Durchblick
Diese Woche startet das Grünflächenamt im Hofgarten mit Baumpflegearbeiten (>>>klick). Der seit 1857 als Landschaftsgarten umgestaltete Hofgarten soll systematisch gepflegt werden und der Blick ins Veilchental wieder frei werden.
Bereits früher pflegte man den sogenannten Durchblick, ein frei geschnittener Blick auf Höhe der ehemaligen Zaren- bzw. Hofgartenvilla, heute steht hier das DiakonischeZentrum, zum Schloss Callenberg. Dieser Durchblick wurde vermutlich im Rahmen der Umgestaltung des Kinderspielplatzes nicht weiter gepflegt und ist heute zugewachsen. Die Holzgeländer wurden entfernt.
Ein Einbruch ins Herzogliche Mausoleum im Coburger Hofgarten
Der Hofgarten und sein Mausoleum sind gegenwärtig im Besitz der Stadt Coburg. Diese ist laut Vertrag von 1919 für ihre Erhaltung verpflichtet. Der Bausenat der Stadt hatte deshalb am 18. Mai 1983 einer Sanierung des Herzoglichen Mausoleums im Hofgarten zugestimmt, welche dann im Jahr darauf gründlich durchgeführt wurde.
Darauf soll aber hier nicht eingegangen werden. Jedoch sind einige geschichtliche Daten und Hinweise erforderlich, die das Fürstenpaar, welches dort begraben liegt, betreffen.

Das Herzogs-Paar Franz Friedrich Anton und Auguste Caroline Sophie (aus Bachmann/Aumann: Coburg und Europa (Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft 11, Coburg 1997)
Das Mausoleum, dessen Architekt leider bis heute noch nicht festgestellt werden konnte, ließ Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha in den Jahren 1816 und 1817 seinen Eltern Franz Friedrich Anton (gestorben 1806) und Auguste Caroline Sophie (gestorben 1831) errichten. Dieses Herzogspaar hatte vier Söhne und fünf Töchter, von denen allerdings ein Sohn und eine Tochter im Kindesalter verstorben sind. Durch eine geschickte Heiratspolitik des Herzogshauses entstanden Verbindungen zu fast allen Königshäusern Europas.
Am 9. Dezember 1817 wurde Franz Friedrich Anton und im November 1831 seine Gemahlin Auguste Caroline Sophie im Mausoleum beigesetzt. Aber schon neun Monate nach dem letzten Begräbnis, in der Nacht vom Samstag, den 18. August zum Sonntag, dem 19. August 1832, wurde die Gruft durch einen Einbruch geschändet. Ein morgendlicher Spaziergänger hörte laute Hilferufe aus dem Inneren des Mausoleums. Er stellte fest, dass die eiserne Gittertüre des Eingangs geschlossen, aber die Falltüre zur eigentlichen Gruft gewaltsam geöffnet war. Der Spaziergänger vermutete sofort, dass ein Mensch in böswilliger Absicht in die unterirdische Gruft eingebrochen war und sich aus seiner unheimlichen Lage nicht mehr befreien konnte. Kurzentschlossen eilte er zur Polizei, die den Einbrecher aus seinem grauenvollen Gefängnis herausholte, seine Personalien feststellte und ihn eingehend verhörte.
Der Einbrecher war der Schlossergeselle Andreas Stubenrauch aus Hofheim in Unterfranken. Dieser hatte sich am Samstagabend in verschiedenen Wirtshäusern Mut angetrunken, sich dann mit dem notwendigen Einbrecherwerkzeug versehen und dabei auch nicht Feuerzeug und Talglichter vergessen. Man musste zu jener Zeit noch mit Stahl, Feuerstein und Zündschwamm Licht machen. Der Weg zum Hofgartenmausoleum war damals nicht so bequem wie heutzutage. Die Arkaden mit den Treppenaufgängen und der Weg, der an der Reithalle vorbeiführt, waren noch nicht gebaut. An der Stelle des jetzigen mittleren und oberen Hofgartens lagen seinerzeit noch Privatgärten. Man konnte deshalb nur von der Festungsstraße, vorbei an den Zäunen verschiedener Gärten, zum Mausoleum gelangen.
