Der Theaterplatz


Der Theaterplatz heute (Foto: Christian Boseckert, 2010)

Einer der wichtigsten Plätze Coburgs ist, verkehrstechnisch gesehen, der Theaterplatz, auf dem im Jahre 2008 der zentrale Bus-Rendevouz-Platz der Stadt eingeweiht wurde. Was vielleicht viele gar nicht wissen ist die Tatsache, dass dieser Platz nicht historisch gewachsen ist, sondern erst vor ca. 200 Jahren entstanden ist.

Ursprünglich verlief hier die innere Stadtmauer entlang. Sie führte vom Spitaltor über den heutigen Theaterplatz Richtung Schlossplatz und Schloss Ehrenburg. Der Verlauf dieser Befestigungsanlage ist noch an der Baulinie der am Theaterplatz befindlichen Häuser zu erkennen, welche nicht gerade sondern „gebogen“ ist. Dieser Teil der Stadtmauer nannte man seinerzeit die „Rumpelmauer“. Inwiefern die Bezeichnung von Gerümpel herrührt, lässt sich hier nicht sagen. An der Mauer entlang führte ein schmales Gässchen, dessen letzter Rest heute die „Kleine Mauer“ beim Obst- und Gemüsegeschäft Wollandt bildet. Auf der anderen Seite der Mauer lag der Stadtgraben, der von Quellen im Pilgramsroth gespeist wurde. Auf Seiten des Bürglaßgartens, der mit einer hohen Gartenmauer umschlossen war, befand sich eine Straße, die über die Georgengasse zu erreichen war. Sie führte bis zum Oberen Bürglaß hin.

Nachdem die Stadtmauer als Befestigungsanlage während des 18. Jahrhunderts ausgedient hatte, wurde sie schließlich im Jahre 1815 im Bereich des Theaterplatzes abgebrochen und der Stadtgraben zugeschüttet. Durch diese Maßnahmen entstanden nicht nur neue Häuser, wie zum Beispiel die Stadtvilla Theaterplatz Nr. 10/11 (an deren Stelle befindet sich heute eine Filiale der VR-Bank), sondern auch ein repräsentativer Platz, der noch keinen Namen trug. Zur Verschönerung wurde in der Platzmitte eine Grünanlage angelegt. Die Anlegung des Schlossplatzes ab den 1820er Jahren sollte dann schließlich auch Auswirkungen auf die Ausgestaltung des Theaterplatzes haben. Problematisch dabei waren die zahlreichen Handwerkerhäuser am Platz, die immer noch ein „Hinterhof-Flair“ besaßen. Man löste dieses Problem damit, dass die betreffenden Fassaden durch eine intensive Baumbepflanzung verdeckt wurden. Die Reste dieser Bepflanzung findet sich noch heute als Abgrenzung des Schlossplatzes zur Grafengasse. Andere Gebäudekomplexe wie zum Beispiel die Stahlhütte, eine Schießstätte welche von Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg errichtet wurde, fielen dem Abbruch zum Opfer. Anstelle der Stahlhütte entstand das Landestheater, welches auch zum Namenspatron des Platzes avancierte. Bis 1910 wurden schließlich auch die alten Handwerkerhäuser saniert und so umgebaut, dass sie vorzeigbar waren. Als Beispiel hierfür kann das Gebäude Theaterplatz Nr. 4a (Gaststätte Künstlerklause) erwähnt werden, dass in seiner heutigen Form im Jahre 1871 entstanden ist. Von der Altbebauung existieren noch die Häuser Theaterplatz Nr. 5 (Cafe & Bäckerei Feiler), Nr. 6 (ehemals Gaststätte „Schnellzug“ bzw. „Unicum“) und Nr. 7 (Konditorei Schubart).

