Historischer Zustand des Ketschentores

Sieht so das Ensemble um das Ketschentor künftig aus? Foto: © S.Peter

Seit 1945 gibt es sie: die zweite Durchfahrt in die Ketschengasse direkt neben dem Ketschentor. Das damalige Haus Ketschengasse 56 wurde nach mehreren Kriegsschäden abgebrochen und das Gelände wurde freigelassen  (von den amerikanischen Besatzungsfahrzeugen als Zufahrt von Süden her genutzt). 1956 wird die Baulücke wieder geschlossen. Der Stadtrat beschließt eine zweite Spur durch das Ketschentor und im Rahmen der 900-Jahr-Feier wird die Durchfahrt dem Tor angepasst (schließlich verlief zu dieser Zeit die B4 direkt über den Markt!).

Nun soll im Zuge der Sanierung der Ketschenvorstadt der Original-Zustand des Tores als einspurige Zufahrt wieder hergestellt werden. Was meinen die Leserinnen und Leser dazu?

Häuser der Ketschenvorstadt, Teil 4

Ketschengasse 42
Das dreigeschossige Traufseithaus entstand in der Zeit um 1800 für den Webermeister Johann Anton Christoph Sturm. Die Familie, aus der auch der Gründer der gleichnamigen Brauerei entstammte, hatte den Altbau im Jahre 1793 erworben. Tatsächlich existierte hier im 19. Jahrhundert eine Weberei. 1903 kam das Grundstück in den Besitz der Familie Schramm, die dort ab 1907 ein Lebensmittelgeschäft (Nachfolger Backdie) betrieb. Im Garten des Hauses Richtung Goethestraße befanden sich die Werkstätten der Korbmöbelfabrik Jacob (später Viktoriastraße) und der Glaserei Carl (heute in der Mühlgasse). Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich in dem Gebäude das Geschäft „Fahrzeug-Schneider“. Im Zuge der Ketschengassen-Sanierung wird auch dieses Haus von Grund auf saniert.

Ketschengasse 44
Das zweigeschossige Traufseithaus mit korbbogiger Tordurchfahrt stammt aus der Zeit um 1600. Im Gebäude dürfte allerdings schon seit 1521 eine Hufschmiede bestanden haben. Hier befand sich auch die letzte Hufschmiede Coburgs, die vom Schmiedemeister Karl Schuhmann bis in die 1970er Jahre hinein betrieben wurde. Das Gebäude ist heute ein reines Wohnhaus.

Ketschengasse 46
1694 eröffnete Johann Christoph Sinnlau in dem Hause eine Gaststätte, welche den Namen „Zum Roten Ross“ trug. Wahrscheinlich war der Lokalität auch eine Metzgerei angeschlossen. 1708 wurde das Haus abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt worden. Ab 1736 betrieb der Hofmetzger Christoph Breithut dort nur noch eine Metzgerei, die sich über 200 Jahre halten konnte. Seit 1895 war sie im Besitz des Hofschlachters Emil Köhler – nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Geschäft an verschiedene Metzgermeister verpachtet (zuletzt Fleischerei Halaß). Derzeit ist noch ein Elektrogeschäft in dem Haus untergebracht.

Ketschengasse 48
Die Entstehungszeit dieses Gebäudes datiert die Bauforschung auf das Ende des 18. Jahrhunderts. Als Bauherr käme demnach der Schmiedemeister Johann Andreas Kolb in Betracht. Als Schmiede dürfte das Haus auch in den ersten Jahren benutzt worden sein. Der Laden entstand 1883 für den Schlossermeister und Hausbesitzer Andreas Schuhmann. Seitdem existierte in dem Gebäude auch eine Schlosserei, die schließlich von Ernst Weidmann weitergeführt wurde. Sie existierte bis in die 1970er Jahre hinein. Danach befand sich in dem Geschäft ein Getränkemarkt der Firma Krug aus Lützelbuch. Heute ist das Haus in Privatbesitz, die Räumlichkeiten sind an den Pfadfinderbund Weltenbummler e.V. vermietet.

