Ein Essay: Kirchen
Kirchen
von Patrick Aigner
Er sah wohl auf dem Weg zur Schule, die Sonne auf den Häuserwänden. So muß es gewesen sein. Er roch wohl in der kühlen Morgenbrise, einer Vergiftung gleich, diese andere Luft. Diese Luft, von der sich keiner mehr ganz erholt. Diese Luft, in der das blüht, was nicht blühen darf. Es wird sich nicht auswachsen. Wir müssen ihn töten. Wenn wir ihn auch heute nicht töten dürfen, müssen wir ihn verhindern. Die Worte seines Mundes sollen niemals fallen auf guten Boden. Wir werden ihn benennen. So lange er nicht weiß, dass er ein solcher ist, werden wir ihm 2000 Jahre Geschichte auf den Rücken binden, und wir werden ihm zeigen, was es es heißt, ein Mensch zu sein. Wir werden die, die seiner Art waren, loben und ehren. Die, die wir, würden sie heute leben, nicht leben lassen dürften. Und wir werden ihm sagen, ein solcher bist du aber nicht. Sie waren aus einem anderen Stoff als du. Wir werden ihm zeigen, wessen Kind er ist und wir werden ihm, während wir ihn streicheln, nahelegen, die Kirchen in den Dörfern verbleiben zu lassen. Freundschaftlich, väterlich. Wir wissen, wir können dieses Spiel nicht gewinnen, aber für Jahrzehnte können wir ihn binden. Er wird uns in dieser Zeit nicht schaden. Wir verstricken ihn in unsere Gesetze und Gebote und lassen ihn an seinem Menschsein verzweifeln. In gewissem Sinne, macht es uns diese Art, sehr leicht. Und doch wird es nicht halten. Das Morgenlicht auf Häuserwänden ist keiner Kirche dienlich.
Dieses Essay über die christlichen Kirchen wurde uns von Patrick Aigner zugeschickt. Lasst die Worte einmal auf euch wirken, die Interpretation überlasse ich euch.
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