar kleine Gerichte zum Verweilen einluden Im Frühjahr 1999 übernahm die Familie Schubart das Lokal und betreibt es bis in unsere Gegenwart hinein. Die letzte Fassadensanierung liegt inzwischen zehn Jahre zurück. Das Cafe Prinz Albert erfreut sich heute noch über guten Zuspruch bei den Coburgern. Es bleibt zu hoffen, dass die Umgestaltungsmaßnahmen in der Ketschengasse und am Albertsplatz dem keinen Abbruch leisten.
Text:
Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Das Haus Ketschengasse 27 in der Gegenwart (Foto: Christian Boseckert, 2009)
Re: Der braune Fleck
Die Blog-Kollegen von Vesteblick hatte wieder eine interessante Frage zum Thema Coburg >>>hier aufgeworfen. Am Eckhaus Mohrenstrasse/Webergasse, dem Haus Webergasse 35, erbaut 1893 von Johannes Köhler, vielen noch als “Stempel-Scheler”-Haus bekannt, fällt an der Fassade ein brauner Fleck auf, der für einen Teil dunkle Coburger Geschichte steht.
Zunächst zum Fleck selbst. An dieser Stelle war ein altes blaues Strassenschild befestigt. Heute sind diese ja weiß. Das alte blaue Hinweis-Schild “Zum Bahnhof” ist noch vorhanden und auf dem Bild oben links neben dem Fleck sichtbar.
Was hat das nun mit der dunklen Vergangenheit zu tun? Die Mohrenstrasse, der der Schutzpatron unserer Stadt, der heilige Mauritius, Namenspate stand, hatte zur NS-Zeit einen anderen Namen, der 1945 ausgelöscht wurde. Von dieser “Löschung” zeugt eben dieser braune Fleck (vielleicht wissen ja die Leserinnen und Leser, ob hier anschließend noch ein “Mohrenstrasse-Schild” hing).
Auch der namenslose Platz am Stadtcafe, auf dem der Gerberbrunnen steht, hieß zur Nazi-Zeit “Platz der alten Garde”. Im Volksmund wurde aber auch zu dieser Zeit diese Ecke nur der “Gräfsblock” (>>>hier gibt es weitere Infos) genannt.
Vielen Dank an Christian Boseckert vom coburg-magazin-forum, der uns stets mit interessanten Beiträgen über Coburg versorgt, für den Tipp mit den Strassenschildern.


