Doch zurück zum Thema. In der Dämmerung schlich sich Stubenrauch zum Hofgarten-Mausoleum. Das Schloss der eisernen Gittertür konnte er mit seinen Schlüsseln und Dietrichen nicht öffnen. Die Stäbe des Gitters ließen aber oben so viel Platz, dass er hindurch kriechen konnte. Innen boten ihm die starken Eichenbohlen der Falltüre ein so starkes Hindernis, das er nur mit einem Brecheisen zu überwinden vermochte. Beim Schein des Talglichtes erblickte er in einer Tiefe von drei Metern die beiden Särge. Aber eine Treppe führte nicht hinab. Der Einbrecher glaubte sich helfen zu können. Er holte sich aus einem benachbarten Garten einen Pfahl. Beim Versuch, daran hinab zu gleiten, stürzte er in die Gruft. Es war ihm sofort klar, dass er mit Hilfe des etwas zu kurzen Pfahles nicht mehr heraus steigen konnte. Umgeben von den Schauern der Verwesung musste er die Nacht in der Gruft zubringen. Er gab aber seinen teuflischen Plan nicht auf und machte sich daran, den Sarg der Herzogin zu öffnen, den er im Schein seines Talglichtes von dem älteren Sarg des Herzogs unterscheiden konnte. Große Schwierigkeiten bereitete ihm das Öffnen des Sargdeckels. Es gelang ihm nur, diesen etwas zu heben. Aber was er gesucht hatte, fand er nicht. Die Leiche der Herzogin war nur mit einem schwarzen Samtkleid ohne jeglichen Schmuck bekleidet. Die grauenhafte Arbeit war umsonst gewesen. Schon der nächtliche Aufenthalt war für Stubenrauch eine Strafe. Man erzählte sich später in Coburg, dass das Haar des Einbrechers in der Schreckensnacht völlig ergraut wäre.
Stubenrauch, auf frischer Tat ertappt, legte ein offenes Geständnis ab und wurde 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Freilassung war er wiederholt straffällig. Im Jahre 1854 fand man in einem Waldstück bei Hofheim seine Leiche. Ein leerer Geldbeutel und eine leere Schnapsflasche waren seine ganze Habe. Er hatte sich selbst gerichtet. Der Gruftschänder endete als Selbstmörder. Damit war die Geschichte des ersten Einbruchs in das Herzogliche Mausoleums zu Ende gegangen. Doch 120 Jahre später, sollte sich dies noch einmal wiederholen, doch dass ist eine andere Geschichte.
Text: Christian Boseckert
Bildquellen:
Bild 1: Das Herzogliche Mausoleum im Hofgarten (Foto © S.Peter)
Bild 2: Das Herzogs-Paar Franz Friedrich Anton und Auguste Caroline Sophie (aus Bachmann/Aumann: Coburg und Europa (Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft 11, Coburg 1997)
Bild 3: Das eiserne Tor des Mausoleum (Foto © S.Peter)
Ski und Rodel gut!
Nachdem dieses Jahr definitv die Goldmarie und nicht die Pechmarie bei Frau Holle gastiert, sind die Rodelverhältnisse in Coburg so gut, dass man für den Schlittenspaß nicht nach Thüringen ausweichen muss. Die bekannten Pisten im Hofgarten oder bei Schloß Callenberg sind (nachdem der Neuschnee “niedergemacht” wurde) prima befahrbar, die Snowboarder im Hofgarten, die die Vesteblick-Kollegen sahen (>>> hier geht’s lang), können wir bestätigen.
Übrigens, früher gab es bereits Skifahrer im Hofgarten. Die offiziellen Coburger Stadtmeisterschaften wurden im großen Veilchental ausgerichtet. Wer genau sucht, kann oben am Ende des Hofgartens noch die Markierungen (Grüne und Rote Piste) finden. Bekannt war / ist auch die Todesbahn im Veilchengarten. Aber auch eine Sprungschanze gab es (keine Schneeaufschüttung, sondern eine Holzkonstruktion) – allerdings auf der anderen Seite des Festungsbergs Richtung Gustav-Freytag-Weg. Hier waren wohl wahnsinnige Weiten von ca. 20m möglich.
Zum Thema “Skifahren in Coburg” wurde sogar 1900 eine Scherzpostkarte herausgegeben, die den Hofgarten als Gletschergebiet zeigt.
Wo rodeln die Coburger denn sonst noch in Coburg?
Die Ursprünge des Hofgartens
Mit Recht sind die Coburger stolz auf ihren Hofgarten, ist er doch eine Zierde und ein Erholungsgebiet, wie wir sie nicht oft in Deutschland finden. Über dessen Geschichte, ist dem normalen Coburger jedoch wenig bekannt. Die Ursprünge des Hofgartens gehen auf das Ende des 17. Jahrhunderts zurück, als 1680 mit dem Einzug des Herzogs Albrecht III. Coburg wieder zu einer Residenzstadt wurde. Albrecht III. war sehr daran gelegen Coburg zu einer Residenzstadt auszubauen, der aber zu Anfang ein fürstlicher Park, wie viele andere deutschen Kleinstaaten ihn schon hatten, fehlte. Deshalb beauftragte der Herzog den Architekten Justinus Bieler aus Saalfeld einen Hofgarten zu schaffen, denn die vorhandene Grünanlage beim Ballhaus am Schlossplatz (heute stehen dort die Arkaden), reichte den repräsentativen Ansprüchen eines Fürsten in der Barockzeit nicht mehr aus.