Der Theaterplatz mit Grünanlage und Prinz-Josias-Denkmal um 1914 (Sammlung Christian Boseckert)

Eine Aufwertung erfuhr der Theaterplatz 1911, als zu Ehren des Prinzen Friedrich Josias von Sachsen-Coburg und Saalfeld, in der bereits erwähnten Grünanlage, ein Denkmal eingeweiht wurde. Es ist vielleicht noch interessant zu wissen, dass der Theaterplatz ursprünglich zum großen Teil in herzoglichem Besitz war. So verbot die Schlosshauptmannschaft beispielsweise den Kindern auf dem Theaterplatz zu spielen oder gar lärmend über den Platz zu ziehen. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich der Theaterplatz teilweise zu einer vornehmen Wohngegend entwickelt. Weinstuben, Modewaren- und Delikatessen-geschäfte säumten hier den Weg. Zwischendurch schimmerte aber auch immer wieder das handwerkliche Coburg mit Schusterbetrieben und Bierwirtschaften durch. Das hinderte den amerikanischen Konsul aber nicht daran, für einige Jahre am Theaterplatz (im Hause Nr. 10) zu residieren. Viele Jahre blieb der Theaterplatz von verkehrsveränderten Maßnahmen verschont.

Der erweiterte Bürglaßgarten von 1968 (Foto: Christian Boseckert, 2006)

Erst 1968 fand durch die Erweiterung des Bürglaßgartens auf die Grünanlage mit dem Josias-Denkmal eine tiefgreifende Veränderung auf dem Platz statt. Damals verschwand eine von zwei Fahrstraßen, die jeweils beide an dem Josias-Denkmal vorbeiführten. Ein anderer Teil des Theaterplatzes wurde zu einem Parkplatz umgestaltet. Bauliche Veränderungen blieben aber auch weiterhin nicht aus. 1986 wurden die Häuser Theaterplatz Nr. 2 und 3 zugunsten von Neubauten abgerissen; Das Haus Nr. 4 (Reisebüro Gevers) war schon zuvor neu errichtet worden. Große Veränderungen brachte aber die Anlegung des Zentralen Omnibusbahnhofes zwischen 2006 und 2008. Trotz eines Bürgerbegehrens, welches die Anlegung des Bus-Rendevouz-Platzes auf dem Theaterplatz ablehnte, wurde dort als Ersatz für den Markt, ein solcher Busbahnhof angelegt.

Der neue Bus-Rendevouz-Platz von 2008 (Foto: Christian Boseckert, 2008)

Der 1968 entstandene Bürglaßgarten verschwand wieder und kehrte in seinen alten Umfang zurück. Das Josias-Denkmal wurde versetzt und die Häuser um den Theaterplatz herum von Grund auf saniert. Es bleibt abzuwarten für die Zukunft, wie sich dieser Platz noch weiter verändern wird. Spannend dürfte die Entwicklung des Theaterplatzes auch weiterhin bleiben.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Der Theaterplatz heute (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 2: Der Theaterplatz mit Grünanlage und Prinz-Josias-Denkmal um 1914 (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 3: Der erweiterte Bürglaßgarten von 1968 (Foto: Christian Boseckert, 2006)
Bild 4: Der neue Bus-Rendevouz-Platz von 2008 (Foto: Christian Boseckert, 2008)

Der alte Augustengarten am Oberen Bürglaß

Der Prinzen- oder Augustengarten nach Emil Maurer. Auf der linken Bildseite ist das Bürglaßschlößchen zu erkennen. Auf der rechten Seite ist hier die ehemalige Stahlhütte zu sehen (Heute steht dort das Landestheater).(Sammlung Boseckert)

Coburg ist reich an zahlreichen Parks und Parkanlagen. Man denke dabei nur an den Hofgarten. Leider sind auch im Laufe der Jahrhunderte auch einige Gärten wieder verschwunden. Dazu gehört auch der so genannte Prinzen- oder Augustengarten am Oberen Bürglass. Dieser befand sich auf dem Gelände des heutigen städtischen Kindergartens (dem ehemaligen Kyrill-Palais) und der Industrie- und Handelskammer (Palais Edinburgh).