Ketschengasse 50
Auch in diesem Gebäude existierte seit 1668 eine Hufschmiede, die aber bereits 1759 geschlossen wurde. Seine heutige Gestalt erhielt das Haus 1842. Es wurde für den damaligen Hausbesitzer, den Zimmermeister Ernst Resch, aufgestockt und modernisiert. Seit 1873 befindet sich in dem Gebäude eine Gaststätte. Erster Wirt war seinerzeit der Restaurateur Joseph Reichardt. Ihm folgte 1881 August Görauch nach, von dem Name des Lokals „Görauch´s Gaststätte“ stammte. Ab 1909 wurde die Restauration verpachtet. Heute heißt die Lokalität „bei Adam“ und ist bei Einheimischen sehr beliebt.

Ketschengasse 52
Das heutige Gebäude wurde 1842 im Auftrag von Johann Heinrich Eberhardt errichtet. Die Familie stammte aus Hildburghausen und erwarb das Grundstück im Jahre 1814 von der Rotgerberswitwe Lobenstein. Ab 1870 befand sich in dem Haus eine Gaststätte, die bis 1881 existierte. Danach erwarb der Kaufmann Ludwig Ungelenk das Anwesen und eröffnete dort ein Kolonialwarengeschäft. Dieses existierte bis Anfang der 1960er Jahre. Später konnte man hier das Trachtenstudio Ferschl finden. Heute hat hier der Bäcker Reißenweber eine Filiale.

Ketschengasse 54
Auch das Gebäude Ketschengasse 54 ist neuerem Datums. Es wurde 1863 im Auftrag des Fabrikanten Dr. Friedrich Carl Ortloff durch den Baumeister Wilhelm Streib im klassizistischen Stil errichtet. Aber schon vorher war das Areal mit einem zweistöckigen Haus bebaut. Das neue Gebäude diente von Anfang an als repräsentatives Wohnhaus. 1903 erbte Ortloffs Sohn Paul, von Beruf Major, das Anwesen. Er verkaufte es 1919 an Dr. med. Siegfried Krafft. Das Anwesen besitzt zur Casimirstraße hin einen Garten, der zur Zeit gut einzusehen ist.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Ansichten der Häuser Ketschengasse 42 bis 54, nebst Gartenanlage Ketschengasse 54 (Fotos: Christian Boseckert, 2010)

Häuser der Ketschenvorstadt, Teil 3

Das Haus Ketschengasse 27 in der Gegenwart (Foto: Christian Boseckert, 2009)

Ein architektonisch auffallendes Gebäude in der Ketschengasse ist das Haus Nr. 27, besser bekannt als „Cafe Prinz Albert“. Eine sehr interessante Geschichte kann dieses Gebäude uns heute erzählen.
Ursprünglich stand hier das städtische Narrenhaus. Es wurde 1531 beim Inneren Ketschentor, das zwischen dem Haus Ketschengasse 25 (heute Modegeschäft Reiter) und dem Flachbau des Orthopädiegeschäfts Brünner lag, errichtet. Im Narrenhaus waren seinerzeit Menschen mit diversen Geisteskrankheiten untergebracht. Sie durften sich jedoch frei bewegen, waren aber durch eine spezielle Narrenkleidung schon weitem zu erkennen. Bei begangenen Straftaten konnten Narren dafür nicht belangt werden. Sie genossen, wie das Sprichwort schon sagt, Narrenfreiheit.
1719 verkaufte die Stadt das Gebäude an den Bäckermeister Michael Lautensack, der dort ein neues Wohnhaus mit zwei Stockwerken und zwei Stuben errichtete. In den folgenden Jahren wechselten oft die Hauseigentümer bis 1823 der Müllermeister Johann Carl Wittig das Anwesen durch Tausch erwarb. Wittig eröffnete in dem Gebäude eine Konditorei, welche die lange Tradition des Hauses bis hin zum Cafe Prinz Albert begründete.