Bieler hatte bereits Erfahrung mit Parkanlagen gesammelt, da er schon vorher bereits einige kleine Fürstenhöfe in Thüringen verschönert hatte. Nun ging er mit vollem Elan an die neue Aufgabe heran, sodass bereits 1680 der Plan zur Anlegung eines Hofgartens entstanden ist. Die Urzelle des Coburger Hofgartens war der Probstacker, der sich bereits im herzoglichen Besitz befand und sich im Süden von der Leopoldstraße bis hinauf zum heutigen Herzog-Alfred-Brunnen erstreckte. Sein Name leitete sich von der, einst hinter der Moritzkirche befindlichen Propstei des Benediktinerklosters Saalfeld ab, die auch Eigentümerin des nahe gelegenen Probstgrundes war. Nach der Reformation ging in Coburg der kirchliche Besitz in landesherrliches bzw. städtisches Eigentum über. Das ganze Gebiet des Ur-Hofgartens teilte Bieler dem Zeitgeschmack entsprechend rechtwinklig und im Stil eines italienischen Hanggartens terrassenförmig ein.
Der Park sollte sportlichen, ästhetischen und praktischen Zwecken dienen, so legte er im nördlichsten Teil auf Höhe des jetzigen Herzog-Alfred-Brunnens und ein Stück davor den „oberen Baumgarten“ an, in dem Bieler auch zwei Pavillons vorsah, die aber erst 1754 gebaut und als „Lustbäulein und Theehäuser“ Verwendung fanden. Davor lag der dreigeteilte Park, indem von oben nach unten sich die „Schieß- und Exerzierplätze“ und dann weiter nach Süden sich ein breites Mittelfeld anschloss, welches als „Lust- und Blumenquartier“ bezeichnet wurde. Dieser Teil war von Parallelwegen und einem Mittelweg durchzogen, der am Ende von einem „herrschaftlichen Lustgebäude“, welches sich ungefähr auf Höhe der heutigen Zinnenmauer befand, abgeschlossen war. Links und rechts von diesem Gebäude rundeten vermutlich Pavillons das Gesamtkunstwerk ab. Der Mittelweg stand allerdings nicht im Bezug zum Zugang, denn dieser erfolgte über einen von Südwesten heranführenden Weg, der seitlich zur linken Baumallee führte oder zunächst parallel zur südlichen Gartenmauer, dann in der Hauptachse abknickend zum „Lustgebäude“. Dieser Verlauf entspricht dem heutigen breiten Weg an der Reithalle vorbei in Richtung Kleiner Rosengarten und Großem Kinderspielplatz. An das Mittelfeld grenzten rechts und links quadratische Felder an, die der „Heranzucht von Küchengewächsen“ und als Blumenbeete dienten. An den beiden äußersten Seiten befanden sich zwei einreihige Baumalleen, die den Park nach Westen und Osten begrenzten.
Der heutige Kleine Rosengarten war der südlichste Teil dieses Hofgartens, welcher in vier Grünflächen aufgeteilt war. Dort grenzte das Hofgärtnerhaus, welches heute noch in etwas veränderter Form steht, den Park nach Süden ab. Ein weiteres Relikt aus dieser Zeit ist der “Lustbrunnen”, welcher an der Zinnenmauer des Kleinen Rosengartens angelehnt ist. Er bot wahrscheinlich der Hofgesellschaft Herzog Albrechts III. beim Lustwandeln einen erfrischenden Trunk an. Begrenzt wurde dieser von einer zwei Meter hohen Mauer, deren Reste heute noch u.a. bei den Grundstücken Park 3 und 3a, sowie beim Hofgärtnerhaus noch zu sehen sind. Das bedeutete, dass nur die herzogliche Familie Zutritt zum Park hatte und das gemeine Volk außen vor blieb.Diese Mauer wurde bei der Erweiterung des Hofgartens von 1856/57 zum größten Teil entfernt, als man daran ging den Hofgarten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wann nun der Hofgarten genau angelegt wurde ist allerdings nicht aus den Akten ersichtlich, lediglich erwähnen diese, dass die für den Bau notwendigen Abmessungen im März 1682 stattfanden. Von den Bäumen der ersten Zeit waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch einige Exemplare vorhanden. Auf einer alten Abbildung kann man erkennen, dass sie im Schnitt gehalten wurden, dass also die erste Anlage im Rokokostil ausgeführt wurde. Leider haben sich aus der Zeit danach nur wenige Belege und Akten über das Aussehen und den Geschehnissen im und um den Hofgarten herum erhalten. Dies änderte sich erst als 1816/17 Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld für seine Eltern das Hofgartenmausoleum errichten ließ. Doch das ist eine andere Geschichte.
Text: Christian Boseckert (mit freundlicher Genehmigung)
Weitere Bilder zum Hofgarten gibt es in den herbstlichen Impressionen >>> hier <<<.
Herbstimpressionen aus dem Hofgarten

Die Wächter im Hofgarten, Foto © S.Peter
Vor ein paar Tagen, als das Wetter noch eher früh-herbstlich denn nass-kalt war, habe ich die versucht, die herbstliche Stimmung im Hofgarten einzufangen. Hier sind nun ein paar Eindrücke. Viel Spaß!