Schöpfer dieser Anlage war Prinz Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld, der letzte Generalfeldmarschall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Dieser kaufte im Jahre 1794 nach dessen Pensionierung das gegenüberliegende Bürglassschlösschen und baute es im klassizistischen Stil um. Nach Fertigstellung des Schlösschens konnte Friedrich Josias dort einziehen. Allerdings störte ihm der alltägliche Blick von seinem Balkon auf die gegenüberliegenden Gebäude. Diese Häuser waren durch eine Brandkatastrophe im Jahre 1775 nur notdürftig wieder aufgebaut worden und waren kein schöner Anblick. Der Prinz entschloss sich daraufhin die Grundstücke zu erwerben und daraus eine Gartenanlage zu machen.
Endlich, im Jahre 1802 konnte mit dem Abbruch der Gebäude begonnen werden. Auf dem Gelände das bis zum heutigen Schlossplatz reichte, wurden Gemüsebeete, Obstbäume und Beerensträucher angelegt. Dazwischen waren Wege aus Kieselsteinen angelegt worden um dort lustwandeln zu können. Durch die hügelige Form des Geländes sah dieser Park wie ein Steingarten aus. An der Seite zur schwarzen Allee hin, ließ Friedrich Josias eine künstliche Ruine mit Zinnen- und Ecktürmchen und einem versteckten Dach errichten.
Warum gerade eine künstliche Ruine? Künstliche Ruinen wurden zunächst als Gestaltungselement in Landschaftsgärten und später auch als Aussichtsturm in der “freien Natur” errichtet. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wandte man sich auch im deutschsprachigen Raum ab vom nun als langweilig erachteten, rationalen Barockpark hin zum emotionalen Landschaftspark. Neben der Anwendung rein gärtnerischer neuer Formen begann man bald, künstliche Grotten und Wasserfälle sowie Tempel und altertümliche Gebäude (meist Adelssitze bzw. Verteidigungsanlagen) in unterschiedlichen Verfallsstadien nachzubauen. Mit dem Erstarken des Bürgertums und dem Aufkommen der Romantik hielten die künstlichen Ruinen Einzug in die “wirkliche” Landschaft, in der Regel als neugotische Nachbildungen verfallender mittelalterlicher Burgen. Im Zuge der Naturbegeisterung wurden diese Bauwerke nun nicht mehr als vorwiegend private, zweckfreie ästhetische Elemente, sondern als Aussichtstürme an landschaftlich herausragenden Stellen dem Volk gestiftet – anfangs von einzelnen Mäzenen, später von Bürgervereinen und ähnlichen Körperschaften. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden in einer beinahe “Aussichtsturm-Manie” an nahezu jeder sich bietenden örtlichen Gegebenheit Türme und Türmchen, die Mehrzahl von ihnen als künstliche Ruinen.
In Coburg wollte man einst auch auf dem Eckardtsberg eine künstliche Ruine errichten. Allerdings fehlten hierzu die finanziellen Mittel, sodass im Coburger Land nur im Schlosspark Rosenau bei Rödental eine Ruine aus dieser Zeit zu finden ist, die nicht mal künstlich ist, sondern den Rest der ehemaligen Befestigungsanlage der Burg Rosenau darstellt.

Dieses Modell, das im Vorsaal des Schlosses Ehrenburg steht, zeigt deutlich den Standort des Prinzengartens. (hier in der linken Bildhäfte). Rechts ist das Bürglaßschlößchen deutlich zu erkennen. Desweiteren sieht man das Bürglaßtor und die alte Stahlhütte (heute steht dort das Landestheater) (Sammlung Boseckert)

Doch zurück zum Augustengarten. Neben der Ruine wurde noch eine Wagenremise, das so genannte Kutschenhaus errichtet das auf dem Gelände des Palais Edinburgh stand. Dieses Gebäude war im gleichen Stil wie die Ruine mit Türmchen und Spitzbogen versehen.
Lange konnte sich Prinz Friedrich Josias an seinen Garten nicht erfreuen. Er starb 1815. Daraufhin ging der Garten in den Besitz von Herzog Ernst I. der ihn, zusammen mit dem Bürglassschlösschen, seiner Mutter, der Herzoginwitwe Auguste Caroline Sophie überließ. Aus dieser Zeit stammt wohl die Bezeichnung „Augustengarten“. Es ist deshalb anzunehmen das Herzogin Auguste diesen Garten oft benutzt hatte.

Der Niedergang der Parkanlage begann mit dem Tode Augustes im Jahre 1831. Während der Bürglaßschlößchen an die katholische Linie des Hauses Coburg ging, blieb der Garten im Besitz von Herzog Ernst I. Dieser hatte allerdings keine Verwendung für eine derartige Anlage. So kam es, das während des Umbaus des Stadtschlosses Ehrenburg der Hofstuckateur Hofmann in der künstlichen Ruine sein Atelier einrichtete und hier die Ornamente zum inneren Ausbau des Residenzschlosses modellierte und in Gips goss. Nach der Fertigstellung der Ehrenburg wurde es auch hier wieder ruhig.