Im Jahre 1863 gelangte das Grundstück in den Besitz des Konditormeisters Julius Ruprecht, der das alte Haus abreißen ließ. An seiner Stelle entstand das heutige Gebäude Ketschengasse 27 mit zweistöckigem Erker, im englischen Stil gehalten. Der Name des Baumeisters ist bis heute jedoch unbekannt.
Unter Ruprechts Nachfolger Gustav Heinrich, der ab 1870 hier eine Konditorei betrieb, entwickelte sich das Unternehmen zum Hoflieferanten. Auch ein Cafe wurde jetzt der Konditorei angeschlossen. Schon bald entwickelte sich das Kaffeehaus zu einem beliebten Treffpunkt für Damenkränzchen und Gesellschaften. Im Jahre 1905 kam das Aus für Konditorei und Cafe. Der Mützenmacher und Kürschnermeister Robert Bergmann erwarb seinerzeit das Gebäude und richtete im Erdgeschoss sein Ladengeschäft ein, wo er u.a. auch Schülermützen verkaufte. Da störte ein Cafe nur. In den darauf folgenden Jahren wechselten jedoch die dort ansässigen Geschäfte häufiger. In den 1930er Jahren befand sich hier eine BACKDIE-Filiale, ein Lebensmittelgeschäft vergleichbar mit heutigen Supermarkt-Ketten. Ab 1937 befand sich im 1. Obergeschoss des Hauses das Büro der Kohlenhandlung Alfred Bauer (Nachfolger Henkel). Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Modehaus. Bekannte Firmen wie Kaspar (heute auf dem Markt) Reuther (später in der Spitalgasse) und Matzer & Worsch (heute auf der Mauer) hatten hier ihren Sitz bzw. eine Filiale. Zu dieser Zeit entstanden auch die großen Schaufenster, die eigentlich für ein neugotisches Gebäude völlig ungewöhnlich sind.
In den 1970er Jahren befand sich das Brautstudio Reiter in den Geschäftsräumen des Hauses. Die Wiederaufnahme der alten Konditorei-Tradition erfolgte erst wieder im Jahre 1983. Ein Nachfahre der Kohlenhändler-Familie Henkel, die das Grundstück seinerzeit besaßen, erlernte in der bekannten Konditorei Schubart sein Handwerk und machte sich schließlich 1983 selbstständig. Dabei wurde das Haus komplett umgebaut und im 1. Obergeschoss ein Etagencafe eingerichtet, während im Parterre wieder eine Konditorei eingerichtet wurde. Das Cafe erfreute sich einer großen Beliebtheit in der Coburger Bevölkerung. So entwickelte sich das Kaffeehaus zu einer beliebten Einkehrstätte für Bürger und Besucher, in der Kaffee, Kuchen oder sogar kleine Gerichte zum Verweilen einluden Im Frühjahr 1999 übernahm die Familie Schubart das Lokal und betreibt es bis in unsere Gegenwart hinein. Die letzte Fassadensanierung liegt inzwischen zehn Jahre zurück. Das Cafe Prinz Albert erfreut sich heute noch über guten Zuspruch bei den Coburgern. Es bleibt zu hoffen, dass die Umgestaltungsmaßnahmen in der Ketschengasse und am Albertsplatz dem keinen Abbruch leisten.

Text:
Christian Boseckert

Bildquellen:
Bild 1: Das Haus Ketschengasse 27 in der Gegenwart (Foto: Christian Boseckert, 2009)

Baubude und Baustellenblog

Baubude - Foto: S.Peter

Eigentlich wollte ich mir ja die Baubude von innen ansehen. Leider waren mir die Öffnungszeiten entfallen und so stand ich vor verschlossenen Türen. Ein Blick durchs Fenster brachte auch nicht die Erleuchtung.

Aber es kann trozdem nachträglich Abhilfe geschaffen werden, und zwar in Form des >>>Baustellenblogs, welches vom Stadtmarketing eingerichtet wurde. Einen Bericht mit Fotos über die Baubude gibt es >>> hier <<< und sogar bewegte Bilder von iTV-Coburg sind >>> hier <<< zu finden. Viel Spaß beim Durchsehen. Viel besser hätte ich es auch nicht machen können. ;)

Das Baustellenblog soll zudem als Informations- und Diskussionplattform für alles rund um das Bauvorhaben Ketschenvorstadt dienen. Na dann mal ran an die Tasten…

Häuser der Ketschenvorstadt Teil 2

Das Haus Ketschengasse 32 (Foto Christian Boseckert, 2007)