Die heutige Situation des früheren Augustengartens, bebaut durch das Palais Edinburgh und dem Kyrill-Palais (Foto: Christian Boseckert, 2007)

Die heutige Situation des früheren Augustengartens, bebaut durch das Palais Edinburgh und dem Kyrill-Palais (Foto: Christian Boseckert, 2007)

Das endgültige Aus für den Garten kam im Jahre 1847. In diesem Jahr verkaufte Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha das Anwesen am Bürglass an den Coburger Staatsrat Emil Freiherr von Pawel-Rammingen, während der südliche Teil zum Schlossplatz hin, an den Freiherrn von Wangenheim ging. Von Pawel-Rammingen ließ die Anlage einebnen und einreißen und erbaute an der Stelle eine klassizistische Villa, die später unter dem Namen „Kyrill-Palais“ bekannt werden sollte. Doch dies ist eine andere Geschichte. So hat diese Gartenanlage ihr Ende gefunden. Aber wir haben ja noch viele Parks, wie in den Hofgarten oder den Rosengarten, die zu Spaziergängen oder anderen Vorhaben einladen.

Text: Christian Boseckert

Bildnachweise:
Bild 1: Der Prinzen- oder Augustengarten nach Emil Maurer. Auf der linken Bildseite ist das Bürglaßschlößchen zu erkennen. Auf der rechten Seite ist hier die ehemalige Stahlhütte zu sehen (Heute steht dort das Landestheater).(Sammlung Boseckert)
Bild 2: Dieses Modell, das im Vorsaal des Schlosses Ehrenburg steht, zeigt deutlich den Standort des Prinzengartens. (hier in der linken Bildhäfte). Rechts ist das Bürglaßschlößchen deutlich zu erkennen. Desweiteren sieht man das Bürglaßtor und die alte Stahlhütte (heute steht dort das Landestheater) (Sammlung Boseckert)
Bild 3: Die heutige Situation des früheren Augustengartens, bebaut durch das Palais Edinburgh und dem Kyrill-Palais (Foto: Christian Boseckert, 2007)

Der Gasthof “Zum Löwen” am Oberen Bürglaß

Der ehemalige Gasthof "Zum Löwen", heute Maccaroni am Oberen Bürglaß (Foto: Christian Boseckert 2007)

Der ehemalige Gasthof "Zum Löwen", heute Maccaroni am Oberen Bürglaß (Foto: Christian Boseckert 2007)

Coburg besitzt eine Vielzahl traditionsreicher Einkehrstätten. Man denke dabei nur an die „Loreley“ oder das „Goldenen Kreuz“ in der Herrngasse. Doch es gibt noch weitere bedeutsame Lokalitäten in der Vestestadt, die eine lange Vergangenheit vorweisen können. Ein Beispiel hierfür ist das italienische Spezialitätenrestaurant „Maccaroni“ am Oberen Bürglaß, das alten Coburgern noch als Gasthaus „Zum Löwen“ bekannt ist. Hier lässt sich die Geschichte der Gastronomie bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen.

Ursprünglich gehörte das Anwesen einer Familie Hübner, die dort eine Schreinerei betrieb. Das Grundstück bestand damals aus einem zweistöckigen Wohnhaus mit einer großen Tordurchfuhrt in der Mitte, einigen Nebengebäuden und einem Hof. 1846 verkaufte die Familie Hübner ihr Anwesen an den Büttner, Bierbrauer und Bierwirt Johann Peter Spühler. Damit war der Grundstein für die spätere Gaststätte im Hause gelegt. Aufgrund der auf das Gebäude gelegenen Braugerechtigkeit, konnte Spühler in seiner Bierwirtschaft sein selbstgebrautes Bier ausschenken. Geradezu ideal für die Brautätigkeit im Hause, waren die großen Keller unterhalb des Anwesens. Diese Keller erstrecken sich vom Oberen Bürglaß bis an die Allee. Sie bestehen aus einem zentralen Raum mit einem Stollen, der in Richtung Süden führt. Daran schließt sich nach Norden hin ein größerer kreuzgratgewölbter Raum mit Mittelstütze an. Von hier führen zwei längere tonnengewölbte Stollen in Richtung Allee. Richtung Westen folgen auf unterschiedlichen Ebenen drei im Winkel angeordnete und mittels Durchgängen verbundene tonnengewölbte Räume. Die Bauzeit dieser Kelleranlage, die im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller diente, lässt sich nur ungenau datieren. Man schätzt, dass sie zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert entstanden ist. Genauere Quellen fehlen bislang dazu.

Der Bierkeller des Gasthofs "Zum Löwen" an der Allee (Foto: Patrick Aigner)

Der Bierkeller des Gasthofs "Zum Löwen" an der Allee (Foto: Patrick Aigner)

Man weiß jedoch, dass sie seit der Ära Spühler als Bierkeller benutzt wurden. Dieses Bier scheint zur damaligen Zeit einen guten Zuspruch erfahren zu haben, denn erst 1872 gab Johann Peter Spühler seinen Betrieb aus Altersgründen auf. Da aus der eigenen Familie kein Nachfolger zur Verfügung stand, verkaufte Spühler das Anwesen an den Bierwirt und Bierbrauer Jacob Ehrlicher aus Eicha. Ihm gelang es die Hausbrauerei und die Bierwirtschaft erfolgreich weiter zu führen. Davon zeugt ein Gedicht des Coburger Mundart-Poeten Georg „Schursch“ Eckerlein der einst schrieb: „Es besta Halbbier dös hot´s ahm, Beim Ährlicher auf´m Börglaß gam.“ Schon bald schenkte man den Gerstensaft auch außerhalb der Bierwirtschaft, beispielsweise in späteren Gaststätte „Weberstüble“ in der Webergasse aus. Die Beliebtheit des Ehrlicher-Bieres machten auch Investitionen notwendig. 1872 wurde die Anlage eines Braukessels und eines neuen Kühlschiffs im Wohnhaus am Oberen Bürglaß installiert. Ein Jahr später erfolgte die Einrichtung einer Malzdarre. Jacob Ehrlicher indes führte die Brauerei mit angeschlossener Gaststätte bis 1903. Danach verkaufte er das Areal an den Gastronomen Carl Bonengel, der ebenfalls zahlreiche Umbauten durchführte. So ließ er 1910 das Wohnhaus um eine Etage erhöhen und es durch den Maurermeister Christian Renner im Jugendstil umgestalten. Durch diesen Umbau wurde aus der einfachen Bierwirtschaft ein feines Speiselokal, das gerne von den Coburgern besucht wurde. Den Niedergang der Brauerei läutete schließlich der Erste Weltkrieg ein. Aufgrund von Rohstoffproblemen, Mangel an Brauern usw. gab Bonengel 1920 den Braubetrieb auf und verkaufte die Brauerei an die Coburger Hofbräu AG. Er selbst führte aber die Gaststätte noch bis 1927 weiter. Danach erfolgte ein weiterer Umbau durch die Coburger Hofbräu. Es entstanden eine Kegelbahn und der bis heute noch beliebte Wirtsgarten über den Bierkellern. Schon damals existierte dort ein Saalbau, der gerne von Schüler- und Studentenverbindungen genutzt wurde. Auch die Coburger Schlaraffia hatte dort ihre Zusammenkünfte. Heute steht dieses Gebäude leer und harrt einer Nutzung.

Die Kegelbahn des Löwen vor 1929 (AK-Sammlung Norbert Niermann)

Der Name „Zum Löwen“ taucht erstmals 1929 auf. Die Hofbräu verpachtete das Speiselokal an diverse Gastronomen. Der bekannteste unter ihnen war der gebürtige Österreicher Leo Harth, der von 1956 bis 1972 als Wirt im „Löwen“ schaltete und waltete. Nach 1977 übernahm der Italiener Walter Piasini die Gaststätte und machte daraus ein italienisches Spezialitätenrestaurant. Dieses wurde unter der Familie Giuffre als „Dal Passadore“ bis 1998 weitergeführt. Nach einem Besitzer- und Pächterwechsel heißt das Lokal nun „Maccaroni“ und kann ebenso eine große Beliebtheit unter den Einheimischen vorweisen, wie auch der frühere Gasthof „Zum Löwen“.

Text und Fotos: Christian Boseckert