Ein weiteres interessantes Gebäude in der Ketschengasse, ist das Haus Nr. 32. Noch heute strahlt seine barocke Fassade weit in die Straße hinein und ragt damit aus dem Häusermeer heraus. Seine erste Erwähnung hatte das Gebäude im Jahre 1497, als ein Erhard Barthelmeß als Eigentümer des Grundstücks genannt wird. Er empfing hier ein Lehen der Herren von Einberg, deren Stammsitz unweit der St. Marienkirche in Rödental (Stadtteil Einberg) lag. Wann jedoch das jetzige Haus errichtet wurde, lässt sich nicht sagen. Die moderne Bauforschung datiert die Entstehungszeit des Gebäudes auf das 17. Jahrhundert. Damals gehörte das Anwesen zwei Hutmacherfamilien. Beide können hier als Bauherren in Betracht kommen. Über die Handwerksbetriebe, die einst wohl hier ihren Sitz hatten, lässt sich nicht viel sagen 1784 erwarb der Nagelschmied Johann Matthes Weber das Grundstück und richtete wahrscheinlich dort auch eine Schmiede ein. Diese Schmiede muss bis 1853 bestanden haben. In diesem Jahr kam das Anwesen in den Besitz der Enkeltochter Webers, Elise Margaretha Eichhorn, über. Sie war mit einem Hofmusiker verheiratet und hatte zwei Söhne, die als Wunderkinder galten. Der Ältere der beiden Brüder, Ernst Eichhorn, trat bereits im Alter von sechs Jahren als Violinist vor Publikum auf. Seinen ersten Musikunterricht erhielt er seinerzeit von seinem Vater. Im Alter von acht Jahren unternahm er mit seinem Bruder Eduard Eichhorn Konzertreisen nach Leipzig, Berlin, Magdeburg, München, Wien, Stuttgart und St. Petersburg. Überall zollte das Publikum Respekt und Anerkennung für die Leistungen der beiden Brüder. Kein Wunder, dass Ernst Eichhorn schon frühzeitig eine Anstellung bei der Coburger Hofkapelle erhielt. Im Jahre 1838 war Eichhorn Mitbegründer des Musikvereins. Doch bereits im Alter von 22 Jahren starb der begabte Musiker. Eduard Eichhorn überlebte seinen Bruder um 53 Jahre und erhielt wie einst sein Bruder eine Stelle als Kammermusikus am Coburger Landestheater. 1858 erbte er auch das elterliche Haus in der Ketschengasse. Dieses blieb bis in die 1950er Jahre hinein, im Besitz der Familie Eichhorn. Das Ladengeschäft, welches sich im Erdgeschoss des Gebäudes befindet, hatte die Familie stets verpachtet. Ein Lebensmittelgeschäft, ein Obst- und Gemüsegeschäft, der “kleine Schaller” und zuletzt ein Sanitätsgeschäft waren in dem Hause ansässig.

Das Haus Ketschengasse 30 (Foto Christian Boseckert, 2007)

Eher in der Architektur zurückhaltend ist das Nachbarhaus Ketschengasse 30, welches erstmals 1529 erwähnt wurde. Das frühere Ratslehen beherbergte für mehrere Jahrzehnte die Gaststätte Fleischmann. Diese Lokalität wurde 1888 durch den Restaurateur Johann Knorr gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer beliebten Einkehrstätte am Rande des Säumarkts. Das Gebäude gehörte seit 1842 dem Kaufmann Heinrich Damnitz, der es in seiner heutigen Form im Jahre 1850 umbauen ließ. Es folgte 1857 die Familie Niezel als Hauseigentümer nach. In ihrer Zeit wurde die Ketschengasse Nr. 30 zu einem Wirtshaus. Es kann jedoch vermutet werden, dass dies nicht die erste Schankstätte in diesem Gebäude war. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts findet sich unter den Hausbesitzern des hiesigen Grundstücks ein Weinschenk namens Johann Adam Solcher, der durchaus in dem Gebäude eine Weinstube hätte betreiben können.
Die Bezeichnung „Fleischmann“ indes stammt aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als der Gastronom Christian Fleischmann Haus und Gastwirtschaft käuflich erwarb. Die Fleischmann´schen Erben führten nach dem Zweiten Weltkrieg die Gaststätte bis Mitte der 1980er Jahre weiter. Danach erfolgte die Verpachtung und Umbenennung des Lokals in „Grill Schorsch“.

Text: Christian Boseckert